Der Vergleich: Hammerfest und Ushuaia

Was treibt einen eigentlich nach Hammerfest? Wenn man schon so weit nördlich ist und den Polarkreis schon lange hinter sich gelassen hat, dann will man doch endlich zum Nordkapp. Und ein Blick auf die Karte verrät, dass eine Fahrt nach Hammerfest ein Abstecher wird, wenn das Ziel eigentlich Nordkapp heißt. Doch wer einmal in der südlichsten Stadt der Welt war, der will sich die nördlichste Stadt Europas natürlich nicht entgehen lassen.

Aber zunächst mal ein paar Grundinfos und ein paar Definitionen: Ushuaia befindet sich auf Feuerland in Argentinien und kann über Land nur erreicht werden, wenn man ein kleines Stück durch Chile fährt, was zwei Grenzkontrollen nach sich zieht. Südlicher als Ushuaia ist nur noch der Nationalpark Feuerland (Tierra del Fuego), wo sich das Ende der berühmten Panamericana befindet. Gleich dahinter kommt noch rund 1.000 Kilometer Meerwasser und schon würde man in der Antarktis stehen. In Ushaia selbst bezeichnet man sich als Ende der Welt und sämtliche Souvenirläden sind voll mit Artikeln zu diesem Thema. Außerdem ist hier so ziemlich alles von Pinguinen geprägt.

Hammerfest befindet sich bekanntlich in Norwegen und gilt als nördlichste Stadt Europas. Die Definition darüber, welche Siedlung, Stadt oder Gemeinde als die nördlichste ist, überlasse ich anderen. Denn eigentlich ist Honningsvåg die nördlichste Stadt unseres Kontinents, allerdings wirbt Honningsvåg mit dem Nordkapp, weshalb Hammerfest mit dem Slogan der nördlichsten Stadt werben darf. So haben es diese beiden Städte zumindest vereinbart. Nördlichere Städte findet man nur noch in Alaska und selbst da sind es nur wenige. Das dürfte wohl der Grund sein, warum es in Hammerfest – anders als in Ushuaia – kaum Souvenirläden gibt. Das Pendant zu den Pinguinen ist in Norwegen jedoch der Eisbär, obwohl es auf dem norwegischen Festland niemals Eisbären gegeben hatte. Und so findet man das weltgrößte Raubtier an zahlreichen Stellen abgebildet.

Beiden Städten merkt man jedoch auf eine unbeschreibliche Art an, dass es sich jeweils um eine Sackgasse handelt. Das harte, kalte Leben im Winter zehrt an beiden Enden dieses Planeten und auch die Vegetation ist natürlich etwas sparsamer gesät. Während in der Bucht von Ushuaia ein altes Schiffswrack vor sich hin rostet und man die Aussicht gen Süden nur mit dem Containerhafen zusammen  zu sehen bekommt, blickt man in Hammerfest auf eine kleine Insel, auf der eine Erdgasverflüssigungsanlage in Betrieb ist. Beides ist zwar nichts für pure Naturliebhaber, doch irgendwie passt es und stört eigentlich auch nicht.

Im argentinischen Ushuaia kam ich damals in einem sehr freundlichen Hostel unter, welches einen guten Kaffee mit Blick auf die Stadt bot. In Hammerfest brachte ich meine eigene Küche mit und übernachtete mit Blick auf die Bucht auf dem Wohnmobil-Stellplatz unterhalb eines Hotels. Sowohl in Ushuia als auch in Hammerfest gibt es kaum nennenswerte Sehenswürdigkeiten, abgesehen von ein paar kleineren Museen. Zugegeben, in Hammerfest muss man die Meridian-Säule des Struve-Bogens erwähnen. Immerhin ist der Bogen Teil des größten Weltkulturerbes der Unesco, aber das war es im Wesentlichen auch schon.

Und auch in Sachen Kurioses können beide Städte punkten. Während man in der argentinischen Postfiliale auf Feuerland einen Stempel in seinem Reisepass erhalten kann, existiert in Hammerfest der legendäre Eisbärenclub. In diesem kann man nur Mitglied werden, wenn man vor Ort war und einen kleinen einmaligen Beitrag entrichtet. Wer mich kennt, der weiß: Natürlich habe ich mir damals den Ushuaia-Stempel in den Pass hauen lassen und selbstverständlich bin ich nun auf Lebenszeit Mitglied im Eisbärenclub. Und weil es ein richtiger Verein ist, werde ich nun regelmäßig zur Mitgliederversammlung nach Hammerfest eingeladen. Na, irgendwann werde ich die Einladung vielleicht mal annehmen. Aber den Stempel in Ushuaia werde ich mir natürlich auch noch mindestens einmal wieder abholen. Kurz gesagt: Beide Städte haben mir gefallen. Obwohl, oder gerade weil sie so sind wie sie sind…

8 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hallo Michael,
    auch wenn mich die von dir bereiste Gegend nicht sooo sehr reizt, so muss ich jetzt doch mal bemerken, dann du deine Fotos sehr schön präsentierst. Du bringst mich da auf Ideen, die ich auch umzusetzen versuche.
    Liebe Grüße
    Elke

  2. Hallo Elke,

    man kann ja nicht alle Reiseziele gleich schön finden 😉 Aber über Skandinavien kommt noch so einiges, bevor ich mich wieder anderen Zielen widme. Wenn ich dir bei deinen Ideen helfen kann, dann sag nur Bescheid.

    Viele Grüße
    Michael

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  6. Pingback: Eisbärenclub in Hammerfest | Die Weltenbummler

  7. Die Südlichste Stadt der Welt ist übrigens Puerto Williams in Chile oder ja nach Wahrnehmung Puerto Toro, keinesfalls jedoch Ushuaia.
    Liebe Grüße.

    • Nur ist Puerto Williams nach chilenischem Recht keine Stadt. Allgemein wird Ushuaia als südlichste Stadt der Welt bezeichnet. Im Text steht ja, dass man auch über die nördlichste Stadt/Gemeinde/Ortschaft diskutieren kann.

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