Blick zum Lilienstein

2015 – Reise in das Elbsandsteingebirge

Drollige Kirnitzschtalbahn

Am Kurpark von Bad Schandau beginnt das Kirnitschtal, in das wir bis zum Lichtenhainer Wasserfall hineinfuhren. Zugegeben, nachdem wir vor einigen Jahren die Iguazu-Wasserfälle in Südamerika kennen lernen durften, kann man uns mit Kaskaden nicht mehr sonderlich beeindrucken. Aber wir brauchten ja nun einmal die Bilder und wir interessierten uns auch für die dort verkehrende Überlandstraßenbahn. Die Kirnitzschtalstraßenbahn pendelt nämlich von Bad Schandau durch das bewaldete Tal bis zu dem Wasserfall und auch wenn ich kein klassischer Straßenbahnfan bin, finde ich solche Sachen immer ganz interessant.
Die Talstraße am Lichtenhainer Wasserfall führt automatisch geradeaus weiter, um zur Oberen Schleuse zu gelangen. Na ja, zumindest bis zum Parkplatz, denn die Obere Schleuse kann man nur zu Fuß bei einer weiteren Wanderung erreichen. Bei der Oberen Schleuse handelt es sich um eine kleine Stauanlage in einer engen Schlucht des Kirnitzschtals. Der Fluss ist an dieser Stelle gleichzeitig Grenzfluss zwischen Tschechien und Deutschland und macht an dieser Stelle einen wirklich idyllischen Eindruck. Aber auch hier waren wir wieder so ziemlich alleine. Nur ein weiteres Pärchen spazierte hinter uns auf dem drei Kilometer langen Weg durch den Wald. Sie waren am Ende vermutlich genauso erstaunt wie wir, dass an der Oberen Schleuse nichts los war. Alle Boote waren verankert, der kleine Kiosk geschlossen und keine Menschen waren weit und breit zu sehen. Und das um 17 Uhr an einem Freitag, da fragt man sich schon, warum es an so schönen Sehenswürdigkeiten keinen längeren Betrieb gibt? Das wäre doch eine gute Möglichkeit, etwas Geld zu verdienen in einer Region, die ständig von Hochwasser gebeutelt wird. Mit ein bisschen mehr Werbung kämen dann sicherlich auch mehr Touristen. Ob das immer eine gute Sache ist, darüber kann man natürlich diskutieren. Doch wenn an so einem tollen Ort schon die gesamte Infrastruktur vorhanden ist, warum ist dann noch vor 17 Uhr kein Mensch mehr anwesend und bietet entsprechende Aktivitäten oder Gastronomie an? Das ist für mich unverständlich, soll aber nicht meine Sorge sein.

Nach dem Besuch an der Oberen Schleuse wanderten wir wieder bergauf durch den Wald und zurück zum Auto, um durch das Kirnitzschtal und entlang der Elbe zurück nach Pirna zu gelangen. Dort kauften wir noch ein paar Kleinigkeiten ein und genossen den Ausblick von der Elbbrücke auf das von der Abendsonne beleuchtete Schloss.

Mächtige Festung Königstein

Auch am zweiten Abend fielen wir müde in unser Bett und schliefen gut durch. Nach dem Frühstück am Samstag saßen wir um sieben Minuten nach 8 im Auto und wollten uns auf den Weg machen. An diesem Tag sollte der westliche Teil der Elbe besichtigt werden. Beginnen wollten wir eigentlich mit der Festung Königstein, doch die macht erst um neun Uhr auf und wir wären innerhalb weniger Minuten da gewesen. Bloß rumstehen und warten, bis sie aufmachen, wollten wir dann auch nicht. Außerdem hatte ich noch gar kein Pingu-Foto gemacht und hätte gerne eines von der Bastei gehabt. Da wir die Bastei ja nun kannten, wäre das schnell gegangen. Doch dann machte ich einen Fehler: Ich folgte dem Navigationsgerät. Dabei wusste ich genau, dass ich über die Brücke in Pirna relativ schnell an der Bastei wäre. Das Navi lotste uns jedoch über die Brücke in Bad Schandau, was ein deutlicher Umweg ist. Ich bemerkte den Fehler jedoch erst als es schon zu spät war, nämlich als wir kurz vor Rathen waren. Rathen ist der Ort, der der Bastei am Elbufer gegenüberliegt. Aber da es dort keine Brücke gibt, nützt uns das natürlich herzlich wenig. Zustandegekommen ist der Fehler, weil ich Rathen in das fest eingebaute Navi des Nissan eingab. Das ist umso ärgerlicher, weil ich normalerweise immer Koordinaten in unser Navi eingebe. Die sind nämlich exakt und stimmen auf den Meter genau. Ein vage Angabe wie Rathen kann dementsprechen überall im Ort sein. Aber was soll man machen, wenn dieses verflixte Navigationssystem keine Koordinateneingaben ermöglicht?

Elbe bei Pirna

Elbe bei Pirna

So fuhren wir also den Umweg über Bad Schandau bis zum Parkplatz an der Bastei, der an diesem Morgen tatsächlich abgesperrt war. Dabei war er noch fast leer. Lediglich ein Wohnmobil stand dort, obwohl das Übernachten auf dem Parkplatz der Bastei eigentlich nicht erlaubt ist. Also stieg ich aus und erklärte freundlich den Sachverhalt. Immerhin hatten wir nicht vor, länger als eine halbe Stunde zu bleiben, die Bastei kannten wir ja nun schon. Es ging uns bloß um ein einziges, schnelles Foto. Ein freundliches: „Es tut mir Leid, aber das darf ich nicht zulassen“ hätte ich akzeptiert. Doch die unhöfliche und herablassende Art des Mitarbeiters hat mich echt wütend gemacht. Er hatte noch nicht einmal den Anstand, sich nach mir umzudrehen, sodass ich die gesamte Zeit mit seinem Rücken kommunizierte. In der kurzen Unterhaltung hatte ich sein Gesicht nicht einmal gesehen und ständig nur ein schlecht gelauntes Grummeln und Verneinen vernommen. Dieser Mann schien ein sehr trauriges Leben zu haben, denn er bewies mal wieder, dass man manche Menschen nur mit einer Wichtig-Warnweste ausstatten muss, damit diese das Gefühl von Macht bekommen. Mit nicht ernst gemeinten Dankesworten verabschiedete ich mich und beruhigte mich mit dem Gedanken, dass dieser unfreundliche Mensch nichts Schönes im Leben zu haben schien.

Richtung Pirna fuhren wir dann wieder zurück und kamen exakt eine Stunde nach unserer Abfahrt wieder an unserer Pension vorbei. Das war natürlich eine verschwendete Stunde, aber das ließ sich nun nicht mehr ändern. Wir befuhren das Parkhaus der Festung Königstein, wanderten zum wirklich mächtigen Burgtor und betraten das weitläufige Burgareal. Zahlreiche Sammlungen, Ausstellungen und Informationen gibt es hier natürlich zu sehen, doch viel spannender fand ich die sensationellen Aussichten von der Burg in das Elbtal hinein.

Zufälligerweise fand an dem Tag auch eine Art Mittelalterspektaktel statt. Das passte optisch ganz gut in die Festung. Denn aus mehreren kleinen Zeltstädten kamen im Laufe des Vormittags die Übernachtungsgäste hervorgekrochen, die mittelalterlich gewandet durch die Festungsanlage schlichen oder sich in Schwertkämpfen übten. Wäre nicht mein Fall, ist aber nett anzusehen.

Viele Kletterfelsen im Bielatal

Anschließend fuhren wir in das Bielatal, wo wir eine kleine Wanderung zu den Herkulessteinen unternahmen. Auffällig fand ich hier mal wieder den kostenpflichtigen Wanderparkplatz. Schon am Vortag staunte ich über den abgelegenen Wanderparkplatz an der Oberen Schleuse, der kostenpflichtig war, obwohl dort wirklich nichts mehr los war. Auch der Parkplatz an den Herkulessteinen war nur für die erste Stunde gratis. Für uns reichte das, aber wenn man länger unterwegs sein wollte, dann musste man ein Tagesticket von drei Euro lösen. Gut, das ist ein überschaubarer Betrag, aber ich kann mich nicht an viele Wanderparkplätze erinnern, an denen ein Parkscheinautomat steht. Zuletzt habe ich so etwas in Lettland gesehen, wo ich das als Abzocke bezeichnet habe und mich fragte, was die geritten hat, um in einem Wald einen Parkscheinautomaten aufzustellen. Dieser Parkplatz hier war aber in der Tat gut gefüllt. So gut sogar, dass er in seiner Enge kein Platz für ein Wohnmobil gelassen hätte. Aber mit unserem kleinen Leihwagen kamen wir noch gerade so eben in die letzte Parklücke und machten uns auf den Weg zu den Herkulessteinen und anderen Felsformationen. Diese waren nett anzusehen, aber fest in der Hand von Kletterern. An jedem steil aufragendem Fels hingen irgendwelche Seile und kletterten Menschen auf und ab. Das wäre mir persönlich zu langweilig, weil man sich nur in die Vertikale fortbewegt. Außerdem empfand ich es als ziemlich voll und laut. Denn es waren wirklich viele Menschen, die an den Felsen kletterten. Wer gerade nicht kletterte, hielt sich unten auf, spielte mit den Kindern oder saß normalen Wanderern schlicht im Weg ohne sich dabei zu rühren, wenn man vorbei wollte. Vielleicht war es das, was mich in diesem Moment ein wenig ärgerte: Die Tatsache, dass die Kletterer scheinbar glaubten, sie hätten die Felsen und das gesamte Areal drumherum für sich gepachtet. Aber wir hatten unsere Aufnahmen, machten sogar endlich mal ein Pingu-Foto und verschwanden gleich zu unserem nächsten Ziel, der Barbarine.

Diese Felsnadel befindet sich am Pfaffenstein und ist nur über eine Wanderung zu erreichen. Das Besondere dabei ist der extrem enge Weg zwischen den Felswänden hindurch, bei dem der kleine Rucksack an beiden Seiten rechts und links an den Felswänden entlang schleift. Macht aber Spaß und die Aussicht an der Barbarine ist auch mal wieder richtig schön. Für den Rückweg entschieden wir uns aber gegen den steilen Aufstieg durch das sogenannte Nadelöhr und nutzen den Normalweg. Sa kamen wir auch noch in den Genuss anderer Felsformationen, die ebenfalls schön anzusehen waren.

Das Prebischtor in der Böhmischen Schweiz – einfach sehenswert

Zum Abschluss des Tages ging es dann wieder über die Grenze nach Tschechien. Natürlich wollten wir noch in Děčín wieder einkaufen gehen, aber zuvor stand noch eine weitere Wanderung auf dem Programm, denn auf tschechischer Seite befindet man sich in der Böhmischen Schweiz, die auch ein tolles Wahrzeichen zu zeigen hat. Das Prebischtor ist eine Felsbrücke und sogar die größte natürliche Felsbrücke Europas. Um sie zu erreichen, folgt man ab der Straße dem stets aufwärts führenden Wanderweg bis man zu einem Gasthof gelangt. Dieser befindet sich direkt unterhalb des Prebischtores, macht allerdings auch schon um 18 Uhr zu. Für uns passte das zwar noch, aber als wir auf dem Rückweg waren, kamen uns noch einige Wanderer entgegen, die oben vor verschlossener Tür gestanden haben dürften. Das Prebischtor kann man zwar auch von dort sehen, aber man steht eben nur drunter. Um es vollständig betrachten zu können, muss man drei Euro Eintritt zahlen und kann dann zu mehreren Aussichtspunkten gelangen. Wobei ich dabei auch immer in einen Zwiespalt gerate, da ich ungerne Eintritt für eine von der Natur geschaffene Sehenswürdigkeit zahle. Aber da der Tag nun schon anstrengend genug war und diese Wanderung an dem Tag die letzten Kräfte forderte, zahlte ich und freute mich anschließend noch darüber, ein eiskaltes Getränk im Gasthof zu bekommen.

Panorama von der Festung Königstein

Panorama von der Festung Königstein

Angesichts des anstrengenden Wanderwegs fand ich es übrigens sehr erstaunlich, dass manche Menschen auf die Idee kommen, die Strecke mit einem Kinderwagen zurückzulegen. Aber eigentlich sollte ich mich über solche Dummheiten nicht mehr wundern, wie man alter Blogbeitrag „Sicherheit auf Wanderwegen“ beweist.
Nach der Wanderung zum Prebischtor fuhren wir erneut nach Děčín, wo wir noch letzte Einkäufe erledigten und den Wagen günstig volltankten.

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Unser letzter Abend in der Pension in Pirna war ein wenig anstrengend. Eigentlich waren wir ja müde, was angesichts des vollen Tagesprogrammes kein Wunder ist. Doch es war so furchtbar warm und wir hatten unser Zimmer auch noch unter dem Dach, dass wir nicht einschlafen konnten. Auch das Fenster zu öffnen war keine Lösung, denn es wollte einfach keine kühle Luft hinein kommen. Zudem saßen im gegenüberliegenden Haus einige Leute zusammen und unterhielten sich lautstark. Sie feierten zwar keine Party, aber die Gespräche konnten wir dennoch deutlich verstehen. An Einschlafen war also nicht zu denken. Beim letzten Mal als ich auf die Uhr schaute, war es mittlerweile 2 Uhr. Blöd, wenn man um sieben Uhr aufstehen möchte, weil man noch eine längere Fahrt vor sich hat.

Eigentlich wollten wir an dem Tag der Abfahrt noch ein paar Bilder machen, doch dicke Wolken hingen am Himmel und wir waren wirklich froh, dass wir die zwei Tage zuvor wunderbar blauen Himmel genießen durften. Daher bezahlten wir unsere Pension, nahmen das letzte Frühstück ein und fuhren schnell noch nach Dresden, wo wir zum Abschluss vor der Semperoper und der Frauenkirche je ein Pingu-Foto machten. Außerdem steuerten wir noch die ehemalige Zigarettenfabrik Yenidze an, weil sie mit ihrer Architektur schon ein wenig ungewöhnlich wirkt – zumindest dann, wenn man bedenkt, dass es keine Moschee ist, sondern eine gewöhnliche Fabrik war.

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Abschlusswanderung im Harz

Über die Autobahn fuhren wir dann wieder in Richtung Heimat, doch es sollte noch dauern, bis wir zu Hause ankamen. Denn drei Wochen zuvor waren wir ja mal wieder für die Harzer Wandernadel im Harz wandern und weil wir auf der A 38 den Südharz streiften, beschlossen wir, noch einige wenige Stempelstellen der Harzer Wandernadel aufzusuchen. So hatten wir wenigstens auch noch etwas Privates für uns und im Endeffekt wurden es sogar noch fünf Stempelstellen, die wir anvisieren konnten. Allerdings muss man sagen, dass diese Stempelstellen im Südosten des Harzes sehr einfach zu erreichen sind.

Panorama von der Bastei

Panorama von der Bastei

Später folgte die A 7, wo uns bei Kassel ein Stau angekündigt wurde. Da mittlerweile die Wolken verschwunden waren und der Himmel wieder blau strahlte, beschlossen wir spontan noch einen Abstecher in das Weserbergland zu machen. In der Woche nach dem Harz waren wir für das nächste Buchprojekt mit dem Wohnmobil im Weserbergland unterwegs. Leider hatten wir damals aber ein wenig Pech mit dem Wetter, sodass nicht alle Bilder gut geworden sind. So hatten wir aber die Chance, noch einiges gut zu machen und fuhren also nach Hann.Münden und entlang der Weser bis Bad Karlshafen, wo wir nochmals den Weser Skywalk bestiegen und die Aussicht auf das Wesertal genossen. Über Bundesstraßen gelangten wir anschließend zur A 44, auf der wir schließlich nach Hause fuhren.

Alles in allem hat es uns im Elbsandsteingebirge landschaftlich sehr gut gefallen. Seltsam fanden wir aber eben die vielen unbesuchten Orte und die frühen Zeiten, wo man nichts mehr unternehmen konnte. Ein bisschen schade fand ich auch, dass es für Wohnmobile kaum eine vernünftige Infrastruktur gibt. Zwar sind Campingplätze vorhanden, doch schöne Wohnmobilstellplätze sind Mangelware. Der einzige, der uns aufgefallen ist, war in Pirna und der sah zumindest von der Elbbrücke nicht besonders attraktiv aus. Es wäre also schön, wenn sich in der Region touristisch noch etwas tut.

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