Blick zum Lilienstein

2015 – Reise in das Elbsandsteingebirge

Um vier Uhr morgens klingelte der Wecker. Puh – so früh. Wir waren doch erst wenige Stunden zuvor ins Bett gegangen. Na ja, aber wir hatten ein gutes Stück Strecke vor uns und nur ein langes Wochenende Zeit. Daher hatten wir für diese Reise ausnahmsweise mal einen Leihwagen gemietet. Unser Wohnmobil wäre für das geplante Ziel zu unhandlich und mit unserem kleinen Pkw würde alleine die Fahrt schon viel zu lange dauern.

Schnell verstauten wir unser Gepäck in den Kofferraum und düsten los. Ein Nissan Note ist es geworden. Recht unspektakulär das Auto, aber machte genau das, was es sollte. Das Ruhrgebiet ließen wir schnell hinter uns und auch auf der A44 ging es zügig voran. Voller wurde es erst auf der A38, wo ich eigentlich mit weniger Verkehr gerechnet hatte. Aber es war eben nicht überall Fronleichnam und so fuhren wir in Sachsen-Anhalt durch ganz gewöhnlichen Verkehr, in dem sich auch Lkw tummelten, die bei uns in NRW zum Stillstand verdonnert waren.

Ankunft und Stadtbesichtigung in Dresden

Wir kamen trotzdem zügig durch und waren ja auch früh losgefahren, sodass das Navi eine frühe Ankunftszeit anzeigte. Das ging jedoch nur bis zum Autobahndreieck Nossen, kurz vor Dresden, gut. Denn da staute sich plötzlich der Verkehr nach einem Unfall, so dass wir den Motor ausmachen konnten und warten mussten. Schade, so kurz vor dem Ziel, aber es war nur Zeit, die uns da verloren ging. Die sächsische Hauptstadt Dresden war unser erstes Ziel an dem Tag, den wir bei strahlend blauem Himmel angehen konnten. Wir stellten den Wagen auf einem großen Parkplatz direkt neben Karstadt ab und waren zufrieden, direkt so nah am Stadtzentrum parken zu können. Zudem versprach das Schild am Parkplatz einen günstigen Parkplatz, den wir in dieser geringen Größenordnung von den Innenstädten im Ruhrgebiet nicht gewohnt sind.

Zunächst mal zog es uns aber in das Kaufhaus, genauer gesagt, zu den Toiletten. Das ist halt der Nachteil, wenn man ein Wohnmobil gewohnt ist und nun aber mit einem gewöhnlichen Pkw unterwegs ist. Anschließend spazierten wir die Prager Straße hinab zum Dresdener Hauptbahnhof und wurden dort am Eingang von einem leckeren Geruch begrüßt. Es roch nach frischen Keksen und unser Blick blieb bei der sogenannten Kexerei hängen, wo wir uns gleich mal mit einigen Leckereien eindeckten. Ich muss aber sagen, dass die Kekse zwar lecker waren, aber der Duft hatte doch etwas mehr Geschmack versprochen.

Elbbrücke

Elbbrücke

 

Ausblick von der Dreikönigskirche

Anschließend machten wir uns auf, die klassischen Sehenswürdigkeiten von Dresden zu besichtigen. Der Einkaufsstraße folgend erreichten wir den Altmarkt und gingen in Richtung Schloßstraße. Hier geschah etwas Kurioses mit uns: Wir konnten uns nämlich nicht wirklich entscheiden, ob wir nun links zuerst zum Zwinger gehen oder uns rechts halten und der Frauenkirche einen Besuch abstatteten. Daher stapften wir einfach weiter bis zur Elbe, überquerten diese und entschieden uns, zunächst einmal die Neustadt zu besichtigen. Hier zog es uns ganz automatisch zur Dreikönigskirche, wo wir spontan den Turm erklommen und die Aussicht auf Dresden genossen. Nach dem Abstieg gingen wir noch durch die Straßen der Neustadt, aßen eine Kleinigkeit in der Nordsee und machten uns endlich auf, auch mal die Altstadt zu besichtigen.

Zu diesem Zeitpunkt ist uns aber bereits beiden ganz unabhängig voneinander aufgefallen, dass Dresden einen ruhigen Eindruck macht. Es herrschte keine Hektik und es war nicht laut. Nein, es war sogar ausgesprochen ruhig und beschaulich. Das wunderte uns schon ein wenig, immerhin ist die Einwohnerzahl Dresdens mit der von Essen vergleichbar. Aber es macht wohl doch einen Unterschied, ob das Umland eher ländlich geprägt ist oder sich weitere Großstädte aneinander reihen. So seltsam es klingen mag und es ist auch gar nicht abwertend gemeint, aber Dresden erinnerte uns eher an eine Kleinstadt. Vielleicht lag es auch einfach an den kurzen Wegen in der Altstadt. Denn nach unserem Rückweg über die Elbe hielten wir uns links, umrundeten die Frauenkirche und statteten ihr natürlich auch einen Besuch von innen ab, bevor wir dann in wenigen Minuten die Semperoper und den Zwinger erreichten. Der Zwinger gefiel mir recht gut, besonders wenn man auf den Galerien oben herum spaziert und den Ausblick auf den Zwingerhof genießen kann. Für die zahlreichen Sammlungen hatten wir zwar keine Zeit, aber bei diesem prachtvollen Wetter hätte ich auch gar keine große Lust darauf gehabt. Daher gab ich mich mit den vielen Skulpturen ab, die auf den Galerien zu sehen sind.
Mittlerweile war die Zeit aber auch schon etwas fortgeschritten und wir mussten ja noch in unserer Pension einchecken. Diese hatten wir in Pirna gebucht, wo wir vor einigen Jahren mal auf der Durchreise anhielten und uns die Gedenkstätte im Schloss anschauten.

Die Betreiberin der Pension nahm uns genauso unkompliziert auf, wie wir unsere Übernachtung bei ihr telefonisch vorab buchten. In dem kleinen Zimmer hielten wir uns aber nur kurz auf, da wir natürlich gleich weiter wollten.
Wir fuhren ein kurzes Stück zurück und besuchten den Barockgarten Großsedlitz. Der war wirklich groß und gepflegt, ein Teil des Parks war allerdings wegen einer Baustelle ein wenig eingeschränkt, aber das machte nichts. Was uns aber auch hier wieder auffiel, war die Ruhe und ziemliche Leere. Es waren kaum Menschen im Park unterwegs. Gut, es war nur ein Donnerstag und kein Wochenende, aber irgendwie zog sich diese entspannte Atmosphäre wie ein roter Faden durch den Tag.

Einkaufen in Tschechien

Beenden wollten wir den Tag mit einen Abstecher nach Tschechien. Ich hatte mich schon seit einiger Zeit darauf gefreut, mal wieder in Tschechien einkaufen zu können. Nicht nur, dass es dort ein wenig günstiger ist. Auch die Tatsache, dass es dort leckere Backwaren gibt, wie zum Beispiel die kleinen nicht-gebogenen Hörnchen für umgerechnet fünf Cent, ziehen mich gerne nach Tschechien. Das letzte Mal war ich 2012 in Tschechien, als ich mit dem Wohnmobil durch Sachsen fuhr und auch den Mittelpunkt von Tschechien besuchte. Wobei: Ganz richtig ist das nicht. Ich war auch im Vorjahr in Tschechien als ich mit dem Wohnmobil durch Bayern fuhr – allerdings hielt ich mich nur ganz kurz am Bahnhof von Bayerisch Eisenstein auf und wanderte zum Dreiländereck Tschechien, Österreich und Deutschland.

Skulpturen auf der Galerie

Skulpturen auf der Galerie

Wie auch immer, an diesem Abend fuhren wir noch schnell nach Děčín und steuerten dort den Supermarkt Albert an, wo wir ganz gemütlich durchschlenderten und unseren Einkaufswagen füllten. Auf dem Rückweg sahen wir noch Tesco, ein Supermarkt, der in Deutschland leider nicht existiert, aber in vielen anderen europäischen Ländern und beschlossen, an einem anderen Abend auch dort nochmal einkaufen zu gehen.

Doch zunächst fuhren wir durch das Elbtal zurück und hielten in Bad Schandau ein letztes Mal an, weil die Sonne so schön tief stand und wir noch ein wenig in dem kleinen Ort fotografieren konnten. Aber auch hier gab es ein ähnliches Schauspiel: Am Elbufer saßen gerade mal zwei Personen, die den Abend genossen und dabei war es gerade einmal 19 Uhr. Bad Schandau wirkte genauso ausgestorben wie der Barockgarten Großsedlitz und auch die Altstadt von Dresden.

Müde und erschöpft kehrten wir in unsere Pension zurück und fielen relativ schnell in unsere Betten. Wenn man bedenkt, dass wir morgens noch zu Hause in unseren eigenen Betten aufgestanden sind, freuten wir uns schon ein wenig, dass wir an diesem Tag bereits so viel gesehen und erlebt hatten.

Einsamkeit im Uttewalder Grund

Am folgenden Tag sollte es nicht weniger werden. Nach einem kurzen Frühstück in der Pension machten wir uns sofort auf den Weg, weitere Sehenswürdigkeiten der Region zu erkunden. Wie gewohnt waren wir natürlich gut vorbereitet, damit wir möglichst wenige Wege doppelt und unnötig fahren. Daher konzentrierten wir uns auf die Landschaft östlich der Elbe und begannen mit dem Uttewalder Grund. Hierbei handelt es sich um eine schöne Schlucht, in die wir relativ zügig hineinwanderten. An einer Stelle ist die Schlucht so eng, dass herabgestürzte Steinbrocken zwischen den Felsen stecken blieben und auf diese Weise eine Art Felsentor schufen. Vieles war moosbewachsen, es war dunkel und es war – leer. Okay, es war Freitagmorgen, aber das wir so völlig alleine unterwegs waren, kam uns dennoch seltsam vor. Erst als wir den Uttewalder Grund wieder verließen, trafen wir auf drei Wanderer, die hier auf dem Malerweg unterwegs waren.

Unser nächstes Ziel war ein Konfluenzpunkt. Konfluenzpunkte gibt es nur 44 in Deutschland. Hierbei handelt es sich um Orte, an denen die ganzzahligen Koordinaten aufeinander treffen. Vor einiger Zeit hatte ich mir vorgenommen, alle Konfluenzpunkte in Deutschland zu besuchen. Bei 44 Punkten wusste ich nur von zweien, die auch markiert sind, bei allen anderen gibt es nichts zu sehen. Umso erstaunter war ich bei den Vorbereitungen zu dieser Tour, dass ein Konfluenzpunkt in der Nähe von Pirna mit einem sogenannten Koordinatenstein markiert wurde. War doch klar, dass ich mir das nicht entgehen ließ.

Rathaus von Stolpen

Rathaus von Stolpen

Nach einem kleinen Waldspaziergang dorthin, fuhren wir direkt weiter zur Burg Stolpen. Diese überraschte uns wiederum mit einem hübschen Örtchen unterhalb der Burg und einer ziemlichen Größe. Mehrere Türme gab es zu erklimmen, von denen wir natürlich eine wunderbare Aussicht genießen konnten und in denen eine Ausstellung das Leben der Reichsgräfin von Cosel erläuterte. Sie war die bekannteste Mätresse von August I. von Sachsen, der die Region hier prägte.

 

Die Burg Stolpen hielt uns ganz schön auf und sollte nicht unterschätzt werden. In den unterirdischen Verließen gibt es sogar ein kleines Kino, in dem ein Film über die Baugeschichte der Burg informiert. Spannend ist zum Beispiel auch der 82 Meter tiefe Brunnen, der in das Basaltgestein hineingetrieben wurde.

Die Bastei ist das Wahrzeichen der Sächsischen Schweiz

Irgendwann mussten wir aber mal weiter und so fuhren wir dann endlich zum Wahrzeichen des Elbsandsteingebirges, der Bastei. Dafür steuerten wir Rathewalde an und trafen auf einen P+R-Parkplatz. Den hatten wir, ehrlich gesagt, nicht auf der Rechnung. Man könnte hier seinen Wagen für 3 Euro abstellen und für weitere 1,50 Euro mit dem Shuttlebus zur Bastei fahren oder den drei Kilometer langen Weg zu Fuß zurücklegen – den ersten Teil davon in der prallen Sonne. Das gefiel uns ja schon aus Zeitgründen nicht, wir waren ja nicht zum Spaß hier und hatten noch einiges zu tun an dem Tag. Ich sprach den Mitarbeiter des Parkplatzes an und informierte mich über die Möglichkeiten vor Ort, da wir auch noch zum Amselfall und den Schwedenlöchern wollten. Eine Wanderkarte hing hier nirgendwo aus und die Straße zur Bastei war laut Beschilderung gesperrt. Allerdings sahen wir ständig ein Auto rein und wieder rausfahren. Der Mann war etwas, vorsichtig formuliert, träge. Er zeigte in die eine Richtung und sagte dabei, dort sei die Bastei. Danach zeigte er in die andere Richtung und erklärte, dort sei der Amselfall. Das ließe sich nicht gut kombinieren, außerdem sei der Amselfall sowieso nicht so toll. Na ja gut, aber das sollte er dann schon den Besuchern überlassen, wie sie es finden. Ich fragte ihn, wie es denn mit dem anderen Parkplatz sei und er erklärte, dort könne man ruhig hinfahren. Dass die Straße gesperrt und der Parkplatz voll sei, stehe eigentlich immer dort. Der Grund wäre wohl, dass das eine andere Gemeinde sei. Habe ich das also richtig verstanden? Der P+R-Parkplatz existiert also nur, weil die vorgelagerte Gemeinde auch Parkgebühren einnehmen möchte und zeigt einfach so an, dass der eigentliche Parkplatz belegt ist? Grenzt das nicht schon an Betrug? Ich bedankte mich, setzte mich wieder in den Wagen und fuhr die drei Kilometer bis zum Parkplatz an der Bastei, wo man tatsächlich problemlos parken konnte. Ich hätte mich wohl geärgert, wenn ich nach einer drei Kilometer langen Wanderung an einem zweiten Parkplatz ausgekommen wäre.

Auf dem Weg vom Auto zur Bastei sahen wir dann auch schon die ersten Wanderschilder zum Amselfall und zu den Schwedenlöchern. Was der Mann also für Wanderinformationen herausgab, war schon ein wenig haarsträubend. Wir besichtigten zunächst die Bastei und machten klassische Bilder, für die das Elbsandsteingebirge berühmt ist. Im Nachhinein betrachtet wäre es aber sinnvoller gewesen, diesen Ort als Erstes an dem Tag anzusteuern. Dann wäre das Licht schöner gewesen, die Morgensonne hätte die Bastei angeleuchtet und vermutlich dürfte es auch deutlich leerer gewesen sein. Ein wenig erinnerte mich die Bastei nämlich an Badaling, einem Ort an der chinesischen Mauer, den wir während unserer Reise nach Peking besuchten.

Blick zur Elbe

Blick zur Elbe

Auf den üblichen Aussichtspunkten hielten wir immer wieder an, machten unsere Bilder und genossen die Aussichten auf die Felsformationen, die zwischen den Bäumen in die Höhe ragten. Es gefiel uns sehr gut. Auch der Blick in das Elbtal war wirklich schön, genauso wie der Rundgang über die Bastei, der gerade einmal zwei Euro kostete. Drollig war der Hinweis auf die Kasse des Vertrauens, wenn also die Kasse abends nicht besetzt ist. Angesichts der hier anwesenden Menschenmassen konnte ich mir aber nur schwer vorstellen, dass auf der Bastei weniger los sei. Kurios, das war nach 24 Stunden das erste Mal, dass ich in der Sächsischen Schweiz einen Ort als voll empfand.

860 Stufen hinab und wieder hinauf

Bevor wir wieder zum Parkplatz zurückkehrten, folgten wir natürlich noch der Ausschilderung zum Amselfall. Was wir nicht ahnten, war, dass es zum Amselfall deutlich – ziemlich deutlich – bergab ging und zwar durch die Schwedenlöcher hindurch. Bei den Schwedenlöchern handelt es sich nicht um Löcher, sondern um einige Engstellen innerhalb einer Schlucht. Sehr schön, aber eben auch sehr steil. Nachdem wir uns am Kiosk neben dem Amselfall ein wenig stärkten, war es an der Zeit, wieder bergauf zu gehen. Dabei zählten wir die Stufen und Wurzeln, die man überwinden muss, um wieder hinauf bis auf die Höhe der Bastei zu gelangen. Jeder zählte für sich und wir waren erstaunt, dass wir gerade einmal eine Differenz von fünf Stufen hatten. So einigten wir uns darauf, dass es rund 860 Stufen sind, die man von der kleinen Brücke im Tal hochsteigen muss, um die Bastei zu erreichen.
Oben angekommen, waren wir froh, dass wir nicht noch drei Kilometer neben der Straße zum P+R-Parkplatz laufen mussten und steuerten gleich unser nächstes Ziel an.

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Ansonsten geht der Reisebericht hier weiter:

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