Rote Erde soweit das Auge reicht

60 Stunden mit dem Bus durch Brasilien

Belém – Hauptstadt des brasilianischen Bundesstaates Pará und eine der wichtigen Städte im Amazonasgebiet. Die elftgrößte Stadt Brasiliens befindet sich mit ihren 1,3 Millionen Einwohner nur rund 160 Kilometer südlich des Äquators und 250 Kilometer von der Amazonasmündung entfernt. Für uns war sie der Ankunftsort, als wir mit dem Frachtschiff nach Südamerika fuhren.

Belem

Belem

Schon bei der Anreise mit dem Schiff hatten wir bemerkt, dass die Tropen uns mit jedem Prozent höherer Luftfeuchtigkeit weniger zusagten. So beschlossen wir noch auf dem Schiff, dass wir den tropischen Raum so schnell wie möglich verlassen würden. Da wir aber nicht fliegen und keine Züge nach Süden fahren, blieb uns nur der Überlandbus.

Busbahnhof in Belem

Busbahnhof in Belem

Kaum verließen wir den Hafen, setzten wir uns auf unsere voll bepackten Fahrräder in einer uns unbekannte Millionenstadt in dem uns unbekannten Land auf einem uns unbekannten Kontinent und fuhren durch den Verkehr bis zum Busbahnhof von Belém. Das funktionierte erstaunlich einfach, da uns unterwegs zahlreiche Brasilianer halfen und uns immer mit dem nach oben gestreckten Daumen begrüßten.

Fahrräder im Kofferraum des Busses

Fahrräder im Kofferraum des Busses

Am Busbahnhof angekommen, erwarben wir Bustickets nach Brasilia, der Hauptstadt von Brasilien, die schon deutlich weiter südlich liegt. Rund 1.600 Kilometer Luftlinie machen schon einiges aus. Außerdem hatten wir August, also Winter auf der Südhalbkugel. Das sollte vom Klima her also besser passen.

Fluchtpläne liegen im Bus aus

Fluchtpläne liegen im Bus aus

So war es also ein Freitagnachmittag, den wir auf einem kleinen Busbahnhof verbrachten, bis unser Bus gegen 20 Uhr eintreffen und abfahren sollte. Wir waren im Amazonasgebiet und sahen Busse kommen und gehen, die dementsprechend wirkten. Sie waren von oben bis unten mit rotbrauner, angetrockneter Erde verkrustet. Ihr Ziel war Manaus, tiefster Regenwald. Da wollten wir zum Glück nicht hin.

Brasilianischer Busbahnhof

Brasilianischer Busbahnhof

Unser Bus kam recht pünktlich und war im Gegensatz dazu ziemlich sauber. Wir konnten unsere Räder mit dem gesamten Gepäck im Kofferraum verstauen und nahmen Platz. Transbrasiliana hieß die Gesellschaft, die uns in die Hauptstadt bringen würde und die für die nächsten 36 Stunden unser Zuhause sein würde.

Nachts in Brasilien

Nachts in Brasilien

Zunächst fiel mal auf, dass die Sitze im Bus deutlich bequemer waren als bei uns in Europa. Man hatte viel mehr Beinfreiheit und konnte dementsprechend auch die Rückenlehne weiter nach hinten stellen. Etwas unangenehm war der Geruch, der von hinten aus der Bordtoilette zu unseren Plätzen zog, aber es ging noch.

Regenwald aus dem Bus gesehen

Regenwald aus dem Bus gesehen

Ungewöhnlich waren die Vorhänge hinter der Kabine des Busfahrers. So konnte man leider nicht nach vorne auf die Straße blicken. Aber was soll’s, die ersten zwölf Stunden der Fahrt führten uns eh durch die Nacht. Da war auch der Blick zur Seite hinaus nicht besonders abwechslungsreich. Hin und wieder konnten wir in der Ferne Brände am Horizont sehen und wir fragten uns, ob das die Brandrodungen des Regenwaldes waren.

Kleinerer Busbahnhof

Kleinerer Busbahnhof

Auch den gesamten Samstag wurden wir mit dem Bus durch das Land chauffiert. Immer wieder hielten wir an kleinen Ortschaften an, wo manche Passagiere zu- und andere ausstiegen. An einem dieser Busbahnhöfe stiegen auf einmal alle Passagiere aus und wir hatten keine Ahnung, warum. Ich schloss mich ihnen an und schaute mal nach, was es so draußen gibt, während Moni als einzige Person im Bus blieb. Als einzige Person mit dem Busfahrer. Und der hatte nichts besseres zu tun, als die Tür zu schließend und weiter zu fahren.

Armut am Straßenrand

Armut am Straßenrand

Moni und ich schauten uns erschrocken durch die Seitenscheibe des Busses an und schon war der Wagen bereits um die nächste Ecke verschwunden. Es stellte sich heraus, dass der Fahrer bloß zum Tanken fuhr und sich ebenfalls ziemlich erschrak, als Moni plötzlich von hinten an seine Scheibe klopfte. Also alles gut. Während Moni die Zeit mit dem Busfahrer an der Tankstelle verbrachte, war ich mit den anderen Passagieren in einer Art Restaurant. Was uns irgendwie zu spät auffiel, war, dass im Reisepreis das Mittagessen inklusive war.

Restaurant in Brasilien

Restaurant in Brasilien

Vielleicht war es aber auch besser so, dass wir uns mit unseren eigenen Keksen ernährten, denn die Bustoilette wollte ich im Notfall nicht unbedingt näher kennen lernen.

Rote Erde soweit das Auge reicht

Rote Erde soweit das Auge reicht

Nach einer langen Fahrt am Tag verschwand die Sonne erneut zu unserer Rechten und wir fuhren durch die nächste Nacht. An viel Schlaf war natürlich nicht zu denken, aber hin und wieder sind wir für einige Zeit weggenickt. Am Sonntagmorgen gegen 8 Uhr in der Früh erreichten wir einen Busbahnhof, an dem uns der Fahrer darauf hinwies, dass wir nun aussteigen müssten. Doch wir weigerten uns.

Straßenhändler in Brasilien

Straßenhändler in Brasilien

Für uns sah dieser Busbahnhof nicht so aus, als wären wir in einer Hauptstadt. Um uns herum gab es nur rotbraune Erde, die an eine Steppe erinnerte. Kein Haus war weit und breit zu sehen, nur eine breite Straße, die zu einer Kuppe führte. Nein, wir wollten hier nicht aussteigen. Wir zeigten dem Busfahrer unsere Tickets. Wir haben bis Brasilia bezahlt und wir wollten nach Brasilia fahren.

Hier sollte die Hauptstadt Brasilia sein

Hier sollte die Hauptstadt Brasilia sein

Ja, gaben uns der Fahrer und sein Steward zu verstehen, das IST Brasilia. Wir seien am Ziel. Erst als uns einige der Passagiere die Aussagen bestätigten, machten wir Anstalten, den Bus zu verlassen. Man gab uns zu verstehen, dass wir auf der Straße über die Bergkuppe müssten, dann würden wir danach schon die Stadt sehen. Nun gut, so war es denn auch. Wer kann denn auch ahnen, dass die Hauptstadt des fünftgrößten Staates der Welt einen Busbahnhof außerhalb der Stadt hat.

Nationalkongress von Brasilien

Nationalkongress von Brasilien

Nachdem wir in Brasilia ein günstiges Hotel fanden, uns bei Burger King sättigten und uns am Sonntag die fast ausgestorbene Stadt anschauten, mussten wir am Montag schon sehr früh wieder raus. Unsere Nacht hatte um 4 Uhr ihr Ende gefunden. Denn dann mussten wir wieder unsere Fahrräder packen und über die Kuppe zum Busbahnhof zurück radeln. Das war schon ein wenig unheimlich. Mitten in der Nacht durch die gespenstischen Viertel Brasilias zu radeln und klischeehafter konnte das Bild gar nicht mehr werden, als wir eine Gruppe Obdachloser um eine brennende Mülltonne herum stehen sahen und uns daraufhin ein paar Hunde bellend hinterher rannten. Ein Augenblick, in dem man sich wünscht, dass jetzt das Fahrrad keine Reifenpanne bekommt.

Michael Moll in Brasilia

Michael Moll in Brasilia

Na ja, wir schafften es gesund und munter zum Busbahnhof und stiegen dort in den nächsten Bus ein, der uns nach Foz do Iguaçu bringen sollte. Noch am Busbahnhof trafen wir einen netten Herrn, mit dem es sich gut plaudern ließ. Er kannte Foz do Iguaçu. Es sei seine Heimatstadt. Und er warnte uns vor ihr. Sie sei gefährlich. Na prima, nach den Matrosen auf unserem Frachtschiff schon die zweite Warnung zu Städten in Brasilien. Dieses Mal von einem Einheimischen, der sich auskennen dürfte.

Überall rote Erde

Überall rote Erde

Weitere 24 Stunden verbrachten wir im Überlandbus. Den gesamten Tag und die gesamte Nacht fuhren wir durch weite, rotbraune Landschaft und große, laute Städte, bis wir am Dienstagmorgen endlich unser Ziel erreichten. Wir waren aus den Tropen raus und befanden uns nicht nur am Dreiländereck von Brasilien, Paraguay und Argentinien, sondern auch am Nationalpark der Iguazu-Wasserfälle. Die Cataratas do Iguaçu gehören zum Weltnaturerbe der Unesco und waren schließlich die Belohnung für unsere 60-stündige Busreise durch Brasilien.

Hotel Paradies

Hotel Paradies

Dabei legten wir eine Strecke von rund 3.600 Kilometern zurück. Das entspricht in etwa der Entfernung von Lissabon bis Brest an der polnisch-weißrussischen Grenze, nur eben nicht über so schön ausgebaute Autobahnen. Es war ein tolles Erlebnis.

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