Holy Island mit Leuchtturm

2015 – Mit dem Wohnmobil durch England und Wales

Und noch eine Schwebefähre

Erst in Middlesbrough stiegen wir wieder aus, da wir Durham schon kannten. In Middlesbrough wollten wir aber eigentlich auch nur wegen einer einzigen Sache anhalten und das war die dortige Schwebefähre. Nachdem wir ja bereits in Wales mit der Schwebefähre gefahren sind, wollten wir uns das Vergnügen an dieser Stelle nicht entgehen lassen. Kurios war die Anfahrt, die unser Navi vorschlug. Denn wir kamen dabei durch etwas abstoßende Gewerbe- und Industriegebiete, in die sich vermutlich kein Tourist verirren würde.

Verstärkt wurde die Hässlichkeit dieser Landschaft noch durch die extrem dunklen und tief hängenden Wolken, aus denen das Wasser nur so plätscherte. Auf der Schwebefähre hatten deutlich mehr Fahrzeuge Platz als in Newport in Wales, aber diese Schwebefähre hat für den Durchgangsverkehr auch noch eine wesentlich größere Bedeutung. Das war schon alleine daran zu spüren, dass die Fähre komplett voll war und es überhaupt nicht touristisch wirkte. Wir fuhren auf die Fähre auf, wurden über den Fluss gebracht und stiegen am anderen Ufer wenigstens kurz aus, um einen schnellen Blick in das kleine Besucherzentrum zu erhaschen. Aber wenigstens sind wir damit gefahren und das war unser Ziel. Hat wieder einmal Spaß gemacht.

Südlich von Middlesbrough erreichten wir den North York Moors Nationalpark, den wir gerne auch bei schönem oder wenigstens trockenem Wetter kennengelernt hätten. Aber das war uns leider einfach nicht vergönnt. Daher kratzten wir ihn sozusagen nur an und fuhren durch den Nationalpark wieder bis zur Küste, wo der kleine Ort Robin Hoods Bay auf uns wartete.

Schlechtes Wetter in Robin Hoods Bay

Da wir nach 18 Uhr ankamen, durften wir kostenlos parken. Na, das war doch schon mal etwas. Mittlerweile regnete es zwar nicht mehr, aber die Lichtverhältnisse waren einfach nicht besser geworden. Wir spazierten in den kleinen Ort hinein, den man nur zu Fuß erkunden kann. Zwischen schmalen Gässchen spazierten wir umher, gingen zum Ufer hinab und erkundeten den an sich hübschen Ort. Ein wenig erinnerte er uns an Manarola im italienischen Cinque Terre. Nur gab es den Unterschied, dass das Wetter in Italien trotz Jahreswechsel deutlich besser war als jetzt hier im Sommer. Nach dem Rundgang durch das Dorf fuhren wir ein Stück zurück, wo wir einen Campingplatz sahen. Wir dachten darüber nach, dort zu übernachten, um am nächsten Morgen noch einmal nach Robin Hoods Bay hinab zu gehen, falls das Wetter bis dahin besser sein würde.

Robin Hoods Bay

Robin Hoods Bay

Doch als wir am Campingplatz ankamen und nach den Preisen fragten, hatte ich es satt, auf teuren Campingplätzen zu übernachten. 20 Pfund wollte man für eine Stellfläche ohne Strom und direkt neben der Einfahrt also auch direkt neben der Landstraße haben. Eine andere Fläche wäre nicht frei. Na gut, das mag so sein. Aber dann möchte ich doch nicht den vollen Preis für einen noch nicht mal halb so gut gelegenen, stromlosen Platz bezahlen. Obwohl es uns eigentlich schon zu spät war, fuhren wir weiter und fanden glücklicherweise einen schönen Platz am Rande des North York Moors Nationalparks bei einem Privatmann, der sein Grundstück Mitglieder des Caravan Clubs bereithält.

Moorlandschaft im Nationalpark

Moorlandschaft im Nationalpark

Wieder stand eine große Wiese zur Verfügung, auf denen nur fünf Fahrzeuge stehen durften. Und wir hatten Glück, da wir das fünfte Fahrzeug waren. Ein bisschen kurios war jedoch die Suche nach den Besitzern. Die saßen nämlich im angrenzenden Bungalow und schauten über Kopfhörer Fernsehen. Ich konnte sie durch ein Fenster sehen, aber nur von hinten Da konnte ich natürlich klingeln und klopfen wie ich wollte. Sie hörten mich nicht. Erst als ich mich wie ein Einbrecher um das Haus schlich und ein anderes Fenster fand, vor dem ich mich mit Winken bemerkbar machen konnte, öffneten sie mir leicht erschrocken die Tür. Bis dahin hatte ich natürlich auch die Sorge, dass gleich irgendein Wachhund um die Ecke geschossen käme, doch die Eigentümer erzählten mir, dass sie bloß drei Katzen hätten.

 

30. Tag – Samstag, 15.8.2015

Auf der Stadtmauer von York

Am nächsten Morgen fuhren wir über eine gut ausgebaute Straße den direkten Weg nach York. York ist eine Stadt, auf die mich vor der Reise ein wenig gefreut hatte. Denn geplant war, dass wir abends in York ankämen, auf den dort sehr zentral gelegenen Campingplatz absteigen und die letzten Stunden des Tages durch die kleinen Sträßchen der Altstadt schlendern würden.

Nun waren wir aber am Morgen vor Ort und natürlich würden wir jetzt nicht den ganzen Tag in York verbringen. Am Vorabend hätte es zeitlich aber auch nicht mehr gepasst. Aber so ist das eben, dass man auf Reisen auch mal umplanen muss bzw. nicht alles so klappt, wie man es gerne hätte.

Kathedrale von York

Kathedrale von York

Die Altstadt inklusive der Kathedrale, der Stadtmauer und so einigen Sehenswürdigkeiten schauten wir uns dennoch in aller Ruhe an und hatten auch Gefallen dran. Kein Wunder, schien doch die Sonne bei strahlend blauem Himmel über uns, was auch für das Gemüt einfach mal gut tat. Gegen Mittag gingen wir aber dann wieder zum Einkaufszentrum zurück, wo wir das Wohnmobil parkten. Etwas ungewöhnlich fand ich das Parkdeck, das zwar zum Supermarkt zu gehören schien, aber trotzdem einen Parkschein erforderte. Diesen musste man sich wie auf einem öffentlichen Parkplatz am Ticketautomaten ziehen, es war also kein Parkplatz mit Schranke.

Von York aus ging es mehr in westliche Richtung über zahlreiche kleinere Straßen bis nach Saltaire. Dabei handelt es sich um ein Wohnviertel nördlich von Bradford, das in die Welterbeliste der Unesco aufgenommen wurde. Das Wohnviertel wurde von einem Industriellen gebaut, der dort seine Angestellten und Arbeiter wohnen ließ bzw. ihnen damit Wohnraum in der Nähe der Arbeit verschaffte.

Abgesehen davon, dass wir dort für Bildmaterial hin mussten, fand ich das aber auch privat ganz interessant und war schon auf die rechtwinklig angelegten Straßen, die auf dem Reißbrett entstanden, gespannt. Sah auch alles sehr interessant aus, aber wohnen würde ich dort nicht wollen. Dafür war es mir dann doch ein wenig zu eng und altbacken. Wir schlenderten durch die Wohnanlage, warfen einen Blick in die Kirche und schauten uns natürlich auch die ehemaligen Fabrikgebäude sowie die Bauwerke an, die dem Gemeinwohl der Einwohner dienten.

Anschließend war viel Kilometerfressen angesagt. Auch das tat einfach mal gut. Nach den vielen kurzen Wegen mit ständigem Anhalten, Aussteigen, Anschauen, Einsteigen und Weiterfahren sowie den zahlreichen engen Straßen im Süden Englands sowie auf den schottischen Inseln und in den Highlands, war so eine längere Autobahnfahrt einfach mal angenehm. Ich erinnerte mich zurück und mir fiel auf, dass die längste Fahrt dieser Art gut vier Wochen her war, als wir in Cornwall unterwegs waren. Aber auch die schönste Fahrt hat mal ein Ende und so kamen wir südlich von Sheffield in das Derwent Valley, wo das nächste Weltkulturerbe, ebenfalls in Form einer einstigen Industrieanlage, auf uns wartete.

Wohnviertel Saltaire

Wohnviertel Saltaire

Wir steuerten auf direktem Weg Matlock an und weil es schon später Nachmittag war, hielten wir auch Ausschau nach einem schönen Übernachtungsplatz. Aber Matlock befindet sich in einem engen Tal, was logisch ist, sonst würde es nicht Derwent Valley heißen, und so bestanden die einzigen Übernachtungsmöglichkeiten aus überfüllten Campingplätzen.

Davon gab es aber eine ganze Menge, weil das Tal ein beliebtes Ausflugsziel ist. Das merkten wir auch bei einem Spaziergang entlang des Flusses durch den Ort. Zahlreiche gastronomischen Einrichtungen und unzählige Motorräder reihten sich aneinander. Wir gingen durch den ganzen Ort bis zu einem kleinen, sehr ruhigen Park und wieder zurück. Am Parkplatz angekommen waren wir uns unsicher, ob wir dort nicht übernachten könnten.

Denn es war grundsätzlich erlaubt, dort über Nacht zu parken, was in England nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit ist. Doch wir sahen, dass zwei Wohnmobile den Parkplatz verließen und das zu relativ später Stunde. Das konnte nichts Gutes bedeuten. Daher schauten wir uns noch einmal etwas gründlicher um und fanden dann auch das Verbotsschild für Wohnmobile. Irgendwie hatten wir es ja schon geahnt. Also gaben wir unser Parkticket an einen anderen Pkw-Fahrer weiter, der gerade am Ticketautomat stand. Wir selbst hatten das Parkticket nämlich auch von einem Engländer erhalten.

Wir fuhren noch zum Bahnhof von Matlock, wo ein Sainsburys uns zu weiteren Lebensmitteln verhalf und stöberten dann in unserem schlauen Buch vom Caravan Club. Auf einen großen, teuren Campingplatz hatten wir nämlich keine Lust und freies Stehen war hier undenkbar. Wir fanden auch eine Farm, die sich sehr nett anhörte. Sie befand sich nicht weit von Matlock entfernt und war in wenigen Minuten zu erreichen. Dort angekommen, waren wir mal wieder das letzte Fahrzeug, das gerade noch auf das Grundstück fahren durfte. Dort konnten wir nicht nur einen wunderschönen Ausblick mit Sonnenuntergang über den Peak District Nationalpark genießen, sondern kamen auch mit den anderen Campern in Kontakt.

Wohnmobil an einer Farm

Wohnmobil an einer Farm

Besonders ein Urlauber war auf eine sehr freundliche Art und Weise gesprächig und erzählte von seinen Reisen nach Europa. Ich finde das ja immer niedlich, wenn Briten auf das Festland fahren und dieses als Europa bezeichnen. Nun ja, auf jeden Fall fährt der Mann mit seiner Frau immer sehr gerne nach Frankreich, Spanien und Deutschland.

Unterwegs war er mit einem alten Hymer, was mich wiederum zu der Frage veranlasste, wie man diesen deutschen Firmennamen auf Englisch ausspricht. Nach diesem Smalltalk ließen wir den Tag zu Ende gehen, spielten noch eine Runde mit unseren Brettspielen und verschwanden im Bett.

 

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Ich freue mich über jede Anmeldung in www.molls-reiseforum.de

Ansonsten geht der Reisebericht hier weiter:

25 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: 2015 – Mit dem Wohnmobil durch Schottland | Die Weltenbummler

  2. Hallo, ihr Weltenbummler,
    einen gelungener Bericht ,frei heraus und ohne Schnörkel wie ich es mag, untermalt von feinen Fotos. Ich habe ihn gern gelesen und werden mich hier mal weiter umsehen.
    VG Maria

    • Danke schön, das freut mich sehr. War auch gerade schon auf Gegenbesuch bei euch und bin beeindruckt. Viele Grüße, Michael

  3. Pingback: Weltenbummler | Naturfotografie und mehr

  4. Hallo,
    ich habe euren Schottlandbericht als pdf erhalten – Danke dafür. Nun wollen wir im nächsten Jahr mal wieder nach Südengland, und da kommt euer Bericht wie gerufen.
    Darf ich euch bitten, auch diesen Bericht als pdf zu bekommen?
    Viele Grüße
    Lutz

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  11. Liebe Weltenbummler,

    In Vorfreude auf unseren England WoMo Trip, würden wir uns auch über eine PDF Version der England/Wales Rundreise freuen!

    Herzlichen Dank und bitte weiterhin so gute Berichte!

    Herzlich: Familie Rindermann

  12. Moinsen,
    toller Reisebericht. Könnten wir bitte den RB als pdf file zugeschickt bekommen.
    vielen dank im voraus

    Thorsten

  13. Pingback: 2015 – Mit dem Wohnmobil nach Harlesiel | Die Weltenbummler

  14. Hallo Weltenbummler,
    toller Bericht und eine schöne Einstimmung auf unseren Urlaub im Mai in Südengland. Da kann ich ja anfangen mit planen.
    Wie ich gelesen habe, schickt Ihr den Bericht als PDF zu. Darf ich den auch haben?
    LG und vielen Dank
    Elke Lindner

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  16. Pingback: 2013 – Mit dem Wohnmobil nach England | Die Weltenbummler

  17. Hallo, Danke für den ausführlichen Bericht. Könnte ich bitte auch ein PDF erhalten? 🙂
    LG Sabrina

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  19. Hallo!
    Ihr kommt aus Essen??
    Wir wohnen in Marl!
    In den Herbstferien wollen wir nach England, u.a. will das Kind unbedingt mal nach London. Wie stellt man das am besten an? Sicher nicht mit dem (alten) WoMo. 😎
    Gibt es diesen Reisebericht als pdf, damit ich ihn offline auf dem Tablet mitnehmen kann?
    Vielen Dank!
    Liebe Grüße,
    Dirk Murawski

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