2007 – (2) Mit dem Frachtschiff nach Südamerika

Teil 2 – Mit dem Frachtschiff über den Atlantik

Ankunft in der Karibik

11. Tag Na toll. Ich wurde zur gleichen Zeit wach wie immer. Also schlurfte ich die drei Meter zur Couch und puzzelte. Nach einer Stunde war es mir zu blöd und ich ging zur Küche. Tatsächlich – keiner da. Ich schnappte mir drei Kekse und brachte Moni einen heißen Tee, die immer noch im Bett lag.

Maschinenraum eines Frachtschiffs

Etwas später wagten wir uns an Deck und stellten fest, dass wir uns verfahren haben. Das raue und grau-trübe Meer sieht genauso aus wie die Nordsee zwischen Ostfriesland und Wangerooge. Wo ist das karibische Blau, wo ist die Sonne? Aber wir haben uns nicht verfahren, es stimmt alles. Zur Bestätigung werden wir in den Maschinenraum geführt, wo wir helmgedeckelt anschauen können, was uns eigentlich über den Atlantik antreibt. Den Rest des Tages verbrachten wir mit Videogucken. Blöd nur, das Godzilla zu Beginn des Films ein Frachtschiff zerstört. Am Abend sahen wir dann endlich einen klaren Himmel, der über und über mit Sternen versehen war. Wahrscheinlich sieht man selten einen so schönen Sternenhimmel wie auf dem Ozean. 12. Tag Um halb 3 klingelte der Wecker. Wir wollten auf keinen Fall verpassen, wie unsere Atlantiküberquerung endet und das Einlaufen in der Karibik sehen. Wir gingen aufs Deck und sahen in geringer Entfernung die Lichter der Insel St. Maarten. Allerdings kreuzte das Schiff noch vor der Küste, bis es irgendwann mal den Hafen ansteuerte. Moni legte sich wieder hin und ich beendete derweil das Puzzle. Um halb 6 war es dann soweit. Der Lotse war an Bord, die Sonne dämmerte und die Matrosen verzurrten die Marfret Normandie am Hafenkai. Wir sind da! Nach 3558 Seemeilen erreichen wir die Insel, zweigeteilt ist. Der Norden gehört zu Frankreich und ist somit Teil der EU, der Süden gehört zu den Niederländischen Antillen, ist aber kein Teil der EU. Witzigerweise befindet sich damit mitten in der Karibik die einzige Grenze zwischen Holland und Frankreich und die wollen wir natürlich sehen. Also schnell in den Frühstücksraum noch was futtern und ab aufs Land. Zu erreichen war das aber nicht so komfortabel wie in Le Havre über eine Gangway, sondern über eine Sprossenleiter, die an der Reling festgezurrt war. Super, wie in alten Piratenfilmen. Der kleine Frachthafen und somit auch das Schiff befanden sich in der Nähe von Philipsburg, der Hauptstadt des südlichen Abschnitts. Wesentlicher Anlaufpunkt dort ist die Einkaufsstraßen die mit Musikuntermalung an einen Freizeitpark erinnert. Die dortigen Geschäfte waren aber weniger für uns gedacht, ein Juwelier neben dem anderen und wenn es kein Juwelier war, dann konnte man dort steuerfrei Alkohol und Zigaretten kaufen. Eine Flasche Wodka für $5 (€ 3,80) und eine Stange Zigaretten für $10 (€ 7,50), doch Internetverbindungen waren recht teuer (15 min. für 4$, also 3 Euro). Doch wofür das Ganze? Für die Tausenden von US-Touristen, die mit ihren Kreuzfahrtschiffen tagtäglich hergebracht werden. Da aber die Touristensaison beendet war und die Hurrikansaison begonnen hatte, hatten wir Glück und es gab kein Schiff in der Bucht außer unserem. Weniger Glück hatten mit dem Wetter. War ja klar dass es regnen würde, wenn wir an Land gehen. Aber bei einer Temperatur von 30 Grad Celsius war es zu überleben.

Die Menschen auf der Insel, allesamt farbig, waren durch die Reihe freundlich und hilfsbereit. Fragte man nach dem Weg, ließen die Leute alles stehen und liegen um zu helfen. Kein Wunder dass auf den Kfz-Nummernschildern der Werbeslogan steht: St. Maarten – The friendly Island. Allerdings nur auf den Schildern des Südens. Die Autos aus dem Norden hatten – bis auf geringe Abweichungen – französische Nummernschilder, inklusive dem blauen EU-Symbol. Wir verließen die Stadt zu Fuß und begaben uns nach Norden, wo wir an der Grenze ein Pingufoto machen wollten. Unterwegs erzählten uns Einheimische, dass wir doch den Bus nehmen sollten, koste nur 1$ pro Person. Okay, aber wie sehen hier die Busse aus? Wir hatten noch keine gesehen. Es waren kleine Privatfahrzeuge a la Ford Transit oder VW Bus, nur auf “Toyotanisch”. Man muss noch nicht mal zu einer Haltestelle oder dem Busfahrer winken. Es reicht, wenn man an der Straße steht und blöd durch die Gegend guckt, schon hält einer an und fragt, ob wir mitkommen wollen. Und so waren wir ruckzuck an der Grenze, bei der bloß ein Schild auf das andere Territorium hinweist und machten ein Foto. Unterwegs empfahl uns der Fahrer noch die Hauptstadt Frankreichs. Also nicht Paris, sondern vielmehr vom französischen Inselabschnitt – Marigot. Doch nach so vielen Tagen Einsamkeit auf hoher See direkt zwei Stadtbesichtigungen an einem Tag? Nein, danke. Wir nahmen den Bus in die andere Richtung, saßen bei lauter Musik (ausnahmsweise keine karibische) zwischen 13 Farbigen und düsten zwischen den Hügeln der Insel zurück nach Philipsburg. Dort hüpfte ich noch einmal schnell in das smaragdgrüne warme Wasser, bevor wir wieder zurück zum Schiff gingen. Beim Abendessen passierte es dann: Micha hatte mal wieder einen seiner großartigen Einfälle. Ich dachte darüber nach, dass wir in Trinidad aussteigen werden, eine Woche dort bleiben müssen (wegen der Fähre nach Venezuela) und dann wochenlang durch Venezuela, Brasilien, Guayana und Suriname reisen, um nach Französisch-Guayana zu kommen. Das Ganze jedoch nur, um denselben Weg zurück zu nehmen (ca. 1000 km), weil Französisch-Guayana eine Sackgasse ist. Und wie ich so darüber nachdachte, dass wir in vielen Wochen und nach zahlreichen finanziellen Ausgaben (7x Hotel Trinidad, Fähre nach Venezuela, Übernachtungen, Visagebühren Guayana und Suriname) genau an der Stelle sein werden, wo das Schiff in dem wir gerade zu Abend essen, in drei Tagen sein wird, fragte ich mich, warum wir eigentlich nicht auf dem Schiff bleiben werden ? Wir würden ja nichts verpassen. Port-of-Spain bzw. Trinidad sehen wir bei unserem Landgang, durch Guyana und Suriname müssen wir so oder so, bräuchten aber nur ein Visum anstatt zwei und auf der Strecke in Venezuela, die wir bereisen würden, interessiert uns eigentlich nur die Gran Sabana. Eine fantastische Landschaft, die aber so gelegen ist, dass wir nur einen Umweg von 100 km machen müssen. Tja, aber wir sitzen jetzt auf dem Schiff, das gerade in St. Maarten beladen wird und heute in der Nacht abfährt. Dann heißt es: 36 Stunden Fahrt in der Karibik bevor wir in Trinidad sind und aussteigen müssen. Kann man also spontan mal eben die Pläne andern, die nicht nur uns, sondern das gesamte Schiff betreffen? Man kann! Ich erzählte Moni von meiner Idee und wir gingen nochmal alles gründlich durch. Die Hauptfrage war die Immigration, doch da Französisch-Guayana zur EU gehört, gibt es dort kein Problem. Aber werden wir dort ein Visum für Suriname beantragen können? Um diese Frage zu klären, verließen wir fluchtartig über die Sprossenleiter das Schiff und wollten zu einem Internetcafé. Es war kurz vor 19 Uhr und um spätesten 21 Uhr muss jeder wieder an Bord sein, so die Order vom Kapitän. Also hetzten wir durch die feucht-schwüle Abendhitze der Karibik, doch es hatte alles schon geschlossen. Ob Juwelier, Souvenir oder Internetcafé – alles zu. Nur die extrem gekühlten Casinos erfreuten sich der Besucher, die dort ihr Geld lassen. Aber einen Internetterminal gab es dort nicht. So konnten wir die Frage also nicht beantworten, doch wir waren entschlossen unsere Reiseroute genauso zu ändern. Dafür mussten wir mit dem Kapitän sprechen. Aber wann? Momentan ist er schwer beschäftigt und im Hafen ist es für Passagiere verboten, die Brücke zu betreten. So können wir also nur bis morgen warten, wenn wir wieder auf See sind. Aber wird es dann nicht zu spät sein?

Das Wetter spielt nicht mit

13. Tag Draußen ist es bewölkt, diesig und das graue Wasser schlägt hohe Wellen. Der einzige Grund, warum es karibisch sein könnte: Man kann sich hier ganz gut Piraten vorstellen. Rechts und Links ziehen mehrere Inseln vorbei. Wir vermuten, es ist der Staat St. Kitts und Nevis, wollen das später auf der Brücke kontrollieren. Doch zuvor klären wir was anderes. Nach dem Frühstück gehen wir also hoch zur Brücke, klopfen an und schildern dem Kapitän unser Vorhaben. Er stutzt und ist irritiert, aber sofort wird er professionell und sagt, dass es von seiner Seite aus kein Problem sei, die Reederei dürfte auch nichts dagegen haben, bliebe nur die Einreisebestimmung zu klären. Aber auch hier die gleiche Reaktion wie bei uns beiden gestern Abend: Französisch-Guayana = Frankreich = EU = Personalausweis. Nicht mehr. Er verspricht, alles zu klären und so klingelt bei uns in der Kabine drei Stunden später das Telefon. Der Kapitän ruft an und erklärt, dass alles in Ordnung geht und wir bitte mit Kreditkarte hoch auf die Brücke kommen sollen. Er hat schon per Mail das Okay der Reederei und gibt ihnen meine Kreditkartennummer, damit diese in Hamburg eine Mail an das Reisebüro in der Schweiz schicken. Während wir also in der Karibik aufs Meer schauen, bringen wir –übertrieben gesagt- die internationale Seefahrt durcheinander und schaffen es, im 6000 km entfernten Hamburg und einem kleinen Ort am Vierwaldstättersee Leute zum Arbeiten zu bringen. So, das war die Langversion, warum wir die Pläne änderten. Die kurze und ehrlichere Version lautet: Am Mittwoch hätten wir das Schiff verlassen müssen. Am Donnerstag hätte es aber zum Frühstück Apfelpfannkuchen gegeben. Den wollen wir doch nicht verpassen 😉 Am Nachmittag versuchte ich mich im geduldigen Fliegenfisch-Fotografieren, was mir sogar ein bisschen gelang. Selbst ein ganz, ganz kurzes Video ist mir geglückt. Die Biester sind halt verdammt schnell. Auf der Brücke freute sich der 2. Offizier ein Philippino, mich zu sehen. Die Inseln, die wir morgens sahen waren tatsächlich St. Kitts und Nevis. Auf der anderen Seite lag die pyramidenförmige Insel Saba. Momentan düsen wir an den karibischen Inseln vorbei, die sich im Halbkreis links von uns befinden. Leider sind sie aber bis zu 60 Meilen entfernt. Morgen könnten wir jedoch Grenada erkennen.

Eine Begebenheit ganz anderer Art habe ich mittlerweile fast täglich. Da Moni in den ersten Tagen seekrank war und sich kaum aus der Kabine traute, musste ich jedem Seemann an Bord immer erklären, was los ist. Nun hat das die Leute so geprägt, dass ich jedes Mal gefragt werde, ob Moni schläft, wenn ich irgendwo alleine aufkreuze. Gehe ich auf die Brücke, fragt der 2. Offizier: Monika is sleeping? Klopft der Steward zum Müllbeutelwechsel und sieht Moni nicht sofort: She is sleeping? Bin ich mal alleine am Bug und treffe einen Matrosen: Where is your girlfriend? Sleeping? Und selbst der Kapitän rief heute Morgen wo an? Im Schlafzimmer! Zufall, Eingebung oder technisch nicht anders möglich? Beim Dinner bat der Kapitän den morgigen Landgang aus Sicherheitsgründen in Trinidad spätestens zum Sonnenuntergang zu beenden. Weil es in Port-of-Spain nicht ungefährlich ist, möchte er alle seine Leute bei Dunkelheit auf dem Schiff haben. 14. Tag Lange stehen wir morgens am Bug und können Schiff und Sonnenuntergangbeobachten wie sich der südamerikanische Kontinent in Form von Venezuela und der Insel Trinidads nähert. Grenada haben wir aus irgendwelchen Gründen verpasst. Wir umrunden noch ein paar kleine Inselchen und sehen vor uns dann die Hochhäuser der Hauptstadt Port-of-Spain. Auf dem Weg begegnet uns ausgerechnet die kleine Personenfähre von Pier 1, die jeden Mittwoch nach Venezuela fährt. Genau dieses Schiff hätten wir benutzt, wären wir in Trinidad von Bord gegangen. Aber jetzt ersparen wir uns ja die eine Woche Wartezeit. Der Schiffsverkehr hat zugenommen, zahlreiche Container- und Arbeitsschiffe sind zu sehen. Aber auch Schiffswracks, ein halbes Dutzend verrostete Schiffe schauen halb aus dem Wasser des Hafenbeckens, manche auf der Seite liegend. Doch das ist der einzige Müll. Auf dem Wasser schwimmt alles, was an Abfallprodukten schwimmen kann und zudem steigt ein ekeliger Gestank in die Nase. Der Hafen riecht nicht nach Hafen, sondern nach Fäkalien und uns dämmert so langsam, dass unsere Entscheidung weiter zu fahren eine gute war.

Wir ändern unseren Plan

Da der Kapitän sämtliche Pässe der Leute an Bord in Besitz hat und für alle die Zollformalitäten klärt, bitten wir ihn, uns anschließend zu geben. Denn wir haben drei wichtige Dinge in Trinidad zu tun: 1. Wir müssen zur Botschaft von Suriname, unserem nächsten Reiseland hinter Französisch-Guayana. 2. Wir müssen zum Flughafen, um unsere Flugtickets rückerstatten zu lassen. Wir kauften diese, weil wir zur Einreise nach Trinidad ein Weiterreiseticket vorlegen müssen. Blöd nur, dass der Flug schon stattgefunden hat, zufälligerweise heute Morgen um 8 Uhr. Als wir die Tickets vor einem halben Jahr buchten, konnten wir nicht ahnen, dass auf Grund der Verzögerung unser Schiff genau am selben Tag einläuft, wenn das Flugzeug uns angeblich nach Bermudas fliegt. 3. Wir müssen vermeiden, bestimmte Viertel in Port-of-Spain zu betreten. Nicht nur das Auswärtige Amt warnt vor diesen Slums. Nun, Punkt 3 ist uns nicht geglückt. Wir verließen den Hafen und gingen mit unserem schlechten Ausdruck eines halben Stadtplans genau in die falsche Richtung. Eine junge Frau, farbig wie alle Einwohner, konnte mit dem Plan überhaupt nichts anfangen und freute sich, wenn sie auf unserem Zettel Straßennamen las, die sie kannte. Wie man dort hinkommt, wusste sie allerdings nicht. Irgendwann standen wir mitten in engen Straßen und zwischen zahlreichen Schwarzen und fielen auf wie ein Schneemann in der Wüste. Zahlreiche Geschäfte, aus denen laute Musik dröhnte, Bordsteinkanten, die bis zum Knie reichten, fliegende Händler, die exotische Früchte auf der Ladefläche ihres Pick-Ups verlaufen und Geschäfte, die komplett vergittert sind. Die Kunden stehen vor dem Gitter und sagen, was sie kaufen möchten. Es war total interessant zuzuschauen, aber wahrscheinlich auch nicht ganz ungefährlich. Die Kamera trugen wir in einer Plastiktüte, aber ehrlich gesagt, haben wir uns nicht getraut, sie heraus zu holen und zu präsentieren. Nachdem wir uns irgendwann heillos verlaufen hatten und ich mittlerweile von den tropischen Temperaturen klätschnass geschwitzt war, konnte uns ein elegant gekleideter Mann den Weg zur Botschaft perfekt erklären. Er nahm sich 10 Minuten Zeit, geleitete uns noch ein Stück und erklärte so präzise, dass wir den Stadtplan nur noch als Bestätigung mitführten. Wenig später befanden wir uns in einem wesentlich ruhigeren Viertel, wo es direkt angenehm war, zu spazieren. Wir fanden die Botschaft, stürmten in die 5. Etage und waren um 10 vor 3 dort. Glück gehabt, um 3 macht sie zu. Ein Visum haben wir zwar nicht mehr bekommen, dafür aber die Konsulatsadresse in Französisch-Guayana. Bliebe also nur noch Punkt 2, die Sache mit dem Flughafen, zu erledigen. Doch weil es nun schon spät war, verzichteten wir auf die Fahrt zum Flughafen und gingen ins Internetcafé, in der Hoffnung, dass die Fluggesellschaft auf meine Storno-Mail von vor 2 Wochen reagiert hat. Das tat sie und wir kriegen das Geld problemlos zurück. Dafür müssen wir allerdings in Suriname dort vorsprechen. Schön, wir sind gerade mal ein paar Stunden in Trinidad und haben schon Behördenkram in den nächsten beiden Staaten vor uns. Dem Besitzer des Internetcafés sagten wir vorher, dass wir nur einen 20-US-Dollar-Schein haben. Dies sei kein Problem für ihn. Nach der Online-Sitzung wollte er aber 10 Dollar von uns haben. Wir erschraken ein wenig, da wir doch nur kurz Mails gelesen haben. Doch er meinte natürlich 10 Trinidad-Dollar, was ungefähr 1,50 US-Dollar entspricht. Doch den Rest des 20ers erhielten wir auch in Trinidad-Dollar, mit denen wir aber sonst ja nichts anfangen können. Also suchten wir uns die nächste Einkaufsmöglichkeit und tauschten unser Geld in Lebensmittel um. Ausgerechnet in einem völlig normalen Supermarkt, wie wir ihn hier nicht vermutet hätten. Als wir durch die Gänge schlurften, überkam uns das Gefühl, in einem Rewe-Supermarkt in Deutschland zu sein und nicht 7.000 km davon entfernt. Im Internetcafé, wo ich von einem einheimischen und merkwürdigen Insekt angegriffen wurde, hatte ich auch Gelegenheit, die lokale Tageszeitung zu lesen. In einem Taxi wurde eine Frau getötet. Versehentlich, denn der Angriff einer Gang war gegen den Taxifahrer gerichtet. Das war die Titelseite, vier Seiten später in einer kleinen Randnotiz war die Rede von einer anderen Schießerei in der Nacht darauf als zwei rivalisierende Gangs zwei Mitglieder verloren. Damit sind in diesem Jahr bereits 194 Menschen in Port-of-Spain durch nächtliche Schießereien ums Leben gekommen. Wenn man jetzt noch bedenkt, dass nur 40.000 Menschen in der Stadt wohnen…. Weiter hinten gab es Leserbriefe, wo sich eine Leserin bei der Fluggesellschaft bedankt, bei der wir auch buchten. Die Leserin vergaß bei einem Flug ihre Handtasche, doch die Gesellschaft hat sie aufbewahrt und so war die Person glücklich und erstaunt, dass dies ”in einem Land noch möglich ist, mit dem es steil bergab geht”. Auf dem Rückweg zum Schiff, beladen mit Einkaufstüten, sahen wir noch drei Papageien in einem Baum sitzen. Direkt neben einer sechsspurigen Straße. Ach ja, und übrigens: Abgesehen von diesem ersten merkwürdigen Stadtviertel fanden wir den Straßenverkehr mordsgefährlich, aber das wohl weil wir Linksverkehr nicht gewohnt sind. Auf dem Schiff angekommen, teilte uns der Schweizer mit, dass er gar nicht an Land war. Aber schon in St. Maarten hielt er sich nur 40 Minuten außerhalb des Schiffes auf. Merkwürdig. Kurz nach 22 Uhr legte das Schiff wieder ab und wir waren froh, dass wir mit dabei sein können. Auf geht es nach Französisch-Guayana. 15. Tag Zum Frühstück gab es, wie versprochen, Apfelpfannkuchen. Und wieder erhielten wir jeweils zwei davon. Guter Service, 😉 Da Moni etwas Kopfschmerzen hatte, legte sie sich anschließend wieder hin. Natürlich klopfte ausgerechnet da der Steward und wollte frische Bettwäsche bringen. Keine Ahnung, was er dachte, als ich sagte, dass Moni schläft. Donnerstags machen wir auf dem Schiff irgendwie immer etwas mit unserem Gepäck. Am ersten Donnerstag räumten wir es in die Kabine. Am zweiten Donnerstag sortierten wir Gepäck aus. Mit dem Gewicht, was wir bereits in Holland aussortierten, haben wir nun rund 10 kg weniger Gewicht als beim Start unserer Reise in Essen. Heute sind wir wieder mit unserer Ausrüstung beschäftigt und zwar haben wir das Innenzelt und das Moskitonetz mit Antimückenspray imprägniert. Hoffentlich hilft es. Den Abend ließen wir ruhig ausklingen und schauten eine Komödie auf Video – bis 20.15 Uhr als das Telefon klingelte: “You know where is the party-deck?” – Du weißt, wo das Partydeck ist? Der rumänische Offizier lud uns ein, seinen Geburtstag zu feiern und natürlich wissen wir, wo das Partydeck ist. Also hin zur Party. Um Mitternacht, die Uhr wurde heute eine Stunde vorgestellt, da wir ja Richtung Osten fahren, lichtete sich die Partygesellschaft und nur der Schweizer, zwei Rumänen, der Kapitän und ich bewachten bis viertel vor 3 das Partydeck.

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12 Kommentare zu „2007 – (2) Mit dem Frachtschiff nach Südamerika“

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