Kennedy Space Center

2016 – Mit dem Auto durch Florida nach New York – Teil 3

Donnerstag, 6. Oktober 2016


Am Morgen steuerten wir in Flagstaff noch ein paar Einkaufsmöglichkeiten an und waren ganz erstaunt, dass wir mit Sprouts eine Art Bauernmarkt fanden, in dem man tatsächlich ganz klassisches Obst und Gemüse kaufen konnte. Es war eine Wohltat, mal in einem Supermarkt zu sein, in dem es nicht nur Mikrowellenpopcorn in zigfacher Ausfertigung zu kaufen gab. Unser darauf folgende Internetrecherche ergab, dass es sich bei Sprouts mal wieder um eine Kette handelte, die jedoch nicht so oft anzufinden war und schon gar nicht auf der Strecke, die wir noch vor uns hatten.

Hall of Fame der Astronauten

Hall of Fame der Astronauten

Anschließend stoppten wir unseren Wagen noch an der Tourismusinformation, wo große Hinweistafeln auf die legendäre Route 66 aufmerksam machten. Da wollten wir es uns nicht nehmen lassen und ein Pingu-Foto machen. Immerhin hatten wir ja bei Barstow hinter Las Vegas schon einen Teil der Route 66 kennengelernt.

Landemodul der NASA

Landemodul der NASA

Mit dem Verlassen von Flagstaff verließen wir so langsam auch die Landschaft, die sich auf ganz besondere Weise und mit rotbrauner Färbung zeigte. Das war natürlich schade, aber wir freuten uns auch schon darauf, wieder andere Landschaftsformen zu sehen. Denn so schön diese Landschaft im Südwesten der USA auch ist, so sehr ähnelt sich dann doch immer wieder.

Museum am Krater

Museum am Krater

Meteoritenkrater in Arizona

Wir lasen von einem Meteoritenkrater östlich von Flagstaff, den ich mir gerne anschauen wollte. Südlich der Interstate 40 krachte in diese einsame Landschaft vor langer Zeit ein Meteorit hinein, der seine Spuren deutlich hinterließ. Einen so gut erhaltenen Meteoritenkrater sieht man selten. Nachdem wir auf dem Besucherparkplatz einparkten und zur Kasse gingen, verzichtete Moni aber dann. So sehr hat sie es nicht interessiert, als dass es 17 Dollar Eintritt pro Person kosten müsste.

Meteoritenkrater

Meteoritenkrater

Also ging ich alleine durch das kleine Museum und den Shop, um wenig später den Kraterrand zu erreichen. Schon im Museumsshop hörte ich deutsche Stimmen, die vom Dialekt her eindeutig dem Rheinland zuzuordnen waren. Ein kölsches Ehepaar lief mir über den Weg, bei dem die Gattin kaum oder sehr leise sprach, während der Mann sich als klassisches Alpha-Tier zu erkennen gab und den ganzen Laden mit seinem kölschen Dialekt unterhielt.

Willkommen in New Mexico

Willkommen in New Mexico

Ich gab mich nicht als Deutscher zu erkennen, das taten allerdings andere. Kurios, hier mitten in der Wüste an einer nicht sonderlich populären Sehenswürdigkeit traf sich halb Deutschland. Die anderen Deutschen wurden am Kraterrand von dem Kölner Jung lautstark über deren Reisepläne informiert. Ob sie das wollten, ist nicht überliefert. Und obwohl ich ziemlich weit weg stand, konnte ich deutlich vernehmen, dass er mit seiner Frau auf dem Motorrad unterwegs sei und sie die Route 66 abfahren würden. Und nein, die Reise würde ja nicht in einer Stadt namens Los Angeles enden, sondern in Ell-Ey. Er versuchte es, so amerikanisch wie nur möglich auszusprechen und naja, war einfach nur laut.

Zug mit zwei Containern

Zug mit zwei Containern

Trotz der akustischen Untermalung versuchte ich mich, auf den Krater zu konzentrieren, machte ein paar Aufnahmen und sah mich um. Weit kam ich allerdings nicht, denn nur ein Teil des Kraterrandes ist für Besucher zugänglich. Direkt bis zum Mittelpunkte konnte man nicht gelangen. Insofern war es nicht schlimm, dass Moni die 17 Dollar einsparte. Alles andere konnte ich ihr zeigen und erzählen. Auf dem Rückweg zum Auto musste man ein paar Stufen hinab gehen oder konnte alternativ einen Fahrstuhl benutzen.

Purple Heart Trail

Purple Heart Trail

Während ich natürlich ohne groß darüber nachzudenken, die Treppen wählte, ging ein sehr junges Pärchen geradewegs zum Aufzug. Beide hatten einen großen Becher Softgetränk in der Hand, der jeweils mindestens einen Liter fassen dürfte und beide sahen auch dementsprechend aus. Nicht zum ersten Mal fiel mir auf, wie dick viele Amerikaner sind. Es war einfach nur erschreckend anzusehen, wie sich manche Menschen gehen ließen und ganz offensichtlich völlig ungesund lebten. Natürlich essen auch wir mal Burger und trinken Cola und dergleichen. Aber es gibt so Sachen, die sind für mich unverständlich und dieses junge Paar gehörte für mich einfach dazu.

Straße nach Albuquerque

Straße nach Albuquerque

Denn es stellte sich heraus, dass diese beiden mit einem Wohnmobil unterwegs waren. Das heißt, im Normalfall haben sie Lebensmittel und Getränke bei sich. Und im Normalfall braucht man für die Besichtigung des Meteoritenkraters nicht mehr als eine Stunde. Lassen wir es mal zwei Stunden sein. Aber ist es dann in der kurzen Zeit so notwendig, in der kleinen Subway-Filiale, die es neben dem Museumsshop gab, essen zu gehen? Das mag sich vielleicht vermessen anhören, aber wenn man das in den Staaten so regelmäßig sieht, dann fragt man sich immer öfter, warum die Menschen freiwillig so leben.

Unfall auf dem Highway

Unfall auf dem Highway

Wir haben so viel schlechtes Essen gesehen, so wenig Bewegungsmöglichkeiten und ergo so viele übergewichtige Menschen, dass die Amerikaner in diesen Dingen nur ein ganz, ganz schlechtes Vorbild sein können. Und der Begriff übergewichtig ist damit noch harmlos gewählt. Nein, wir wären froh, wenn diese Lebensweise auf dem amerikanischen Kontinent bleibt. Wenn die Leute es schon nicht mehr schaffen, ein paar Stufen treppab zu gehen und lieber ihre Zeit damit verbringen, auf den Fahrstuhl zu warten, dann ist das natürlich ihr Leben. Aber ich kann es einfach nicht nachvollziehen.

Schild von Monty Python

Schild von Monty Python

Auf der Route 40 geschah sonst nicht allzu viel. Wir erreichten die Grenze zu New Mexico, wo wir am Willkommensschild nochmal ein Foto machten und dabei von einem Güterzug überholt wurden. Viele Züge sahen wir in den USA ja nicht, deswegen fiel uns der Zug vielleicht auf. Vielleicht lag es aber auch an den Containern auf den Zugwagen, von denen nämlich immer zwei übereinander standen. Eben Amerika, auch in dieser Hinsicht ist alles ein wenig größer.

Trostloses New Mexico

Übrigens, wenn ich schreibe, dass wir Züge nur sehr selten gesehen haben, heißt das nicht, dass es keine gab. Denn gehört haben wir wiederum viele. Diese klassische Hupe, die man aus amerikanischen Filmen und Serien kennt und die einen Zug ankündigt, hörten wir nämlich fast jeden Abend in den Städten irgendwo, wenn wir im Hotel saßen.

Über eine lange Interstate, die trotz der weiten Landschaft ganz gut gefüllt war, kamen wir nach Albuquerque. Dort fanden wir das Howard Johnson als Übernachtungsmöglichkeit und checkten ein, nachdem wir einen kurzen unfallbedingten Stau schnell umgehen konnten.

Truth or Consequences

Truth or Consequences

Wir gingen auf das Zimmer, wollten uns Rucksäcke ablegen und die Koffer aus dem Auto holen, als wir feststellten, dass dieses Zimmer einen Balkon hatte. Nicht, dass wir den bräuchten. Ganz und gar nicht. Vielmehr war es so, dass die Balkontür sich nicht richtig schließen ließ. Sie war einen Spalt auf und das gefiel uns nicht. Einerseits wussten wir nicht, in was für einer Gegend wir waren und ob man hier mit Einbrechern rechnen muss und andererseits lag unser Zimmer in Richtung Interstate 25, einer vielbefahrenen zehnspurigen Straße.

Und diese Straße war sogar jetzt laut, obwohl ein Teil davon wegen des Unfalls gesperrt war. Nein, bevor wir unsere Koffer holten, gingen wir hinab zur Rezeption und fragten, ob wir ein anderes Zimmer haben könnten. Und anders, als wir es sonst aus den USA kannte, war man hier nicht höflich, sondern antwortete ein wenig patzig, was denn mit dem Zimmer nicht in Ordnung wäre. Wir erklärten, dass die Balkontür kaputt sei und sich nicht schließen ließe.

Mittlerweile hatten wir vom Service in Amerika den Eindruck, dass man ein auftretendes Problem umgehend und ohne Überprüfung lösen würde, was wir ziemlich bemerkenswert fanden. Doch in diesem Hotel schien man unseren Worten nicht zu glauben. Ein Mitarbeiter ging mit uns zu unserem Zimmer und wollte eigenhändig und leicht arrogant vorführen, wie sich die Tür schließen lässt. Etwas Schadenfreude kam in mir auf, als es ihm eben genauso wenig gelang, die Schiebetür zu schließen. Wie auch, wenn das Schloss fehlt, was mir ja sofort auffiel und was ich an der Rezeption auch mitteile.

Ziemlich widerwillig sprach er in sein Funkgerät, dass die Rezeption uns bitte ein neues Zimmer geben möge und verschwand dann schweigend. Wir holten uns die neuen Schlüssel ab, trugen unsere Koffer in das neue Zimmer und stellten fest, dass die Tür sich dort zwar schließen ließ, es aber dennoch nicht viel ruhiger im Raum wäre. Der Verkehrslärm war extrem laut und wir kamen uns vor, als würden wir im Wohnmobil auf einem Autobahnrastplatz übernachten. Aber wir nahmen das hin, fuhren noch in das Zentrum von Albuquerque, um Einkäufe zu erledigen und waren der Ansicht, dass dieses Hotel das zweitschlechteste seit Toledo war.

Freitag, 7. Oktober 2016

Am Abend vorher sahen wir in den Lokalnachrichten im Fernsehen den Hinweis auf ein Verkehrsschild in Albuquerque, dass einen Zebrastreifen zeigt, auf dem ein Passant im Silly Walk die Straße überquert. Dieser Silly Walk ist bekannt aus einem Monty Python-Film, den wir zu diesem Zeitpunkt nicht kannten, doch das Schild gefiel uns und auch die Tatsache, dass sich die Menschen dort in eben dieser Schrittart vor dem Schild fotografierten und filmten.

Für uns reichte dieser kleine Filmbeitrag, um nach der Kreuzung zu googeln und siehe da, es stellte sich heraus, dass besagte Kreuzung gar nicht so weit von uns entfernt war. Also fuhren wir natürlich dort hin und machten ein paar Aufnahmen, wie wir uns vor dem Schild lächerlich machten.

Truth or Consequences

Truth or Consequences

Etwas aufwändiger war da schon die Suche nach einer Tankstelle, aber auch die fanden wir schließlich. Denn auf unserer nächsten Strecke wollten wir nicht ohne genügend Benzin im Tank unterwegs sein. Auf der Interstate 25 fuhren wir südwärts und waren lange Zeit in Begleitung des drittgrößten Flusses der USA, dem Rio Grande. Doch so richtig wahrgenommen hatten wir ihn nicht.

Trinity Site in New Mexico

Spannend und zugleich erschreckend fanden wir die Tatsache, dass zu unserer Linken, irgendwo hinter einer Hügelkette das Testgelände der ersten Atombombe lag. Irgendwo links begann als das atomare Abschrecken und an der nächstgelegenen Stelle waren wir gerade einmal 45 Kilometer von dem Ort entfernt, wo die erste Atombombe der Welt explodierte.

Unweigerlich befasst man sich gedanklich natürlich mit dem Thema und man fragt sich, wie das für die Menschen damals gewesen sein muss, die in Albuquerque oder in den vielen kleinen Ortschaften in der Region lebten.

Landschaft in New Mexico

Landschaft in New Mexico

Einer dieser Orte sollte unser nächster Stopp werden. Er hieß Truth or Consequences. Zu Deutsch: Wahrheit oder Pflicht. Allen Ernstes hat man diesen Ort vor einigen Jahrzehnten in Truth or Consequences umbenannt, um sich ein bisschen abzuheben und auch ein paar Touristen anzulocken. Letzteres hatte zumindest in unserem Fall geklappt. Wir hatten nämlich vor, wenigstens kurz anzuhalten, und ein Foto von einem Ortsschild zu machen.

Achtung Schlangen

Achtung Schlangen

Doch das einzige Schild, das wir bis in das Ortszentrum sahen, war das Schild an der Abfahrt. Wir hielten an der kleinen Tourismusinformation an, wo ich hineinging und nach einer Art Willkommensschild fragen wollte. Die ältere Dame freute sich, einen Touristen zu sehen und sprang sofort auf. Sie gab mir zwar einen Tipp, der sich jedoch als fehlerhaft entpuppte und an Andenken konnte sie mir auch nichts anbieten, aber irgendwie passte das zu dem Eindruck, den wir bisher von der Ortschaft und der Region hatten.

Denn Truth or Consequences oder ToC, wie es auf den Wetterkarten im Fernsehen geschrieben steht, wirkte irgendwie trostlos. Es gab dort irgendwie nichts sehenswertes. Die Ortschaft lag am Ufer des Rio Grande, den wir aber auch hier nicht richtig wahrnahmen und machte den Eindruck einer sterbenden Stadt irgendwo in der Wüste.

Staubige Straßen und Häuser im mexikanischen Stil, die jedoch oftmals stark renovierungsbedürftig wirkten, gaben uns nicht das Gefühl, länger als notwendig bleiben zu wollen. Irgendwie tat es uns leid und vor allen Dingen taten uns die Menschen leid, die hier aufwuchsen und lebten. Denn wir hatten einfach keinen Grund gesehen, in so einer Stadt leben zu wollen. Hier gab es einfach nichts.

Geburtsort der amerikanischen Raketen

Geburtsort der amerikanischen Raketen

Wir fuhren zu dem Schild zurück, dass wir eingangs sahen, machten dort ein Foto und waren dann ganz schnell wieder auf der Interstate in Richtung Süden. Wenn mich jemand bei Wahrheit oder Pflicht nach meiner ehrlichen Meinung über den gleichnamigen Ort fragen würde, dann müsste ich gestehen, dass diese Ortschaft für mich Sinnbild einer ganzen Landschaft ist, die uns nicht sehr zusagte.

Raketenmuseum

Raketenmuseum

Bisher hatten wir von ganz New Mexico keinen sonderlich attraktiven Eindruck bekommen. Wir hatten schon viele weite Landschaften in den USA gesehen. Landschaften, in denen es keine Menschen gab, keine Häuser und Weitblicke bis zum Horizont. Doch trotzdem oder gerade deshalb gefielen sie uns sehr gut. Hier war das anders. Es gefiel uns einfach nicht und wir konnten nicht auf Anhieb erklären, woran es lag.

Raketenmuseum auf der Militärbasis

Raketenmuseum auf der Militärbasis

Im Laufe der Kilometer, die wir auf der Interstate zurücklegten, bemerkten wir aber langsam, was hier anders war. Es war der Verfall. Wenn man mal ein Haus oder ein privates Grundstück gesehen hatte, dann war es meistens in einem schlechten Zustand. Es sah nicht nur ärmlich aus, es war meistens sogar baufällig. Es wirkte perspektivlos, genauso wie die Menschen, die drin lebten und die wir ab und zu mal zu Gesicht bekamen.

Rakete

Rakete

Alles war irgendwie weniger fröhlich als beispielsweise in den Ortschaften, Grundstücken und Häusern im Norden der USA, so wie in South Dakota, Wyoming oder Utah. Es war eher so wie wir es schon bei Barstow im Süden Kaliforniens bemerkten und beschrieben, nur noch viel großflächiger.

Weiße Eidechsen auf weißem Sand

So fuhren wir also bis Las Cruces, rund 60 Kilometer vor der mexikanischen Grenze und bogen auf den Highway 70 nach Nordosten ab. Wir wollten zum White Sands National Monument, denn davon sahen wir vor wenigen Tagen ein Bild in einem Prospekt.

Militärisches Material

Militärisches Material

Auf dem Weg dorthin passiert man zuvor jedoch die White Sands Missile Range. Dieses ist das Testgelände für Raketen und beherbergt auch den bereits erwähnten Ort, an dem die erste Atombombe der Welt gezündet wurde. Außerdem ist dieses viele Kilometer große Areal auch Zielort der Raketen gewesen, die in Green River in Utah abgeschossen wurden. Hierher flogen also die Raketen über weite Teile der USA, von dem verfallenen Ort, wo wir wenige Tage zuvor einen Blick hineinwerfen konnten. Erschreckend.

Pershing II

Pershing II

Ebenfalls erschreckend war, dass es hier einen sogenannten Raketengarten geben sollte. Dabei handelte es sich um ein Freilichtmuseum, in dem Raketen aufgestellt und präsentiert wurden. Uns war eigentlich nicht danach, uns so etwas anzugucken. Doch als wir ein Hinweisschild dorthin sahen und ablasen, dass es kein großer Abstecher wäre, fuhren wir dann doch dorthin.

Originale Darth Vader-Maske

Originale Darth Vader-Maske

Als wir ankamen stellten wir fest, dass dieses Museum keine privat geführte Ausstellung im öffentlichen Raum ist, sondern Teil der White Sands Missile Range. Genauer gesagt befand sich dieser sogenannte Raketengarten auf einer Militärbasis, zu der man üblicherweise keinen Zutritt hat. Wir fanden diese Situation irgendwie skurril: Wir saßen im Auto auf einem kleinen Parkstreifen vor der Militärbasis mitten in der Wüste von New Mexico und standen nun Auge in Auge mit der größten Streitmacht der Welt. Wir fühlten uns total beobachtet, obwohl kein Mensch weit und breit zu sehen war. Und dadurch hatten wir den Eindruck, wir müssten jetzt auch mal hineingehen, denn alles andere hätte uns verdächtig wirken lassen. Ist natürlich völliger Quatsch, aber da war eben dieses Gefühl. Warum würden wohl zwei Leute den weiten Weg auf sich nehmen, um vor dem Tor wieder zu wenden? Wir spürten schon, wie die großen, schwarzen Hubschrauber uns auf dem Highway folgen würden.

Bücher über den Kommunismus

Bücher über den Kommunismus

Also gingen wir lieber gleich hinein und fragten freundlich nach dem Museum. Der Soldat hinter der Glasscheibe bat um unsere Pässe, die wir ein wenig widerwillig abgaben. Aber jetzt steckten wir da irgendwie drin. Wieso geraten wir eigentlich immer in solche Situationen? Wir waren so froh, dass wir problemlos in das Land einreisen konnten und nun standen wir hier und mussten der US-Army unsere Reisepässe überreichen. Der Soldat rief irgendwo an, buchstabierte unsere Namen falsch und erhielt nach wenigen Augenblicken das Okay, uns einen Besucherausweis geben zu dürfen.

Trinkwasservorräte für den Notfall

Trinkwasservorräte für den Notfall

Aus diesem anfänglichen Unwohlsein entstand im selben Augenblick eine Art von Überheblichkeit. So ganz nach dem Motto: Siehste, jetzt haben wir einen Besucherausweis für eine amerikanische Militärbasis. Allerdings gab es die Einschränkung, dass wir uns nur bis zum Museum begeben dürften, das sich gleich hinter dem Portal befand und das auch nur zu Fuß. Wir ließen also das Auto stehen und gingen durch den sogenannten Raketengarten, wo die ganzen todbringenden Dinger wie Pershing II und Patriot Missile herumstanden.

Grenzkontrolle in USA

Grenzkontrolle in USA

Gleich nebenan gab es ein kleines eingeschossiges Museum, dass die Geschichte der Militärbasis und der Atombombe erläuterte. Wir sahen Dokumente, wie John F. Kennedy die Basis besuchte, lächerliche Hinweise aus den 50ern, wie man sich bei einem Atomangriff schützen soll und wir sahen einen schwarzen Helm.

Wanderweg auf Holz

Wanderweg auf Holz

Dieser schwarze Helm war hinter Glas und konnte, anders als die anderen Exponate nicht berührt werden. Der Helm war uns natürlich bekannt, denn es war der Helm von Darth Vader aus Star Wars und wir staunten nicht schlecht, denn wir fragten uns, was dieser Helm hier zu suchen habe. Ein Hinweisschild erläuterte, dass vor langer Zeit ein gewisser Ben Burtt auf der Militärbasis zu Besuch war und verschiedene Geräusche von Raketen aufzeichnete. Ben Burtt ist nämlich Tontechniker und unter anderem verantwortlich für die berühmten Laserschwert-Geräusche der Star Wars-Saga. Als Dankeschön für die Erlaubnis die Raketensounds aufzunehmen, erhielt die Raketenstation einen originalen Darth Vader-Helm.

Picknickplatz im White Sands

Picknickplatz im White Sands

Nachdem wir lange genug durch das Museum geschlendert waren, gingen wir wieder hinaus und verließen die Militärbasis. Es war relativ wenig los und nur ab und zu fuhr ein Auto über die Straße. An Besuchern im Museum waren wir mit einem anderen Pärchen ohnehin die einzigen. Das andere Pärchen war allerdings schon lange weg, sodass wir uns fragten, was wohl passieren würde, wenn wir weiter durch die Militärbasis stapfen würden. Aber das wollten wir gar nicht erst provozieren.

White Sands Monument

White Sands Monument

Auf dem Highway 70 fuhren wir weiter nordöstlich zu unserem eigentlichen Ziel. Doch kurz davor wurden wir aufgehalten. Alle Verkehrsteilnehmer mussten nämlich die Straße verlassen und zu einem Checkpoint fahren. Wir hatten in den USA zwar schon einige Checkpoints gesehen, aber diese gab es in der Regel nur an Grenzen von Bundesstaaten und galten für Lkw, die dort gewogen und im Zweifel intensiver überprüft wurden.

Wanderweg durch die Sandwüste

Wanderweg durch die Sandwüste

Doch hier waren wir nicht an einer Grenze und wir fuhren auch keinen Lkw. In einer langen Autoschlange wurden wir an mehreren Polizei- und Grenzfahrzeugen vorbeigeführt. Es handelte sich tatsächlich um einen offiziellen Grenzkontrollpunkt. Wir waren über 100 Kilometer Luftlinie von der mexikanischen Grenze entfernt und hier gab es einen Checkpoint. Die Sache war natürlich klar, die Autofahrer würden auf illegale Einwanderer und Drogen untersucht werden. Aber die Tatsache, dass wir bereits so weit von der Grenze entfernt waren, fand ich beachtlich. Man stelle sich vor, Reisende von Venlo in Holland würden erst in Unna kontrolliert. Oder man käme aus Österreich und ein Checkpoint wäre erst nördlich von München zwischen der Landeshauptstadt und Ingolstadt. Das zeigte mal wieder die Ausmaße der Vereinigten Staaten von Amerika.

Genug Trinken

Genug Trinken

Für einen Moment wurde die Kontrolle spannend und zwar ausgerechnet bei dem Fahrzeug vor uns. Der kontrollierende Beamte verlangte die Papiere der Insassen und hatte schon seine Hand an seiner Waffe, während ein Kollege zu ihm sagte, er solle aufpassen. Man hatte also einen Verdacht und forderte den Fahrer auf, rechts ranzufahren. Irgendetwas schien aus Sicht der Grenzbeamten mit diesem Fahrzeug nicht zu stimmen.

Dünen im White Sands

Dünen im White Sands

Währenddessen ging bereits ein anderer Polizist mit seinem Suchhund um unser Auto herum und ließ den Hund überall mal schnuppern. Wir hatten nichts zu verbergen, aber plötzlich gingen uns die Geschichten von Monis Vater durch den Kopf, der in den 20 Jahren, die er auf Amerikas Straßen unterwegs ist, so einiges erlebt hatte. Er erzählte uns unter anderem, dass Fahrzeuge mit Kennzeichen aus Florida im Norden des Landes schon mal eher angehalten und kontrolliert würden, weil man den Verdacht hege, mit dem Auto würde man Drogen schmuggeln. Es wäre eben die klassische Schmugglerroute.

Dünen

Dünen

Und ausgerechnet unser Auto hatte ein Florida-Kennzeichen. Abgeholt hatten wir den Leihwagen in New York. Was, wenn irgendjemand, der den Wagen vor uns gemietet hatte, Drogen damit geschmuggelt hatte? Der Hund würde das sicherlich bemerken, wenn in unserem Wagen irgendwann mal Drogen lagen. Und was, wenn man auch nur ein klitzekleines Gramm nach dem Transport irgendwo in einem Türholm oder sonst wo im Auto vergessen hätte? Für einen Moment hatten wir echt Sorge.

Markierung für den Wanderweg

Markierung für den Wanderweg

Ein Beamter kam zu mir ans Fenster und bat um unsere Dokumente. Natürlich wussten wir, dass wir besser keine schnellen Bewegungen machen sollten. Daher waren meine ersten erklärenden Worte, dass wir Touristen aus Deutschland wären. Keine Ahnung, ob das irgendwas hilft. Wahrscheinlich nicht. Und dann sagten wir ihm beide, dass unsere Pässe im Rucksack auf der Rückbank seien. Dämlicherweise drehte ich mich im gleichen Moment auch schon nach dem Rucksack um und wartete nicht seine Reaktion ab. Ich vermute, dass er im selben Augenblick ebenfalls seine Hand an seiner Pistole hatte, weil er eben nicht einsehen konnte, was ich da nun machen würde. Das war nicht sonderlich geschickt von mir, aber es ging trotzdem nochmal alles gut.

Er warf einen Blick in unsere Reisepässe und ließ uns gleich darauf weiterfahren. Schön, dass wir auf diesem Weg erfuhren, dass unser Auto drogenfrei zu sein scheint.

White Sands National Monument

White Sands National Monument

Kurz hinter dem Checkpoint der Border Patrol erschien unser eigentliches Ziel für diesen Reisetag: das Besucherzentrum des White Sands Nationalmonument. Wir besuchten es kurz, kauften gleich mal wieder ein Andenken und erfuhren, dass es hier in der Region Roadrunner geben soll. Die deutsche Übersetzung ist Rennkuckuck und es wäre schon toll, wenn wir auch noch einen leibhaftigen Roadrunner sehen würden.

White Sands

White Sands

Bei der weiteren Fahrt in das National Monument hielten wir natürlich die Augen auf, waren aber schon nach wenigen Minuten von der eigentlichen Landschaft total abgelenkt. Das White Sands National Monument ist nämlich eine riesige Dünenlandschaft, die so hellweiß ist, dass man besser eine Sonnenbrille trägt. Sie erinnert stark an eine herrliche weiße Winterlandschaft, doch es war natürlich kein Schnee und Eis, auf dem wir fuhren, sondern grobkörniger Sand aus Gips. Ja, White Sands ist eine reine Gipslandschaft, die eigentlich viel zu wertvoll wäre, sie hier in der Wüste herumliegen zu lassen. Doch es gab im letzten Jahrhundert tatsächlich ein paar Naturschützer, die sich durchsetzen konnten und es schafften, dass diese Sanddünen nicht ausgebeutet werden.

Gipsplatten

Gipsplatten

Man hat eben diese eine Straße als Sackgasse durch die Dünen angelegt, genauso wie einige Parkplätze, einen kleinen mit Holzbohlen befestigten Spazierweg und einen mehrere Kilometer langen Rundwanderweg. Dem Holzbohlenweg folgten wir bis zu seinem Ende, doch für den noch folgenden acht Kilometer langen Rundweg durch die weiße Dünenpracht fehlte uns leider die Zeit. Daher beließen wir es bei ein paar Eindrücken und kehrten nach gut einem Kilometer wieder um.

Weiße Eidechse

Weiße Eidechse

Auch diese Landschaft gefiel uns wieder einmal sehr gut. Sie war so anders als die Landschaften, die wir aus Europa kannten. Ein wenig erinnerte sie uns natürlich an unsere Wohnmobilreise nach Texel. Doch der bedeutende Unterschied ist zum einen natürlich die Größe, aber eben auch die Tatsachen, dass es hier weit und breit kein Meer gibt und vor allen Dingen auch der Umstand, dass es kein klassischer Sand ist, sondern eben Gips.

Weiße Eidechse

Weiße Eidechse

Während wir so über die Dünen spazierten, fielen uns immer wieder auch die kleinen Grasbüschel auf, die hin und wieder aus dem Gipssand ragten. Natürlich fragt man sich, wie die Pflanzen in dieser kargen Landschaft überleben konnten, aber es kam nach besser. Denn Moni war es, die plötzlich sah, wie sich etwas in einem dieser kleinen Büschel bewegte. Obwohl sie mir das sagte und auch in die Richtung zeigte, konnte ich das Tier nicht auf Anhieb erkennen. Kein Wunder, ich musste die Augen nach einer gut getarnten Echse offen halten. Das kleine Tierchen war fast genauso schneeweiß wie der Untergrund, auf dem es lebte. Wir waren total fasziniert, hatten wir doch noch nie eine weiße Echse gesehen. Unfassbar, wie die sich anpassen konnte, um hier zu leben und auch noch weitgehend unentdeckt zu bleiben. Das war natürlich noch so ein wenig die Krönung an diesem Tag und dieser Natur. Einfach nur toll.

Neugierig

Neugierig

Einen Blick warfen wir auch noch auf einen etwas größeren Parkplatz, der eigentlich als Picknickplatz gedacht war. Auch dieser war auf seine Art sehenswert. Denn in dieser weißen Landschaft standen mehrere silberfarbene Überdachungen parat, wo man sein Picknick gut geschützt vor der Sonne halten konnte und wo man sein Auto daneben parkt. An jedem Picknickplatz gab es natürlich ganz amerikanisch einen Grill und sogar einen Mülleimer. Diese Picknickplätze sahen in der weiten weißen Kulisse irgendwie kurios aber auch futuristisch aus und gaben ein interessantes Bild ab.

Amerikanisches Wohnmobil

Amerikanisches Wohnmobil

Über Alamogordo fuhren wir weiter und bemerkten weiterhin, dass es in New Mexico teilweise recht ärmlich und verfallen aussah. Wir passierten einen kleinen Gebirgspass und erreichten nach Anbruch der Dunkelheit das Candlewood Suites Hotel in Roswell. Ufos sind uns unterwegs nicht begegnet, aber irgendwie war es schon witzig, abends in der Umgebung dieser unheimlichen Stadt gefahren zu sein und auf ein helles Licht von oben zu warten. Aber da kam nichts.

Picknickplatz im White Sands

Picknickplatz im White Sands

Picknicken in der Wüste

Picknicken in der Wüste

Das Candlewood Hotel war einfach nur klasse. Wie üblich wurde man sehr freundlich empfangen, aber auch das Zimmer war einfach nur gut. Es hatte nicht nur die übliche Einrichtung, sondern sogar ein komplette Küchenzeile, in der man sich selber etwas zubereiten konnte. Lediglich den Stecker vom Kühlschrank hatte ich, wie mittlerweile jeden Abend, aus der Wand gezogen, weil es sonst zu laut gewesen wäre.

Rastplatz im White Sands

Rastplatz im White Sands

Aber dafür gab es in dem Hotel kein Frühstück, worauf wir in letzter Zeit aber ohnehin schon immer freiwillig verzichteten. Daher war das kein Verlust und viel besser war die Nutzung einer Mikrowelle im Zimmer. Unsere Ansprüche an ein Hotelzimmer haben sich seit der ersten Übernachtung in Toledo bzw. seit New York deutlich gewandelt. Wichtig waren uns mittlerweile folgende Dinge: Ein Parkplatz für das Auto; ein Zimmer in einem Hotel mit Flur, also kein Zimmer mehr, wo jeder Passant an die Tür klopfen könnte; eine Mikrowelle, damit wir uns abends selber etwas aufwärmen konnten und nicht mehr zu irgendwelchen Burgerbuden fahren mussten. Was auch schön wäre, worauf wir aber auch verzichten könnten sind zwei große Betten, denn in der Regel kostete das Zimmer gleich viel, egal ob Kingsize- oder Queensize-Bett und ein Teppich. Klingt seltsam, aber ein Teppich gab einem Hotelzimmer immer etwas gemütlicheres. Wir hatten nun schon einige Zimmer mit PVC oder ähnlichem. Entweder klebte der Boden oder es wirkte einfach ungemütlich. Daher fanden wir einen Teppich nett. Aber gut, wenn es keinen gab, dann halt nicht.

Außerdem konnten wir im Candlewood unsere Wäsche waschen und fanden sogar noch einen kleinen Shop vor, in dem man auf Vertrauensbasis einkaufen konnte. Den fälligen Betrag warf man unter Angabe seiner Zimmernummer in eine Box ein. Beachtlich, aber schön. Uns gefiel das Hotel wirklich sehr gut und wir schauten direkt mal nach, ob es von der Sorte noch mehr geben würde, auch wenn es unter Umständen ein paar Dollar mehr kosten könnte. Aber nach langen, anstrengenden Tagen war es uns das mittlerweile wert, ein gemütliches und sauberes Bett für die Nacht zu haben.

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