Der Seitencanyon liegt jetzt hinter uns

Wanderung durch den Grand Canyon – North Kaibab Trail

Unsere Wanderung durch den Grand Canyon war zweifellos die anstrengendste Wanderung, die wir je gemacht haben. Kein Wunder, wir haben den Canyon an einem einzigen Tag durchquert und haben dabei rund 50 Kilometer zurückgelegt. Wir wanderten von Nord nach Süd und begannen die Tour auf dem North Kaibab Trail.

Wanderung im Licht der Stirnlampe

Diesen North Kaibab Trail will ich mit diesem Beitrag gerne vorstellen und auch erklären, warum für uns für die Richtung von Nord nach Süd entschieden haben und welche Planungen sich daraus im Vorfeld ergaben.

Aussichtspunkt im Dunkeln

Aussichtspunkt im Dunkeln

Der Grand Canyon befindet sich im Norden von Arizona und wurde bekanntlich durch den River Colorado geschaffen, der -an der Stelle, wo man ihn überquert – von Ost nach West fließt. Dementsprechend gibt es einen nördlichen Rand (North Rim) und einen südlichen Rand des Canyons (South Rim). Von North Rim aus verläuft der North Kaibab Trail bis zum Fluss Colorado. Auf der südlichen Seite gibt es zwei Wege, um vom Fluss zu South Rim oder umgekehrt zu gelangen. Da wäre einerseits der South Kaibab Trail und der beliebtere Bright Angel Trail.

Sternenhimmel über dem Grand Canyon

Sternenhimmel über dem Grand Canyon

Zwei Aufstiegsmöglichkeiten am South Rim

Zum South Kaibab Trail kann ich mangels Erfahrung nichts sagen, da wir uns beim Aufstieg für den Bright Angel Trail entschieden. Doch für diesen Aufstieg gibt es einen weiteren Blog-Artikel. Hier geht es jetzt nur um den Abstieg vom North Kaibab Trail. Es sind über 1.700 Höhenmeter, die es dabei zu überwinden gilt. Da es auf der Südseite nur 1.300 Höhenmeter sind, war das schon mal unser erstes Kriterium für die Wahl der Gehrichtung. Uns war es lieber, mehr bergab zu gehen als bergauf.

Dunkelheit über dem Canyon

Dunkelheit über dem Canyon

Der zweite Grund für die Wanderung von Nord nach Süd lag aber weniger am Grand Canyon oder der Wegbeschaffenheit, sondern eher an der Organisation. Denn irgendwie muss man ja wieder vom Ziel zurück zum Ausgangspunkt gelangen. Wenn man die Strecke nicht noch einmal zu Fuß gehen möchte (was natürlich auch geht), dann bleibt nur der Shuttlebus. Dieser Shuttlebus fährt früh morgens von South Rim zu North Rim und gegen Mittag fährt er ab North Rim wieder zurück zu South Rim.

Brücke im Nebencanyon

Brücke im Nebencanyon

Organisation der Rückfahrt von Rim to Rim

Den Abfahrtsort an North Rim gegen Mittag zu erreichen, ist natürlich ausgeschlossen. Dafür müsste man die Nacht durchwandern, was Blödsinn ist. Also würde man bei der Ankunft eine Nacht am North Rim verbringen, gegen Mittag zurückfahren und am späten Nachmittag wieder in South Rim sein. Für uns war das Quatsch, da wir nach der Wanderung sowieso nach Norden weiter fahren wollten. Entweder hätten wir also eine weitere Nacht in South Rim verbringen müssen oder wir wären die gesamte Strecke von über 300 Kilometern mal eben wieder zurück gefahren um dann irgendwann in der Nacht ein Hotel zu finden. Nein, für uns hat sich schnell herauskristallisiert, dass wir von Norden nach Süden wandern, dort übernachten würden und frühmorgens vom Shuttlebus zu unserem Auto gebracht würden.

Man kann etwas sehen

Man kann etwas sehen

Apropos frühmorgens. Das war natürlich auch der Zeitpunkt, an dem wir losgewandert sind. Wir übernachteten auf dem Campingplatz, weil wir den Wagen für die folgende Nacht, in der wir in South Rim schlafen würden, nicht unbeaufsichtigt lassen wollten. Immerhin befand sich im Auto noch jede Menge Gepäck, das wir natürlich nicht durch den Grand Canyon tragen würden.

Der North Kaibab Trail

Der North Kaibab Trail

Es geht los – der North Kaibab Trail ruft

Irgendwann vor vier Uhr klingelte unser Wecker und riss uns aus dem warmen Schlafsack. Wir machten uns fertig, schnappten uns unsere Sachen, die wir am Vorabend schon gepackt hatten und zogen los. Gegen halb fünf standen wir an der dunklen Rezeption des Campingplatzes und marschierten zum Einstieg in den North Kaibab Trail. Dieser befand sich rund eineinhalb Kilometer von unserer Parzelle entfernt, womit wir schon mal den ersten und leichtesten Teil der Wanderung hinter uns brachten.

Wanderung auf dem North Kaibab Trail

Wanderung auf dem North Kaibab Trail

Von da an ging es dann hinab in den Canyon, von dem wir in der Anfangsphase nichts sahen. Über uns waren einige Sterne zu sehen, was schon mal gut war. Denn so hatten wir keine Wolken und die versprochenen Wetterbedingungen für diesen Tag schienen sich zu erfüllen. Unsere Stirnlampen leuchteten ein wenig den Weg aus, der sich als sehr sandig herausstellte. Der Sand war so fein, dass wir ihn schnell im Mund und in den Nasenlöchern hatten.

Rechts im Bild sieht man den Trail

Rechts im Bild sieht man den Trail

Wandern in der Dunkelheit

In steilen Serpentinen geht es deutlich hinab, was wir natürlich zunächst nicht sehen konnten. Aber dieser Abschnitt der Wanderung ist generell der Steilste auf der Tour. Man verliert zu Beginn sehr viele Höhenmeter und passiert dabei den Coconino Overlook. Für uns waren an diesem Punkt die ersten knapp 20 Minuten verstrichen. Es ist zwar eigentlich nicht weit, doch wir gingen natürlich wegen der schlechten Sicht langsam und vorsichtig.

Da wandere ich

Da wandere ich

Von der Aussicht hatten wir natürlich noch nichts. Daher gingen wir weiter und immer tiefer in den Canyon hinein. Streng genommen sind wir hier nur in einem Seitental des Grand Canyon, nämlich im Roaring Springs Canyon. Ein bisschen beklemmend war die Wanderung schon, weil es eben dunkel war und wir spürten, wie sich auf der einen Seite die Felswand steil erhob und auf der anderen Seite ein falscher Schritt der letzte sein würde. Denn da ging es hinab in den Abgrund.

North Kaibab Trail

North Kaibab Trail

Es dämmert so langsam

Das wurde aber deutlich angenehmer, als die Dämmerung so langsam die Dunkelheit der Nacht verdrängte. Es war noch nicht hell und die Stirnlampen ließen wir auch noch an, aber man konnte schon einiges erkennen. Unter anderem war da die kleine, hölzeren Redwall Bridge, die wir überqueren würden. An der Brücke hatten wir schon rund 600 Höhenmeter überwinden und waren rund eineinhalb Stunden seit dem Einstieg unterwegs.

Bald sind wir dort hinten

Bald sind wir dort hinten

Dieser Roaring Springs Canyon mündet in einen größeren Seitencanyon des Grand Canyon. An der Einmündung befindet sich der Roaring Springs genannte Wasserfall und eine erste Station gleichen Namens, an der man Pause machen und Wasser auftanken könnte. Wer sich für eine Wanderung durch den Grand Canyon vorbereitet, sollte sich aber im Vorfeld darüber informieren, welche Stationen geöffnet sind. Roaring Springs war an dem Tag unserer Wanderung zum Beispiel nicht zugänglich, was wir aber zuvor wussten.

Blick auf Roaring Springs

Blick auf Roaring Springs

Erste Pause an der Pump House Ranger Station

Daher gingen wir direkt weiter und steuerten den nächsten Punkt an, die Pump House Ranger Station. Bis Roaring Springs brauchten wir gut zwei Stunden, hatten hier aber schon das Schlimmste an Abstieg hinter uns. Jetzt ging es noch schnell zur Pump House Ranger Station und von dort an würde die Talwanderung deutlich harmloser verlaufen. 20 Minuten ist man zwischen den beiden Stationen gerade einmal unterwegs. Das ist also keine große Entfernung.

Kurz vor Pump House Ranger Station

Kurz vor Pump House Ranger Station

Von nun an waren wir im eigentlichen Hauptteil des Nebencanyons, der vom Wasser des Bright Angel Creek dominiert wird. Es sind zwar von der Pump House Station bis zum Colorado River immer noch weit über 700 Höhenmeter, doch diese verteilen sich auf eine Strecke von fast 20 Kilometern. Das Gefälle ist also überschaubar. Auf diesem Abschnitt ist es daher eher die Entfernung, die anstrengend ist. Zumal man ja bedenken muss, dass man bereits knapp 12 Kilometer hinter sich hat und noch eine Bergwanderung mit 1.300 Höhenmetern wartet.

Auf dem Weg zum Colorado River

Auf dem Weg zum Colorado River

Auf dem North Kaibab Trail zum Cottonwood Campground

Was bis hierhin auf jeden Fall noch angenehm war, waren die Temperaturen. Denn es war gerade einmal viertel vor Acht in der Frühe. Auch auf den folgenden Kilometern würden wir nicht unter Hitze leiden müssen, da der North Kaibab Trail hauptsächlich im morgendlichen Schatten liegt. So haben wir auch in dieser Hinsicht bei der Planung alles richtig gemacht. Denn bei der Wanderung von Süd nach Nord liegt dieser Bereich nach Mittags in der brütenden Sonne.

Eidechse im Canyon

Eidechse im Canyon

Unser nächstes Zwischenziel ist der Cottonwood Campground. Von der Pumphouse Ranger Station bis zum Campingplatz ist es ein gemütlicher Spaziergang am Wasser entlang. Ein paar Kakteen wachsen am Wegesrand, die Sonne scheint mittlerweile in den Canyon hinein und der Weg ist extrem gut ausgebaut, so dass man sich hier wirklich gut der Natur oder dem Fotografieren widmen kann. Wir brauchten für die Strecke von der Pump House Ranger Station bis zum Cottonwood Campground etwas weniger als eine Stunde. Um auf dem Campingplatz übernachten zu können, muss man sich im Vorfeld ein Permit beim Nationalpark holen. Wie der genaue Ablauf hierfür ist und wie lange man das im Voraus organisieren muss, vermag ich nicht zu sagen. Wir brauchten es ja eben nicht, sondern zogen schweigend an den kleinen, gemütlich wirkenden Parzellen vorbei.

Vorbei am Wasserfall Ribbon Falls

Rund viereinhalb Stunden nach dem Einstieg in den North Kaibab Trail wurde der bis hierhin angenehme Weg am Bright Angel Creek ein wenig ungemütlich. Denn man musste gegenüber von Ribbon Falls ein Stück bergauf. Nicht wirklich viel, aber man möge bedenken, dass wir schon über 17 Kilometer hinter uns hatten und da werden auch wenige Höhenmeter mittlerweile als Anstrengung empfunden. Ribbon Falls ist ein Wasserfall auf der anderen Seite des Seitencanyons. Normalerweise kann man ihn erreichen und so einen kleinen Umweg einlegen. Aber uns war einerseits nicht nach Umweg, denn dafür hatten wir noch jede Menge vor uns. Und andererseits war die Brücke, die man dafür überqueren musste, zu der Zeit unserer Wanderung ohnehin gesperrt.

Viele Umwege gibt es nicht

Viele Umwege gibt es nicht

Ribbon Falls ist so ziemlich der letzte markante Punkt vor der Phantom Ranch und dem Bright Angel Campground, die sich kurz vor dem Colorado River befinden. Bis dahin sind es auch nur noch etwas mehr als 400 Höhenmeter, dafür aber immer noch auf einer satten Entfernung von knapp 14 Kilometern. Kein Wunder, dass viele Wanderer diesen Teil als anstrengend und eintönig empfinden.

Jetzt wird es nochmal eng

Jetzt wird es nochmal eng

Auf den letzten zehn Kilometern des North Kaibab Trail wird es eng

Nun, eintönig würde ich nicht gerade sagen. Dafür gab es viel an Flora und Fauna zu entdecken. Außerdem empfanden wir diese gesamte Durchquerung des Grand Canyon als einmaliges und schönes Erlebnis. Wie könnte ich da behaupten, dass es eintönig sei? Während der Canyon bei Ribbon Falls relativ breit ist, verjüngt er sich im Laufe der Zeit und wird sogar zu einer engen Schlucht. Gerade diesen Abschnitt fand ich besonders schön. Hier wandert man auf einem ausgetretenen aber sicheren Weg direkt neben dem Wasser. Es ist schattig und daher verhältnismäßig kühl. Und es ist kurvig, sodass man hinter jeder Kurve etwas Neues zu entdecken hat.

North Kaibab Trail

North Kaibab Trail

Da der Übergang zwischen dem etwas breiteren Canyon und der Enge der Schlucht langsam stattfindet, kann ich keinen genauen Zeitpunkt benennen, wann das stattfand. Laut meinem Navi würde ich sagen, dass die Engstelle ungefähr sechs Stunden nach Beginn der Wanderung folgte. Und diese Engstelle ist nicht nur ein kurzer Abschnitt, sondern vielmehr eine Strecke von knapp 10 km. Zwischendurch wechselt man auch schon mal mittels Brücke die Flussseite des Bright Angel Creek, aber im Großen und Ganzen ist man überwiegend im Schatten unterwegs. Sehr angenehm.

Brücke in der engen Schlucht

Brücke in der engen Schlucht

Ankunft an der Phantom Ranch

Nach diesen zehn Kilometern weitet sich die enge Schlucht wieder ein bisschen. Doch Weite ist eigentlich nicht der richtige Begriff dafür. Es ist eben nicht mehr ganz so eng. Es herrscht Platz, um einen Campingplatz und die Phantom Ranch unterzubringen. In der Phantom Ranch kann man sich mit Getränken und kleinen Speisen stärken und wer will, kann hier auch übernachten. Von der Phantom Ranch oder dem darauffolgenden Campground ist es nur noch ein Katzensprung bis zum Colorado River, aber dazu später mehr im Beitrag über den Aufstieg auf dem Bright Angel Trail.

Squirrel an der Phantomranch

Squirrel an der Phantomranch

Hier nochmal die ungefähren Werte, die wir für die Wanderung auf dem North Kaibab Trail laut unserem Navi zurückgelegt bzw. gebraucht haben:

4:25 Uhr: Campingplatz North Rim (0 km, Höhe: 2.535 m)
4:45 Uhr: Einstieg North Kaibab Trail (1,5 km, Höhe: 2.511 m)
5:00 Uhr: Coconio Overlook (2,1 km, Höhe: 2.400 m)
7:30 Uhr: Roaring Springs (11,4 km, Höhe: 1.600 m)
7:45 Uhr: Pump House Ranger Station (12,4 km, Höhe: 1.480 m)
8:40 Uhr: Cottonwood Campground (15 km, Höhe: 1.240 m)
9:25 Uhr: Ribbon Falls (17,1 km, Höhe: 1.160 m)
10:15 Uhr: Einstieg in den engen Teil des Canyon (19,8 km, Höhe: 1.000 m)
12:00 Uhr: Phantomranch (29,5 km, Höhe: 780 m)

Und außerdem gibt es von der Tour noch ein Video:

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