2019 – Auf dem Weg zur Grand Canyon-Wanderung

Nach der Durchquerung des Petrified Forest Nationalparks und dem Roadtrip durch den Südwesten der USA stand uns nun eine nicht ganz einfache Aufgabe bevor. Wir wollten den Grand Canyon zu Fuß durchqueren – an einem Tag. Zu einer der Herausforderungen gehörte zunächst einmal die logistische Planung. Auf die gehe ich noch in einem gesonderten Beitrag ein.

Parkhinweise
Parkhinweise

Einer der Höhepunkte des Roadtrips stand an

Aber grundsätzlich bleibt zu sagen, dass wir bei unserer Planung zur Erkenntnis kamen, die Tour am besten auf der Nordseite zu starten. Dort würden wir den Wagen auf einem Campingplatz lassen, durch den Grand Canyon wandern und an der Südseite in einer Lodge nächtigen. Am nächsten Morgen würde uns ein Shuttlebus wieder zum Campingplatz zurückbringen – eine Fahrt von fast 400 km Länge.

Graffiti in Flagstaff
Graffiti in Flagstaff

Einen Teil der Strecke zwischen dem Südrand (South Rim) und dem Nordrand (North Rim) würden wir schon auf dem Weg zum Campingplatz kennenlernen. Doch so weit waren wir noch gar nicht. Wir verließen erstmal den Petrified Forest Nationalpark und fuhren auf der Interstate 40 geradewegs nach Flagstaff.

Flagstaff
Flagstaff

Kurzer Abendrundgang in Flagstaff

Diesen Ort, direkt an der Route 66 gelegen, kannten wir schon von unserem Roadtrip drei Jahre zuvor und er hatte uns damals schon ganz gut gefallen. Es ist halt ein klassischer Touristenort, der sich auch mit einem kleinen Stadtzentrum präsentiert. Diese suchten wir auf, nachdem wir in unserem Hotel eincheckten.

Altstadt von Flagstaff
Altstadt von Flagstaff

Es war nicht dasselbe Hotel wie damals, weil dieses Hotel neu war und einen sehr günstigen Preis offerierte. Von dort fuhren wir in die Innenstadt hinein, parkten den Wagen und schlenderten noch kurz zwischen den Straßen des sogenannten Historic District. Sehr spät wurde es nicht, denn so groß ist Downtown nun auch nicht. Aber es war einfach nett, manche Dinge wieder zu sehen.

Bummeln in Flagstaff
Bummeln in Flagstaff

Es ging los in Richtung Grand Canyon

Am nächsten Morgen befuhren wir den Highway 89 in nördliche Richtung und kamen dabei durch einen kleinen Ort namens Cameron. Na ja, der Begriff Ort ist vielleicht ein wenig übertrieben. Aber ein paar Wohnhäuser gibt es tatsächlich. Doch vielmehr handelt es sich um eine Tankstelle, eine Burgerbude und vor allen Dingen um einen Kreisverkehr.

Highway nach North Rim
Highway nach North Rim

An diesem Kreisverkehr hätte man nach links auf den Highway 64 abbiegen können und man wäre zu South Rim gelangt. Das bedeutet für uns, dass wir die nun folgende Strecke auch mit dem Shuttlebus befahren würden. Der Verkehr war relativ üppig, angesichts der Tatsache, dass man hier eigentlich nur irgendwo in der Wüste unterwegs ist.

Unser Mietwagen
Unser Mietwagen

Geier hockten unter der Brücke

Doch das änderte sich zumindest ein klein wenig, als wir nach einiger Zeit halblinks auf den Highway 89A einbogen und nach Marble Canyon fuhren. Auch Marble Canyon ist nicht wirklich eine Ortschaft. Aber hier hält man auf der Strecke ganz sicher an. Denn man überquert hier den Colorado River, der bereits an dieser Stelle eine tolle Schlucht bildet. Die Schlucht wird wiederum von zwei Brücken überspannt. Eine ist für den Autoverkehr und eine weitere, direkt parallel dazu verlaufende Brücke ist älter und diente der Straßenbrücke als Vorbild.

Marble Canyon
Marble Canyon

Sieht schon schön aus, wenn man über die Brücke geht und zwischen beiden Bauwerken zum anderen Ufer hinüber blickt. Besonders schön war die Tatsache, dass in der stählernen Brückenkonstruktion zwei Geier unter der Fahrbahn saßen und auf den Colorado River hinunter blickten. Obwohl wir sehr geduldig warteten und uns viel Zeit ließen, haben die beiden Geier es aber leider nicht für nötig gehalten, sich mal in unsere Richtung umzudrehen.

Colorado River im Marble Canyon
Colorado River im Marble Canyon

Tolle Ausblicke über die Landschaft von Arizona

Kurz hinter der Brücke passiert man noch einen kleinen Parkplatz mit Händlern der Navajos. Er befindet sich in einer wunderbaren Felslandschaft, die so typisch für Arizona und Utah ist. Beeindruckt hat uns aber auch wenig später die elf Kilometer lange und schnurgerade Straße in Richtung Vermilion Cliffs National Monument. Am Ende des schnurgerade Verlaufs folgt nicht nur eine einfache Kurve, sondern gleich eine Spitzkehre, mit der man an Höhe gewinnt und einen weiteren Aussichtspunkt erreicht.

Marble Canyon
Marble Canyon

Auch hier sollte man unbedingt anhalten, weil man eben einen tollen Blick auf die elf Kilometer lange Strecke werfen kann. Nach einer weiteren kurzen Fahrt durch einen Wald folgte ein letzter Abzweig. Ab Jacob Lake fährt man auf der State Route 67, die eigentlich eine Sackgasse. Sie verläuft Richtung Süden bis zum North Rim.

Brücken am Canyon
Brücken am Canyon

Auf dem Weg dorthin kamen uns jede Menge sehenswerter Oldtimer entgegen und damit meine ich richtige Oldtimer. Also etwas, was man in die Ära des Ford T-Modells verorten würde. War schon wieder mal schön anzuschauen. Am Parkeingang zeigten wir wieder unsere Jahreskarte vor und fuhren direkten Weges zur Rezeption des Campingplatzes.

Geier
Geier

Ankunft auf dem Campingplatz North Rim

Dort wurden wir freundlich begrüßt und erhielten die Berechtigungskarte für unsere Parzelle, die wir schon Monate vorher online auswählten. Drei Nächte hatten wir die Parzelle gebucht und als Erstes stellten wir ein Alibi-Zelt auf. Wir hatten nicht vorgehabt, im Zelt zu übernachten. Doch wir wollten auf der Parzelle nicht einfach nur unser Auto stehen lassen. Das hätte womöglich seltsam ausgesehen.

Geier
Geier

Die erste Nacht wollten wir im Auto schlafen, so wie einst in Cody am Yellostone Nationalpark. Die zweite Nacht würde unser Wagen alleine auf dem Campingplatz verbringen, weil wir ja am South Rim in der Lodge wären und die dritte Nacht buchten wir, weil wir den Campingplatz bis elf Uhr verlassen haben müssten. Doch der Shuttlebus bringt uns an dem Tag erst um 12 zurück. Das hätte zu Problemen geführt und so buchten wir auch diese dritte Nacht, obwohl wir an dem Tag dann den Platz verlassen werden.

Unser Chevrolet Suburban
Unser Chevrolet Suburban

Abendspaziergang am North Rim

Nachdem wir uns mehr oder weniger eingerichtet hatten, gingen wir noch ein wenig durch den Wald bis zur Kante des Grand Canyon. Mal wieder war er beeindruckend, so wie damals schon, als wir ihn von der Südseite aus gesehen hatten.

150 Skurrile Felsen
150 Skurrile Felsen

Wir warfen einen Blick in die hier vorhandene Lodge und ins Besucherzentrum mitsamt den Souvenirangeboten. Eigentlich hatte ich mir ein bestimmtes Andenken gewünscht, denn genau deswegen waren wir hier und machten diese Rim-to-Rim-Wanderung. Als wir drei Jahre zuvor auf der Südseite standen, erblickte ich im dortigen Souvenirshop ein Andenken-Zertifikat. Das konnte sich natürlich jeder kaufen, aber es war eigentlich an die Wanderer gerichtet, die den Grand Canyon einmal komplett durchquerten.

Felsformationen am Marble Canyon
Felsformationen am Marble Canyon

Umgucken im Souvenirshop

Da ich Zertifikate und Urkunden dieser Art irgendwie drollig finde und sie sammle, wünschte ich mir natürlich auch solch ein Zertifikat. Allerdings nur, wenn wir auch diese Wanderung dafür unternehmen. So viel Ehrgeiz und Ehrlichkeit zu sich selbst muss ja sein.

Highway
Highway

Nur leider sahen wir hier im Souvenirladen am North Rim solche Zertifikate nicht mehr. Da blieb uns nur die Hoffnung, dass es das auf der Südseite zu kaufen gibt. Wirklich vernünftig gegessen hatten wir an dem Tag noch nicht und eigentlich hatten wir Hunger. Doch das einzige halbwegs bezahlbare Restaurant war eine Art Imbiss, der stellenweise nicht besonders ansprechend aussah.

Highway zum Grand Canyon
Highway zum Grand Canyon

Auf Nachfrage waren auch genau die Speisen, die wir uns dennoch bestellt hätten, nicht mehr vorrätig. Und alles andere sprach uns nicht an. Wir gingen auf Nummer Sicher, denn ausgerechnet jetzt bräuchten wir keinen Durchfall oder Magenschmerzen. Dafür haben wir uns zu lange auf diese Wanderung gefreut und vorbereitet.

Highway 89a in Arizona
Highway 89a in Arizona

Schon mal ein Blick nach unten werfen

Da es noch hell war, gingen wir an der Kante des Canyons entlang bis zum eigentlichen Einstieg in den Trail. Auf dem North Kaibab Trail gelangen wir nämlich nach unten in den Canyon und da wollten wir einfach mal schauen, wo der denn ist.

Wohnmobil auf dem Highway
Wohnmobil auf dem Highway

Viel konnte man dort nicht sehen, weil es sehr waldig ist. Aber ein paar Höhenmeter nach unten machten wir schon mal. Pure Neugierde. Ein paar Wanderer, die uns ziemlich erschöpft aus dem Canyon entgegen kamen, wirkten ein wenig so, als würden sie uns verachten. Für sie muss das natürlich seltsam ausgesehen haben, dass wir komplett ohne Ausrüstung in den Canyon hineinstiegen. Aber das taten wir natürlich nicht. Wir wollten nur mal die ersten Höhenmeter ein wenig gucken.

Oldtimer am North Rim
Oldtimer am North Rim

Anschließend gingen wir zum Campingplatz und bereiteten uns darauf vor, dass wir wenige Stunden später am frühen Morgen aufstehen würden. Der Chevrolet Suburban war groß genug, damit wir bequem drin liegen konnten und auch noch Platz für unser Gepäck. Ein letzter Blick auf die Sterne, die irgendwo über uns zwischen den Baumwipfeln auszumachen waren und schon hatte uns der Schlaf eingeholt.

Willkommen am Grand Canyon
Willkommen am Grand Canyon

Kurzer Schlaf im Auto

Moni schlief nicht gut und wachte viel zu früh auf, während ich bis zum vereinbarten Zeitpunkt irgendwann vor vier Uhr durchschlief. So leise wie möglich machten wir uns für die Wanderung fertig, um keine anderen Camper zu wecken. Nur auf einer weiteren nahe gelegenen Parzelle waren ähnliche Geräusche und die Lichter von Stirnlampen auszumachen.

Blick vom North Rim
Blick vom North Rim

Gut gerüstet verabschiedeten wir uns in völliger Dunkelheit von unserem Wagen und überquerten den Campingplatz zur Ausfahrt. Noch auf dem Platz erschraken zwei junge Rehe, die nicht damit rechneten, dass um diese Zeit Zweibeiner unterwegs waren. Wir stutzten jedoch auch kurz, weil wir zunächst nur die reflektierenden Augen wahrnahmen – und das in maximal drei Metern Entfernung. Das hatte schon eine gewisse Wirkung.

Lodge am North Rim
Lodge am North Rim

Es geht los – unser Grand Canyon-Wanderung beginnt

Frohen Mutes gingen wir zum Einstieg in den North Kaibab Trail und folgten diesem durch die Dunkelheit hinab. Über uns die Sterne und unter uns sandiger Boden, den wir bei jedem Schritt aufwirbelten. Schnell hatten wir den feinen Staub in der Nase und im Mund. Unangenehm. Wir hatten schon etliche Höhenmeter gemacht, bis die Dunkelheit der Dämmerung wich. Irgendwann konnten wir dann auch endlich die Stirnlampen ausschalten.

Campingplatz am North Rim
Campingplatz am North Rim

Ein exakter Bericht über den Abstieg und den späteren Aufstieg folgt natürlich auch noch auf dieser Website. Hier sei zusammenfassend gesagt, dass der Abstieg relativ einfach war. Es dauerte zwei Stunden bis uns die ersten Wanderer entgegen kamen. Wanderer, die in die gleiche Richtung gingen wie wir, hatten wir von Anfang. Man sah sich in der Dunkelheit der Nacht wunderbar gegenseitig durch die Stirnlampen.

Parzelle auf dem Campingplatz
Parzelle auf dem Campingplatz

Steiler Abstieg auf dem North Kaibab Trail

Der erste Teil des North Kaibab Trails geht ziemlich steil bergab. Ab der Pump House Ranger Station ging es deutlich weniger steil weiter. Es war eher ein normaler Weg in einer Schlucht mit einem leichten Gefälle. Auf diesem Weg durchquerten wir den Cottonwood Campingplatz, für den man eine Permission benötigt und eine sehr enge, sehenswerte Schlucht, bevor man die Phantom Ranger Station erreicht.

Unsere Parzelle
Unsere Parzelle

An der Station hat man den Abstieg geschafft. Auch hier gibt es noch einmal eine Campingmöglichkeit. Aber für uns war viel wichtiger, dass man sich hier auch stärken konnte. Wir hatten zwar alles dabei, wollten aber gerne die Sachen so lange wie möglich aufsparen. Außerdem hatten wir an Flüssigkeit natürlich nur Wasser. Doch der große Becher mit kalter Limonade war so sehr verlockend, dass ich gleich noch einen zweiten holte.

Wir übernachten im Auto
Wir übernachten im Auto

Wir überquerten den Colorado River im Grand Canyon

Das war jedoch ein Fehler, denn auf den nächsten Kilometern hatte ich dann doch deutliche Bauchschmerzen. Da wollte ich wohl zuviel des Guten. Aber im Laufe der Wanderung verschwand das Bauchweh auch. Kurz hinter der Phantom Ranger Station überquert man den Colorado River auf einer Brücke und folgt man schließlich der Beschilderung des Bright Angel Trails.

Abends auf dem Campingplatz
Abends auf dem Campingplatz

Das bedeutete, von nun an ging es bergauf. Ein bisschen blöd, denn wir hatten Mittags und wir würden niemals so spät erst zu einer Bergwanderung starten. Aber hier war es eben andersherum. Man wandert erst bergab und danach wieder hinauf. Mal eben rund 1900 Höhenmeter. Und der Aufstieg hatte es vom ersten Moment an in sich.

Mit Stirnlampe auf dem Wanderweg
Mit Stirnlampe auf dem Wanderweg

Die Schwierigkeit lag aber nicht an dem Weg. Der war nämlich sehr gut ausgebaut und leicht begehbar. Doch anstrengend war zum einen die Temperatur, obwohl wir schon Oktober hatten und überwiegend im Schatten liefen. Zum anderen hatten wir zu diesem Zeitpunkt schon weit mehr als 20 Kilometer Strecke hinter uns. Das machte sich bemerkbar.

Sternklarer Himmel
Sternklarer Himmel
Sterne über dem Grand Canyon
Sterne über dem Grand Canyon

Der Moment nach der Pause war immer anstrengend

Es war sehr anstrengend, zuweilen war es ein harter Kampf, sich nach jeder kleinen Pause wieder aufzuraffen und weiter zu wandern. Aber was hatten wir für eine Wahl? Früh stand fest, dass wir South Rim nicht bei Tageslicht sehen würden, sondern dass wir im Laufe des Tages noch einmal unsere Stirnlampen benötigen würden.

Frühmorgens im Grand Canyon
Frühmorgens im Grand Canyon

Wir kämpften uns Höhenmeter für Höhenmeter nach oben und erreichten irgendwann den Punkt, an dem wir einfach nur noch angekommen sein wollten. Aber das waren wir nicht. Wir mussten weiter. Zwischendurch dachte ich mir, dass ich die nächste Gruppe mit Mule-Tieren anhalten würde, damit wir auf den Tieren nach oben reiten könnten. Mit zwei amerikanischen Frauen wechselten wir immer wieder die Position. Mal waren sie vor uns, mal waren wir es. Man grüßte sich, man wechselte ein paar Worte und man schnappte gemeinsam nach Luft.

North Kaibab Trail
North Kaibab Trail

Im Dunkeln sieht alles noch weiter entfernt aus

Als die Helligkeit verschwand und nach kurzer Dämmerung alles im Dunkeln lag wurde es nochmal so richtig anstrengend. Denn nun sahen wir vor uns bzw. über uns deutlich, wo der Weg verläuft, den wir noch zu gehen hatten. Bei Tageslicht war das nicht zu erkennen. Da blickte man einfach auf eine rötliche Felswand, die sich monumental vor einem erhebt.

North Kaibab Trail
North Kaibab Trail

Doch in der Dunkelheit konnte man eben wieder die Stirnlampen bzw. Lichter der anderen Wanderer sehen. Dann blickt man nach oben, beneidet man die Leute, die schon vor einem sind und man gar nicht so richtig einschätzen, wie weit diese Lichtpunkte entfernt sind.

Blick in den Grand Canyon
Blick in den Grand Canyon

Wir waren mittlerweile wirklich fix und fertig. Immer wieder hockten wir uns auf einen der umliegenden Findlinge, doch jedes anschließende Aufraffen wurde zur Qual. Irgendwann passierten wir einen jungen Mann, der sich als Parkranger herausstellte. Er achtete darauf, dass jede Taschenlampe im Laufe des Abends noch nach oben kommen würde.

Roaring Springs
Roaring Springs

Erschöpfung bei der Grand Canyon-Wanderung

Auf seine Frage, ob alles okay mit uns sei, antworteten wir natürlich, dass wir bloß müde seien. Was sollten wir auch sagen? Ein paar Kilometer und Höhenmeter waren es an dieser Stelle noch. Und die Tatsache, dass ich jetzt wusste, mich würde ein Ranger retten, verleitete mich zu dem Gedanken, mich jetzt einfach auf den Weg plumpsen zu lassen.

Michael Moll
Michael Moll

Irgendwann würde der Ranger ja mit anderen Wanderern vorbeikommen. Aber wirklich gewollt hatte ich das natürlich nicht. Eine allerletzte Pause machten wir knapp 100 Höhenmeter unter dem Ziel. Wir hockten jeder auf einem Findling. Ich starrte dabei völlig erschöpft auf meine Wanderschuhe als plötzlich eine Maus aus dem Gestrüpp kam und sich dreist und frech auf meinen Schuh setzte Ich weiß nicht, ob sie mich als Mensch nicht wahrgenommen hatte. Aber ich hatte das Gefühl, die Maus hat mich nicht mehr ernst genommen.

Colorado River im Grand Canyon
Colorado River im Grand Canyon

Und plötzlich noch ein Skorpion

Und das konnte ich ja nicht auf mir sitzen lassen. Wir nahmen jeder unsere letzten Kräfte zusammen und stiefelten weiter los. Ein Schritt nach dem nächsten. Dabei erblickte ich auf dem Weg im Lichtkegel der Stirnlampe plötzlich auch noch einen Skorpion, womit mein Drang, mich setzen zu wollen, komplett verschwand.

Mules im Grand Canyon
Mules im Grand Canyon

Dennoch, es war furchtbar anstrengend. In nur geringer Entfernung wanderten auch die beiden Amerikanerinnen. Ihnen kamen weitere Frauen von oben entgegen. Sie waren ursprünglich eine Gruppe, die sich im Laufe der Kilometer aufsplittete. Diejenigen von ihnen, die zuerst am Ziel ankamen, machten den beiden letzten Frauen aus der Gruppe nun Mut. Es sei nicht mehr weit. Und mit dem Blick auf uns gerichtet, versuchten sie uns mit den selben Worten anzuspornen.

Brücke über dem Colorado River
Brücke über dem Colorado River

Geschafft – der Grand Canyon ist durchquert

Wir sind damals am South Rim ein paar Höhenmeter nach unten gegangen, weil wir sehen wollten, wie der Wanderweg aussieht. Daher kannten wir die letzten Meter unseres Aufstiegs und als wir dann endlich das erste Haus sahen, fielen Moni und ich uns in die Arme. Wir waren fix und fertig. Am Ende des Tages hatten wir also 60 Kilometer Wanderung mit 1900 Höhenmetern geschafft. Stolz und erleichtert gingen wir zu einem Sitzplatz am Parkplatz.

Deutlich ist der Aufstieg zu erkennen
Deutlich ist der Aufstieg zu erkennen

Moni holte die Buchungsbestätigung von der Lodge heraus und mit einem Male wurden wir beide blass. Wir lasen auf Englisch, dass das Büro bis 19 Uhr besetzt sei. Und jetzt war es schon nach 20 Uhr. Wir fragten uns, was das für eine Lodge ist. Würde man dort bis 19 Uhr einen Schlüssel bekommen und wer später kommt, hat Pech gehabt? Das wäre echt übel. Wo hätten wir übernachten sollen?

Bright Angel Trail
Bright Angel Trail

Etwas Unruhe überkam uns

Eiligen Schrittes liefen wir über den Parkplatz und suchten das Hauptgebäude der Lodge, Wir fanden es nicht auf Anhieb und wurden immer nervöser. Doch dann tauchte es auf und wir sahen die Menschen und das Licht drin, was uns beruhigte. Glücklich konnten wir einchecken und erhielten einen kleinen Lageplan, damit wir das richtige Zimmer an dem richtigen Häuschen finden würden.

Blick vom Bright Angel Trail
Blick vom Bright Angel Trail

Doch die Dame an der Rezeption hatte sich ein wenig vertan und uns damit durcheinander gebracht. So kam es, dass wir natürlich an der falschen Zimmertür mit unserer Zimmerkarte Einlass begehrten. Wir versuchten es einige Male, bis schließlich die Tür aufgerissen wurde und ein leicht erboster Gast fragte, was wir da machen würden. Peinlich, ließ sich aber erklären.

Bright Angel Trail
Bright Angel Trail

Umständlicher Getränkenachschub

Wir mussten einmal um das kleine Chalet herum und auf die andere Seite. Dort konnten wir problemlos in unser Zimmer hinein. Moni setzte sich aufs Bett und ließ alles Gepäck fallen. Ich versuchte, meine letzten Kräfte zusammenzuraffen und ging, natürlich ohne Gepäck, zum Hauptgebäude zurück. Denn dort gab es einen Getränkeautomaten, an dem ich uns verschiedene Getränke holen wollte. Eine Flasche kostete 2 Dollar. Dummerweise musste man aber jeden Dollar einzeln einschieben.

Skorpion
Skorpion

Ich wechselte also noch das Geld an der Rezeption, so dass ich zehn Erfrischungsgetränke ziehen konnte. Schein für Schein schob ich in den Getränkeautomaten. Allerdings hatte ich keine Kraft mehr, normal vor dem Automaten zu stehen und ihn zu bedienen, wie das jeder macht. Nein, ich musste mich hinsetzen. So kauerte ich auf dem Flur neben der Rezeption und hob jedes Mal meinen Arm, um den Automaten mit einem Dollarschein nach dem nächsten zu füttern.

Blick zum Indian Garden
Blick zum Indian Garden

Abschluss eines anstrengenden Wandertags

Das dauerte eine Weile, bis ich alle Flaschen hatte. Und als ob das nicht reichen würde, ging ich gleich nebenan noch in den Souvenirladen. Dieser würde nämlich um 21 Uhr schließen und ich wusste nicht, ob er am nächsten Tag früh genug öffnen würde. Aber ein Zertifikat für diese Plackerei war mir nicht vergönnt. Ich kaufte noch ein paar Schokoriegel und ging dann zurück zum Zimmer.

Bright Angel Trail
Bright Angel Trail

Mit einer heißen Dusche ließen wir es uns ein jeder gut gehen und versuchten dann einfach, ein paar Stunden Schlaf zu bekommen, bevor am frühen Morgen der Wecker klingeln würde. Das tat er auch verlässlich, so dass wir frühzeitig auschecken konnten. Der Souvenirladen hatte schon geöffnet und wir kauften doch noch etwas ein. Nur der große Souvenirladen am South Rim war für uns um diese Uhrzeit unerreichbar. An Laufen war nicht zu denken und der Shuttlebus fuhr so frühmorgens nicht ideal für uns. Immerhin mussten wir ja auch in der Lobby der Lodge auf den Fahrer unseres Shuttlebusses warten.

Bright Angel Lodge
Bright Angel Lodge

Ankunft am Campingplatz North Rim

Der Fahrer war eine Fahrerin und sie brachte uns über die gleiche Strecke, die wir zwei Tage zuvor selber gefahren sind zurück zum Campingplatz am North Rim. Fast vier Stunden waren wir in dem engen Wagen unterwegs und hatten dabei zwei kurze Zwischenstopps.  Die Fahrerin erzählte uns, dass sie die Strecke jeden Tag hin und zurück fahren würde. Das bestätigt nur, was ich auch immer sage: Lange Strecken sind in den USA überhaupt kein Problem und völlig entspannt zu fahren.

Blaukehlhüttensänger
Blaukehlhüttensänger

Am Campingplatz angekommen, schmissen wir nur noch alle Sachen in den Wagen, warfen den Berechtigungsschein in eine Rückgabebox und fuhren auf direktem Wege nach Norden, nach Utah.

Weiter geht es mit dem Roadtrip von Utah nach New York.

1 Kommentar zu „2019 – Auf dem Weg zur Grand Canyon-Wanderung“

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