South Kaibab Trail im Grand Canyon

Ich hatte es ja schon geschrieben, dass wir auf unserem Roadtrip auf der Route 66 auch einen Abstecher zum Grand Canyon machten und abermals in die Schlucht hinabstiegen. Doch dieses Mal sind wir nicht vom North Rim zum South Rim gewandert, sondern wir blieben im Süden.

Die Sonne geht auf
Die Sonne geht auf

Allerdings wollten wir nicht einfach nur in den Grand Canyon hinabsteigen und auf dem selben Weg wieder hoch. Wir wollten einerseits etwas Vertrautes erwandern, andererseits aber auch etwas Neues kennenlernen. Und vertraut war uns definitiv der Bright Angel Trail der direkt zum Grand Canyon Village hinauf führt. Genau so, nämlich von unten nach oben, haben wir diesen Wanderweg bei unserer ersten Durchquerung des Grand Canyons kennengelernt.

Was wir aber nicht kannten, war der South Kaibab Trail. Er ist logischerweise die Verlängerung des North Kaibab Trails. Alle drei Trails treffen sich unten am Colorado River an der Phantom Ranch. Nur der North Kaibab Trail verläuft eben nach Norden, während die beiden anderen Wege zum South Rim führen und sich schon kurz nach der Phantom Ranch aufteilen.

Unterwegs auf dem South Kaibab Trail

So gibt es zum Beispiel an dieser Stelle des Grand Canyons zwei Brücken die nur knappe 650 Meter auseinander liegen. Man kann die eine Brücke sehen, während man sich auf der anderen befindet. Auf der westlichen der beiden Brücken verläuft der Bright Angel Trail und auf der östlichen Brücke wandert man auf dem South Kaibab Trail. Etwas weiter oberhalb vom Colorado River werden diese beiden Aufstiege durch den Tonto Trail miteinander verbunden. Darüber hatte ich schon geschrieben.

Breiter Weg in den Canyon
Breiter Weg in den Canyon

In diesem Blog-Artikel geht es nun um den vierten Trail, den ich im Grand Canyon kennengelernt habe. Der Einstieg in den South Kaibab Trail beginnt ungefähr fünf Kilometer östlich vom Grand Canyon Village. Man sieht also, dass die beiden Auf- bzw. Abstiege alles andere als parallel zueinander verlaufen. Unten treffen sie aufeinander und oben sind sie mehr als fünf Kilometer voneinander entfernt.

Gerade wer eine Rundtour machen möchte (South Kaibab Trail -> Tonto Trail -> Bright Angel Trail), so wie wir es taten, sollte unbedingt berücksichtigen, dass man oben auf dem South Rim eben auch noch einige Kilometer zurücklegen muss, wenn man zum Auto zurückkehren möchte. Wer jetzt aufmerksam gelesen hat, wird bemerkt haben, dass uns von den drei vorhanden Auf- und Abstiegen ja doch noch ein Stück fehlt.

Abstieg in den Grand Canyon

Denn der untere Abschnitt vom South Kaibab Trail ist uns unbekannt, weil wir eben vorher auf den Tonto Trail abbogen. Von den über 1400 Höhenmetern sind das also 300 Höhenmeter, zu denen ich nichts sagen kann und werde. Bei einer Gesamtlänge von 11,3 Kilometern für den South Kaibab Trail fehlen uns also die unteren 4 Kilometer. Aber dafür möchte ich wenigstens den oberen Abschnitt beschreiben.

South Kaibab Trail

Vom ersten Meter an, also direkt ab dem Einstieg geht es auf dem South Kaibab Trail bergab. Es ist also nicht so, dass man langsam hinab wandert, sondern direkt einem deutlichen, wenn nicht sogar steilen Pfad nach unten folgt. Hin und wieder sind Stufen in den roten Erdboden geschlagen oder man überwindet einige Höhenzentimeter über einen Holzbalken. Aber eines ist klar, es geht sofort hinunter. Das bedeutet natürlich, dass es beim Aufstieg ebenso steil bis zum Schluss geht. Wer also über den North Kaibab Trail in den Grand Canyon geht und beim Aufstieg über den South Kaibab Trail hofft, dass die – sagen wir mal – letzten 200 Höhenmeter deutlich flacher verlaufen, der irrt.

Unterwegs auf dem South Kaibab Trail
Unterwegs auf dem South Kaibab Trail

Etwas weniger als eineinhalb Kilometer wandert man so also hinab und legt man dabei rund 230 Höhenmeter zurück, bis man am sogenannten Ooh Aah Point auskommt. Dieser hat sich seinen Namen verdient, weil man hier um eine Kurve herumgeht und man zum ersten Mal den Grand Canyon auch in Richtung Osten erblicken kann. Und da spricht man natürlich voller Freude vollständige Sätze wie „Ooh“ und „Aah“.

Erster Stopp am Ooh Aah Point

Lange hält man sich hier jedoch nicht auf, denn man ist ja eigentlich erst gerade losgegangen und der Tag ist noch lang. Daher wandert man noch einen knappen Kilometer in Serpentinen weiter, bis man den Cedar Ridge erreicht. Im Vergleich zum ersten Abschnitt war das dann etwas weniger steil, denn man ist am Cedar Ridge gerade einmal 100 Höhenmeter unterhalb des Ooh Aah Points.

Michael Moll
Michael Moll

Cedar Ridge ist fantastisch. Hier wandert man nämlich auf einem Berggrat oder einem Bergrücken, der nach Norden in den Grand Canyon hineinragt. So hat man besten Blick auf den Canyon zur Rechten und zur Linken. Für ein ganz kurzes Stück geht es hier auch nur sanft bergab. Doch schon beim Wandern hat man einen prima Blick auf den noch folgenden Abschnitt des South Kaibab Trails. Und der geht wenig später mit weiteren Spitzkehren deutlich nach unten. Am Cedar Ridge gibt es übrigens eine sehr einfache Toilette. Eine Wasserstelle oder ein Notfalltelefon gibt es übrigens auf dem gesamten South Kaibab Trail nicht.

Zwischenstopp am Cedar Ridge
Zwischenstopp am Cedar Ridge

Die Strecke, die wir vom Einstieg bis zum Cedar Ridge zurücklegten, wandern wir nun noch einmal. Damit kommen wir am Skeleton Point an. 4,8 Kilometer, also drei Meilen, ist man hier unterwegs und in der Höhe hat man 620 Meter zurückgelegt. Problematisch ist die Tour auf dem Cedar Ridge, weil sie bis zum Skeleton Point fast komplett schattenlos ist. Daher ist eine Pause am Skeleton Point keine schlechte Idee. Er ist übrigens der erste Punkt, an dem man auf dem South Kaibab Trail einen Blick auf den Colorado River tief unten im Grand Canyon werfen kann. Viel sieht man von dem Fluss noch nicht, aber man sieht ihn halt ein erstes Mal.

Am Skeleton Point sieht man den Colorado River zum ersten Mal

Der Skeleton Point ist außerdem der sogenannte Point of no return. Der National Park Service (NPS) rät dringend davon ab, den kompletten South Kaibab Trail rauf und runter an einem Tag zu begehen. Wer also noch weiter bergab geht, sollte wissen, was er sich wirklich zutrauen kann. Denn schon beim Abstieg kommt man im heißen Grand Canyon gut ins Schwitzen. Und jeden Meter, den man nun noch weiter hinabsteigt, muss man ja auch wieder hinauf. Nicht vergessen: Es sind über 600 Meter, die man vom Skeleton Point aus wieder nach oben muss.

Wer aber weiter geht, wird als nächsten Punkt den The Tip Off erreichen. Hierfür verliert man kurz hinter dem Skeleton Point erstmal jede Menge Höhenmeter, die man durch zahlreiche Serpentinen hinabsteigt. Dabei verlässt man den Bergrücken endgültig und umrundet man ihn unterhalb seiner Nordflanke. Dort geht der Weg nicht mehr ganz so steil, aber doch noch deutlich in die Tiefe. Da er nach der letzten Serpentine relativ gerade verläuft, kann man das kleine Schutzhäuschen am The Tip Off schon von Weitem erkennen. Hier fand ich es auf den letzten Metern bis dorthin recht anstrengend.

Eidechse
Eidechse

Denn dieses verflixte Häuschen, der einzige Schatten spendende Ort weit und breit, wollte sich einfach nicht nähern. Ich hatte das Gefühl, ich wandere stundenlang darauf zu. Aber gut, irgendwann hat man es erreicht und dann sollte man sich unbedingt eine längere Pause gönnen. Erstaunlich fand ich, wie kühl die Schutzhütte ist. Sie ist komplett aus Metallwänden gefertigt, die zahlreiche kleine Löcher beinhalten. Es wirkt beinahe so, als hätte man riesengroße Lochplatten aufgestellt. Durch den sanften Wind, der durch die kleinen Löcher kommt, scheint diese kühlende Wirkung hervorgerufen zu werden. Vielleicht hätte ich aber zu diesem Zeitpunkt nach stundenlanger Wanderung durch die sengende Sonne jeden halbwegs schattigen Platz als sehr kühl empfunden. Wobei ich mir ziemlich sicher bin, dass es an der Konstruktion lag.

Schutzhütte The Tip Off
Schutzhütte The Tip Off

Wechsel auf den Tonto Trail am The Tip Off

Am The Tip Off haben wir 7,1 Kilometer und mehr als 1000 Höhenmeter hinter uns. The Tip Off ist der Kreuzungspunkt zwischen dem South Kaibab Trail und dem Tonto Trail, auf den wir schließlich wechselten, um später am Havasupai Garden auf den Bright Angel Trail zu gelangen.

Kühlende Schutzhütte The Tip Off
Kühlende Schutzhütte The Tip Off

Hier noch einmal der South Kaibab Trail in Kürze, wie wir ihn begangen haben:

06:18 Uhr – Einstieg in den South Kaibab Trail (2.233 m)
06:45 Uhr – Ooh Aah Point (2.000 m)
07:09 Uhr – Cedar Ridge (1.926 m)
08:08 Uhr – Skeleton Point (1.600 m)
09:10 Uhr – The Tip Off (Wechsel zum Tonto Trail, 1.219 m)
Phantom Ranch (756 m)

Michael Moll

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.

Ich bin Autor von mehr als 100 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.

Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.


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