Frankreich

2009 – Mit dem Wohnmobil an die französische Atlantikküste

 

Mit einem Wohnmobil an die französische Atlantikküste

 

Die Reise diente dem Zweck einer Recherche für einen Wohnmobilreiseführer.

Leider hat der Verlag den Auftrag zurückgezogen, nachdem ich die teure Reise beendete und bereits einige Teile des Manuskriptes fertig hatte. Daher veröffentliche ich ab hier die bereits fertigen, aber nicht lektorierten Abschnitte, des Buches an dieser Stelle. Campingplätze und Wohnmobilstellplätze sind im Reiseforum aufgelistet.

Möglicherweise können aber die ein oder anderen Informationen weiter helfen. Viel Spaß:

 

Das Limousin bis Limoges

Auf dem Weg zur französischen Atlantikküste durchquert man zwar nicht zwangsläufig, aber oftmals die Region Limousin. Die hügelige Landschaft besteht aus den drei Départements Corrèze, Creuse und Haute-Vienne. Letztere erhielt ihren Namen durch den Fluss, der sich durch die Region Limousin schlängelt, Vienne. Die Vienne entspringt im Zentralmassiv und mündet nach über 360 Kilometern in die Loire. Auf halber Strecke durchfließt sie die Stadt Limoges, die zugleich Hauptstadt des Limousin ist. Die nahe liegende Vermutung, dass das Limousin Namensgeber für die Limousine ist, ist berechtigt. Ein Kutschentyp aus der Region wurde als Limousin bezeichnet, wovon sich der Name für die Automobilbauart ableitet. Des Weiteren wird eine lokale Rinderart nach der Region benannt sowie eine großporige Eiche, die in den umliegenden Wälder der Hauptstadt wächst.
Das Limousin bildet jedoch auch eine Sprachengrenze. Südlich der Region bis zum Mittelmeer und über die Pyrenäen hinweg wird neben Französisch bzw. Spanisch auch Okzitanisch gesprochen, welches sich wiederum in mehrere Dialekte gliedert.
Limoges als Hauptstadt der Region dient als idealer Ausgangspunkt für eine Route durch das Limousin und auf dem weiteren Weg zur französischen Atlantikküste.

Parkplätze:
Rue des Charseix [Dezimal: 45.82812 1.261748; WGS84: N45°49’41.232″ E1°15’42.293″],
Rue des Charseix [Dezimal: 45.828513 1.263218, WGS84: N45°49’42.647″ E1°15’47.585″],
Quai Louis Goujaud [Dezimal: 45.82836 1.269059, WGS84: N45°49’42.096″ E1°16’8.612″],
Place Jourdan [Dezimal: 45.831529 1.263942, WGS84: N45°49’53.504″ E1°15’50.191″]

Der Name Limoges bzw. Limousin leitet sich von den Lemoviken ab, einem antiken Stamm der Kelten. Diese siedelten sich bereits vor der Zeit der Römer an der Stelle des heutigen Limoges an. Ihre Hauptstadt trug den Namen Augustoritum, doch während der römischen Herrschaft erhielt sie die Bezeichnung Civitas Lemovicum und war ein wichtiger Knotenpunkt zwischen den Stadtverbindungen Orléans-Agen und Saintes-Lyon. In der Folge entstanden mehrere wichtige Bauten der Römer, unter anderem ein Amphitheater, Thermen sowie ein Tempel, der Venus, Minerva, Diana und Jupiter geweiht war. An der Stelle des Tempels befindet sich heute das Wahrzeichen der Stadt, die Kathedrale St-Étienne. Mit dem Bau des Gotteshauses begann man im ausgehenden 13. Jahrhundert, musste aber nach einem halben Jahrhundert die Arbeiten aus Geldmangel vorläufig einstellen. Obwohl aber noch im späten 14. Jahrhundert weitergebaut werden konnte, wurde die Kathedrale erst im Jahr 1888 fertig gestellt. Die schönen Fresken in der Krypta sind der Öffentlichkeit leider nicht zugänglich, für Besucher bleiben daher nur die Fresken aus den verschiedenen Kapitellen. Diese entstanden jedoch erst im 19. Jahrhundert mit der Fertigstellung der Kirche.
Die Kirche erhebt sich auf einem Hügel über dem Fluss Vienne und befindet sich mitten in der „Cité“, dem Altstadtbereich von Limoges. Links hinter dem Gotteshaus geht es durch die Rue Porte-Panet und Rue de la Règle leicht hinab, zwischen hübschen Fachwerkbauten hindurch bis zum Botanischen Garten. Der öffentlich zugängliche und kostenlose Park umfasst zwei Hektar und trägt die offizielle Bezeichnung „Botanischer Garten des Bistums“. Gegründet wurde er bereits im 18. Jahrhundert, sein heutiges Aussehen erhielt die Anlage jedoch erst nach einer Neugestaltung im Jahr 1976. Über 1.200 Pflanzen wachsen auf mehreren Terrassen, von denen man einen schönen Blick auf den Fluss werfen kann.
Ebenfalls kostenlos ist der Besuch im Museum des Widerstands. Dieses befindet sich nur wenige Schritte rechts neben dem Eingang zum Botanischen Garten. Es präsentiert Waffen, Dokumente und weitere Exponate aus der Zeit des Widerstands im Zweiten Weltkrieg. Die Stadt wurde am 21. August 1944 mit Hilfe der Résistance unter Führung von Georges Guingouin befreit.

Musée de la Résistance à Limoges (Museum des Widerstandes in Limoges), 3, rue de la Résistance, 87000 Limoges, Tel. 05 55 45 98 23, geöffnet von Juni-Mitte September tägl. 10-12 und 14-18 Uhr, sonst Mi-Mo 14-17 Uhr, Eintritt frei. [Dezimal: 45.828744 1.267909; WGS84: N45°49’43.478″ E1°16’4.472″]

Direkt gegenüber vom Botanischen Garten befindet sich in dem kleinen Eckhaus der Zugang zu einer Ausstellung, die das Kunsthandwerk der Stadt betrifft. Das Gebäude wurde im ausgehenden 19. Jahrhundert auf den Überresten einer Benedikinerabtei errichtet, die sich zwischen dem 9. und dem 18. Jahrhundert an dieser Stelle erhob. Neben temporären Ausstellungen, die in den kühlen Gewölben des Untergeschosses zu sehen sind, werden auch 75 Werke präsentiert, die von lokalen Künstlern entworfen wurden.

Citè des métiers et des Arts (Stadt der Gewerbe und Künste), 5, rue de la Règle, 87009 Limoges, Tel. 05 55 32 57 84, Fax 05 55 33 86 86, www.cma-limoges.com, Eintritt 5 €. [Dezimal: 45.829043 1.267649; WGS84: N45°49’44.555″ E1°16’3.536″]

Schlendert man weiter auf der Rue de la Règle und am Eingang zum Botanischen Garten vorbei, gelangt man in kleine Gassen mit Kopfsteinpflaster, durch die man weiter abwärts bis zum Vienne-Ufer gelangt. Von dort kann man die Überreste der Stadtmauer sehen, die die heutige Altstadt umfassten. Lohnenswerter ist jedoch der Rundgang durch den Botanischen Garten, im Blick ständig die Kathedrale St-Étienne. Da Limoges für einen kurzen Zeitraum Bischofssitz war, befindet sich rechts neben der Kirche die ehemalige Bischofsresidenz. In ihr ist heute das Städtische Museum des Bistums untergebracht. Überwiegend sind dort Emaillearbeiten zu betrachten. Limoges war im Mittelalter über die Stadtgrenzen hinaus bekannt für die Herstellung von Emaillearbeiten. Zahlreiche Werke wurden zur damaligen Zeit exportiert, unter anderem nach Italien, Spanien und bis in den hohen Norden nach Schweden. Heute sind die Emaillearbeiten aus Limoges unter anderem sogar im Louvre in Paris zu sehen. Im städtischen Museum des Bistums in Limoges verdeutlichen hingegen mehr als 500 Exponate die Geschichte der Stadt seit dem 12. Jahrhundert. Doch in dem 1912 gegründeten Museum befindet sich neben der Emaillekunst auch eine Gemäldesammlung unter anderem mit fünf Werken von Pierre-Auguste Renoir, der 1841 in Limoges zur Welt kam.

Musée Municipal de l’Êveché (Städtisches Museum des Bistums), Place de la Cathédrale, 87000 Limoges, Tel. 05 55 34 44 09, Fax 05 55 34 44 14, Mi-Mo 10-11.45 Uhr und 14-17 Uhr (im Juni bis 18 Uhr), von Juli bis September tägl. 10-11.45 Uhr und 14-18 Uhr. [Dezimal: 45.828338 1.265926; WGS84: N45°49’42.017″ E1°15’57.334″]

Lohnenswert ist aber auch ein Spaziergang durch die modernere Innenstadt, außerhalb des Altstadtviertels. Links neben der Kirche St-Étienne trifft die Rue Haute-Cité auf die Rue des Allois und bildet dabei einen kleinen, trapezförmigen und mit Kopfsteinpfalster bedeckten Platz. Es wäre übertrieben zu behaupten, dort handele es sich um ein Kneipen- oder Szeneviertel, doch ist dieser Platz von mehreren Lokalen geprägt, die ihre Tische und Stühle auch draußen stehen haben und besonders in den Abendstunden ein besonderes Ambiente verbreiten.
Folgt man der Rue Haute-Cité und hält sich dabei halbrechts, überquert man wenig später und etwas weiter unterhalb den Boulevard de la Cité. Diese breite Straße trennt den modernen Teil der Innenstadt von der Cité genannten Altstadt. Über die Rue Raspail und Rue du Collège erreicht man schließlich die gotische Kirche St-Pierre, die sich am gleichnamigen Platz aus dem 19. Jahrhundert erhebt. Schräg gegenüber ist ein kleiner Pavillon zu sehen, der 1919 als Kühlhaus für importiertes und gefrorenes Rindfleisch aus Argentinien gebaut wurde. Seine sehenswerte Fassade ist mit kleinen Fayence-Kacheln verziert. Heute befindet sich in dem Gebäude eine Ausstellungshalle.
Gegenüber der Kirche St-Pierre beginnt die schmale Gasse Rue Fourié. Sie führt geradewegs auf die Fußgängerzone von Limoges zu. Nach einem kurzen Schaufensterbummel in der Straße sollte man an ihrem Ende rechts abbiegen und auf dem folgenden Place de la Motte seinen Blick schweifen lassen. Auf der linken Seite kann man die Markthalle von Limoges mit ihrer Fassade aus Ziegelstein und sehr viel Glas nicht übersehen. Im Inneren bietet sich der Kauf von frischem Gemüse, Obst und Fleisch geradezu an. Die Halle wurde in den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts errichtet.

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Halles Centrales (Markthalle) Limoges, Place de la Motte, geöffnet 8-14 Uhr. [Dezimal: 45.829649 1.256845; WGS84: N45°49’46.736″ E1°15’24.642″]

Gegenüber der Markthalle befindet sich auf dem ersten Blick ein unscheinbarer Platz mit drei Bäumen und einer Ansammlung von Sonnenschirmen, die zum angrenzenden Lokal gehören. Doch wer genauer hinschaut, wird eine sehr schöne Trompe-l’œil-Malerei entdecken. Hierbei handelt es sich um illusionistisches Gemälde, welches eine Räumlichkeit vortäuscht. Die Künstler erreichen ihr Ziel der Täuschung durch eine geschickte perspektivische Darstellung. Meistens findet man Trompe- l’œil-Gemälde innerhalb von Räumen, doch hier verziert die Malerei eines der Bauwerke, die an den Platz heran reichen. Das Fresque Cobaty, wie das Gemälde heißt, zeigt nicht nur ein Fachwerkhaus und ein Tuch, auf dem wiederum eine Landschaft zu sehen ist, sondern auch auf der linken Seite zwei Fenster. Im rechten dieser beiden Fenster ist eine Frau zu erkennen, welches gerade für den Künstler im linken Fenster Modell steht. Bei dem Künstler handelt es sich übrigens um Pierre-Auguste Renoir, der genau an diesem Platz geboren wurde. Ihm zu Ehren wurde das Trompe-l’œil gemalt. Besonderen Augenmerk sollte man hierbei aber auf das linke Fenster richten, und genau hinschauen was Renoir wirklich zeichnet.

Bisher unerwähnt blieb die Tatsache, dass Limoges sich einen Namen als Porzellanstadt gemacht und diesem Weißen Gold seinen Aufstieg zu verdanken hat. Im Jahre 1765 wurde 40 km südlich der Stadt, in der Nähe der Ortschaft Saint-Yrieix-la-Perche, ein großes Kaolin-Vorkommen entdeckt. Kaolin ist ein feines, weißes Gestein, welches Kaolinit enthält und der Herstellung von Porzellan dient. In der Folge entstanden zahlreiche Porzellanmanufakturen in und um Limoges, deren Produktivität in der Mitte des 19. Jahrhunderts ihren Höhepunkt besaß. Ein Beispiel zeigt die älteste Manufaktur, die bis zu 800 Mitarbeiter an 17 verschiedenen Öfen beschäftigte. Wohlgemerkt, diese Fabrik war nur eine von vielen, die sich mit der Herstellung von Porzellan befasste. So ist es natürlich kein Wunder, dass es in der Stadt auch ein Museum gibt, welches sich ausschließlich mit dem zerbrechlichen Material beschäftigt. Gegründet wurde dies bereits im Jahre 1845 und erhielt zwei Jahrzehnte später einen Direktor namens Adrien Dubouché, der gebürtig aus Limoges stammte. Er war ein leidenschaftlicher Kunstsammler und interessierte sich besonders für das Porzellan. Dem Museum stiftete er noch zu Lebzeiten über 4.000 Exponate, worauf das Museum seinen Namen verdankt: Musée National Adrien Dubouché.
Zu erreichen ist es zu Fuß über die Rue Othon Péconnet, welche den Place de la Motte mit dem Place d’Aine verbindet. Dort erhebt sich Justizpalast, dessen Tympanon sich auf vier ionischen Säulen befindet. Lässt man diesen links liegen, erreicht man im weiteren Verlauf Place Winston Churchill, an dem sich das Nationalmuseum befindet.

Musée National Adrien Dubouché (Nationalmuseum Adrien Dubouché), 8, place Winston Churchill, 87000 Limoges, Tel. 05 55 33 08 50, Fax 05 55 33 08 55, E-Mail: contact.musee-adriendubouche@culture.gouv.fr, www.musee-adriendubouche.fr, Mi-Mo 10-12.25 Uhr und 14-17.40 Uhr,  € 4,50. An jedem ersten Sonntag im Monat ist der Eintritt frei. Einen Audioguide gibt es leider nur in englischer und französischer Sprache. [Dezimal: 45.832407 1.252376; WGS84: N45°49’56.665″ E1°15’8.554″]

 

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