Transsib

2010 – (4) Mit der Transsib durch die Mongolei zurück


 

Mit der Transmongolischen Eisenbahn von Peking nach Moskau

Einsteigen in den Zug

 

Wie auch immer, eine weitere halbe Stunde nach der Einfahrt des Zuges kamen zwei junge weibliche Bahngestellten vom Bahnsteig die Treppe hinauf und begannen damit, die Glastür zu öffnen und baten um Vorlage der Tickets, ohne die man den Bahnsteig und natürlich erst recht nicht, den Zug betreten kann. Das war dann aber zugleich der Startschuss für das typische Gedrängel der chinesischen Touristen. Obwohl wir offensichtlich die Ersten vor Ort waren und dementsprechend ganz vorne standen und somit an dem Durchgang auch kein Platz mehr für weitere Personen war, versuchten es ein paar Chinesen dennoch, uns mit ihren Koffern zur Seite zu schieben. Normalerweise wäre es mir völlig egal, wenn sich mal jemand vordrängelt, beispielsweise in einer deutschen Bäckerei. Dann bekommt der vordrängelnde Kunde eben einen blöden Spruch und das war’s. Doch hier in China funktioniert das nicht. Und das hängt nicht mit den mangelnden Sprachkenntnissen zusammen, sondern mit der Tatsache, dass man plötzlich ganz schnell nach ganz hinten durchgereicht oder sogar im wahrsten Sinne des Wortes überrannt werden würde, wenn man sich nicht anpasst. Und weil mich diese chinesische Mentalität des unnötigen „ich bin Erster“-Kampfes nach zwei Wochen völlig nervte, hielt ich dagegen und kämpfte erbarmungslos um „unseren“ vorderen Platz. So wie mich der Chinese von links versuchte wegzuschieben, so hielt ich nicht nur dagegen, sondern verteidigte meinen Platz indem ich meinen Körper drehte und er den Trekkingrucksack auf meinem Rücken näher kennen lernte. Gleichzeitig stellte ich ihm einen unserer Koffer in den Weg, was er jedoch ignorierte und diesen wiederum zu stürzen versuchte. Damit knockte er sich jedoch selbst aus, denn ich nutzte die Chance und hielt den umkippenden Koffer an seinem ausziehbaren Griff fest und konnte ihn dann wie eine Sackkarre benutzen. Auf diese Art konnte ich mir mehr Abstand zu meinen Gegner verschaffen, der dieser Kriegsmethode dann auch nichts mehr entgegen zu setzen hatte. 1:0 für mich.

Gleichzeitig während dieser Prozedur präsentierten wir den beiden Damen unsere Tickets, die uns unverzüglich durch den schmalen Einlass auf die Treppe hinab zum Bahnsteig ließen. Hinter uns ging das Gedrängel natürlich weiter und mein direkter Gegner war als nächstes dran. Er stürmte mit seiner Familie durch den Einlass und wie eine wild gewordene Büffelherde die Treppe hinab. Für uns völlig unverständlich, da man in diesem Zug ausnahmslos reservierte Sitz- bzw. Schlafplätze hat. Es besteht also überhaupt kein Grund zur Eile. Das fiel dem Familienvater aber anscheinend dann auch ein, als er vor uns den Bahnsteig erreichte und sich mir vor direkt unten an der Treppe in den Weg stellte.

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Damit stand es 1:1. Er bemerkte jedoch nicht, wie ich von oben herab kam und unseren schwersten Koffer langsam an der Rampe neben den Stufen herab ließ und auf Grund des Gewichts leichte Probleme hatte, den Koffer halten zu können. So nutzte ich die Chance und holte zu einem Gegenschlag aus. Etwas übertrieben rief ich ihm etwas zu, um ihn darauf aufmerksam zu machen, dass er im Weg steht und ich den schweren Koffer nicht mehr halten kann. Er blickte zu mir hoch und spürte sofort die Gefahr, die von dem tonnenschweren Panzer in Form eines herkömmlichen Reisekoffers ausging. Mit einem beherzten Sprung zur Seite rettete er sich und seine Frau vor der herannahenden Urgewalt, die damit nur wenige Zentimeter an ihnen vorbeirauschte. 2:1 für mich, Endstand – der Krieg ist aus.

Moni und ich begaben uns zu unserem Waggon, wo wir von den beiden chinesischen Schaffnern in Empfang genommen wurden. Sie deuteten uns, dass wir das zweite Abteil haben würden. Wir öffneten die Schiebetür und waren etwas überrascht. Nicht, dass es schlechter war als auf der Hinfahrt, das kann man nicht behaupten. Aber es wirkte anders, wahrscheinlich hervorgerufen durch die in rötlichem Holz gehaltenen Abteilwände, die etwas bieder und alt wirkten. Auch der oben hängende Ventilator ließ vermuten, dass es in diesem Waggon keine Klimaanlage gab. Doch alles weit gefehlt. Es war sogar luxuriös. Der Ventilator war unnötig, denn eine Klimaanlage gab es doch, wie sich später herausstellen sollte. Und das Doppelstockbett, womit wir ebenfalls nicht rechneten, war nötig, da sich auf der linken Abteilseite eine weitere Tür befand. Sie führte in das private Badezimmer, welches man sich über eine weitere Zwischentür mit dem benachbarten Abteil teilte. Das überraschte uns umso mehr. Wir hatten zwar Erste Klasse gebucht, aber von einem eigenen Bad (ohne Toilette) mit Dusche und Waschbecken wussten wir nichts.

 

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