Frankreich

2009 – Mit dem Wohnmobil an die französische Atlantikküste

 

Mit einem Wohnmobil an die französische Atlantikküste

 

Die Texte waren für einen Wohnmobilreiseführer geplant, der auf Grund von Differenzen mit dem Verlag nicht gedruckt wurde. Daher veröffentliche ich diese Exkurse zum Thema Französische Atlantikküste an dieser Stelle:

 

Renoir (Limoges)

Im Jahr 1841 wurde in Limoges ein kleiner Junge namens Pierre-Auguste Renooir geboren. Doch schon drei Jahre später zogen seine Eltern mit ihm nach Paris, wo er zunächst aufwuchs. Als erfolgreicher Porzellenmaler verdiente er bereits mit 15 Jahren so viel, dass er sogar seine Familie finanziell unterstützen konnte. Auf dem Höhepunkt seines Erfolges setzten sich jedoch moderne Drucktechniken durch und so war Renoir gezwungen diese Tätigkeit aufzugeben.
In der Folge studierte er Malerei und lernte neben Gustave Courbet auch den aus der Normandie stammenden Claude Monet kennen, mit dem er sich anfreundete. Nach der Teilnahme am Deutsch-Französischen Krieg lebt er zunächst von der Hand in den Mund. Erst als ihm der erfolgreiche Kunsthändler Durand-Ruel einige Bilder abkauft, setzt langsam aber stetig der Erfolg ein. Der Impressionist erhält zahlreiche Aufträge zur Porträtmalerei, unter anderem auch von Richard Wagner, den er in Italien malt. Gleichzeitig wechselt er den Stil vom Impressionismus zum Klassizismus und Renoir malt auch trotz Arthritis im hohen Alter noch zahlreiche Stillleben, Porträts und Landschaftsbilder. Im Jahr 1919 stirbt Renoir an der Côte d’Azur, wo er Jahre zuvor auf Grund des besseren Klimas hinzog. In seine Geburtsstadt Limoges ist er nie wieder zurück gekehrt. Heute hängen seine Bilder in zahlreichen Museen zwischen Los Angeles und St. Petersburg. Eines seiner berühmtesten Gemälde ist „Lise mit dem Sonnenschirm“, mit dem er auf dem Pariser Salon 1868 große Erfolge feiern konnte. Das Bild ist heute im Essener Folkwang-Museum zu sehen.

Wein (Bordeaux)

Kaum ein Wein ist wohl bekannter als der Bordeaux-Wein. Bereits seit 2.000 Jahren wird in der Region der Hafenstadt Wein angepflanzt. Dabei war der Anbau nicht immer erfolgreich. So führten verschiedene regionale Streitigkeiten, wie zum Beispiel der Einmarsch der Normannen, beinahe zum Untergang des Weinanbaus oder auch natürliche Begebenheiten, wie die Reblaus. Heute werden auf einer Fläche von 120.000 Hektar rund um Bordeaux fast 6 Millionen Hektoliter Wein erzeugt. Dabei wird das Anbaugebiet in fünf verschiedene Regionen unterteilt, die sich an den Ufern der Gironde, Garonne und Dordogne befinden. Die Lage des Anbaugebietes mit ihrem Boden und dem äußerst günstigen Klima sorgt aber nicht nur für einen guten Wein, sondern diente auch schon vor Jahrhunderten dem Handel der über die Hafenstadt erfolgte. Unterschieden werden die Weine zwischen Marken- und Gutsweinen, den so genannten Château-Weinen. Letztere bestehen aus Trauben, die lediglich auf ein einziges Weingut zurück zu führen sind während Markenweine aus durch verschiedene Mischungen von Trauben hergestellt wurden. Im Bordelais, der französischen Bezeichnung für das Weinanbaugebiet, existieren rund 4.000 verschiedene Châteaux.

Poffertjes (Bordeaux)

Vor allem auf Weihnachts- oder Jahrmärkten sieht man oftmals kleine Stände, die leckeres Backwerk anbieten. Dieses ähnelt kleinen Pfannkuchen, die in einer gusseisernen Pfanne mit Vertiefungen angefertigt werden. Alleine der Name deutet schon daraufhin hin, dass dies nichts mit Frankreich zu tun haben kann – Poffertjes. Doch dies täuscht, denn was gerne als niederländische Spezialität angeboten wird, hat seinen Ursprung im französischsprachigen Raum, genauer gesagt, in der Umgebung von Bordeaux. Dort mussten Mönche gegen Ende des 18. Jahrhunderts ihre Hostien aus der Not heraus mit Buchweizenmehl herstellen und erfanden auf diese Weise mehr oder weniger zufällig die heute als Poffertjes bekannten Backwaren. Die dort ansässigen Händler waren von den Leckereien so begeistert, dass sie das Rezept übernahmen und sich dieses relativ schnell verbreitete. Doch erst in den Niederlanden wurden die gebackenen Bällchen wirklich berühmt und werden seitdem als typisch holländisch verkauft.

 

Jakobsweg

Einmal quer durch Nordspanien verläuft über fast eintausend Kilometer der Jakobsweg. Er beginnt in den Pyrenäen und endet offiziell im galicischen Santiago de Compostela. Wahre Pilger gehen aber noch ein Stück weiter bis an die Küste. Dort am Cap Finisterre soll der Apostel Jacobus der Ältere erschienen sein und machte damit die nahe gelegene Stadt zu einem der wichtigsten Wallfahrtsorte des Christentums. Nachdem im Laufe der Jahrhunderte das Interesse am Jakobsweg aber wieder nachließ, ist besonders in den letzten Jahren ein regelrechter Boom entstanden. Dieser wird so manchen Pilger, der auf dem Jakobsweg in sich gehen will, abschrecken. Über 100.000 Pilger jährlich werden mittlerweile gezählt, die den gelben Pfeilen auf dem Boden folgen und sich teilweise dabei ein Rennen liefern, um in den Herbergen am Wegesrand noch rechtzeitig eine Unterkunft zu erhalten. Gab es vor wenigen Jahren noch zahlreiche Klöster und Pilgerherbergen, die auf Spendenbasis ein Bett bereit hielten, so entstanden in letzter Zeit vermehrt auch kommerzielle Unterkünfte, die dem Pilger die Anwesenheit nach einem langen Marsch so angenehm wie möglich gestalten wollen. Erfahrene Pilger weichen mittlerweile auch auf andere Wege aus, um dem Trubel auf dem Hauptweg, dem so genannten Camino de Santiago zu entgehen. So nutzen manche Gläubige auch den Weg, der direkt an der nordspanischen Küste verläuft oder starten im Süden Spaniens oder in Portugal, um auf verschiedenen anderen Wegen Santiago de Compostela zu erreichen.
Genau betrachtet handelt es sich beim Jakobsweg nämlich um ein Weggeflecht, das sich über ganz Europa verteilt. Die Nebenwege sind zum Teil zwar auch historisch nachgewiesen, aber wer von DEM Jakobsweg spricht, meint in der Regel den Pilgerpfad in Nordspanien. In diesem wiederum münden die vier französischen Jakobswege, die aus dem Norden und Osten kommen und an zahlreichen französischen Wallfahrtsstätten vorbei führen um sich schließlich in den Pyrenäen zu vereinen.
Diese tragen die Namen Via Turonensis (Paris – Orléans – Tours – Poitiers – Saintes – Bordeaux – Saint-Jean-Pied-de-Port – Puente la Reina), Via Lemovicensis (Vézelay – Limoges – Périgueux – Saint-Sever – Saint-Jean-Pied-dePort – Puente la Reina), Via Podiensis (Le-Puy-en-Velay – Cahors – Aire-sur-l’Adour – Saint-Jean-Pied-dePort – Puente la Reina) und Via Tolosana (Arles – Toulouse – Auch – Col du Somport – Puente la Reina). Daher trifft man auf den Routen in diesem Buch nicht selten auf den Jakobsweg, insbesondere auf die Wege Via Turonensis und Via Lemovicensis.
Wer also am Wegesrand eine gelbe Muschel auf blauem Grund sieht, der weiß, dass er sich auf dem Jakobsweg befindet und der Muschel folgend, Santiago de Compostela erreichen würde.

 

Massaker von Oradour

Am 6. Juni 1944 landeten die alliierten Streitkräfte in der Normandie und erzielten so einen wichtigen Meilenstein in der Befreiung Europas von Hitlerdeutschland. Als Folge dessen erteilte man in Berlin den südlich gelegenen Divisionen den Marsch nach Norden, um die Frontlinie zu verstärken. Auf dem Weg dorthin kam es zu einem Zwischenfall, in dem französische Widerstandskämpfer einen SS-Sturmbannführer töteten. Am Tag darauf erhielt die SS-Division „Das Reich“ den Befehl eines weiteren Sturmbannführers. Er lautete Vergeltung für den Tod des Offiziers und den wachsenden Widerstand, der so aussah, dass das Dorf Oradour-sur-Glane dem Erdboden gleich gemacht werden solle. Bis zu diesem Zeitpunkt war die kleine Ortschaft vom Zweiten Weltkrieg weitestgehend unberührt. Gegen 15.00 Uhr am 10. Juni 1944 war der Ort von 150 SS-Leuten umstellt, die daraufhin sämtliche Einwohner ohne Ausnahme auf den Marktplatz trieben. Wer aus gesundheitlichen Gründen nicht in der Lage war, wurde sofort in seinem Haus erschossen. Die Frauen und Kinder des Dorfes wurden in die Kirche gebracht, während die Männer in mehrere Scheunen gehetzt wurden. Sofort wurde in den Scheunen das Feuer eröffnet und die Männer erschossen. Anschließend zündete die SS die Gebäude an, um die wenigen Verletzten auch noch zu töten. Die Kirche wurde ebenfalls angezündet und in das Innere warf man Handgranaten, gleichzeitig schoss man vom Kirchenportal wahllos in die Menge. Von den über 400 Frauen und Kindern in der Kirche überlebte nur eine einzige, die sich durch das Altarfenster retten konnte, während aus den Scheunen sechs Männer fliehen konnten. Das Verbrechen dauerte nur wenige Stunden, am Abend waren 642 Menschen getötet und damit ein ganzes Dorf ausgelöscht.
Nur einige der SS-Leute überlebten den Krieg und wurden erst 1953 in Bordeaux angeklagt. Allerdings hat die Regierung der noch jungen Bundesrepublik die Verantwortlichen für das Massaker nicht ausgeliefert. Der Prozess wurde zu einer Farce und war auch von Politikern aus Frankreich nicht besonders erwünscht. Es gab lebenslange Haftstrafen und Todesurteile, die aber nicht ausgeführt wurden. Sämtliche Angeklagten waren noch in den 1950er Jahren wieder auf freiem Fuß. Die längste Haftstrafe erhielt Heinz Barth, der als 23jähriger an dem Massaker beteiligt war. Er wurde erst 1981 in seinem Heimatort in der DDR festgenommen. Seine Familie wusste bis zu diesem Zeitpunkt nichts von seinem Taten. Das Stadtgericht Berlin verurteilte in zu lebenslanger Haft, die im mittlerweile vereinten Deutschland 1997 auf Grund seines Gesundheitszustandes aufgehoben wurde. 2007 starb der letzte Verbrecher von Oradour-sur-Glane.

Heiliger Eligius

Der hl. Eligius stammt aus der Nähe von Limoges, genauer gesagt aus dem weiter nördlichen Chaptelat, wo er gegen Ende des 6. Jahrhunderts geboren wurde. Nachdem er das Goldschmiedehandwerk erlernte wurde er auf Grund seiner handwerklichen Qualitäten dem Merowingerkönig Chlothar II. empfohlen. Am französischen Königshof wurde er zum Schatzmeister und Berater von Chlothars Nachfolger König Dagobert. Nachdem dieser starb, ließ er sich zum Priester weihen und wurde Bischof von Noyon. Doch noch vor seiner Zeit als Geistlicher ließ Eligius Kirchen und Klöster errichten. Heute ist der Heilige Eligius Schutzpatron zahlreicher Handwerksberufe aber auch von Bauern, Tierärzten und sogar von Pferden. Auf Bildern, die den Heiligen darstellen, ist er immer an seinen Attributen Hammer oder Zange zu erkennen.

Okzitanisch

Okzitanisch ist kein Dialekt. Okzitanisch hat selber Dialekte. Lange Zeit sprach man in Frankreich Französisch und Okzitanisch. Ersteres nördlich der Loire, letzteres südlich des Flusses. Entwickelt haben sich beide Sprachen aus dem so genannten Vulgärlatein und noch heute würde man im südlichen Drittel Frankreichs Okzitanisch sprechen, wenn man es in den letzten Jahrhunderten erlaubt und nicht verdrängt und sogar teilweise verboten hätte. Frankreich kann nur bestehen, wenn es eine gemeinsame Sprache spricht, so argumentierte man im 18. Jahrhundert und wer Okzitanisch sprach, musste mit Bestrafung rechnen. Doch genauso wie die französischen Dialekte Bretonisch, Elsässisch und Baskisch konnte auch diese Sprache, die ebenso im spanischen Katalonien gesprochen wird, bis heute erhalten werden. Die okzitanischen Dialekte lassen sich in Provenzalisch, Gaskognisch und Languedokisch unterscheiden, die von schätzungsweise zwei Millionen Franzosen gesprochen werden. Heute wird Okzitanisch sogar wieder an verschiedenen Universitäten gelehrt und es kommt nicht selten vor, dass Straßenbeschilderungen, wie zum Beispiel in Toulouse zweisprachig aufgestellt werden.

 

Pierre Loti

Julien Viaud wurde 1850 in Rochefort geboren und wurde als Pierre Loti nicht nur in Frankreich bekannt. Schon als junger Mann entdeckte er das Reisen für sich und besuchte ferne Länder in Südamerika, das afrikanische Senegal und unternahm mehrere Touren in den asiatischen Raum. Seine zahlreichen Erlebnisse protokollierte er in seinen Tagebüchern, die zugleich als Vorlage für verschiedene Romane dienten. Werke, die auch außerhalb von Frankreich veröffentlicht wurden, sind zum Beispiel „Die Wüste“ und „Die letzten Tage von Peking“. Loti trat 1892 der Gelehrtengesellschaft „Académie française“ bei, die maximal 40 Mitglieder gleichzeitig zählt und die höchste Auszeichnung für Intellektuelle gilt. Nach seinem Tod im Jahr 1923 hinterlässt er seine Tagebuchaufzeichnungen, verschiedene selbst erschaffene Gemälde sowie sein Elternhaus, welches besichtigt werden kann und in dem zahlreiche Andenken seiner vielen Reisen zu sehen sind. Seine Geschichten gehören zu den meist gelesenen Werken des ausgehenden 19. Jahrhunderts. Die Beerdigung auf der Île d’Oléron wird zu einem Staatsbegräbnis. Heute trägt ein Hotel in Istanbul sogar seinen Namen.

Austern und Zucht

Schon seit der Steinzeit werden Austern vom Menschen gegessen. Da diese Muschelart überwiegend in Küstengewässern mit Gezeiten leben, konnte man sie an manchen Orten sogar ziemlich einfach einsammeln und frisch verspeisen. Schon die Griechen und Römer kannten Techniken zur Austernkultivierung und es ist anzunehmen, dass zu dem Zeitpunkt auch schon in Asien bekannt war, wie man Austern züchtet. Immerhin ist die Volksrepublik China heute der größte Austernproduzent mit rund 80 Prozent der jährlich konsumierten Austern. Hierbei gilt übrigens zu beachten, dass fast 96 Prozent aller Austern weltweit aus Zuchtbetrieben stammen und nur noch wenige auf traditionelle Weise gefischt werden.
Durch die frühe Beliebtheit der Auster als Speise kam es schon zu Beginn des 18. Jahrhunderts zu einer Überfischung, so dass Mitte des Jahrhunderts die Austernfischerei in der Bucht von Arcachon für mehrere Jahre verboten wurde. Doch in späteren Jahren musste die Fischerei zeitweise eingestellt werden, damit sich der natürliche Bestand an Austern wieder erholen konnte. Doch diese Praktiken hatten immer nur kurzen Erfolg und in der Mitte des 19. Jahrhunderts besann man sich wieder darauf, Austern nicht nur zu fischen, sondern auch zu züchten. In den 70er Jahren des letzten Jahrhunderts kam es zu zwei schweren Virusepidemien bei europäischen Austern, so dass man sich gezwungen sah, die so genannte Pazifische Auster aus Japan einzuführen, um den Bestand zu retten bzw. zu erhalten.
Kultivierungsmöglichkeiten gibt es vier verschiedene. Die Bodenkultivierung, bei der Austernbabys ausgesät und nach einer Zuchtzeit von bis zu sechs Jahren gefischt werden, gilt dabei als die günstigste. Ferner gibt es die Tischkultivierung, die mittels Säcken an Eisengestellen funktioniert. Die Austern sind dabei in den Säcken, die regelmäßig gewendet werden müssen. Die beiden anderen Maßnahmen ähneln sich insofern, dass entweder Säcke oder Leinen an Booten bzw. Bojen ins Wasser gehalten werden. In Frankreich, das traditionell als Austernzuchtland Nummer eins gilt, findet die wichtigste Austernzucht rund um La Rochelle statt, wo rund 450 Betriebe einen Jahresumsatz von ca. 200 Millionen Euro mit Austern erwirtschaften. Interessant ist aber auch die Austernzucht rund um die Bucht von Arcachon, wo die Austern nicht speisefertig gezüchtet werden, sondern für andere Zuchtbetriebe noch als junge Saatauster heran gezüchtet wird.

Guillotine

Am 28. Mai 1738 erblickte Joseph-Ignace Guillotin in Saintes als eines von dreizehn Geschwistern das Licht der Welt. Nachem er zunächst im Jesuitenorden von Bordeaux Theologie studierte, wechselte er später das Fach und die Stadt und studierte in Reims Medizin. Seine Promotion erlangte er in der Pariser Universität Sorbonne. Er wurde nicht nur Mitglied der königlichen Kommission, sondern sogar als Leibarzt des späteren Königs Ludwig XVIII. Zu Zeiten der Französischen Revolution wurde oft und offen über die Todesstrafe diskutiert. Joseph-Ignace Guillotin sprach sich dafür aus, dass im Rahmen der Gleichheit auch die Todesstrafe für alle verurteilten gleich durchgeführt werden solle, zudem noch möglichst schmerzfrei. Bis zu diesem Zeitpunkt gab es verschiedene, teilweise sehr brutale, Todesstrafen, die vom Rang des Verurteilten abhingen. Charles Henri Sanson, von Beruf Henker, hatte während der Revolution beinahe 3.000 Todesurteile vollstreckt, unter anderem auch Ludwig XVI und Marie Antoinette hingerichtet. Er befürwortete die Aussage von Guillotin und machte sich für seinen Vorschlag stark. Daraufhin wurde vom Leibarzt des Königs, Antoine Louis, ein Gerät entwickelt, welches den Tod präzise, schmerzfrei und rationell herbei führt. 1792 legte er einen Entwurf vor, der sehr an das so genannte Fallbeil von Halifax erinnerte. Dieser wurde verwirklicht und nach Joseph-Ignace Guillotin benannt. Die Guillotine ist somit nicht von seinem Namensgeber erfunden worden und stammt auch nicht aus Frankreich, da es sich hierbei lediglich um eine Weiterentwicklung handelte. Guillotin selbst war es unangenehm, dass diese Tötungsmaschine seinen Namen trug, wollte er doch nur eine „humanere“ Tötungsart vorschlagen. Nach seinem Tod nahmen seine Nachfahren einen neuen Namen an.

Cognac

Ein echter Cognac kann nur aus Frankreich stammen, genauer gesagt, aus der Region rund um die gleichnamige Ortschaft. Jeder andere Weinbrand darf aus Markenschutzgründen nicht als Cognac bezeichnet werden. Grundsätzlich gilt aber für alle Arten von Weinbrand, dass sie mindestens ein halbes Jahr in Fässern aus Eichenholz gereift sein müssen. Sollten in das Fass mehr als 1000 Liter passen, so ist eine Lagerung von mindestens 12 Monaten vorgeschrieben. Ursprünglich wurde der Weinbrand im 12. Jahrhundert als Medizin von Mönchen gebrannt und erhielt vermutlich so den Beinamen Eau de Vie, welches „Wasser des Lebens“ bedeutet. Nicht nur in Deutschland wird ein herkömmlicher Weinbrand im allgemeinen Sprachgebrauch auch als Cognac bezeichnet, dabei ist dies nur eine Form dieser Spirituose und wird sogar 30 Monate gelagert. Die Fässer des echten Cognacs bestehen zudem aus Holz, welches in der Umgebung von Limousin gefällt wurde. Sechs verschiedene Anbaulagen existieren rund um die kleine Stadt Cognac, die bis auf die Île de Ré reichen. Eine der bekanntesten Cognacmarken dürfte Rémy Martin sein. Bereits in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde das Handelshaus vom gleichnamigen Winzer gegründet, fusionierte aber 1990 mit Cointreau zuu Rémy Cointreau. Zu Beginn der Jahrtausendwende gehörte auch die niederländische Firma Bols zum Unternehmen, die wiederum einen 50prozentigen Anteil an Deutschlands bekanntestem Weinbrand hatte – dem Asbach Uralt.

Mitterand

„Der letzte französische Präsident“, als solcher hat sich François Mitterrand selbst bezeichnet. Seiner Meinung nach kämen nach ihm nur noch Finanziers und von Europa eingesetzte Administratoren. François Mitterrand war Zeit seines Lebens politisch aktiv. Geboren wurde er mitten im Ersten Weltkrieg in Jarnac, wo er zunächst aufwuchs und später in Angoulême die Klosterschule besuchte. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurde er mit 23 Jahren zum Militär eingezogen. Während der Kämpfe wurde er nicht nur verwundet, sondern geriet auch in deutsche Gefangenschaft, aus der er allerdings fliehen und nach Frankreich zurück kehren konnte. Mit Hilfe der Résistance hielt er den im Exil befindlichen Charles de Gaulle auf dem aktuellen Stand und trat später seiner Exil-Regierung bei. Nach dem Zweiten Weltkrieg hatte er verschiedene Ministerposten inne und machte weiter Karriere in einer Politikerlaufbahn, die darin mündete, dass er 1981 zum Staatspräsidenten von Frankreich gewählt wurde. Damals betrug die Amtszeit des Präsidenten, so dass Mitterrand erst 1988 wiedergewählt wurde. Seine zweite Amtsperiode endete demnach 1995, ein Jahr bevor er einem langjährigen Krebsleiden erlag. In den Wäldern von Les Landes befand sich sein privater Landsitz, wo er auch politische Größen zu Gesprächen empfing.

Geschichte des Surfen/Wellenreiten

Die erste deutsche Meisterschaft im Surfen bzw. im Wellenreiten fand nicht in St. Peter-Ording oder vor der Küste Helgolands statt, sondern in – Frankreich! Um genau zu sein, am Cap de l’Homy südlich von Mimizan. Die Atlantikküste Frankreichs ist eine beliebte Region für Sufer innerhalb Europas, beinahe nur noch gefolgt vom südlichen Portugal und von der nördlichen Küste Spaniens, die –global betrachtet- nicht ganz so weit vom Küstenabschnitt zwischen Bordeaux und Biarritz entfernt ist. Die Geschichte des Surfens reicht bis zu 4.000 Jahre in die Vergangenheit zurück und geht vor allem auf die Inselbevölkerung der Polynesier zurück. Allerdings ist anzunehmen, dass das Surfen damals nicht einem Freizeitvergnügen diente, sondern unter Umständen auch der Fortbewegung auf dem Wasser. Diese sah indes aber noch anders aus als heute, denn man hat in der Regel auf dem Bauch gelegen und sich mit den Armen paddelnd fortbewegt. Kurzzeitig wurde das Surfen aber von Missionaren verboten, welche die Tätigkeit als unsittlich empfanden, da sowohl Männer als auch Frauen gemeinsam surften. Erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts begann man vorsichtig wieder damit, mit einem flachen Brett auf den Wellen zu reiten. Der Ursprung ist auch hier wieder im Pazifik zu suchen, wo sich große und lange Wellen vor der Küste Hawaiis befinden. Europäische Reisende entdeckten den Sport für sich und brachten ihn dann schließlich auch nach Europa. Während sich wagemutige junge Leute in Frankreich bereits recht früh auf die Bretter trauten, schwappte die Erfolgswelle des Surfens erst nach dem Zweiten Weltkrieg nach Deutschland, wo dies aber kein Breitensport wurde. Vielleicht ist dies mit ein Grund, weshalb die deutsche Meisterschaft im Wellenreiten seitdem regelmäßig in Aquitanien durchgeführt wird.

Jacques-Yves Cousteau

Eigentlich wollte er Pilot werden, doch Verletzungen durch einen Autounfall ließen dies nicht mehr zu. Also beschäftigte sich Jacques-Yves Cousteau weiter mit dem Meer und der Unterwasserwelt, wie er es schon während seiner militärischen Marinelaufbahn tat. Cousteau wurde 1910 im kleinen Ort Saint-André-de-Cubzac, nördlich von Bordeaux geboren bereits sehr früh Gerätschaften, um unter Wasser filmen zu können. Ebenso arbeitete er Tauchgeräten für die Marine und stellte selber einen Tauchrekord ohne Atemgeärt auf. Im Laufe seines Lebens schrieb er zahlreiche maritime Bücher und drehte einige Dutzend Filme, für die er mit dem Bambi und dem Oscar ausgezeichnet wurde. Mit einem zum Forschungsschiff umgebauten Minensuchboot namens „Calypso“ fuhr er ab den 1950er Jahren zur See. Traurige Ironie des Schicksals ist die Tatsache, dass das Schiff selbst bereits die Unterwasserwelt kennen lernte, als es im Hafen von Singapur mit einem anderen Schiff kollidiert und sank. Nach der Bergung wird es derzeit aber restauriert. Die Pläne für das Schiff reichen von einem fahrenden Museum bis hin zum weiteren Einsatz als Unterwasserlabor. Cousteau starb im Alter von 86 Jahren und hinterlässt die so genannte Cousteau Society, die sich für den Meeresschutz engagiert.

Marienerscheinung

Wunder, Halluzination oder doch nur Geschäftemacherei? Eines ist auf jeden Fall klar, ein Geschäft wird im Nachhinein daraus gemacht, unabhängig davon, ob es wirklich eine Marienerscheinung gab oder nicht. Erscheinungen von Maria müssen nicht unbedingt von streng Gläubigen gesehen worden sein. Auch Ungläubige sollen Maria schon gesehen haben und sind daraufhin bekehrt worden. Die katholische Kirche bewertet die Erscheinungen in drei Kategorien: Entweder handelt es sich tatsächlich um etwas Übernatürliches oder auch nicht, die dritte Alternative schließt beide Fälle und eine spätere erneute Überprüfung des Vorfalls nicht aus. In der Regel werden die Beurteilungen vom zuständigen Bischof abgegeben. Die Unterschiede in der Form der Marienerscheinungen sind mannigfaltig. Manche sehen nur Maria, während andere auch noch verschiedene Gerüche, z.B. Rosenduft wahrnehmen. In manchen Fällen kommt es auch zu Visionen oder dazu, dass Maria dem Sehenden eine Aufgabe erteilt. So geschehen zum Beispiel in der so genannten Herforder Vision. Sie gilt als die älteste Marienerscheinung nördlich der Alpen, bei der ein hilfsbedürftiger Mann im 10. Jahrhundert die Aufgabe erhielt, den Ort mit einem Kreuz zu markieren, damit an der Stelle die spätere Marienkirche errichtet werden konnte.
In den meisten Fällen wird der Ort einer Marienerscheinung zu einem Wallfahrtsort. Neben Lourdes existieren beispielsweise noch die Wallfahrtsstätten im irischen Knock, im mexikanischen Guadalupe oder im litauischen Šiluva. Oftmals wird dann auch von Wunderheilungen berichtet, die den dortigen Besuchern widerfahren. Doch Skeptiker gehen davon aus, dass eine Spontanheilung auch ohne den Besuch einer Wallfahrtsstätte statt finden können. Zudem seien, statistisch betrachtet, bei den Massen an Pilger wie in Lourdes sicherlich einige dabei, die sich innerhalb kürzester Zeit wieder von ihrer Krankheit erholen.

Baskenland

Mit dem Baskenland verbindet man in der Regel Autonomiebestrebungen in Spanien. Doch die baskische Landschaft reicht bis nach Frankreich hinein, wenn auch nur zu einem kleinen Teil. Die Basken sind demnach eine nationale Minderheit mit rund 240.000 Basken auf französischer Seite, von denen lediglich ein Drittel die baskische Sprache spricht. Auf spanischer Seite sind es mehr als zwei Millionen Menschen, die sich als Basken bezeichnen. Die Geschichte der Region reicht weit zurück bis in die Zeit, wo sich Kelten im heutigen Raum des Baskenlandes niederließen. Später kamen die Römer, Westgoten und Franken, die das Baskenland für sich beanspruchten. Es folgten die Königreiche von Pamplona und von Navarra, die sich nach wenigen Jahrhunderten aber auch wieder auflösten. Bis zur Franzöischen Revolution hatte das Baskenland nördlich der Pyrnäen Sonderrechte, die die dort ansässigen Händler und Fischer nutzen konnten. Doch Ruhe kehrte nie ein, es folgten Kriege gegen Spanien, wirtschaftliche Krisen und immer wieder der Ruf nach Unabhängigkeit. Letzterer mündete in die Gründung der Euskadi ta Askatasuna (baskisch für „Das Baskenland und dessen Freiheit) mit der Kurzform ETA. Das Ziel dieser radikal-nationalistischen Gruppierung war die Loslösung des Baskenlandes von Spanien. Bis Mitte der 1980er Jahre wurde die ETA auf französischem Boden toleriert, da die Regierung in Paris auf diese Weise die Bewegung gegen das spanische Franco-Regime zu unterstützen hoffte. Doch durch das Zusammenrücken Europas wich Frankreich langsam von dieser Politik ab. Leider gibt es bis heute auf beiden Seiten der Pyrenäen Anschläge, die auf die Terrorgruppe zurück zu führen sind.

Ferdinand Foch

Den höchsten militärischen Dienstgrad zu erreichen und damit Marschall zu sein, ist schon alleine eine besondere Auszeichnung seiner Tätigkeit. Aber zudem noch Marschall von drei Staaten gleichzeitig zu werden, hat eine noch größere Bedeutung. In Tarbes bei Lourdes wurde Ferdinand Foch im Jahr 1851 geboren und nahm mit 19 Jahren am deutsch-französischen Krieg teil. Nach dem Krieg verfolgte er weiterhin eine Karriere im Militärdienst und ließ sich zunächst als Artillerieoffizier schulenund absolvierte seine Professur an der französischen Kriegsschule, die er wenig später kommandierte. Weitere Erfolge in seiner Laufbahn waren die Ernennung zum Brigadegeneral und trotz Misserfolg im Ersten Weltkrieg zum Generalstabschef. Im letzten Kriegsjahr erhielt er schließlich die Beförderung zum Marschall und Kommandant der gesamten Westfront. Der modernen Kriegsführung stand er jedoch sehr konservativ gegenüber, was nicht nur der deutschen Armee stellenweise half, Land zu gewinnen, sondern auch in den eigenen Reihen zu Unmut führte. Seine wohl berühmteste Tätigkeit war die Unterzeichnung des Waffenstillstandes zwischen Frankreich und dem deutschen Kaiserreich in einem Eisenbahnwaggon in Compiègne. In Erinnerung an dieses Ereignis wurde ihm zu Ehren dort ein Denkmal errichtet. Elf Jahre nach Fochs Tod im Jahr 1929 zwang Hitler im selben Waggon die Franzosen zur Unterzeichnung eines Waffenstillstandes. Heute existiert in fast jedem französischen Ort eine Rue du Foch zahlreiche militärischen Einrichtungen wurden nach ihm benannt. Da Polen und Frankreich ein Bündnis eingingen, wurde ihm auch in Polen der Rang eines Marschalls verliehen. Auch dort sind nicht wenige Straßen nach ihm benannt.

Explosion von Toulouse

Die Terroranschläge vom 11. September 2001 lagen gerade einmal zehn Tage zurück, so dass man die Bilder noch frisch in Erinnerung hatte oder man sie noch in ständig auf den Fernsehbildschirmen flackern sah. So ist es nicht verwunderlich, dass man am 21. September 2001 morgens um 10 Uhr und 17 Minuten zunächst von einem Terroranschlag ausging, als mehrere Explosionen die Stadt erschütterten.
In der Düngemittelfabrik AZF explodierten rund 300 Tonnen Ammoniumnitrat und schufen ein zehn Meter tiefes und fünfzig Meter breites Loch, wo zuvor zwei Schornsteine und eine Lagerhalle standen. Noch fünf Kilometer entfernt gingen Fensterscheiben zu Bruch und die benachbarte Schnellstraße war mit Steinen und Bruchstücken der Fabrik übersät, während verschiedene seismologische Institute sogar ein kleines Erdbeben aufzeichnen konnten. Die gesamte Stadt war im Ausnahmezustand, so wurde der Flughafen geschlossen, das Telefonnetz brach zusammen und in der Innenstadt herrschte Panik. 30 Menschen sind durch die Explosion getötet worden, über 10.000 verletzt, ein Viertel davon schwer. Rund 40.000 Menschen wurden obdachlos, da sich das Industriegebiet im südlichen Toulouse mitten in einem Wohnviertel befand.
Die Ursache für das Unglück konnte bis heute nicht einwandfrei geklärt werden. Noch viele Monate nach der Explosion war das Gerücht eines Terroranschlags nicht beiseite zu räumen und es gab einen Verdächtigen, der in der Fabrik arbeitete und islamischer Herkunft war. Doch man geht mittlerweile von einem Unfall aus, der wiederum verschiedene Ursachen haben könnte. Einerseits wird vermutet, dass das Ammoniumnitrat falsch gelagert wurde und sich selbst entzündete, andererseits wird auch davon ausgegangen, dass ein Arbeiter verunreinigtes Nitrat mit Chlor entsorgte und dies zu einer chemischen Reaktion führte. Nicht außer Acht gelassen wird aber auch die Tatsache, dass sich direkt neben der einstigen Fabrik die Firma SNPE befindet. Dort wird der Treibstoff für die europäische Trägerrakete Ariane hergestellt. So wird gemutmaßt, dass an dem verhängnisvollen Tag Dämpfe aus der Treibstofffabrik zur Lagerhalle geweht wurden und so mit dem Ammoniumnitrat reagieren konnte. Man mag sich gar nicht vorstellen, was passiert wäre, wenn die benachbarte Fabrik ebenfalls explodiert wäre.

Airbus (Toulouse)

In den 1960er Jahren schlossen sich mehrere Flugzeughersteller auf deutscher und französischer Seite zusammen um dem großen Konkurrenten aus Amerika, Boeing, Paroli zu bieten. Dabei fusionierten beispielsweise so namhafte Unternehmen wie Messerschmitt oder Dornier zu einem Unternehmen namens Airbus. Nach einer Zeit verschiedener Beteiligungsformen unter anderem durch Daimler-Benz, dem Deutschen Luft- und Raumfahrtkonzern und der EADS wurde Airbus im Jahr 2001 eine Gesellschaft mit franzöischer Rechtsprechung und Sitz in Toulouse, deren Mutterkonzern jedoch immer noch die EADS ist. Gleichzeitig wurde im selben Jahr das ursprüngliche Ziel erreicht, mit Boeing nicht nur mithalten zu können, sondern die amerikanische Konkurrenz zu überbieten: Es wurden bei Airbus mehr Flugzeug in Auftrag gegeben als bei Boeing. Gebaut werden die Flugzeuge in mehreren Werken, die sich überwiegend in Europa befinden, dabei sind die deutschen Werke beinahe genau so groß wie die französischen. In Toulouse wird rund um den Flughafen in  mehreren Hallen die Endfertigung der Flugzeuge betrieben.
Das erste von Airbus hergestellte Flugzeug war ein so genannter A300, deren Jungfernflug im Jahr 1972 statt fand. Der A300 wurde noch bis Sommer 2007 gebaut. Bei der Reihenbezeichnung mit dem Buchstaben A ist Airbus bis heute geblieben. Großes Aufsehen erregte in den letzten Jahren der Bau und der Flug des Airbus A380. Dieses vierstrahlige Flugzeug ist das größte zivile Flugzeug der Welt und hat im Inneren zwei druchgängige Passagierdecks. Die Innenausstattung wird in Hamburg hergestellt, die Endfertigung findet aber auch bei dem Flaggschiff des Unternehmens am Hauptsitz in Toulouse statt.

 

 

Schreibe einen Kommentar


Kleine Rechenaufgabe Die Zeit für die Eingabe ist abgelaufen. Bitte aktivieren Sie das Captcha erneut.