Eigentlich sollte es mit dem Wohnmobil zu einem Schauplatz des Ersten Weltkrieges gehen. Doch dem Ersten Weltkrieg kam der Zweite Weltkrieg zuvor – zumindest für uns. Aus der geplanten Reise nach Verdun in Frankreich und später weiter zum Saarpolygon nach Saarlouis wurde eine Reise mit dem Wohnmobil durch die Ardennen. Das war aber gar nicht schlimm, sondern – ganz im Gegenteil – genau richtig so.

Wir starteten bei halbwegs gutem Wetter in Nordkirchen und fuhren in südwestliche Richtung bis an die belgische Grenze. Irgendwann vor Aachen kam uns der Regen entgegen und wollte uns auch so schnell nicht wieder verlassen. Unser erstes Ziel lag in Eupen im deutschsprachigen Teil von Belgien. Dort wollten wir zu Carrefour und ein wenig einkaufen. Außerdem gibt es dort eine Bäckerei, bei der wir vorab online zwei für die Region bekannte Reisfladen bestellten. Diese Reisfladen sind immer wieder lecker und gehören einfach dazu, wenn man in Ostbelgien unterwegs ist.

Der Besuch der Bäckerei war dann auch schnell abgehandelt. Gleiches gilt allerdings auch für den Supermarkt Carrefour. Denn anders als in Frankreich oder in der Wallonie war diese Filiale ausnahmslos deutschsprachig und es gab dem Augenschein nach keine Produkte, die man aus Frankreich kennen könnte. Es fehlte so ein wenig die Auslands-Atmosphäre. Bei diesem Carrefour hätten wir auch zum Edeka um die Ecke gehen können. Wir wollten wenigstens ein kleines bisschen das Gefühl bekommen, im Ausland unterwegs zu sein.
Kurze Wanderung im Hohen Venn
Gleich nach dem Besuch fuhren wir ins Hohe Venn hinein und stoppten das Wohnmobil am Signal de Botrange, dem höchsten Punkt Belgiens. Diesen Ort und vor allen Dingen das Hohe Venn selbst, kennen wir natürlich nur zu gut. Immerhin schrieben wir bereits einen Wanderführer für diese tolle Wanderregion und beschrieben 50 Wandertouren, die man im Hohen Venn machen kann. Der Signal de Botrange ist einer der am leichtesten erreichbaren Punkte und ein guter Ausgangspunkt für kleine und große Touren.

Für uns sollte es heute nur eine kleine Tour werden. Zwar stoppte der Regen just in dem Moment, als wir einparkten, doch das Wetter war einfach zu unsicher für eine längere Tagestour. Also begnügten wir uns mit einem Besuch in der hiesigen Tourismus Information und machten zumindest einen kleinen Spaziergang in der näheren Umgebung. Dabei kamen wir aber insofern auf unsere Kosten, als dass wir auf Holzbohlenwegen unterwegs sein durften. Das mögen wir ja sowieso und diese Holzbohlenwege waren uns noch unbekannt. Sie mussten halbwegs neu gewesen sein.


Da das Wetter unsere geplante längere Wanderung im Hohen Venn jedoch ins Wasser fallen ließ, beschlossen wir, nach dem Spaziergang nach Malmedy zu fahren. Die Stadt liegt ein klein bisschen weiter in Belgien und wir hofften darauf, beim dortigen Carrefour ein wenig mehr „französisch“ unterwegs zu sein. So war es denn auch.
Printen aus Monschau
Und weil wir gerade im Einkaufsfieber waren und ein paar leckere Speisen aus der Region erwerben wollten, steuerten wir das Wohnmobil anschließend wieder auf die deutsche Seite. Auf der Karte sah es so aus, als würden wir kreuz und quer durch das Hohe Venn fahren, aber am Ende kamen wir dann in Monschau aus. In der sogenannten Perle der Eifel wollten wir die Möglichkeit nutzen, Printen zu kaufen. Wir stellten das Wohnmobil auf dem örtlichen Wohnmobilstellplatz ab, wo man auch einfach nur parken darf.

Übernachten hätten wir hier nicht wollen. Der Stellplatz ist auf drei Seiten von einer Bundesstraße umgeben. Das brauchen wir nicht und wir hatten sowieso ein anderes Ziel für den Abend ins Auge gefasst. Doch zunächst spazierten wir bei Nieselregen in die Altstadt hinab, um festzustellen, dass die uns bekannte Bäckerei geschlossen war. Pech, aber zum Glück gab es noch eine andere Bäckerei und so konnten wir einen etwas größeren Printeneinkauf erledigen.

Nach dem spontanen Kurzbesuch in Monschau wollten wir nun unsere ursprüngliche Planung fortsetzen und fuhren durch die Eifel zum Wohnmobilstellplatz am Weißen Stein. Dort wurden wir von der Besitzerin freundlich begrüßt und konnten in der einsetzenden Dämmerung eine Parzelle auswählen. Ich wollte noch schnell die Gasflasche wechseln, weil es in der Nacht sehr kalt werden sollte und wir in der angeschlossenen Flasche kaum noch Gas hatten. Das klappte allerdings nur mit viel Gefühl, Gewalt und Nerven. Denn der Plastik-Verschluss an der vollen Flasche war so dermaßen zugedreht, dass wir beinahe schon Werkzeug hätten einsetzen müssen. Doch irgendwann nach fast schon wunden Fingern klappte es dann doch. Daraus lernten wir, dass wir den Verschluss beim nächsten Mal direkt schon im Geschäft testen würden. Keine Ahnung, warum der Verschluss so dermaßen fest verschlossen war.
Von der Eifel in die Ardennen
Die Nacht war ruhig, doch der schon am Abend einsetzende Nebel verschwand bis zum nächsten Morgen nicht mehr. Außerdem wurde es mit minus vier Grad doch recht kalt draußen. Aber eben nur draußen, im Womo hatten wir es dagegen mollig warm. Den Aussichtsturm am Weißen Stein wollten wir dennoch nicht besteigen. Zum einen gab es keine Sicht und zum anderen war das Metallgerüst komplett vereist.


Daher setzten wir am nächsten Morgen schnell unsere Reise fort. Schnell waren wir wieder in Belgien, hatten die hiesige Glatteisgefahr aber stets im Blick und fuhren daher mit Bedacht. Durch St. Vith kamen wir bei Houffalize auf die Autobahn. Schon am Morgen beschlossen wir, einen Stopp in Botrange einzulegen, was ungefähr auf der Hälfte der Strecke bis Verdun liegen würde. Dort wollten wir nach langer Zeit mal wieder einen Blick auf das sternförmige Mémorial du Mardasson werden. Zuletzt waren wir dort im Jahr 2010, als wir mit unserem damaligen VW-Bus durch die Ardennen reisten.


Da wir im letzten und im vorletzten Jahr jeweils in der Normandie unterwegs waren und ausgiebig die Landungsstrände vom D-Day besuchten, passte es ganz gut, dieses Denkmal erneut aufzusuchen. Denn die Airborne Ranger, also die Fallschirmspringer, und natürlich viele andere Soldaten kämpften sich nach dem 6. Juni 1944 quer durch den Norden Frankreichs bis Belgien und wurde in Bastogne von den Deutschen eingekesselt. Ende des Jahres kam es daher rund um Bastogne zu schweren Kämpfen, was mit der erfolgreichen Serie Band of Brothers verfilmt wurde. Diese Serie erzählt die Geschichte der Easy-Kompanie nach wahren Begebenheiten.
Obelisken der Voie de la Liberté
Heute kann man dem Lauf dieser Ereignisse über den sogenannten Voie de la Liberté folgen. Von Sainte-Mère-Église bis Bastogne stehen 1147 kleine Stelen bzw. Obeliske, die jeden einzelnen Kilometer der Strecke markieren. Die ersten Obelisken mit den Anfangskilometern kannten wir bereits von den Ortschaften an den Stränden der Normandie bzw. von Utah Beach. Die letzten Obeliske befinden sich entsprechend in und um Bastogne und wollten wir uns daher nicht entgehen lassen.

Insofern passte es uns ganz gut, einen kleinen Zwischenstopp einzulegen. Doch aus diesem Zwischenstopp wurde mehr. Denn was wir hier noch nicht kannten, war das dazugehörige Museum. Es wurde gleich neben der Gedenkstätte im Jahr 2014 eröffnet, also vier Jahre nach unserem Besuch. Der hohe Eintrittspreis schreckte uns zunächst ein wenig ab, zumal wir die Geschichte rund um den D-Day und um die Schlacht von Bastogne sehr genau kennen. Außerdem wussten wir nicht, was uns erwarten würde, doch letztendlich entschieden wir uns für den Besuch – und bekamen mehr als wir erwarteten.




Zunächst einmal sei gesagt, dass das Museum aus drei Standorten besteht. Da ist einmal das Bastogne War Museum, in dem wir uns nun befanden. Dazu gehören aber auch noch innerorts die Bastogne War Rooms, in dem die Amerikaner einst ihr Hauptquartier einrichteten sowie der Friedenswald außerhalb der Stadt, wo die Easy Kompanie Stellung bezogen hatte und die Soldaten in den sogenannten Foxholes im tiefsten Winter ausharrten und gegen die Deutschen kämpften.
Imposantes und sehenswertes Museum in Bastogne
Alle drei Standorte sind mit diesem einen Ticket abgedeckt und weil man weiß, dass die Besucher nicht alles an einem Tag schaffen können, sind die Tickets für die anderen beiden Standorte jeweils noch ein halbes Jahr gültig. Hinzu kam, dass wir doch recht überrascht waren, wie lange wir uns im Hauptmuseum aufhalten würden. Das lag allerdings auch mit daran, dass man mit einem Audioguide in verschiedene Kinosäle gehen würde und man dort verhältnismäßig lange Filme sieht.

Diese schaut man sich aber nicht einfach nur so an. Vielmehr handelt es sich um eindrucksvolle Präsentationen. Für einen Film erhält man zum Beispiel eine 3D-Brille. Bei einem anderen Film nimmt man in einem Raum Platz, der dem Wald rund um Bastogne nachempfunden ist, so dass man das Gefühl bekommt, mitten im Geschehen zu sein. Eine weitere Präsentation findet in einer nachgestellten Bar statt und man wird Teil der Erlebnisse innerhalb der Stadt. Wir waren beeindruckt und können dieses Museum nur empfehlen, wie wir das auch schon mit dem Weltkriegsmuseum im polnischen Danzig taten.

Als wir uns entschieden, in das Museum zu gehen, war natürlich klar, dass wir an diesem Tag nicht mehr nach Verdun weiterfahren würden. Das war aber nicht weiter wild, denn das würden wir in naher Zukunft dann nachholen. Am Nachmittag verließen wir das Museum und hatten dadurch noch ein wenig Zeit, den zweiten Standort zu besuchen. Die Baracken, in denen die Amerikaner Position bezogen, wurden durch den Ausdruck Nuts bekannt und so ist das dort das beherrschende Thema.
Weiter mit dem Wohnmobil durch die Ardennen nach Luxemburg
Denn als die Deutschen die Stadt und damit die Amerikaner belagerten, forderten sie sie zur Kapitulation auf, was die Amerikaner mit eben diesem Wort Nuts quittierten. Sie dachten ganz sicher nicht ans Aufgeben. Diese Ausstellung ist nicht mehr ganz so groß, nimmt aber auch mindestens eine Stunde Zeit in Anspruch. Das Highlight sind dabei die originalen Kellerräume, in denen heute die Geschehnisse von damals ebenfalls per Film nachgestellt werden.

Draußen wurde es langsam dunkel und es wurde Zeit weiter zu ziehen. Rund um Bastogne wollten wir nicht übernachten bzw. kannten wir keinen Wohnmobilstellplatz. Da wir mittlerweile sowieso beschlossen hatten, uns weiter mit dem Thema zu befassen und auf General Pattons Spuren zu bleiben, lenkten wir den Camper nach Luxemburg. Dort stellten wir uns am Abend auf dem Stellplatz Fuussekaul auf. Vor knapp drei Jahrzehnten hatte ich auf dem dazugehörigen Campingplatz mal gezeltet, nun stand ich dort auf dem deutlich jüngeren Wohnmobilstellplatz, der ebenfalls vom Campingplatz betrieben wird.

Die Nacht war nicht ganz so kalt wie am Tag zuvor, doch ohne Heizung ging es trotzdem nicht. Na gut, wir hatten ja auch immer noch Februar. Bevor es am nächsten Morgen für uns weiter ging, konnte ich nicht kommentarlos bleiben, als ein niederländischer Camper seinen Wassertank auf der Parzelle öffnete. Er reagierte ziemlich aggressiv und wollte mich davon überzeugen, dass es Frischwasser sei, was er da gerade auf der Parzelle abließ. Nun ja, vielleicht war es ja bloß Frischwasser aber dann soll er sich nicht wundern, wenn er in Verruf gerät.
Auf den Spuren von General Patton
Weit fuhren wir am Morgen nicht, denn schon in Ettelbrück kamen wir zum Stehen. Oder besser gesagt im angrenzenden Dort Erpeldange. Dort fanden wir einen Parkplatz für unser siebeneinhalb Meter langes Wohnmobil und spazierten am Ufer der Sauer zurück nach Ettelbrück. Wir wollten nämlich einerseits das Patton-Monument am gleichnamigen Patton-Platz anschauen und anschließend in das General Patton-Museum.



Im Museum wurden wir wieder sehr freundlich begrüßt. Doch man muss zugeben, dass diese Ausstellung nicht zeitgemäß war. Sie war definitiv interessant und sehenswert, aber die Geschichte rund um General Patton kam mir etwas zu kurz und das Museum selbst entsprach nicht mehr dem, wie man den Besuchern heute Wissen und Informationen vermitteln kann. So erlebten wir einen Besucher, der mit seinem Sohn plaudernd an allen Ausstellungsstücken vorbeizog und nicht ein einziges Dokument oder gar eine Infotafel las. Sein Aufenthalt im Museum beschränkte sich daher nur auf wenige Minuten. Erschreckend und schade zugleich.


Wir ließen uns deutlich mehr Zeit, waren aber auch nach gut einer Stunde wieder draußen. Nachdem wir zum Womo zurückkehrten, stand nicht weit entfernt, der nächste Spaziergang auf dem Programm. Auch hierfür mussten wir nicht weit fahren, denn nur wenige Kilometer südlich von Ettelbrück befindet sich der geografische Mittelpunkt von Luxemburg. Wir besuchten zwar vor vielen Jahren schon einen geografischen Mittelpunkt des Landes. Dieser war jedoch nur symbolisch zu verstehen und so spazierten wir nun den richtigen Mittelpunkt an, der in einem kleinen Wäldchen liegt und schnell zu Fuß zu erreichen ist.

Von den Ardennen an die Mosel
Anschließend fuhren wir in Richtung Hauptstadt, um dort im Osten und nahe des Flughafens noch den amerikanischen Soldatenfriedhof aufzusuchen. Auch diesen kannten wir schon von unserer Reise im Jahr 2010, doch wir wollten einerseits unser Wissen auffrischen und andererseits bewusst das Grab von General Patton besuchen. Nachdem er wenige Monate nach Kriegsende bei einem Autounfall in Mannheim verstarb, wollte er bei seinen Kameraden begraben werden.

Ein kleiner Infoflyer gab uns am Eingang des Friedhofs außerdem mit, dass fünf Soldaten der Easy Kompanie ebenfalls auf dem Friedhof begraben waren. Auch diese Gräber suchten wir auf. Den nahegelegenen deutschen Soldatenfriedhof ließen wir dieses Mal jedoch wegen der vorrückenden Stunde aus und beließen es bei unseren Erinnerungen und Bildern aus dem Jahr 2010.




Für den Abend planten wir eigentlich eine Übernachtung auf der deutschen Seite der Mosel. An der Mosel findet man ja immer und überall einen Wohnmobilstellplatz. Doch ein recht hoher Wasserstand verleideten uns die Lust. Auf Augenhöhe mit der Mosel wollten wir nicht über Nacht stehen. Daher ließen wir den Wohnmobilstellplatz in Minheim schnell hinter uns. Die Straße zum nahegelegenen Brauneberg, wo der Stellplatz deutlich höher liegt, war gesperrt und im angrenzenden Piesport sollte ein abendlicher Karnevalsumzug stattfinden. Nichts für uns, nichts wie weg.
Erneute Übernachtung im Wohnmobil in der Eifel
Kurzentschlossen fuhren wir in die Eifel und steuerten direkt den Wohnmobilstellplatz Pulvermaar an. Wir kamen gerade eben noch im Tageslicht an und bezahlten beim netten Empfang als die ersten Schneeflocken fielen. Eine halbe Stunde später lagen fünf bis zehn Zentimeter Schnee. Ein schönes Bild, ein ruhiger Abend.

Der Schnee fiel noch in der Nacht, doch am nächsten Morgen setzte langsam Tauwetter ein und es war kein Problem, den Wohnmobilstellplatz zu verlassen. Auch die Autobahnen waren komplett frei und so hatten wir eine ereignislose Rückreise von einer interessanten Tour mit dem Wohnmobil durch die Ardennen.

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.
Ich bin Autor von mehr als 120 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.
Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.
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