Frankreich

2009 – Mit dem Wohnmobil an die französische Atlantikküste

 

Mit einem Wohnmobil an die französische Atlantikküste

 

Mit dem Wohnmobil durch Frankreich – nach Chauvigny

Route: Auf der D951 verlassen wir Saint-Savin. Es geht ein kleines Stück bergauf, so dass wir beim Zurückschauen noch einen schönen Blick auf die Stadt werfen können. Durch eine landwirtschaftliche geprägte Szenerie zieht sich die Landstraße wie am Lineal gezogen, lediglich unterbrochen durch das Dorf Paizay-le-sec. Wenig später erscheint auf der rechten Seite der über 600 Hekater große Wald von Mareuil. Er bietet ausreichend Möglichkeiten zum Wandern oder Pilzesammeln. An einem Sportareal am Waldesrand befindet sich ein Parkplatz, der von der D951 ausgeschildert ist. Es folgt eine kurvige Abfahrt, die mit dem Blick auf die Ortschaft Chauvigny endet.

Eine Reise nach Chauvigny ist zugleich eine Reise durch die Zeit. Die Ortschaft besteht aus einer modernen Unterstadt und einem Oberstadt genannten Teil, der aus dem Mittelalter stammt und dieses noch bis heute spüren lässt. Chauvigny liegt an einer Kurve des Flusses Vienne, der der Landschaft den Namen gab und von Süd nach Nord fließt. Bevor man jedoch einen Parkplatz sucht (an der Rue de Bretagne befindet sich einer, der auch für Wohnmobile ausgelegt ist), sollte man bei der Einfahrt in die Stadt nach der Linkskurve nicht zu schnell fahren, sondern sich auf dem dortigen kleinen Parkplatz auf der rechten Seite einen ersten Überblick gönnen, denn einen schöneren Ausblick auf Chauvigny hat man nachher nicht mehr. [Dezimal: 46.568526 0.652472; WGS84: N46°34’6.694″ E0°39’8.899″]

Parkplätze:
Rue de Bretagne [Dezimal: 46.572249 0.649051; WGS84: N46°34’20.096″ E0°38’56.584″]
Rue de Bretagne [Dezimal: 46.572924 0.646653; WGS84: N46°34’22.526″ E0°38’47.951″]

Unterhalb des mittelalterlichen Stadtkerns, der sich auf einem Feslrücken befindet, breitet sich ein malerischer Park mit einem See aus. Rechts davon, jedoch durch zahlreiche Bäume nicht zu erkennen, liegt der Campingplatz. Das bedeutet, dass man den historischen Kern in nur wenigen Schritten vom Campingplatz aus erreichen kann.
Vom Aussichtspunkt aus sind die einzelnen Elemente der Oberstadt gut zu erkennen. Es beginnt links mit dem südlichsten Abschnitt, der aus dem Château Baronnial besteht, gleichzeitig dem größten Bauwerk des Stadtkerns – auch wenn es sich nur noch um eine Ruine handelt. Rechts davon, also nördlich, erkennt man das erste Gebäude mit einem Dach. Es handelt sich um den Donjon des Château d’Harcourt. Nicht zu sehen ist der Überrest der dritten Burg, dem Château de Montléon, welches sich dahinter verbirgt. Unübersehbar ist jedoch rechts neben dem Château d’Harcourt der Turm der Stiftskirche Saint-Pierre. Gleich daneben, als nördlichster Punkt erhebt sich der mächtige Donjon des Château de Gouzon, der mit seiner fensterlosen Front beinahe wie ein mächtiger Hochbunker wirkt.
Auf die einzelnen Schlossanlagen werden wir bei einem Rundgang durch die „Cité Mediéval“ noch näher eingehen. Zunächst heißt es jedoch, in die Stadt hinab zu fahren und entweder direkt am Park zu parken und über die kleinen Straßen den Felsrücken zu erklimmen, oder von dort über die D2 nach Norden zu fahren. Auf der rechten Seite erreicht man dann den Campingplatz, auf der linken Seite die Rue de Bretagne.
Da es drei günstige Ausgangspunkte gibt, wie man das mittelalterliche Zentrum zu Fuß besichtigen kann (vom Campingplatz, von der Rue de Bretagne und vom Parkplatz am Park), beginnen wir mit den Erläuterungen der Einfachheit halber an der wichtigsten Sehenswürdigkeit.
Die ehemalige Stiftskirche Saint-Pierre befindet sich genau in der Mitte der Altstadt und ist von den bereits erwähnten Burgruinen umgeben. Das dreischiffige Gotteshaus entstand zwischen dem 11. und dem 12. Jahrhundert und erhielt im 19. Jahrhundert eine umfassende Restaurierung, aus der auch die farbigen Fragmente im Inneren des Chorhauses stammen. Letzteres besteht aus einer halbkreisförmigen Apsis, in welcher sich sechs reichhaltig verzierte Säulen befinden. Gekrönt werden diese von sehr ansehnlichen Kapitellen, die als besonderer Höhepunkt innerhalb der Kirche gelten. Umrahmt wird das Chorhaus von drei sehr hellen Kapellen.
Gleich neben der Kirche trifft man auf das Château Montléon, welches mittlerweile völlig unscheinbar wirkt, insbesondere auch, weil die Überreste in neueren Bauten aufgegangen sind und das Schloss als solches kaum zu erkennen ist. Anders schaut es mit dem Château d’Harcourt aus. Es ist über die Rue Saint-Pierre zu erreichen und von einer hohen fast 40 m langen Wehrmauer umgeben, welche drei Türme sowie den Eingang zum Vorburghof beherbergt. Erbaut wurde dieses Schloss im 13. Jahrhundert, vermutlich auf den Überresten einer Vorgängerburg. Den Donjon konnte man bereits vom Aussichtspunkt deutlich erkennen. Er besteht im Untergeschoss aus einer Halle mit Tonnengewölbe, von dem aus eine Treppe in die einstigen Wohnräume hinauf führt. Vom Innenhof natürlich nicht zu sehen, aber von der Wehrmauer ist die Tatsache, dass der Turm direkt an der Kante der Felswand errichtet wurde und es dahinter demnach in die Tiefe geht.


Neben dem Schloss Harcourt befindet sich am südlichsten Punkt des Kalkfelsens das Château Baronnial. Die Straße dorthin führt jedoch schon spürbar etwas hinab in das Tal. Schloss Baronnial stammt aus derselben Epoche wie die Stiftskirche Saint-Pierre und gilt bis heute als das bedeutendste militärische Bauwerk auf dem Felsen. Die Mauern des rechteckigen Bergfrieds hatten eine Dicke von bis zu 2,30 Meter und waren im Untergeschoss gesondert verstärkt. Insgesamt verfügte der Donjon über drei Geschosse, was man im Inneren der Ruine besonders gut erkennen kann. Umgeben ist der Trum von Mauerresten der ehemaligen Gebäude und der einstigen Vorburg. Etwas schwierig zu unterscheiden sind die einzelnen Ruinen vom Château Neuf, welches der Vorburg im 14. Jahrhundert hinzugefügt wurde. Deutliches Erkennungsmerkmal sind die deutlich zerklüfteten Wände des einstigen Château Neuf.
Auf der Nordseite der Kirche erhebt sich ein weiterer Bergfried, welcher in der Einleitung mit einem Hochbunker verglichen wurde. Steht man direkt vor dem Turm, wird man den Vergleich verstehen. Ein fast quadratischer Grundriss mit einer Außenlänge von 12 Metern und einer Wanddicke von rund 2 Metern machen diesen Turm aus. Er gehörte zum einstigen Château de Gouzon, welches von den Bischöfen von Poitiers gegen Ende des 17. Jahrhunderts zur Ruine erklärt wurde. Bemerkenswert sind die Grundmauern, auf denen der Donjon errichtet wurde. Sie stammen von einem Vorgängerbauwerk, welches vermutlich bereits vor rund 5.500 Jahren auf diesem Felsrücken errichtet wurde.
Die letzte Burg in Chauvigny besteht aus einem einzelnen Turm, der allerdings ein wenig unscheinbar wirkt und zwischen den anderen Burgen und Ruinen untergeht. Es handelt sich um den rechteckigen Tour de Flins aus dem 12. Jahrhundert. Eine Besichtigung dieses Turmes ist ohnehin nur von außen möglich, da er sich in Privatbesitz befindet.
Besichtigt werden kann dahingegen das Archäologie- und Volkskundemuseum. Es befindet sich am Alten Markt, in unmittelbarer Nähe zum Donjon des Château de Gouzon. Zu besichtigen gibt es in dem alten Gebäude aus dem 17. Jahrhundert zahlreiche Kleidungsstücke und Gegenstände des alltäglichen Lebens im Poitou des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Neben diesen volkstümlichen Exponaten zeigt es in der ersten Etage verschiedene archäologische Sammlungen aus gallorömischen Ausgrabungsstätten, aber auch aus der Kirche St-Pierre. Der oberste Stock befasst sich mit typischen Werkzeugen der einstmals ansässigen Handwerker.

Musée des traditions populaires et d’archéologie  (Volkskunde und Archäologiemuseum), Place du vieux marché, 86300 Chauvigny, Tel. 05 49 46 40 31, E-Mail: musees.chauvigny@alienor.org, www.chauvigny-patrimoine.fr. Mitte Juni – August Mo – Fr 10 – 12.30 Uhr und 14.30 – 18.30 Uhr, Sa und So 14.30-18.30 Uhr; April – Mitte Juni und September – Oktober tägl. 14 – 18 Uhr; sonst nur Sa und So 14 – 18 Uhr. Eintritt 1,52 €. [Dezimal: 46.570896 0.647849; WGS84: N46°34’15.226″ E0°38’52.256″]

Nicht minder interessant ist die Ausstellung der Industriearchäologie zum Thema Keramik, welches für die Ortschaft in der Vergangenheit bedeutend war. Sie befindet sich auf vier Etagen im Inneren des Donjon des Château de Gouzon. Vom rohen Stein bis zum verarbeiteten Produkt erzählt das Museum auf diese Weise die Geschichte von Chauvigny. Abschließend kann man dem Bergfried auf das Dach steigen, welches zu einer Terrasse mit Aussichtsplattform umgestaltet wurde und einen herrlichen Fernblick bereit hält.

Espace d’archéologie industrielle (Ausstellung zur Industriearchäologie), Place du Donjon, 86300 Chauvigny, Tel. 05 49 46 91 56, E-Mail: musees.chauvigny@alienor.org, www.chauvigny-patrimoine.fr. Mitte Juni – August Mo – Fr 10 – 12.30 und 14.30 – 18.30 Uhr, Sa 14.30 – 18.30 Uhr, So 11 – 18.30 Uhr; April – Mitte Juni und September und Oktober tägl. 14 – 18 Uhr; sonst Sa und So 14 – 18 Uhr. Eintritt 4,80 €. [Dezimal: 46.57094 0.648724; WGS84: N46°34’15.384″ E0°38’55.406″]

Weniger besuchenswert ist die sogenannte Unterstadt, welche sich –wie der Name schon verrät– unterhalb des Felsrückens befindet und sich entlang der Vienne erstreckt. Das einzige dort sehenswerte Bauwerk ist die Kirche Notre-Dame. Sie wurde auf Veranlassung der Bischöfe von Poitiers im frühen 11. Jahrhundert errichtet und beherbergt im südlichen Querschiff ein schönes Fresko aus dem 15. Jahrhundert, kann aber im Vergleich mit dem Wandschmuck der Kirche Saint-Pierre nicht mithalten.

Wer mit Kindern unterwegs ist, sollte in Chauvigny unbedingt der Beschilderung „VélORail“ folgen. Sie werden sich über die Möglichkeit einer Draisinenfahrt freuen. Auf einer alten, ausgedienten Bahnstrecke verläuft die 8,5 Kilometer lange Strecke durch eine wunderbare Naturlandschaft. Der Höhepunkt ist dabei die Überquerung der Vienne auf einer Eisenbahnbrücke, die sonst keinem Zweck mehr dient. Dabei umrundet man quietschend und ratternd den südlichen Teil der Stadt und kann unterwegs die Flora und Fauna genießen. Am Ende der Strecke heißt es jedoch umkehren, so dass man auf insgesamt 17 Kilometer Fahrt kommt, wobei die Rückfahrt leicht bergab verläuft und leichter ist. Die komplette Strecke ist beschildert, so dass man immer weiß, wie weit es noch ist. Eine Reservierung der Draisine ist zwar nicht zwingend, wird jedoch empfohlen.

VélORail Chauvigny (Draisine), rue de la folie, 86300 Chauvigny, Tel. 05 49 88 93 63, E-Mail: infos@velorail-chauvigny.fr. April, Mai, Juni und September Abfahrt 15 Uhr (Rückkehr 17.15 Uhr), an den Wochenenden auch eine Abfahrt um 10 Uhr (Rückkehr 12.15 Uhr). Im Juli und August gibt es drei Abfahrtszeiten: 10 Uhr (Rückkehr 12.15 Uhr), 14 Uhr (Rückkehr 16.15 Uhr) und 17 Uhr (Rückkehr 19.15 Uhr). Außer in den Schulferien finden am Dienstag keine Fahrten statt. 22 € für zwei Personen, 28  € ab drei Personen (maximal vier Erwachsene und ein Kind je Draisine). [Dezimal: 46.570399 0.635553; WGS84: N46°34’13.436″ E0°38’7.991″]

 

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