Holy Island mit Leuchtturm

2015 – Mit dem Wohnmobil durch England und Wales

1.Tag – 18. Juli 2015

Mit dem Wohnmobil bis Frankreich

Endlich war es wieder soweit. Wir saßen wieder im Wohnmobil und waren auf dem Weg nach Großbritannien, wo wir die nächsten fünf Wochen verbringen wollten. Und wieder war es ein Freitag, an dem wir aufbrachen. Genauso wie zwei Jahre zuvor, als wir 2013 mit dem Wohnmobil nach England und später noch nach Irland und Schottland fuhren. Doch einen bedeutenden Unterschied gab es zwischen der damaligen und der jetzigen Reise: Dieses Mal waren wir nicht privat unterwegs. Es war kein Urlaub, sondern eine Recherchereise für die nächsten beiden Reiseführer, die von mir geschrieben würden. Das Ergebnis der Arbeit würden ein Wohnmobilreiseführer für Schottland und ein weiterer Reiseführer für England und Wales sein. Die Hauptarbeiten waren schon erledigt und im Wesentlichen ging es darum, Bilder zu machen. Für Bilder gibt es natürlich besondere Ansprüche. So sollen diese gerne blauen Himmel zeigen und da es sich um Wohnmobilreiseführer handeln würde, wären natürlich entsprechende Bilder mit einem Wohnmobil auch nicht verkehrt.

Den ersten Tag verbrachten wir zunächst einmal mit der Anreise aus dem Ruhrgebiet bis Frankreich. Diese stellte sich als völlig unkompliziert dar. Da wir aus beruflichen Gründen erst am Nachmittag abreisen konnten, stand für uns fest, dass wir noch auf dem europäischen Festland übernachten würden. Wir hatten uns gegen den Wohnmobilstellplatz in Calais entschieden und steuerten lieber den Wohnmobilstellplatz in Gravelines an, der genau zwischen Dunkerque und Calais liegt.

Wohnmobilstellplatz Gravelines

Wohnmobilstellplatz Gravelines

Schon auf den letzten Metern dorthin bemerkten wir, dass in dem Ort scheinbar nicht viel los war. Es herrschte eine angenehme Ruhe, in der wir nach dem Einparken auf dem Stellplatz noch einen abendlichen Spaziergang bis zur Küste genießen wollten. Entlang eines Kanalufers war es noch ein ganzes Weilchen zu laufen, aber wir hatten ja Zeit. Und selbst als wir an der Küste ankamen, hörten wir nicht auf zu laufen, sondern folgten noch dem Damm, der noch gut eineinhalb Kilometer in das Wattenmeer hineinreichte. Es war ein herrlicher Abend, an dem wir einen wunderschönen Sonnenuntergang genießen konnten, der die Häuser von Gravelines in ein strahlendes Rot eintauchte. Dummerweise aber auch die Gebäude, die wir erst bemerkten, als wir den Rückweg antraten. Wenn man auf dem Damm steht und in Richtung Festland zurückblickt, fallen sie nämlich umso deutlicher auf – die Gebäudeteile des dortigen Atomkraftwerks. Wirkte der Ort vielleicht deswegen so ausgestorben?

Sonnenuntergang in Gravelines

Sonnenuntergang in Gravelines

Wir konnten und wollten die Tatsache jetzt sowieso nicht ändern und spazierten in der Dunkelheit zurück zum Wohnmobil. Gerne hätten wir den Stellplatz übrigens auch am Parkscheinautomaten bezahlt. Doch er nahm kein Cash, sondern nur französische Karten. Um ehrlich zu sein habe ich dann wenig Mitleid, wenn der Gemeinde so Einnahmen durch ausländische Touristen entgehen. Und auch das schlechte Gewissen hält sich in Grenzen. Möglicherweise hilft es ja auch, mit demjenigen zu reden, der ein Knöllchen vergibt – wenn denn überhaupt jemand kommen würde.

 

2. Tag – Samstag, 18.7.2015

Auf der Fähre von Calais nach Dover

Früh standen wir auf, da wir eine der ersten Morgenfähren nahmen. Die paar Kilometer bis zum Terminal sind ja schnell gemacht. Bei der Ankunft wurde uns verkündet, dass die Fähre eine halbe Stunde Verspätung hätte. Da wir sehr viel vorhatten, hatten wir einen ins kleinste Detail ausgeklügelten Zeitplan, um auch alles zu erledigen, was getan werden musste. Zum Glück hatte ich sehr großzügig gerechnet, aber blöd war der Gedanke schon, dass man gleich mit Verspätung loslegt. Doch so dolle war sie gar nicht. Irgendwie ging dann doch alles sehr schnell und flugs saßen wir auf dem Schiff, das uns nach Dover bringen würde.

Normalerweise empfehle ich ja immer, dass man im Linksverkehr zunächst einige Kilometer auf der Autobahn macht, um sich ein wenig an das Fahren auf der falschen Spur zu gewöhnen. Besonders für Personen, die noch nie im Linksverkehr unterwegs waren, könnte das hilfreich sein. Aber ich war ja nun nicht zum ersten Mal auf der britischen Insel, dennoch fühlte ich mich plötzlich ins kalte Wasser geschmissen, weil wir gleich nach der Ankunft der Fähre anfingen zu arbeiten. Und dazu gehörte auch der Besuch der weißen Klippen von Dover inkl. Fotostopp am nahegelegenen Schloss. Damit fuhr ich plötzlich mitten in einer mittelgroßen englischen Stadt und musste mich auf den Verkehr und die Arbeit konzentrieren. Nur wenige Minuten zuvor war ich natürlich in Urlaubsstimmung. Kein Wunder, wenn man mit vielen anderen Touristen auf einer Fähre unterwegs ist. Aber diese Urlaubsstimmung war mit einem Male verflogen.

Wir fuhren auf den Parkplatz der weißen Klippen, wo wir dank Mitgliedschaft im National Trust kostenlos parken durften. Da es noch früh war – immerhin haben wir ja auch gerade noch die Uhr um eine Stunde zurückgestellt – war das Besucherzentrum zwar noch geschlossen, doch uns reichte ein schöner Spaziergang oberhalb der Klippen mit Blick auf den Ärmelkanal und den Hafen von Calais. Das alles bei strahlend blauem Himmel stimmte uns natürlich froh. Den Wunsch, dass wir so ein Wetter in den nächsten fünf Wochen haben würden, wagten wir nicht auszusprechen.

Weiße Klippen von Dover

Weiße Klippen von Dover

Anschließend fuhren wir an der Küste entlang nach Hastings. Hastings kannten wir schon von einem unserer früheren Aufenthalte, aber nun brauchten wir eben Bildmaterial, was sich nicht ganz einfach verwirklichen ließ. Denn die Probleme begannen schon mit dem Finden eines Parkplatzes. Obwohl ich die komplette Fahrt virtuell schon hinter mir hatte und für fast jeden Ort die exakten Koordinaten für einen möglichen Parkplatz hatte, ist das „dorthin kommen“ trotzdem nicht immer ganz so einfach.

Nach Hastings folgte weiter westlich das Pevensey Castle, wo ich ebenfalls einen Parkplatz bereits kannte. Blöd nur, wenn die dortigen großen Plätze für Coaches und Busse mit Motorrädern belegt sind. Ausgerechnet Motorräder. Warum konnten sich die Biker denn nicht auf die noch freien Pkw-Plätze stellen, zu denen wir wegen einer Höhenbeschränkung nicht hin konnten? Es war irgendwie ärgerlich, aber ich wollte mich nicht ärgern. Mein Vorsatz für diese Reise war, dass wir ganz entspannt über die britischen Straßen fahren und uns keinen Stress unterwegs machen. Dafür sind die englischen Straßen viel zu schmal.

Also fuhren wir erst einmal am Schloss vorbei und parkten einige hundert Meter später in einer Wohnsiedlung. Nach einem kurzen Fußweg waren wir wieder am Schloss angekommen, wo wir dank Mitgliedschaft im English Heritage freien Eintritt hatten. Weil wir irgendwo bei Hastings schon einkaufen waren und dort auch Geld abhoben, hatten wir zwar britisches Pfund in der Geldbörse, doch noch keine Münzen. Diese Tatsache sahen wir jetzt nicht als Problem, sondern wollten eine Kleinigkeit für 50 Pence kaufen. Doch der Gentleman an der Kasse konnte uns nicht auf den 20 Pfundschein heraus geben und entschied sich lieber dafür, uns den Gegenstand zu schenken. Na, das war ja mal ein Einstieg. Klar freut man sich, wenn man irgendwo ein paar Cents sparen kann, aber vielmehr freuten wir uns über diese Freundlichkeit, die uns schon auf den ersten wenigen Kilometern auch im Straßenverkehr auffiel. Lag es an dem schönen Wetter an diesem Tag oder ist uns das auf den früheren Großbritannienreisen nicht aufgefallen, dass die Briten sehr freundliche Menschen sind? Oder hatten wir das schlicht vergessen?

Wie auch immer, wir machten einen kurzen Rundgang durch die Schlossruine, der uns zwar nicht enttäuschte, doch bei dem wir nachher sagten, dass der Eintritt hierfür etwas zu hoch gewesen wäre, wenn wir ihn hätten bezahlen müssen.
Unsere nächste Sehenswürdigkeit an dem Tag sollte nicht von Menschenhand geschaffen worden sein, sondern natürlichen Ursprung haben. Ein wenig ermüdend war die Fahrt durch die Straßen von Eastbourne, aber gelohnt hatte es sich allemal, denn westlich der Stadt fallen steile Kreidefelsen ab und bilden im South Downs-Nationalpark den Beachy Head bzw. das Birling Gap. Ein kleiner Leuchtturm steht irgendwo einsam und ganz unten am Fuße der Klippen im Ärmelkanal und gibt mit den Felsen ein richtig schönes Bild ab.

Wie fast alle Besucher, die dort unterwegs waren, spazierten wir am Beachy Head ein wenig herum, machten Bilder und genossen die Aussicht auf das Meer. Und schon wurde ich zum ersten Mal auf dieser Reise wehmütig, denn ich fand es ein wenig schade, dass wir den Ort wieder so schnell wieder verlassen mussten. Gerne wäre ich länger geblieben, aber es muss ja weiter gehen. Ich tröstete mich mit dem Gedanken, dass ja noch viele weitere, schöne Orte auf uns warten würden. Vielleicht lag meine Wehmut aber auch an der Tatsache, dass als nächstes Brighton kommen würde.

Leuchtturm am Birling Gap

Leuchtturm am Birling Gap

Und ein Fan von Brighton bin ich ganz sicher nicht. Schon bei unserer ersten Reise mit dem Wohnmobil nach Südengland, hatte ich Brighton nicht wirklich als schön empfunden. Doch ich gab der Stadt auf unserer letzten Reise zwei Jahre zuvor eine zweite Chance. Diese Chance hatte Brighton vergeigt. Ich fand die Stadt immer noch nicht schön und wenn ich privat hier wäre, dann hätte ich einen großen Bogen um diese überfüllte Stadt gemacht, die mich eher an ein Openair-Casino erinnert. Kein Wunder also, dass wir nicht lange geblieben sind und so schnell wie nur möglich die Flucht nach Westen ergriffen.

Da es auch schon langsam spät wurde, schauten wir in unser schlaues Buch vom Caravan Club, wo auf dem weiteren Weg ein netter, kleiner Stellplatz sein könnte. Zunächst fanden wir einen größeren Campingplatz, der uns aber überhaupt nicht zusagte und bei dem auch irgendwie keine Ansprechperson vorhanden war. Dabei handelt es sich bloß um eine große Wiese, etwa so groß wie ein Fußballfeld, wo alle Gäste am Rand standen. Na ja und sich in die Mitte stellen, also quasi auf dem Präsentierteller, wollten wir uns auch nicht. Wir fanden einen kleinen privaten Platz, auf dem maximal fünf Wohnmobil stehen dürften – laut Caravan Club. Aber der Eigentümer des Platzes sah das wohl alles etwas lockerer. Hier standen mehr als fünf Wohnmobile.

Und es standen dort eben nicht nur Wohnmobile bzw. Wohnwagen, sondern auch Zelte. Wir sprachen eine deutsche Urlauberfamilie an, wo denn hier der Besitzer sei, doch die konnten auch nichts Genaues sagen und waren darüber verwundert, dass es hier keine Toilette geben würde. Mir schien, sie wüssten gar nicht, auf was für einer Art Übernachtungsplatz sie seien, denn diese privaten Plätze müssen nicht zwangsläufig eine Toilette anbieten. Ein Besitzer war nicht ausfindig zu machen, aber weil es schon spät war, quetschten wir uns an den Rand einer Wiese und beendeten den ersten Tag in Großbritannien mit einer Partie beim Brettspiel.

 

Lust auf weitere Reiseinfos oder nette Gespräche?
Ich freue mich über jede Anmeldung in www.molls-reiseforum.de

Ansonsten geht der Reisebericht hier weiter:

17 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: 2015 – Mit dem Wohnmobil durch Schottland | Die Weltenbummler

  2. Hallo, ihr Weltenbummler,
    einen gelungener Bericht ,frei heraus und ohne Schnörkel wie ich es mag, untermalt von feinen Fotos. Ich habe ihn gern gelesen und werden mich hier mal weiter umsehen.
    VG Maria

    • Danke schön, das freut mich sehr. War auch gerade schon auf Gegenbesuch bei euch und bin beeindruckt. Viele Grüße, Michael

  3. Pingback: Weltenbummler | Naturfotografie und mehr

  4. Hallo,
    ich habe euren Schottlandbericht als pdf erhalten – Danke dafür. Nun wollen wir im nächsten Jahr mal wieder nach Südengland, und da kommt euer Bericht wie gerufen.
    Darf ich euch bitten, auch diesen Bericht als pdf zu bekommen?
    Viele Grüße
    Lutz

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  11. Liebe Weltenbummler,

    In Vorfreude auf unseren England WoMo Trip, würden wir uns auch über eine PDF Version der England/Wales Rundreise freuen!

    Herzlichen Dank und bitte weiterhin so gute Berichte!

    Herzlich: Familie Rindermann

  12. Moinsen,
    toller Reisebericht. Könnten wir bitte den RB als pdf file zugeschickt bekommen.
    vielen dank im voraus

    Thorsten

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