Schwebefähre kurz vor der Ankunft

Schwebefähre in Newport

Ich bin manchmal schon ein seltsamer Typ, das muss ich ja zugeben. Stammleser dieser Seite wissen, dass ich Flugangst habe und grundsätzlich kein Flugzeug besteige. Außerdem fahre ich nur in extremen Ausnahmefällen mit einem Fahrstuhl, sondern bevorzuge lieber ansonsten immer das Treppenhaus. Von Seilbahnen will ich gar nicht erst reden, die benutze ich grundsätzlich nicht, sondern besteige die entsprechenden Berge lieber zu Fuß. Dahingegen machen mir andere Fortbewegungsmittel richtig Spaß, sei es nun eine Fahrt mit der Transsibirischen Eisenbahn, eine Atlantiküberquerung mit einem Frachtschiff, eine Fährüberfahrt bei rauher See oder die Fahrt mit einem Luftkissenboot.

Sitzgelegenheiten für die Überfahrt

Sitzgelegenheiten für die Überfahrt

Pauschal könnte man also sagen, dass ich Verkehrsmittel meide, in denen ich mich in der Luft befinde, sei es nun fliegend oder seilgebunden. Aber eben nur „könnte“. Denn in Wales gibt es ein Transportmittel, bei dem man sich ebenfalls schwebend fortbewegt: Die Newport Transporter Bridge. Und genau diese hat mir einen Heidenspaß bereitet.

Sechs Stellflächen für Autos

Sechs Stellflächen für Autos

Heidenspaß mag vielleicht übertrieben sein, denn die Fahrt mit einer Schwebefähre geht völlig entspannt zu. Weltweit gibt es nur noch sieben Schwebefähren, die noch im Dienst stehen. Zwei davon befinden sich in Deutschland und zwei weitere in Großbritannien. Eine der beiden britischen Schwebefähren steht im walisischen Newport, wo man den Fluss Usk überquert.

Schwebefähre kurz vor der Ankunft

Schwebefähre kurz vor der Ankunft

Bei einer Schwebefähre überquert man ein Gewässer auf einer Plattform, die durch Seile an einem Brückenträger hängt. Die Plattform wird dann mittels Seilbetrieb von einem Ufer zum anderen gezogen. Es handelt sich also um eine ähnliche Funktionsweise wie bei einem Fahrstuhl, nur eben in der Horizontalen.

Die Schwebefähre in Newport hatte ich bereits bei meiner ersten Reise mit dem Wohnmobil durch Wales 2013 aufgesucht, doch leider war ich damals am falschen Tag vor Ort, als sie nämlich nicht in Betrieb war. Bei einer späteren Reise habe ich dann einen der Tage erwischt, an dem die Transporter Bridge zwischen den Ufern pendelt.

Personen auf dem Brückenträger

Personen auf dem Brückenträger

Freundlich wurden wir von den Mitarbeitern in Empfang genommen und direkt mal gefragt, ob wir denn auch oben über den Brückenträger gehen wollen. Auf der anderen Flussseite könnte man dann wieder hinab und mit der eigentlichen Fähre wieder zurück. Wir staunten ein wenig, da wir damit nicht rechneten, aber verzichteten angesichts der Höhe. Wir waren uns ziemlich sicher, dass das nichts für uns sei, auch wenn die Aussicht von dort oben sicherlich toll sein dürfte.

Blick nach oben zum Brückenträger

Blick nach oben zum Brückenträger

Wir entschieden uns also, mit der Plattform ganz gemütlich hinüber zu fahren, was gerade einmal fünf Minuten dauert. Am anderen Flussufer hat man noch die Gelegenheit, den Maschinenraum zu betreten, wo ein netter Maschinist erklärt, dass die Technik noch original aus dem Jahr 1906 ist – abgesehen von dem Seil natürlich, dass sich im Laufe der Zeit immer weiter dehnt und demnach gekürzt und irgendwann ausgetauscht werden müsse.

Michael Moll

Michael Moll

Mit der Schwebefähre über den Fluss

Außerdem erklärte er uns lachend, dass er jeden Tag die Transporter Bridge zu Fuß überquert. Denn irgendwie muss er ja zum Maschinenraum kommen und ohne ihn fährt die Schwebefähre eben nicht. Wenn er sie bedient, haben aber immerhin sechs Fahrzeuge auf der Schwebebrücke Platz, wobei es selten vorkommt, dass alle sechs Stellflächen belegt sind.

Schilderbaum zu den anderen Schwebefähren

Schilderbaum zu den anderen Schwebefähren

Denn die Fähre ist mittlerweile keine wichtige Verkehrsverbindung mehr, sonst könnte man sich ja auch keine Ruhetage erlauben. Anders sieht es zum Beispiel bei der Schwebefähre im englischen Middlesbrough aus, die wir später noch besuchten. Am Ufer, wo sich der kleine Parkplatz befindet, gibt es auch noch eine Art Besucherzentrum, das aus nicht mehr als einem Andenkenladen besteht. Die Einnahmen des Shops erhält der Verein Friends of Newtramsporter Bridge (FONTB), die sich für den Erhalt der Schwebefähre einsetzen und diese auch betreiben.

Mir hat die gemütliche Fahrt mit der Transporter Bridge von Newport sehr gut gefallen und mich animiert, endlich auch mal die beiden Schwebefähren in Schleswig-Holstein zu besichtigen und zu benutzen.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

    • Ja, auf jeden Fall. So viele Schwebefähren gibt es ja auf der Welt nicht mehr. Aber witzigerweise habe ich nur ein paar Tage später auch die Schwebefähre in Middlesbrough (England) genutzt. Mal schauen, wann die nächste an der Reihe ist.

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