Häuserfront

Zu Besuch in Dawson City im Yukon

Dawson City ist eine Stadt, die ich immer mal besuchen wollte. Da ich grundsätzlich nicht fliege, ist Dawson City für mich sehr weit weg. Umso mehr war ich erfreut, als ich bei meinem Roadtrip durch die USA und Kanada durch den Yukon kam und halt auch in dieser Goldgräberstadt Station machen konnte. Doch was hat mich dazu gebracht, den weiten Weg auf mich zu nehmen und dorthin zu fahren, wo der Klondike in den Yukon mündet?

Straße in Dawson

Straße in Dawson

Das ist eigentlich ganz einfach erklärt. Ich bin bekennender Donaldist und Mitglied der D.O.N.A.L.D. Man muss sich allerdings nicht sehr mit dem Thema Carl Barks auskennen, um zu wissen, dass Dagobert Duck sein Vermögen am Klondike bzw. im Yukon machte. Ich setze einfach mal unverschämterweise voraus, dass diese Information zur Allgemeinbildung gehört. Als Donaldist wollte ich nun endlich mal den Ort besuchen, an denen Onkel Dagobert in finsteren Polarnächten bulligen Bären und gierigen Goldgräbern ausgesetzt war. Den Ort, an dem Dagobert Duck aufwuchs, nämlich Rannoch Moor hatte ich ja schon auf meiner Reise mit dem Wohnmobil durch Schottland besucht und diesen Ort auch in meinem Schottland-Reiseführer erwähnt. Aber das ist eine andere Geschichte.

Straße

Straße

Dawson City – die Stadt der Goldgräber

Dawson City also, eine Stadt, wie man sie kaum woanders findet. Wir reisten mit dem Auto von Whitehorse über den Klondike Highway an. Unterwegs sahen wir einige Waldbrände. Diese waren zwar eigentlich weit weg, aber so enorm, dass der Rauch auch Dawson City einhüllte. Einerseits war das schade, weil das Wetter eigentlich gut gewesen wäre, doch andererseits passte diese rauchige Luft gut zu dieser Stadt, die noch vom Hauch der Goldgräberzeit lebt. Ähnlich hatten wir damals empfunden, als wir Ushuaia im argentinischen Winter und Hammerfest in Nord-Norwegen besuchten. So abgelegene Ortschaften müssen einfach rau sein.

Downtown Hotel

Downtown Hotel

Schon bei der Anfahrt gefiel mir die Stadt, denn ein Ortseingangsschild wie das von Dawson City findet man wohl kaum woanders. Eine große Holzwand in Form einer Hausfassade, die an die Goldgräberzeit angelehnt ist. Das Interessante ist jedoch, dass man sich wenig später fragt, ob das nun nur ein Schild war oder einst tatsächlich mal ein Haus. Denn sämtliche Häuser in der Ortschaft sehen so aus wie das Schild. Treffender konnte es also eigentlich nicht sein.

Yukon Hotel

Yukon Hotel

Bürgersteige aus Holz

Und nicht nur die Häuser erinnern mit ihrem Äußeren an vergangene Zeiten. Auch die Straßen wirken so, als ob gleich noch eine Kutsche um die Ecke käme. Sie sind nur geschottert und haben entsprechend einige Schlaglöcher. Und die Bürgersteige sind aus Holz. Fantastisch. Man möchte fast glauben, der Stern des Nordens in Form von Nelly watschelt gleich über die Holzplanken, die sich Bürgersteig nennen.

Bürgersteig aus Holz

Bürgersteig aus Holz

Untergekommen sind wir im Downtown Hotel. Das gilt als das erste Hotel am Platze. Es passt genau in die Stadt hinein. In rot-weißer Holzoptik präsentiert es sich zentral gelegen und mit einem Saloon im Erdgeschoss – klassische Schwingtür inklusive. Hier passt einfach alles. Es befindet sich an der Kreuzung der Queen Street mit der Second Avenue. Nur zwei Häuser weiter verläuft die Front Street parallel zwischen Second Avenue und dem Ufer des Yukon. Überhaupt sind die Straßen auch in Dawson City typisch amerikanisch bzw. kanadisch rechtwinklig angelegt worden.

Das Klondike Valley

Das Klondike Valley

Die SS Keno ist ein Schaufelradddampfer in Dawson City

Die Front Street ist zugleich die Hauptstraße. Hier gibt es mehrere Geschäfte und Einkehrmöglichkeiten. Einkaufen kann man neben Lebensmitteln (ich glaube, auch Bohnen aus der Dose gesehen zu haben) klassische Werkzeuge, die man zum Goldschürfen und Goldwaschen benötigt. Auf der Uferseite der Front Street ist die SS Keno zu besichtigen. Die SS Keno ist ein 1922 gebauter Schaufelraddampfer, der einige Jahrzehnte im Yukon treue Dienste leistete. Seit den 1960er-Jahren ist das Schiff nun ein Museum.

Dawson Trading Post

Dawson Trading Post

Nur schräg gegenüber vom Schiff befindet sich die Touristeninformation von Dawson City. Hier erhält man natürlich zahlreiche Informationen über die Stadt, über die Provinz Yukon und über die Möglichkeiten, die man vor Ort hat. Dazu zählt zum Beispiel auch das Goldwaschen auf Claim 33. Keine Frage, dass auch ich die Goldwaschpfanne geschwungen habe und versuchte Gold zu finden. Dazu schreibe ich aber später mal mehr.

Front Street

Front Street

Spaziergang am Klondike River

Ganz in der Nähe der Tourist Information befindet sich auch noch die kleine Fähre, mit der man den Yukon überqueren kann. Auf ihr gelangt man nicht nur zum gegenüberliegenden Ufer, sondern auch zum Top of the World Highway. Diese Schotterpiste hätten wir gerne befahren, das war uns aber mit unserem Leihwagen nicht gestattet.

Geschäfte an der Front Street

Geschäfte an der Front Street

Was wir uns auch nicht entgehen ließen, war ein Spaziergang am Ufer des Yukon. In Whitehorse hatten wir ja schon vorher eine größere Wanderung am Flussufer gemacht, hier war das leider nicht möglich. Aber immerhin reichte es für einen längeren Spaziergang in südliche Richtung, wo der Klondike in den Yukon mündet. Dort gab es sogar den Hinweis auf den Klondyke Millenium Trail (ja, Klondike mit Y-Schreibweise), aber einen wirklichen Trail oder Wanderweg haben wir nicht entdecken können. Immerhin konnten wir aber durch das Ufergestrüpp hinab bis zum Wasser des Klondikes gehen. Da ließ ich es mir natürlich nicht nehmen, einmal die Hand in das eiskalte Wasser zu halten.

Hausfassade

Hausfassade

Die Stadt ist historisch, aber kein Museum

Die Stadt wirkte gelegentlich wie ein Freilichtmuseum. Aber das war falsch. Dawson City ist kein Museum. Spätestens, wenn man beim Vorbeifahren die Kinder auf dem Schulhof sieht und hört, wird einem bewusst, dass hier Menschen leben. Trotzdem kam kam mir manchmal der Aufenthalt beinahe unwirklich vor. Hier so weit oben im Norden. Dabei ist man eigentlich gar nicht so weit im Norden. Der Polarkreis liegt nördlicher und den hatte ich ja in allen drei skandinavischen Ländern schon öfter passiert, unter anderem bei meinem Fahrten zum Nordkap.

Klondyke Millenium Trail

Klondyke Millenium Trail

Zu guter Letzt fuhren wir noch auf den Hausberg von Dawson City. Nördlich von Dawson City befindet sich der Midnight Dome Viewpoint. Ihn kann man gut mit dem Auto erreichen. Als wir dort morgens ankamen, sahen wir dort einige Wohnmobile stehen, die dort die Nacht verbrachten. Übrigens hat Dawson City mitten im Stadtzentrum auch einen Campingplatz. Es gibt also keine Schwierigkeiten, mit dem Wohnmobil nach Dawson City zu fahren.

Mündung des Klondike in den Yukon

Mündung des Klondike in den Yukon

Damals am Klondike…

Vom Midnight Dome Viewpoint hat man einen tollen Ausblick auf die Stadt, auf den Klondike wie er in den Yukon mündet und auf das Tal des Yukon, der langsam nach Norden in Richtung Beringsee fließt. Nur bei unserem Aufenthalt war die Sicht halt leider durch den Rauch der Waldbrände ziemlich eingeschränkt. Nichtsdestotrotz ist für uns ziemlich sicher, dass wir eines Tages wieder nach Dawson City zurückkehren werden. Das tat Dagobert Duck ja auch gelegentlich.

Ortseingangsschild von Dawson City

Ortseingangsschild von Dawson City

Und in einem Punkt habe ich jetzt mit Dagobert etwas gemeinsam. Es ist natürlich nicht der Reichtum. Aber ich suchte im Yukon nach Gold und ich kann jetzt genauso wie er die Mitmenschen mit folgendem Satz nerven: „Damals am Klondike…“

Michael Moll am Klondike River

Michael Moll am Klondike River

 

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