Spitze am Jungfraujoch mit Nottreppen

Bergfahrt mit der Zahnradbahn – Jungfraujoch

Als ich ganz am Anfang meiner Planung für die Wohnmobilreise in die Schweiz war, hatte ich das Jungfraujoch noch gar nicht auf der Liste. Das wäre echt fatal gewesen, denn eine Fahrt auf das Jungfraujoch ist nicht nur unbedingt empfehlenswert, sondern sollte man sogar als Pflichtpunkt einplanen, wenn man in der Region unterwegs ist.
Die Ortschaft Interlaken liegt schön eingebettet zwischen dem Thunersee und dem Brienzersee und genau von dort geht die Reise auf das Jungfraujoch los.

Zunächst fand ich die vielen Streckenmöglichkeiten auf der Seite von Jungfraujoch.de ein wenig verwirrend, weil ich aus der Ferne einfach noch nicht wusste, wo eigentlich was liegt und was sinnvoll erscheint. Als wir dann aber schon am Abend vor der Fahrt meine Tickets am Schalter abholten, empfahl man uns, eine Rundfahrt einzulegen. Und so machten wir es dann auch: Abfahrt war in Interlaken-Ost mit der Berner Oberlandbahn. Diese brachte uns bis Lauterbrunnen. Das ist noch nichts Besonderes und man legt gerade einmal 200 Höhenmeter zurück. Von dort geht es weiter mit der Wengernalpbahn zum Bahnhof Kleine Scheidegg. Das ist dann in Sachen Höhenangabe schon mal eine ganz andere Hausnummer, denn von rund 800 Höhenmetern in Lauterbrunnen geht es damit hoch auf 2.061 Meter.

Aber das ist ja noch nicht alles, denn am Bahnhof Kleine Scheidegg steigt man erneut um, dieses Mal in die Jungfraubahn, die ganz gemütlich bis auf eine Höhe von 3.454 Metern rumpelt. Etwas über neun Kilometer ist die Strecke lang und hat die Besonderheit, dass sie den größten Teil durch den Berg fährt, genauer gesagt, durch den Eiger, der durch seine berüchtigte Nordwand berühmt geworden ist.
Die Tunnelfahrt beginnt gleich hinter der Station Eigergletscher. Doch zwei Mal hält die Jungfraubahn auf ihrer Fahrt mitten im Berg an und zwar an den Stationen Eigerwand und Eismeer. Dabei haben alle Passagiere die Möglichkeit, für knapp 5 Minuten die Bahn zu verlassen und durch große Panoramafenster einen Blick in die Tiefe zu werfen. Das gibt schon einen guten Vorgeschmack auf das, was dann noch kommen wird.

An der Endhaltestelle Jungfraujoch hat man es dann geschafft – fast. Denn wie die meisten Ankömmlinge wird man sich zunächst dem Aufzug widmen. Mit diesem kommt man nämlich nach ganz oben. Etwas über sechs Meter pro Sekunde fährt der Fahrstuhl durch das Bergmassiv bis auf die Spitze und überwindet dabei weitere 100 Höhenmeter. Der Clou daran: Die Fahrstuhltüren sind aus Glas und so sieht man die Felswände an einem vorbeizischen. Da ich Flugangst habe, fahre ich normalerweise auch nicht mit einem Fahrstuhl. Egal, wie hoch ein Haus ist, ich nutze immer das Treppenhaus. Nur hier blieb mir nichts anderes übrig, denn die Treppen und Leitern, die für einen Notfall existieren befinden sich draußen am Fels und ganz sicher nicht dafür gemacht, ängstlichen Personen den Aufstieg zu ermöglichen. So musste ich da also durch. Aber es war halb so wild und hat sich auf alle Fälle gelohnt. Oben wartet dann die Plattform, von der man aus einen fantastischen Blick auf den benachbarten Mönch hat, auf das in der Ferne liegende Interlaken und nach Süden hin auf den faszinierenden Aletschgletscher, der zum Weltnaturerbe der Unesco zählt.
Um ehrlich zu sein, konnte ich mich dort oben nur schwer wieder losreißen. Es war einfach sehr schön anzusehen und die über zweistündige Auffahrt hatte sich auf alle Fälle gelohnt.

Fährt man mit dem Fahrstuhl wieder hinab auf die Ebene des Bahnhofs Jungfraujoch, dann hat man noch viele andere Möglichkeiten, seine Zeit dort oben zu vertreiben. Da wäre zum Beispiel die Eishöhle mit aus Eis geschnitzten Figuren, Souvenirläden, ein Außenbereich mit Sonnenliegen und einem Wanderweg durch das Eis zur Mönchshütte, die ich liebend gerne gemacht hätte. Aber leider fehlte uns die Zeit und ich war für eine Wanderung in dieser Höhe leider auch nicht passend gekleidet. Außerdem gibt es einen Stempelautomaten, wo man sich eine Art Jungfraureisepass abstempeln lassen konnte. Ist natürlich genau das richtige für mich, da ich ja Zertifikate und Urkunden sammle, die man unterwegs erhalten kann.
Alles in allem gefiel es uns so gut wie damals als wir am Nordkap ankamen. Dort gab es ähnlich touristischen Trubel an einem Ort, der auch nur mit größerem Aufwand zu erreichen ist und hier ähnelte die Nordkaphalle halt mit den Räumlichkeiten am Jungfraujoch.

Ein technisches Highlight war für mich auch noch der Touchscreen-Tisch in der Lindt-Schokoladerie. Aber auch der Schokoladen selber war genau nach meinem Geschmack. Nach eigenen Aussagen gibt es nirgendwo in der Schweiz günstigere Lindt-Schokolade als dort oben. Da haben wir uns natürlich auch gleich mit eingedeckt.
Gegen Mittag mussten wir das Jungfraujoch leider schon wieder verlassen, weil wir am selben Abend noch weiter zum Genfersee fahren mussten. Doch wir wollten nicht einfach nur mit der Bahn hinab fahren, sondern folgten einem weiteren Tipp, den wir den zahlreichen Informationen entnahmen: Und zwar gibt es den Eiger Walk, ein relativ einfacher und kurzer Wanderweg, der von der Station Eigergletscher hinab zum Bahnhof Kleine Scheidegg verläuft. Das wollten wir uns nicht entgehen lassen, denn schon im Vorjahr hatten wir es ja auf der Wohnmobilreise durch Wales ähnlich gehandhabt, als wir mit der Zahnradbahn auf den Snowdon fuhren.

So fuhren wir mit der Jungfraubahn wieder durch den Berg bis zum Gletscher, stiegen aus und machten uns zu Fuß auf den Weg, die knapp 250 Höhenmeter hinunter zu gehen. Dabei kommt man an der ehemaligen Mittellegihütte vorbei, die zu einem kleinen Bergsteiger-Museum umgestaltet wurde. Außerdem passiert man den kleinen Riffelbodensee. An seinem Ufer sind die Namen derer verewigt, die in der Eiger Nordwand verunglückten.

Am Bahnhof Kleine Scheidegg fuhren wir aber nicht über Lauterbrunnen zurück, sondern stiegen in die Wengernalpbahn, die uns zunächst nach Grindelwald brachte. Erst von dort fuhren wir schließlich zurück nach Interlaken. Alles in allem war das ein wirklich erfolgreicher Tag und wir haben beschlossen, eines Tages wieder zurückzukehren und dann in der Region auch mehr zu unternehmen.

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