Radreise durch Europa

2001 – Mit dem Fahrrad durch Europa

 

Live-Tagebuch

Hier ist das Tagebuch der Fahrradreise 2001 im Originalton und mit den original Rechtschreibfehlern, das wir während der Radtour live im Internet ständig ergänzt haben – damals, als es noch keine Smartphones gab und wir auf Internetcafés oder Spielhallen mit Terminal angewiesen waren. Es hört allerdings abrupt auf, da die Seite plötzlich nicht mehr existierte, auf der das Tagebuch abgelegt war. Es lag nicht in unseren Händen.

 

Es ist soweit
von Michael am 23-04-2001 um 23:51
Endlich steht er fest, der Tag auf den wir seit Wochen ungeduldig warten: Noch fünf Tage, dann ist es soweit. Am kommenden Samstag, den 28.04.2001 geht unsere Tour los. Die Packtaschen stehen bereit und warten nur noch darauf, an die Fahrräder gehangen zu werden.

In Worms
von Bianca am 02-05-2001 um 14:32
Es ist kaum zu glauben, aber endlich sind wir unterwegs! Das Wetter ist zum Glück auch auf unserer Seite. Den ersten Sonnenbrand haben wir auch schon abbekommen. Bloß die Sache mit den Campingplätzen ist nicht ganz so einfach. Es gibt auch kaum schöne versteckte Schlafmöglichkeiten in der „Wildnis“. Aber trotzdem haben wir bis jetzt immer etwas gefunden (wenn auch mit Glück). Aber es macht alles einfach ganz viel Spaß!!!

In Worms
von Michael am 02-05-2001 um 14:22
Wir haben es wirklich geschafft, wir sind bereits seit fünf Tagen unterwegs und nun endlich in Worms angelangt. Wobei man sagen muss, dass einem die Städte schon nach kurzer Zeit ziemlich auf die Nerven gehen. Am schlimmsten war es gestern, als 80 Millionen Deutsche auf die Idee kamen, sie haben ja noch ein Fahrrad im Keller stehen und fahren natürlich auch alle am Rhein entlang. Und wenn es irgendwo nicht weiter geht werden einfach die Äste weggeknickt (So, Roswitha, dann kommst du besser durch…) Aber das Wetter spielt seit zwei Tagen zum Glück mit, ist fast schon zu heiß. Als wir Samstag in der bahn nach Langenfeld saßen wurden wir schon direkt von einem jungen Mann angesprochen:“ Seid Ihr die 2 aus der Zeitung?“ Ist eigentlich ganz witzig. Sind sowieso die meisten total nett. Vorgesteern wurden wir auf dem Campingplatz direkt von einem holländischen Ehepaar (beide über 70) zum Tee mit Plätzchen eingeladen. So, wollen wir mal sehen wie es weiter geht. Als nächstes kommt Ludwigshafen und Mannheim und ab Karlsruhe haben wir dann auch endlich wieder Kartenmaterial, denn seit Bonn fahren wir mehr oder weniger blind. Doch die Radwege (soweit vorhanden) sind gut ausgeschildert. Außer in Leverkusen!!! Dort endet der Weg in einer Baustelle mitten auf dem Bayer-Werk!!!

Basel
von Michael am 08-05-2001 um 11:00
So, wir sind jetzt heute durch Basel gefahren und haben nun keine Lust mehr irgenmdwelche Großstädte von innen zu sehen. Wir werden whl morgen den Bodensee erreichen und unseren 800sten Kilometer hinter uns haben. Anschließend geht es durch die Alpen. Aber immer wieder trifft man nette Leute, die einen den Weg weisen, auch wenn er nicht immer richtig ist. Am nettesten war ein älterer Herr, der uns mit seinem Rad durch Mannheim brachte und uns vieles erklären konnte. Witzig auch die Bemerkung eines Menschen:“ Da müscht ihr do hinne an die teure Bootle und Schiffle vorbei…“ Bianca und ich hatten beide auf der Zunge ihm zu sagen, dass sich das Yachthafen nennt. Naja… Gestern hat uns fast ein Hund angefallen, der Besitzer, ein französischer Reiter, hat sich überhaupt nicht daran gestört. So ist er mit dem Hund dann vierhundert Meter vor uns hergetrabt. Ich gebe zu, dass ich mich nicht getraut habe, ihn zu überholen, obwohl ich zwei Kilometer lang mit unserem Pfefferspray bewaffnet war. Wie auch immer…. Mit dem Wetter haben wir echt Glück. Am einzigen Regentag bisher (Samstag) haben wir nachmittags Pause gemacht. Ab morgen soll es aber wieder schöner werden. Kalt ist es!!!

Comer See , 18. Tag, ueber 1.100 km
von Bianca am 15-05-2001 um 16:56
So, hat lange gedauert bis wir uns wieder melden konnten, aber Internetcafes waren bisher sehr spaerlich gesaet. Und der einzige, bei dem wir haetten sein koennen, hat uns fast 15 minuten warten lassen. Nachdem wir immer noch nicht bedient wurden, sind wir gegangen. Auch ganz gut, bei einem Preis von ca. 15,00 DM pro Stunde (Schweiz). Endlich haben wir es geschafft, die Alpen liegen hinter uns!!! Nachdem wir unsere Fahrraeder mehr oder weniger den Berg 9 Kilometer hoch geschoben haben freuten wir uns auf die Abfahrt von 2115 Meter Hoehe. Aber der Spluegenpass meinte es nicht ganz so gut mit uns. Zum Glueck war er noch fuer Autos gesperrt aber wir wurden auf den Weg nach oben mehrmals daraufhin gewiesen, dass wir Fahrraeder eventuell auch nicht durch kommen. Wir sind trotzdem weitergefahren. Erst kam Nebel (Wolken?) dann Nieselregen und bis zu 6 Meter hohe Schneewaende auf beiden Strassenseiten. Oben angekommen mussten wir uns unter einer Schranke durchquetschen. Wir sind in Italien. Und dann kam die Abfahrt. Noch mehr Nebel, Sichtweite unter 10 Meter, heftiger Regen und eine eisige Kaelte. Kurz vor dem Erfrieerungstod kam doch tatsaechlich eine zugeschneite Geisterstadt. Ein Licht!!! Dort oben in 1900 meter Hoehe befand sich tatsaelich eine geoeffnete Gaststaette, bei Kakao und freundlichen Menschen waermten wir uns wieder auf. Ein Mailaender war entsetzt als er erfuhr, dass wir nicht von unten aus dem tal sondern ueber den pass gefahren sind. Jetzt noch ein wenig zur Statistik: Wir fahren durchschnittlich 60 – 80 km pro Tag. Unsere weiteste Strecke war vom Bodensee den Alpenrhein entlang in die Schweiz nach Chur (97 km). Meistens fahren wir bis 18.00 Uhr. Es reicht dann auch. Die durchschnittliche Geschwindigkeit liegt ungefaehr bei 13 – 15 km/h. Es sagte mal jemand zu uns:“ 40 Kilometer schafft ihr ja wohl in zwei Stunden, oder?“ Er hat wohl uebersehen, dass wir jeder vier packtaschen und noch eine Menge Gepaeck obendrauf haben. Das Ganze Gepaeck wiegt dann ungefaehr 20-25 Kilo pro Fahrrad. Unser naechstes Ziel ist dann nun das Mittelmeer. D.h. wir fahren an Mailand vorbei in richtung Genua. Und dann noch ein Dankeschoen an Christian Zahn von Abenteuer-outdoor.de fuer die zwei Haengematten. Wir konnten sie am letzten Wochenende endlich ausprobieren und wunderbar darin entspannen!!!

St. Raphael (F), 25.Tag, ueber 1.500 km
von Michael am 22-05-2001 um 12:46
nun sind wir an der cote d azur. aber wie wir dahin kamen ist eine tortur gewesen! am comer see kamen wir nicht aus lecco heraus. jede strasse endete irgendwie als autobahn. eigentlich wollten wir dem lauf des adda folgen, aber der war einfach nicht aufzufinden. Nachdem wir um 13 uhr 13 kilometer gefahren sind (!) haben wir uns entschlossen mit dem zug ueber mailand nach genua zu fahren. dort kamen wir nach 6 stunden horrorfahrt auch endlich abends um 20 uhr an und mussten in der daemmerung noch einen campingplatz suchen. wir waren endlich an der kueste!!! doch die naechsten 200 kilometer fuehrten auf der vielbefahrenen „via aurelia“ (superstrada 1) entlang bis wir in frankreich waren. doch dort wurde der verkehr nicht besser, wir koennen mittlerweile auch schon ziemlich gut ueber rote ampeln fahren und uns durch den verkehr schlaengeln. aber spass macht dass nicht! nachdem wir nun durch die haesslichen staedte monaco, nizza und cannes gekommen sind haben wir eine woche zwangspause in st. raphael. Gestern habe ich nach viertaegigen leiden endlich nachgegeben und einen zahnarzt aufgesucht. dort darf ich naechsten freitag noch mal hin. es ist nicht angenehm, wenn der dentist zu einem sagt:“ I KILL the nerv next friday!“ wir werden uns nun bis dahin ein paar schoene tage machen und das superwetter geniesen: im uebrigen hat es gestern hier sintflutartig geregnet; die betreiberin vom capingplatz meinte nur, dass es hier nie regnet… zu den fahrraedern sei gesagt, dass wir bislang gluecklicherweise noch keine einzige panne hatten….

on the road again…
von Michael am 28-05-2001 um 11:46
in unserem einwoechigem zwangsurlaub haben wir nun leichte aenderungen an der reiseroute vorgenommen. die letzten 300 km seit genua und auch schon am comer see verliefen mehr oder weniger auf sehr stqrk befahrenen autobahnaehnlichen nationalstrassen. Durch Nizza fuehrt sogar eine 11-spurige Strasse an der Promenade entlang!!! Man mus Angst haben, dass man hier glatt totgefqhren wird.a uns unter anderem ein spanischer Tourist fuer die Costa Brava aehnliches vorher gesagt hat und wir auch sonst keine Besserung sehen haben wir uns zu diesem Schritt entschlosen. Die neue Strecke fuehrt an der Rhone entlang wieder zum Bodensee. Von doryt fahren wir zur Donau und diese bis nach Tschechien. Nach Durchquerung von Polen kommen wir durch die baltischen Staaten Litauen, Lettland und Estland. In der estnischen Hauptstadt Tallinn nehmen wir die Faehre nach Helsinki(Finnland). Von odrt an wollen wir Skandinavien geniessen und ueber Schweden und daenemark zurueck nach hause. Dabei wird sich an der Kilometerzahl wohl nichts aendern. Das bedeutet, dass wir das Mittelmeer gegen die Ostsee tauschen!!!Doch wir erhoffen uns dort mehr Ruhe und freundlichere Menschen. Denn die Freundlichkeit wurde hier an der „Reich-und-Schoen“-Kueste gegen Arroganz eingetauscht. Da wir hier von den maritimen Alpen noch ziemlich eingegrenzt sind werden wir die Fahrt zum Bodensee z.T. per Bahn absolvieren. Dabei hoffe ich, dass es nicht wieder so ein Desaster wird wie in Italien, wo nach meinem Wutausbruch in der Mailaender Metro der Beamte bereits mit „Polizia“ drohte. Nach rund 200 Kilometern die wir hier ohne Packtaschen gefahren sind, war es heute morgen ein seltsames Gefuehl wieder Gepaeck dabei zu haben. Aber wir sind auf der Strasse wieder ein Blickfang!!!

Neuburg a. d. Donau, 2.200 km, 38.Tag
von Bianca am 05-06-2001 um 11:55
Nun sind wir an der Donau und bereits drei oder vier Tage von tschechien entfernt. Haben uns letzte Woche auch schon eine Polen-Karte gekauft. War ja doch schon ein komisches Gefühl- eine Karte über Polen! Die Zugfahrt aus der Cote d Azur war angenehmer als in Italien, aber doch noch sehr stressig. Der Schaffner meinte, wir sollen die Räder bitte nach hinten bringen. Da waren wir aber bereits mittig im Zug. Das hieß also, an den nächsten zwei Bahnhöfen jeweils mit einem Rad schnell auf dem Bahnsteig nach hinten fahren. Immer in der Panik, dass die Türen schließen bevor Michael wieder drin war. Während der Fahrt haben wir die Packtaschen abmontiert und schon mal nach hinten gebracht. Das ganze dauerte zwei Stunden und dann passierte es: An den Zug wurde ein weiterer Zug angekoppelt – hinter uns! D.h. wir waren wieder in der Mitte des Zuges!!! Natürlich kam ein ganz anderer Schaffner und meinte, wir ständen im Weg. Das störte uns aber nicht mehr und wir blieben, wo wir waren. Das bedeutete gleichzeitig, wir mussten wegen des Durchgangsverkehrs ständig die Räder und Taschen im Auge behalten und zur Seite schieben. Von Schlaf keine Spur, obwohl wir ja die ganze Nacht durch gefahren sind (20.45 – 7.15 Uhr (ca. 800 km)). trotz der Strapazen konnten wir dann ab Mulhouse über Basel wieder am Rhein entlang fahren und haben unseren ersten Hunderter geschafft. Das heißt, eine Nacht durch machen und man ist viel aufgedrehter um rad zu fahren… Man merkt aber auch, dass die Kondition besser wird. Haben ja an dem Tag einiges passiert, wo wir schon drei Wochen zuvor waren und sind Steigungen lockerer hochgefahren als damals. Von dort ging es zügig zur Donau und seit Immendingen (kostenloser Radlerzeltplatz!) immer am Donauradweg entlang. Dieser ist sehr gut ausgeschildert und relativ bequem zu fahren. Ach ja, an dieser Stelle auch ein Lob an die Schweiz, was die Radwege-beschilderung angeht. Das Wetter ist natürlich über Pfingsten nicht ganz so schön gewesen, aber brachte uns glücklicherweise ein fast radlerfreies Wochenende. Das 1.Mai-Debakel blieb aus… Und dann war da noch Klaus…. ein sehr netter und hilfsbereiter Dipl.-Sozialpädagoge, der mit seinem Rad und Anhänger unterwegs war. Wir trafen ihn mit seinem Armeezelt auf dem Campingplatz in Günzburg. Er war sehr neugierig, was unsere Ausrüstung betraf und meinte uns ständig helfen zu müssen. Sehen wir so hilfsbedürftig aus? Ich hoffe nicht. Er bot uns vom Kaffee über Brot bis zu Häringen und einem Schlafsack („ist ganz neu, ich liege bloß drauf..“) alles mögliche an. Aber wie gesagt, er war nett und hat es bestimmt nur gut gemeint. Ich hatte bis heute morgen eine Teilautomatik-Gangschaltung. Sie schaltete immer von alleine rauf (auch wenn ich es nicht wollte, wie z.B. auf einer Steigung) und ich musste immer alles wieder runter schalten. Ein großes Dankeschön an den Radladen „Rad+Tat“ hier in Neuburg, der sich sofort darum kümmerte und den Fehler beheben konnte. Er stellte die Schaltung neu ein, machte alles sauber und sagte:“ für die Tour müsste es reichen“. Er weiß ja nicht, wohin es geht. Netterweise bot er uns seinen PC mit Internet an, nachdem wir fragten, wo hier ein Internetcafe ist. Dankend lehnten wir ab, weil es ja doch ein wenig länger dauert. Im Übrigen konnten wir die Schweizer Surf-Preise noch toppen. In Frankreich kostet die Stunde 20 (!) Mark. Zu unserer weiteren Tour sei gesagt, dass wir uns nun auf den Weg machen von Regensburg nach Norden zu fahren in die Tschechei um evtl. über den Oder-Neiße-Weg Richtung Ostsee zu fahren.

Regensburg, 2.300 km, 41. Tag
von Michael am 07-06-2001 um 15:29
So schnell kann das gehen.Zwei Stunden nach dem letzten Eintrag ist es dann passiert. Auf einem schönen steinigen Radweg in praller Sonne platzte Biancas Hinterreifen. Wäre kein Problem gewesen, wenn wir das Flickzeug gefunden hätten. Haben wir aber nicht. Also mussten wir andere Radfahrer um Hilfe bitten. Keine 24 Stunden später, auf einer Landstrasse mitten im Regen, ist es dann bei meinem Hinterreifen soweit gewesen. Glücklicherweise zwei Kilometer vor unserem Campingplatz. Also ist Bianca dorthin hat ihre Taschen dort gelassen und kam als „Pannenhelfer“ zu mir zurück um meine Taschen abzuholen. Ich durfte dann mein Rad schieben. Die Platten drei und vier am heutigen Morgen (wieder beide bei mir hinten) wurden dann schon zur Routine. Wir werden gleich neue Mäntel kaufen müssen, da die jetzigen ja anscheinend ständig für Schweizer Käse sorgen. Dafür funktioniert aber wieder Biancas Gangschaltung. Das Wetter wird wohl auch langsam besser. Das wollen wir zumindest hoffen, da es nicht immer angenehm ist morgens in noch immer nasse Schuhe zu schlüpfen. Aber man gewöhnt sich an alles.

 

54. Tag 3.200 km Schwedt/Oder
von Bianca am 20-06-2001 um 15:57
Es hat lange gedauert, aber da sind wir wieder. Nachdem wir in Regensburg am Regental lang gefahren sind wurden wir in Tschechien von einem Waldweg begrüßt. Konnten aber in Podhaji bei Domazlice in einem kleinen Häuschen unterkommen. Der Betreiber wollte uns schon weg schicken, weil er meinte, wir würden nur zelten wollen. Und das konnte er nicht zulassen. Nicht besonders geschäftstüchtig. Aber dann haben wir halt für eine Nacht und einem sehr günstigen Preis ein nettes Zimmerchen gehabt. Anschließend fuhren wir in Twschechien durch den Böhmerwald in Richtung Karlovy Vary, Marianske Lazny und Chomutov nach Zittau in Sachsen. Die Reifen haben im Übrigen wieder gehalten. Als wir von Hradek/CZ nach Zittau wollten, mussten wir witzigerweise erst die polnische Grenze überqueren. Haben wir gar nicht mit gerechnet. Das war also unser erster Polenkontakt (Für 400 Meter, dann kam die deutsche Grenze). Wie geplant fuhren wir dann den Oder/Neiße-Radweg in Richtung Norden. Letzten Sonntag fuhren wir gemeinsam mit Christian von www.OutdoorWelt.de von Guben bis nach Frankfurt/Oder. Schöne Grüße hiermit nochmal nach Berlin!!! Im Übrigen durften wir in Frankfurt nicht ins Internetcafe, dass sich in einer Bücherei befindet, weil diese wegen hohen Besuches geschlossen war (Kanzler Schröder). Nun befinden wir uns knapp 100 Kilometer vor der Ostseeküste und wie sollte es auch anders sein??? Mal wieder eine Routenänderung. Nach nochmaliger genauer Erkundigung kommt man ins Baltikum doch nur mit einem Reisepass, den wir ja nicht haben. Hätten wir für unsere ursprüngliche Tour auch nicht gebraucht. So kann es gehen. Nun werden wir von Rügen auf die dänische Insel Bornholm fahren und dort am 26. meinen Geburtstag feiern und anschließend nach Schweden übersetzen. An dieser Stelle ein großes Dankeschön an meine Mutter, die sich um die Infos über die Fährverbindungen gekümmert hat. Wie wir dann weiter fahren werden, wissen wir allerdings noch nicht genau. Auf dem Plan stehen allerdings, Schweden, Norwegen, Finnland, Lofoten und vielleicht das Nordkapp (wenn man mal da oben ist…). Es ärgert uns zwar ein bißchen, dass wir nicht durch Polen und das Baltikum fahren, aber das werden wir sicherlich auf einer unserer nächsten Tour nachholen. Ein kurzes Wort über Touristenbüros. Es ist leider nicht möglich, egal wo, eine präzise Aussage in Fremdenverkehrsämtern zu bekommen. Außer wenn man zum nächsten Bäcker möchte. In Straßburg wußte die Dame nicht wie man am Rhein weiter kommt, obwohl sie einen wunderschönen Blick aus dem Fenster auf ihn werfen konnte. In Ingolstadt wurde gesagt:“Regensburg liegt in Richtung Osten“ Danke, das wissen wir, fahren ja seit einer Woche drauf zu, aber in der Innenstadt von Ingolstadt ist es nicht ganz einfach. Am Bodensee bekommt man nur patzige Antworten auf die fragen nach dem nächsten Campingplatz. Aber ansonsten geht es noch. Unverständlich ist auch, warum das Umweltministerium Brandenburgs erst nach vier jahtren den Oderbruch repariert und ein Radfahren dort entweder nur durch Baustellen oder über große Umwege möglich ist. Zum Glück gibt es aber überall sonst hilfsbereite Menschen, die man nach dem Weg fragen kann. Schade nur, dass es bis Schwedt noch nicht vorgedrungen ist, dass das Ruhrbegiet immer sauberer wird. Zitat:“ Aus Essen? Dafür seht Ihr aber gut aus, bei dem ganzen Dreck im Ruhrgebiet…“

 

Anklam, 56. Tag, 3.400 km
von Michael am 22-06-2001 um 17:06
So, jetzt wird es mal Zeit Zahlen zu nennen. Immerhin sind wir seit exakt acht Wochen unterwegs, haben gerade sicherheitshalber unseren dritten Mantel gekauft und zwei weitere Sätze Bremsklötze, nachdem wir zwei bereits ausgetauscht haben. Es regnet im Übrigen nur noch einmal am Tag. Von morgens acht bis abends um acht. Die kurzen Regenpausen dazwischen kann man nutzen um von der Autobahnbrücke zur Haltestelle zu fahren und von dort aus zur nächstgelegenen Telefonzelle um sich ständig unter zu stellen. Aber irgendwie klappt es schon. Mittlerweile ist es auch nicht mehr so bergig, so daß wir jetzt nicht mehr so viele Höhenmeter hinter uns lassen. Hatte auch einen netten Vorteil. Bianca und ich haben uns einen kleinen Wettkampf geliefert, wer denn von uns die Höchstgeschwindigkeit hält. Anfangs war ich nach einer kurzen Abfahrt stolz darauf 43 km/h zu fahren. Mittlerweile ist das schon Vergessenheit. In einem italienischen Tunnel konnte ich dann zum ersten Mal die Tempo-50-Marke brechen. Doch jetzt sind wir an einer Dimension angelangt, die wohl so schnell keiner mehr von uns beiden schlägt: 64,8 km/h !! Der rekord geht allerdings an Bianca, ich liege mit 63,3 km/h dahinter. Alles in allem war es aber eine schöne Abfahrt (irgendwo an der Donau). Die Geschäftstüchtigkeit hier in Mecklenburg-Vorpommern ist aber wesentlich größer als in Tschechien, wo uns der Campingplatzbetreiber wieder weiter schicken wollte. Bianca wurde vorhin angesprochen, ob wir eine Unterkunft suchen. Und das von einer Person, die eigentlich im Auto unterwegs ist und bloß zwei Räder vor einer Touri-Zentrale gesehen hat. Ja, wir gehen immer noch in die Fremdenverkehrsämter, aber irgendwie gehen wir jedesmal mit dem Gefühl heraus: wir sind so schlau wie zuvor. So, jetzt muß ich wieder raus in den Regen. Sind noch sieben Kilometer bis zu unserem heutigen Zielort. Duschen müssen wir dort nicht mehr. Habem wir schon unterwegs. Gestern war biancas Schalfsack auch von innen nass. Hat nun Schwimmhaeute zwischen den zehen, aber es hält sich noch in Grenzen. Habe gerade eine Einladung zu einem Essen in unserem Gästebuch gesehen. Schade, dass wir vorbei gefahren sind. Aber mal schauen, wo uns die Räder noch hin bringen. Vielleicht kommen wir ja wieder in ein paar Wochen (Augenzwinker…).

 

57. Tag, Stahlbrode über 3.400 km
von Bianca am 23-06-2001 um 18:23
6:2 für mich! D. h. sechs Platten Michael (alle hinten) und zwei für mich (einer vorne, einer hinten). Das loch vorne kam gestern nach dem letzten Eintrag. Mitten auf der Landstraße im strömenden Regen. Heute morgen haben wir allerlei Zeugs per Paket nach Hause geschickt, dass wir hier nicht mehr benötigen. Kam ganz schön was zusammen. Aber dafür haben wir direkt wieder neu eingekauft: 2 l Milch, 1,5 Kilo Müsli, 2 Gläser Nutella, 4 Bananen, 3 Liter Orangensaft, 4,5 Liter Wasser, 1,5 Kilo Brot, etliche Tafeln Schokolade und ein paar Fertigmenues sowie sechs dicke Bücher für die hoffentlich nicht allzu häufigen Regentage im hohen Norden. Wenn man bedenkt, das wir vor unserer Abfahrt penibel jede packtasche ausgewogen haben und man das alles über Bord werfen kann, nur weil man mal eben eine 2-Liter-Pepsi und etwas zu essen kauft… A propos essen, völlig erstaunt sind die Passanten immer, wenn wir uns so wie gestern im strömenden Regen irgendwo ins Trockene setzen, das Nutellaglas und zwei Messer rauskramen und jeder von uns ein ganzes Baguette verschnabuliert. Mittlerweile sind wir nun schon süchtig nach heißem Kakao, Nuß-Nougat-Creme in jeder Sorte und Schoko-Müsli. Witzig war heute morgen die 40-km-Fahrt nach Greifswald. bei strömenden Regen und sehr starkem Gegenwind mussten wir bis 12 Uhr an der Post ankommen und unser Päckchen aufgegeben haben. Wow, um 11 waren wir da!! Aber genau dieser Wind hat uns nun gestoppt. Eiegntlich wollten wir heute von Stahlbrode nach Rügen übersetzen, aber die Fähre fällt aus. Hoffentlich fährt sie morgen…. Ein Europaweites Phänomen sind die interessanten Kilometerangaben. Beispiel: Auf der B 109 ist Greifswald mit 13 Kilometern ausgeschildert und es ging noch bis 10 km runter und nach weiteren 2 km waren es auf einmal wieder 13 km!?! Dafür haben wir jetzt aber wieder Sonne und sind an der Küste. Und gegen das feuchtbiotop in meinem Schlafsack haben wir auch was getan: zweu nagelneue wasserdichte Seesäcke für die Schlafsäcke und die Isomatten. Skandinavien kann kommen !!!

 

62. Tag, Ystad (S), 3.700 km
von Michael am 28-06-2001 um 15:09
Wir sind in Schweden angekommen. Nachdem wir uns in Ruhe die dänische Insel Bornholm angeschaut haben und dabei ein super Wetter geniessen konnten, sind wir jetzt weiter gefahren. Aber langsam, erst waren wir auf Ruegen. Gefallen hat es uns dort nicht so sehr. Binz besteht nur aus Hotels und einer langen, langen Promenade auf der man nicht dem rad fahren darf. Obwohl noch genug Platz wäre. Und die radwege zwischen den Ortschaften sind entweder schlecht ausgeschildert oder enden irgendwo im Nichts. Aber dafuer entschädigte uns Bornholm. Nach einer dreistuendigen Ueberfahrt erlebten wir dort ein wahres El Dorado fuer Radler. Es ist zwar nicht unbedingt eine flache Insel, dafuer aber verdammt gut ausgeschildert. Sie hat auch ganz viele tolle Radwege und ist generell schon sehr schön. dafuer steht es jetzt eins zu null fuer mich in Sachen Speichenbruch!!! Bianca hat es hinten links erwischt, naja dafuer hat bei mir die Pedalerie irgendeinen Defekt. Es knackt bei jeder Umdrehung. Mal schauen, was das ist. das Rad steht im Augenblick nun in der Werkstatt. Die Internetpreise liegen zur Zeit bei 0,00 DM pro Stunde. Nulltarif. Man darf hier (Bibliothek) fuer eine halbe Stunde pro Tag den PC kostenlos benutzen. Hoffen, dass das noch oefter vorkommt. Und lustige buchstaben gibt es hier: Å ! jaja, wir wussten schon, dass es die hier gibt. Ab nun geht es wieder nordwärts. wir werden die Ostkueste bis Stockholm fahren und dann noch weiter. Es scheint hier einen guten Fernwanderradweg zu geben, der bis nach Finnland fuehrt.

 

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