Bären in Kanada

Gibt es Bären in Kanada? Ganz klare Antwort: Ja. Und man wird sie zur passenden Jahreszeit und am richtigen Ort auch sehen. Oder wenn man anders fragt: „Kann man in Kanada auf Bären treffen?“, dann heißt die Antwort, wie so oft: Kommt ganz darauf an.

Zunächst einmal stellt sich die Frage, welche Bären in Kanada denn überhaupt leben. Pandabären fallen aus, Waschbären interessieren uns in diesem Fall nicht und Eisbären habe ich bisher selber noch keine gesehen. Es gibt sie in Kanada aber natürlich. Nein, mit diesem Blogbeitrag will ich ein paar Bilder von Schwarzbären zeigen, denen wir auf unserer Reise auf dem Alaska Highway im Nordwesten Kanadas begegneten.

Unsere erste Bärenerfahrung, die wir jemals in freier Wildbahn hatten, war ein kurzes Rendezvous mit einem Grizzlybären, auch Braunbär genannt. Dieses Tier trafen wir kurz vor dem Yellowstone Nationalpark in den USA und war gerade einmal 30 Meter von uns entfernt. Zwischen dem Bären und uns befand sich gerade mal ein kleiner Fluss mit niedrigem Wasserstand und eine Leitplanke von der Straße, auf der wir uns befanden.

Auge in Auge schauten wir uns respektvoll an und zogen dann jeder weiter. Wobei der Braunbär vermutlich weniger respektvoll war als wir. Aber glücklicherweise war er auch wenig an uns interessiert. Dieser Grizzly war auf jeden Fall wuchtig, groß und beeindruckend. Schwarzbären hingegen sind deutlich kleiner und wirken beinahe niedlich.

Das sollte aber nicht darüber hinweg täuschen, dass man auch Schwarzbären lieber aus dem Weg gehen sollten. Wir trafen eine Gruppe von Schwarzbären, vermutlich eine Mutter mit zwei Jungs, mal auf dem Blue Ridge Parkway in North Carolina. Das war erstaunlich, weil diese touristische Straße eigentlich gut besucht ist und man annehmen könnte, dass der viele Verkehr auf der Straße eher störend für die Tiere ist.

Zugegeben, an diesem Tag fuhren wir im starken Regen, der als posttropischer Sturm bzw. als Überrest eines Hurrikans übers Land zog. Das Wetter war also sehr schlecht, die Straße wurde wenig später aus Sicherheitsgründen gesperrt und daher waren weniger Menschen als sonst unterwegs. Die Bärenmama mit ihren zwei Bärenkindern sahen wir dennoch nur kurz. Es reichte noch nicht einmal, um die Kamera zu zücken. So schnell waren sie schon wieder weg, als wir gerade mit dem Auto angefahren kamen. Nur unsere GoPro, die auf dem Armaturenbrett Bilder machte, brachte es zu einem kurzen Schnappschuss, den ich später deutlich aufhellen musste. Und dennoch sind die Bären darauf nur schwer zu erkennen.

Kommen wir aber endlich zu Kanada. Dort war die Situation eine ganz andere. Wir reisten auf dem breiten, gut ausgebauten Alaska Highway bei bestem Wetter. Der Alaska Highway ist eine zweispurige Fernstraße, die auf beiden Seiten der Straße nur von kurzem Grün begrenzt wird. Hier wachsen Bäume bewusst nicht bis zum Straßenrand, sondern man lässt eine breite Schneise zur besseren Sicht.

Schwarzbär in Kanada
Schwarzbär in Kanada

So hat man also während der Fahrt einen weiten Blick voraus und man sieht rechts und links des grauen Asphaltbandes einen hellgrünen Grasstreifen – in etwa ebenfalls so breit wie die Straße. Das hat den riesigen Vorteil, dass man Bären oder auch andere Tiere wie Bisons und Urson schon lange im Voraus sieht. So ein schwarzer Punkt im hellen Grün fällt eben schon viele hundert Meter im Voraus auf.

So kann man sich gut darauf einstellen, langsamer zu werden, abzubremsen und gegebenenfalls anzuhalten. Nur aussteigen sollte man nicht, doch leider konnten wir zumindest in einem Fall beobachten, wie Touristen ihr Wohnmobil verließen, um sich einem einzelnen Schwarzbären zu nähern. Dieser war daher auch sehr aufmerksam und beobachtete genau, was der Mensch dort macht. Das war wiederum für uns interessant zu beobachten, denn bei allen Bären blieben wir im Auto sitzen und beobachteten das Tier durch die vorsichtig heruntergelassene Scheibe.

Und siehe da: Die Bären interessierten sich dann überhaupt nicht für uns und wir waren dann teilweise nur wenige Meter auseinander. Daher waren wir eigentlich ganz froh, wenn wir die Schwarzbären in Kanada alleine antrafen und keine anderen Touristen vor Ort waren. Auf dem gesamten Alaska Highway bis Whitehorse sahen wir mehrfach Bären und erfreuten uns jedes Mal an ihrem Anblick. Es war einfach nur schön.

Dennoch hatten wir auch eine Bärenbegegnung, die uns etwas nervös machte. Als wir auf dem südlichen Abschnitt des Klondike Highways auf halber Strecke zwischen Whitehorse im Yukon und Skagway in Alaska die Carcross Desert besichtigten, warnte plötzlich einer der anderen Touristen vor einem Bär. Und siehe da, da schlenderte tatsächlich ein Schwarzbär genauso wie wir am Rande der kleinen Sandwüste entlang.

Da standen wir nun und wussten gar nicht so recht, was wir machen sollten. Denn zwischen unserem Auto und uns befand sich eben dieser eine Bär. Doch wir hatten Glück, denn der Bär verlor die Lust an der Wüste und rannte plötzlich einmal quer über die Straße auf die andere Seite und verschwand dort im Unterholz. In diesem Moment machten wir uns eher Sorgen um den Bär und nicht mehr um uns. Denn wir sahen einen Bus kommen. Dieser bremste aber glücklicherweise ab und der Bär war schnell verschwunden. Aus der Entfernung konnten wir noch schnell einen Schnappschuss von dem rennenden Schwarzbären machen und schon war auch dieses Erlebnis Geschichte.

Also, in Kanada Bären anzutreffen, ist gut möglich. Wir hatten auf der Fahrt auf dem relativ einsamen Alaska Highway gleich mehrfach das Vergnügen. In den gut besuchten Nationalparks Banff, Jasper sowie im Rest der kanadischen Rocky Mountains sahen wir jedoch keinen einzigen Bären. Auch auf unserer Fahrt im Osten Kanadas, also durch Québec, New Brunswick und Nova Scotia mussten wir auf Bärenbegegnungen leider ebenfalls verzichten. Aber wie die Bilder aus dem Yellowstone und vom Blue Ridge Parkway zeigen: Bären kann man in Nordamerika an vielen Orten sehen. Was dabei womöglich von Bedeutung sein kann, ist die Jahreszeit. Unsere vielen Bärensichtungen auf dem Alaska Highway fanden Anfang September statt.

Michael Moll

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.

Ich bin Autor von mehr als 130 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.

Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.


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