Frankreich

2009 – Mit dem Wohnmobil an die französische Atlantikküste

 

Mit einem Wohnmobil an die französische Atlantikküste

 

Besuch in Poitiers

Mit Poitiers erreichen wir die Hauptstadt von Poitou-Charentes, die mit gerade einmal rund 90.000 Einwohnern relativ klein und überschaubar ist. Allerdings leben in der Agglomeration etwas über 220.000 Einwohner. Wie bereits Montmorillon gilt auch Poitiers als Stadt der Kunst und Geschichte (Villes d’Art et d’Histoire). Die Stadt liegt in einer Schleife des Flusses Clain, der wiederum 144 Kilometer lang ist und bei Châtellerault in die Vienne mündet.
Die Stadt besticht mit einem kulturellen Erbe und findet sich mit der Kirche Saint-Hilaire-le-Grand auf der Welterbeliste der Unesco wieder. Dabei ist sie nur eines von 80 Bauwerken in der Altstadt, die unter Denkmalschutz stehen.
Um diese zahlreichen Sehenswürdigkeiten besichtigen zu können, hat die örtliche Touristeninformation drei verschiedene Wegstrecken entworfen. Sie sind farblich markiert und führen an zahlreichen Informationstafeln vorbei. Um den Rahmen des Buches nicht zu sprengen, sollen an dieser Stelle nur die wichtigsten  Baudenkmäler vorgestellt werden. Doch zunächst ein paar einleitende Worte zur Geschichte der Stadt.

Das frühere römische Lemonum erhebt sich auf einem Felsvorsprung zwischen den beiden Flüssen Clain und Boivre. Die Stadt erhielt zum Schutz gegen die vorrückenden Barbaren eine Stadtmauer und entwickelte sich im Laufe der Jahrhunderte zu einer Hochburg der romanischen Baukunst in Frankreich. Nicht zuletzt auch durch die zahlreichen Kapellen, Klöster und Kirchen erhielt Poitiers den Beinamen „Stadt der Hundert Glockentürme“, der auch heute noch gerne zur Vermarktung genutzt wird.
Poitiers war häufig Schauplatz von geschichtsträchtigen Ereignissen und kriegerischen Auseinandersetzungen. Drei bedeutende Schlachten fanden in bzw. um Poitiers herum statt. Dazu gehört die Schlacht von Vouillé im Spätsommer des Jahres 507, die von Karl Martell geführte Schlacht gegen die von der iberischen Halbinsel vorstrebenden Araber im Jahr 732 und der Kampf gegen die Engländer während des Hundertjährigen Krieges im Jahr 1356.
Bei dem Gefecht von Vouillé sind sich die Geschichtsschreiber bis heute nicht einig, wo sich das Schlachtfeld befand. Zur Auswahl stehen Vouillé, rund 17 Kilometer nordwestlich von Poitiers und das ähnlich lautende Voulon, welches sich 25 Kilometer südlich von Poitiers befindet. Fest steht jedoch, dass die Franken unter Führung von Chlodwig I. die Westgoten besiegten und vertrieben.

Für das Abendland von sehr großer Bedeutung war der Kampf unter Leitung Karl Martells, auch Karl, der Hammer genannt. Mit seinem Sieg wurde die Expansion der Mauren gestoppt, doch erst viele Jahrhunderte später wurde die Bedeutung des Sieges als weltpolitisches Ereignis gehandelt. Damals betrachtete man den Kampf eben „nur“ als eine Schlacht von vielen. Auch hier ist der genaue Ort des Schlachtfeldes eher unbekannt, vermutet wird aber die Region zwischen Poitiers und Châtellerault. Die eigentlichen Kampfhandlungen fanden vermutlich nur wenige Tage statt, bei denen der maurische Befehlshaber Abd ar-Rahmann zu Tode kam. Am folgenden Tag sollte die Schlacht nach Sonnenaufgang weitergehen, doch das fränkische Heer und Karl Martell fand nur noch ein leeres arabisches Lager vor, in dem ihr verstorbener Führer zurück gelassen wurde.
Weniger glanzvoll endete die Schlacht von Maupertuis, wenige Kilometer südlich von Poitiers, im Jahr 1356. Sie war Teil zahlreicher Kämpfe während des Hundertjährigen Krieges und wurde vom französischen König Johann II. gegen Eduard Plantagenet geführt. Plantagenet ist besser bekannt als der „Schwarze Prinz“ oder auch als Edward von Woodstock. Gemeint ist selbstverständlich das englische Woodstock bei Oxfordshire, womit auch die Konfliktparteien dieser Schlacht klar sind: Das Königreich Frankreich kämpfte gegen das englische Heer, welches sich nach einem Raubzug auf dem Rückzug befand. Doch Johann II. schnitt den Engländern den Weg ab, so dass sie auf die Kampfhandlungen eingehen mussten. Obwohl die französischen Truppen mit 15.000 Mann mehr als doppelt so stark waren wie die der Engländer, gelang es Edward von Woodstock durch geschicktes Taktieren, die Oberhand zu gewinnen. Johann II. ließ seinen Sohn Karl V., ebenfalls später König von Frankreich, in das sichere Chauvigny bringen und geriet kurz darauf in Gefangenschaft. Erst fünf Jahre später wurde er freigelassen.

 

Doch neben den kriegerischen Auseinandersetzungen kann man Poiters auch mit anderen Persönlichkeiten in Verbindung bringen. Radegundis war beispielsweise die Tochter des Königs von Thüringen und gründete im jahr 558 in Poitiers das erste Frauenkloster Europas, das Sainte-Marie-hors-les-Murs. Heute ist das Kloster besser unter dem Namen Abbaye Sainte-Croix bekannt, die dazugehörige Kirche unter dem Namen Sainte-Radegonde. Zwar haben die Nonnen der Abtei im ausgehenden 20. Jahrhunderts die Abtei im Stadtzentrum verlassen und sich außerhalb der Stadt niedergelassen, doch die Kirche Sainte-Radegonde kann in einer Schleife des Flusses besichtigt werden. [Dezimal: 46.579939 0.351453; WGS84: N46°34’47.78″ E0°21’5.231″]
Schon zweihundert Jahre vor Radegundis war Hilarius in Poitiers tätig. Er war der erste namentlich bekannte Bischof der Stadt und wurde im Jahr 1851 von Papst Pius X. zum Kirchenlehrer erklärt. Heute gilt der Heilige Hilarius als Schutzpatron der Stadt Poitiers, aber auch der Stadt La Rochelle, die wir noch bereisen werden. Sein Grab befindet sich in der nach ihm benannten Kirche Saint-Hilaire südwestlich der Altstadt. [Dezimal: 46.57743 0.332395; WGS84: N46°34’38.748″ E0°19’56.622″].
Nicht zu vergessen natürlich Eleonore von Aquitanien, die um 1122 in der Stadt geboren wurde und auf deren Spuren man immer wieder stößt, wenn man Poitiers näher kennen lernen möchte. Dennoch, viel ist vom mittelalterlichen Poitiers nicht geblieben, als man im 18. und 19. Jahrhundert große städtebauliche Arbeiten vornahm und sich das Äußere Poitiers wandelte.
Die drei erwähnten Wegstrecken sind farblich markiert und verlaufen nach zur Grand Rue und der Église Saint-Radegonde (blau), zur Kirche Saint-Jean-de-Montierneuf (gelb) und zur Kirche Saint-Hilaire bzw. dem Blossac-Park (rot). Alle Touren beginnen an der prächtigen Église Notre-Dame-de-la-Grande, die sich am zentralen Place Charles de Gaulle befindet [Dezimal: 46.583524 0.343787; WGS84: N46°35’0.686″ E0°20’37.633″]

Hier sollte man ohnehin einen Rundgang durch die Stadt beginnen, befindet sich schräg gegenüber der Kirche Notre-Dame doch auch die Touristeninformation.

Die Notre-Dame-de-la-Grande erhebt sich seit beinahe 900 Jahren und wurde als Ersatz eines Vorgängerbaus errichtet.
Sie ist zwar von der Romanik geprägt, jedoch in einem romanischen Stil, der in dieser Form nur in Poitou und in den in der Nähe liegenden Landschaften vorkommt. Charakteristisch sind hierfür das fehlende Tympanon im Portal sowie die angedeuteten Eingänge rechts und links des Portals. Abgesehen hiervon ist die Fassade über dem Eingang mit unzähligen biblischen Motiven aus dem 12. Jahrhundert verziert. Auf beiden Seiten der Westfassade erheben sich zwei kleine Türme, deren Spitzen beinahe eine gerade Linie mit dem in der Mitte liegenden Dachgiebel bilden. In der Krypta der sehr dunklen Kirche sind noch Teile der originalen Bemalung zu sehen. Bei allen anderen Arbeiten handelt es sich um Restaurierungen des ausgehenden 19. sowie des letzten Jahrhunderts. Am Nordrand der Kirche befand sich bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts ein Kreuzgang. Auch von einem alten Glockenturm, der wie der Kreuzgang im 12. Jahrhundert fertiggestellt wurde, ist heute leider nichts mehr zu sehen.
Wenn wir gegenüber der Westfassade in die kleine Einkaufstraße gehen und an der nächsten Möglichkeit links abbiegen, erreichen wir nach wenigen Metern den kleinen Place Alphonse Lepetit an dessen linker Seite sich der heutige Justizpalast befindet. [Dezimal: 46.583041 0.341982; WGS84: N46°34’58.948″ E0°20’31.135″] Das Besondere an diesem Bau ist, dass es sich um den ehemaligen Palast der Grafen von Poitou handelt. Sehenswert ist die große Wandelhalle, anderen Gestaltung Eleonore von Aquitanien maßgeblich beteiligt war. Lediglich die Kaminwand am Ende der Halle sowie der Maubergeon-Turm stammen aus einer späteren Epoche. Dieser gut erhaltene und traditionsreiche Palast wurde daher auch zu einer Filmkulisse in dem von Luc Besson gedrehten Film über die Jungfrau von Orléans. Lohnenswert ist auch ein Blick auf die rückwärtige Fassade, vor der sich ein kleiner Garten erstreckt, der wiederum an die Fußgängerzone heranreicht. Hierfür verlassen wir den Platz und gehen in die Rue Gambetta. Direkt an der ersten Möglichkeit halten wir uns links und erreichen nach wenigen Metern die majestätische Rückfront des Palastes vor der sich stolz eine Statue von Jeanne d’Arc erhebt. [Dezimal: 46.582382 0.342357; WGS84: N46°34’56.575″ E0°20’32.485″]  Hier in Poitiers wurde die französische Nationalheldin drei Wochen lang auf ihre Glaubwürdigkeit und Jungfräulichkeit untersucht.

Hält man sich abermals links, so sieht man am Ende der Straße wieder den Place Charles de Gaulle und die Südfassade der Kirche Notre-Dame-de-la-Grande. Doch wenn wir auf diese zugehen, können wir schon nach wenigen Metern rechts in die abwärts führende Rue de la Cathédrale einbiegen. Zwischen den typischen Geschäften einer großstädtischen Einkaufsmeile geht es hindurch bis wir die Fußgängerzone verlassen. Dabei taucht immer wieder am Ende der Straße die nächste Sehenswürdigkeit Poitiers auf, die sich schließlich ganz am Ende der schmalen Gasse erhebt: Die mächtige Kathedrale Saint-Pierre [Dezimal: 46.580548 0.348715; WGS84: N46°34’49.973″ E0°20’55.374″], die, wie bereits der Justizpalast, im gotischen Stil erbaut wurde. Etwas über einhundert Jahre waren die Baumeister damit beschäftigt, bevor das Gotteshaus im Jahr 1271 fertig gestellt wurde. Lediglich die beiden Türme ließ man im 15 Jahrhundert nachträglich errichten. Seit 1912 trägt sie den Titel einer Basilica minor, der ihr von Papst Pius X. verliehen wurde. Im südlichen der beiden Türme (der rechte, wenn man auf das Portal schaut), beherbergt den Domschatz mit zahlreichen Artefakten aus dem 12. Jahrhundert. Nicht sehr viel jünger sind einige der Buntglasfenster vom Chor und vom Querhaus. Das Fenster in der Apsis soll sogar eines der ältesten Buntglasfenster Frankreichs sein und bringt es auf eine Höhe von über 8 Metern. Erbaut wurde die Kathedrale auf den Überresten der ehemaligen Hilarius-Kathedrale, die sich damals noch an dieser Stelle befand. Auch hier finden wir wieder Einflüsse von Eleonore von Aquitanien, dieses Mal sind es die monetären Mittel, die zum Bau der Kathedrale notwendig waren. Sie übte Einfluss auf ihren Mann, Heinrich II., König von England aus, der das Bauwerk finanzierte.

Vor der Westfassade der Kirche schreiten wir rechts durch die kleine Tür in der Wand. Sie führt uns zunächst zum Kulturzentrum. Über einige Treppenstufen geht es hinab. Dabei blicken wir an der Kuppel des Zentrums vorbei und sehen bereits auf der gegenüber liegenden Straßenseite das Bapteristum Saint-Jean. Das kleine, fast unscheinbare Gebäude gilt als das älteste christliche Bauwerk in Frankreich und wurde um 360 nach Christus errichtet. Im Inneren ist es mit zahlreichen Ornamenten ausgestattet, die jedoch bei Weitem nicht so alt sind wie das Gebäude selbst sowie ein achteckiges Taufbecken und verschiedene Sarkophage der Merowinger.

Bapterium Saint-Jean, Rue Jean Jaurés, 86000 Poitiers, Tel.: 05 49 41 21 24; Fax: 05 49 88 65 84, Juli und August: tägl. 10.30 – 12.30 Uhr und 15 – 18 Uhr, April – Juni und September: Mi – Mo 10.30 – 12.30 Uhr und 15 – 18 Uhr, Okt. – März: Mi – Mo 14.30 – 16.30 Uhr. Eintritt. [Dezimal: 46.579564 0.348395; WGS84: N46°34’46.43″ E0°20’54.222″].

Gleich neben dem Bapteristum befindet sich das Heilig-Kreuz-Museum. Das Musée Sainte-Croix ist das größte Museum der Stadt und gilt zugleich als das bedeutendste der Region Poitou-Charentes. Es befindet sich an der Stelle eines ehemaligen Klosters des Benediktinerordens Heilig-Kreuz (Sainte-Croix) und ist optisch nicht das schönste Gebäude, wurde es doch in den 1970er Jahren mit viel Beton errichtet. Es beherbergt Abteilungen verschiedener Epochen und zeigt beispielsweise Elemente einiger mittelalterlicher Sarkophage sowie zahlreiche Skulpturen und Gemälde unter dem Einfluss des Klassizismus und der modernen Kunstrichtung. Überwiegend handelt es sich selbstverständlich um ein regionales Kunstmuseum, welches die Werke lokaler Künstler präsentiert.

Musée Sainte Croix, 3 bis Rue Jean Jaures, 86000 Poitiers, Tel.: 05 49 41 07 53, Fax: 05 49 88 61 63, E-Mail: musees@mairie-poitiers.fr, Web: www.musees-poitiers.org. Juni – September Di – Fr 10 – 12 Uhr, 13.15 – 18 Uhr, Sa und So 10 – 12 Uhr und 14 – 18 Uhr, im Juni, Juli und August Di bis 20 Uhr. Sonst Mi – Fr 10 – 12 Uhr und 13.15 – 17 Uhr, Sa und So 14 – 18 Uhr. [Dezimal: 46.579856 0.347324, WGS84: N46°34’47.482″ E0°20’50.366″]

Wenn wir nach dem Besuch des Bapteristums bzw. des Museums erneut die Rue Jean Jaurés überqueren und uns nach rechts wenden, so biegen wir direkt an der ersten Straße, Place Sainte-Croix, links ein. Dabei passieren wir die gewaltige Rückfront der Kathedrale Saint-Pierre und biegen genau hinter dem Gotteshaus in die kleine  Rue Arthur de la Mauvinière an deren Ende wir auf die bereits erwähnte Église Sainte-Radegonde treffen.
Hinter der Kirche gelangt man nach Überquerung einer Straße zu einem Parkplatz [Dezimal: 46.5792 0.352665; WGS84: N46°34’45.12″ E0°21’9.594″] am Ufer des Flusses Clain. Von dort haben wir einen schönen Blick auf die alles überragende Statue Notre-Dame-des-Dunes [Dezimal: 46.578925 0.355221; WGS84: N46°34’44.13″ E0°21’18.796″]. Die über sechs Meter hohe Statue befindet sich auf einer Anhöhe und stellt die Mutter Gottes mit ihrem Kind dar, welche schützend die Hand über die Stadt legt. Erschaffen und aufgestellt wurde die Figur in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts. Heute ist sie ein beliebter Aussichtspunkt über Poitiers. Um zu ihr zu gelangen, müssen wir rechts auf der Bogenbrücke den Fluss überqueren und gleich dahinter den steilen Aufstieg nach links wagen. Wer möchte, kann die Statue auch bequem mit dem Auto auf demselben Weg erreichen, ein Parkstreifen befindet sich dort auf der Straße.

Um einen anderen Bereich der Altstadt kennen zu lernen, begeben wir uns zurück zur Kathedrale Notre-Dame-de-la-Grande und von dort zur Jeanne d’Arc-Statue. Am Ende der dortigen Fußgängerzone biegen wir links ab und gehen entweder durch die Rue Gambetta oder durch die Rue de Grandes Écoles. Auch bei diesen beiden Straßen handelt es sich um autofreie Straßen, die rechts und links von zahlreichen Geschäften gesäumt sind. An ihren Enden treffen wir auf den belebten Rathausplatz [Dezimal: 46.580317 0.339741; WGS84: N46°34’49.141″ E0°20’23.068″]. Rund um den Platz befinden sich Fastfood-Läden, Geschäfte für den alltäglichen Bedarf, einige Bistros, das Theater der Stadt und natürlich das im Renaissance-Stil errichtete Rathaus aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Die harmonische Fassade ist von Seitenpavillons flankiert, während sich die Hauptpforte in der Mitte genau unter einer Rathausuhr und einem kleinen Campanile befindet. Mit Fertigstellung des Rathauses galt der damalige gewaltige Städteumbau als abgeschlossen. In den Prunksälen hängen mehrere Gemälde von lokalen Künstlern, besonders sehenswert sind aber die beiden großen Gemälde in der mit einer ausladenden Treppe versehenen Empfangshalle. Als Motiv sind die Schlacht unter Karl Martell auf dem einen und das klösterliche Leben der Heiligen Radegundis auf dem anderen zu sehen.

Gegenüber dem Rathaus, in der Rue Victor Hugo befindet sich nach wenigen Metern auf der rechten Seite hinter einem kleinen Torbogen versteckt, das Musée Rupert-de-Chièvres. Es befindet sich in einem ehemaligen Kloster des Augustinerordens und präsentiert eine Gemäldesammlung der flämischen Schule sowie verschiedene Möbel und Keramiken. Die Exponate stammen von François-Marie Rupert-Chièvres, einem wohlhabenden Bürger des 19. Jahrhunderts, der die Ausstellungstücke stiftete. Leider ist das Museum bereits seit 2009 wegen Renovierungsarbeiten geschlossen und es war zur Drucklegung dieses Buchs noch nicht bekannt, wann es seine Pforten wieder öffnen wird.

Musée Rupert-de-Chièvres, 9 Rue Victor Hugo, 86000 Poitiers, Tel.: 05 49 41 42 21, Fax: 05 49 88 61 63, E-Mail: musees@mairie-poitiers.fr, Web: www.musees-poitiers.org. Die Öffnungszeiten standen bei Drucklegung des Buches noch nicht fest. [Dezimal: 46.580592 0.338265; WGS84: N46°34’50.131″ E0°20’17.754″]

Am westlichen Ende des Rathausplatzes gelangen wir in die mit zahlreichen Restaurants gespickte Rue Carnot. Diese geht in die deutlich ruhigere Rue de la Tranchée über, in der wir den eigentlichen Altstadtbereich bereits verlassen haben. Rechts neben der Hausnummer 59 befindet sich ein beinahe unscheinbares Tor, welches uns Zugang zum Parc de Blossac verschafft. Zugegeben, es handelt sich nur um einen Nebeneingang, zum Haupteingang gelangen wir, indem wir den kostenlosen Park durchschreiten. Dafür gehen Sie am folgenden zentral gelegenen Springbrunnen links. Doch zuvor lohnt es sich, sich ein wenig in dieser ruhigen Grünanlage umzuschauen. Dieser trapezförmige Park umfasst beinahe zehn Hektar und wurde gegen Ende des 18. Jahrhunderts durch den Grafen Blossac angelegt. Eine geradlinige Allee mit einer Länge von über 500 Metern durchzieht die elegante Parklandschaft von Südwest nach Nordost. Springbrunnen, Vogelvolieren, Teiche und in Form geschnittene Bäume zieren die Anlage und machen sie zu einem beliebten Ruhepol in unmittelbarer Nachbarschaft der lebhaften Altstadt.

Parc Blossac, geöffnet im Sommer von 7 – 20 Uhr, sonst 8 – 17.30 Uhr. Hunde verboten. [46.574684 0.333042; WGS84: N46°34’28.862″ E0°19’58.951″]

Wenn wir den Park wie beschrieben durch das Hauptportal verlassen, wenden wir uns nach links, spazieren bis zum Ende der Straße (dort waren wir schon), halten uns erneut links und hinter der Mauer auf der rechten Seite nach rechts. Es geht ein wenig bergab und am Ende wenden wir uns wieder nach links. Mit dieser Anleitung ist ein Verlaufen in den winkligen Straßen Poitiers nicht möglich. Auf der rechten Seite erhebt sich die Kirche Saint-Hilaire, in der sich, wie bereits erwähnt, das Grab des Schutzpatrons von Poiters, dem Heiligen Hilarius befindet.
Hilarius ließ im vierten Jahrhundert an der Stelle der heutigen Kirche eine Kapelle errichten, in der er, so will es die Legende, selbst bestattet wurde. In den Jahrhunderten darauf wurde die Kapelle ebenso mehrfach zerstört wie das Kloster, welches später an der Stelle errichtet wurde. Die dort lebenden Mönche flohen zwischenzeitlich in das nicht weit entfernte Saint-Maixent, wo sie die dortige Abtei erbauten. Auch die Schlacht von Vouillé soll hier in gewisser Weise ihren Anfang genommen haben, denn Chlodwig I, damaliger König der Franken, soll durch eine Lichterscheinung in dem sakralen Bau dazu gebracht worden sein, in diesen Kampf zu ziehen. Neben diesen Sagen und Legenden ist aber eines sicher: Die Kirche Saint-Hilaire ist Teil eines Weltkulturerbes der Unesco, dem Pilgerweg Via Turonensis. Im Jahr 1998 wurden die französischen Pilgerwege in die Liste der Unesco aufgenommen, womit mehrere bedeutende Kirchen bzw. Orte auf dem Weg ebenfalls Teil des Erbes sind. Hier in Poitiers handelt es sich somit um die Kirche Saint-Hilaire. Wir werden im weiteren Verlauf dieser Reise südlich von Poitiers noch auf die Städte Saintes und Bordeaux treffen, durch die dieser Zweig des Jakobsweges ebenfalls verläuft. Wer bereits in Chauvigny das typische Emblem der Pilgermuschel gesehen hat bzw. in anderen weiter östlich gelegenen Städten noch sehen wird (wie z. B. später in Bergerac), der befindet sich nicht direkt auf der Via Turonensis, sondern auf einer parallel verlaufendem Alternativroute.

Abgesehen vom Futuroscope gibt es aber noch eine weitere Sehenswürdigkeit, die nicht direkt im Zentrum Poitiers liegt. Die Höhlen von Norée (Grottes de la Norée) befinden sich in einem kleinen, schattigen Tal der Boivre und können seit 2004 (wieder) besichtigt werden. Die Höhlen sind Teil eines Naturschutzgebietes, welches bereits 1934 als solches deklariert wurde und liegen westlich von Poitiers im Städtchen Biard. Zu sehen sind dort sechs Säle, die bis zu 150 Meter in das Gestein hineinreichen, die sehenswerte Stalagmiten und versteinerte Wasserfälle beherbergen. Es wird geschätzt, dass die Höhlen durch natürliche Erosion in der Jurazeit, also vor rund 170 Millionenen Jahren entstanden. Für eine Besichtigung sollte man sich warm kleiden, da die Temperatur in den Höhlen nicht über 12° Celsius liegt, außerdem sollte man sich nicht vor Fledermäusen fürchten.
Es besteht zwar die theoretische Möglichkeit, mit dem Wohnmobil in das enge Tal hinein zu fahren, doch gibt es dort nur einen sehr schmalen schotterigen Parkstreifen (inkl. Picknickplätze) und keine Wendemöglichkeit. Daher ist es sinnvoller den etwas größeren Parkplatz vor der Talzufahrt zu nutzen und die 600 Meter zum Höhleneingang zu Fuß durch das malerische Tal zu gehen.

Grottes de la Norée, 2, rue de l’Ermitage  86580 Biard, Tel.: 05 49 41 30 30, E-Mail: grottesdelanoree@orange.fr. Südwestlich von Poitiers in Biard zwischen der D910 und der Autobahn 10. Juli – August, Di – So 10 – 12.30 Uhr und 14 – 18.30 Uhr, Mai – Juni und September nur am Wochenende 14.30 – 18 Uhr. [Dezimal: 46.573224 0.30253; WGS84: N46°34’23.606″ E0°18’9.108″]

 

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