2022 – Auf der Queen Mary 2 von Southampton nach Hamburg

Verona war der Ausgangspunkt für eine Reise auf der Queen Mary 2 von Southampton nach Hamburg. Verona, zwischen dem Gardasee und der Adria gelegen, hat natürlich keinen Hafen und wird nie von einem Transatlantikliner angesteuert werden. Aber auf der Wohnmobilreise zum Gardasee reifte die Idee, endlich mal wieder eine kleine Reise auf der Queen Mary 2 zu unternehmen. Die Delta-Welle in der Coronakrise lag gerade hinter uns und Omikron sollte noch kommen. Letzteres wusste zu diesem Zeitpunkt aber noch niemand. Aber man braucht ja Ziele und so ein Ziel war es also, Monate später endlich mal wieder Seeluft auf einem Cunard-Schiff zu schnuppern.

(Achtung, dieser Reisebericht ist ausnahmsweise nur mit Handyfotos bebildert.)

Umstieg in Amsterdam nach London
Umstieg in Amsterdam nach London

Geplant war eigentlich eine Fahrt von Hamburg nach Southampton. Denn die Anreise nach Hamburg ist natürlich sehr leicht. Und bei der Rückreise könnte man ja noch eine Nacht in London verbringen und man käme am nächsten Tag gemütlich mit dem Zug wieder in Deutschland an. Doch diese Überlegung schlugen wir schnell in den Wind, als besagte Omikron-Welle wieder zu schärferen Einreisebedingungen führte. Zwar war eine Einreise nach Großbritannien wieder möglich, nachdem es um den Jahreswechsel herum eben nicht so einfach lief, doch die Rückreise von Großbritannien in die EU könnte zu Problemen führen. Erst recht, wenn man positiv auf Corona getestet wäre. Als dreifach geimpfte Personen war das ein Risiko, das wir mittlerweile bereit waren, einzugehen. Aber wir konnten dieses Risiko dennoch minimieren. Und zwar, indem wir die Reise einfach andersherum planen würden.

Mit dem Zug zum Schiff

Denn wenige Stunden Zugfahrt gegen zwei Tage Seefahrt waren dann doch ein kleiner Unterschied beim Ansteckungsrisiko. Daher kontaktieren wir die Gesellschaft Cunard mit der Bitte, unsere Reise umzubuchen, also genau umzudrehen. Wir wollte nicht mehr von Hamburg nach Southampton fahren, sondern exakt umgekehrt reisen. Obwohl eigentlich die Umbuchungszeit abgelaufen war, erfüllte man uns diesen Wunsch kulanterweise, was uns sehr freute. Doch damit waren die Reisevoraussetzungen noch lange nicht beendet. Es gab noch einiges zu tun.

Hauptbahnhof von Amsterdam
Hauptbahnhof von Amsterdam

Zunächst einmal musste man für die Einreise nach Großbritannien ein Passenger Locator Form (PLF) ausfüllen. In dieses Formular sind sämtliche Reisedaten einzutragen, vom Geburtsdatum über Passdaten bis hin zu den Angaben, wo man in Großbritannien übernachten würde und selbst die Zugnummer inklusive Angabe, in welchem Waggon man sitze, ist anzugeben. Also eine Formalität, die jetzt nicht wirklich anstrengend ist, aber eben vorab ein wenig Zeit erfordert und völlig unnötig ist. Bis zu dem Tag, an dem wir einreisten, war man außerdem noch verpflichtet, einen Coronatest innerhalb Englands zu buchen. Dieser musste spätestens am zweiten Tag nach Anreise gemacht werden. Die Buchung war kostenpflichtig und für uns total irrelevant, da wir am zweiten Tag das Land wieder verlassen würden. Aber so war halt die Gesetzeslage und ohne Buchungsnummer für den Coronatest konnte man das PLF nicht vollständig ausfüllen. Und das PLF selbst durfte man nur in den 48 Stunden vor der Einreise ausfüllen. Es gab also einiges zu beachten.

Komplizierte Einreise in Corona-Zeiten

Zu diesen Einreiseformalitäten für Großbritannien kam noch hinzu, dass man auch ein PLF für Belgien auszufüllen hat. Das entfällt allerdings, wenn man nur auf der Durchreise ist. Notwendig ist es aber auch auf der Durchreise, wenn man aus einem Land der „roten Zone“ kommt, wozu Deutschland zu diesem Zeitpunkt gehörte. Alles irgendwie kompliziert und das war ja noch nicht alles. Denn auch die Reederei Cunard erwartet, dass man vor der Ankunft am Hafen einen Gesundheitsfragebogen ausfüllt. Ein Coronatest am Terminal ist ohnehin Voraussetzung, auch für Geboosterte (für alle, die diesen Bericht in 20 Jahren lesen: So nannte man in der Coronakrise Personen, die drei Mal geimpft waren). Und da wir mit dem Zug anreisten, brauchten wir nicht nur das Ticket von Eurostar, sondern mussten auch hier angeben, dass wir das PLF inklusive Coronatest-Buchung besaßen.

Abendlicher Blick über die Themse
Abendlicher Blick über die Themse

Nach diesem Wust an Bürokratie gab es nur noch einen Knackpunkt, der zu einem riesigen Problem führen würde: Der Corona-Test am Terminal in Southampton. Würden wir dort corona-positiv getestet, dann kämen wir logischerweise nicht auf das Schiff und auch nicht in die Europäische Union zurück. Wir hätten dann in dem Moment einen zweiwöchigen und kostenpflichtigen Aufenthalt in einem Quarantäne-Hotel in England gewonnen. Um dieses Risiko noch weiter zu reduzieren, hatten wir schon Tage vorher unsere ohnehin geringen Kontakte komplett auf Null heruntergefahren. Auch ließen wir uns vor der Reise noch mehrmals testen, um notfalls noch alles zu canceln. Das Einzige, was jetzt noch schief gehen konnte, war die Zugfahrt von Deutschland nach England.

Zwischenstation in Amsterdam

Und auch hier versuchten wir, uns höchstmöglich abzusichern. Zunächst fuhren wir mit der Regionalbahn von Nordkirchen-Capelle nach Münster. Frühmorgens um 6 waren wir in den 20 Minuten Zugfahrt fast alleine im Waggon. Das war okay. In Münster stiegen wir in den Zug nach Rheine um und fuhren etwas abgeschottet in der ersten Klasse. Auch hier sahen wir weiterhin kein Problem. Der Zug von Rheine nach Amsterdam war aber der beste. Denn hier genossen wir ein komplettes Abteil nur für uns. Besser konnte es ja gar nicht laufen.

Vorbildliche Wegweisung an Waterloo Station
Vorbildliche Wegweisung an Waterloo Station

In Amsterdam stärkten wir uns ein wenig mit ein paar Brötchen und schlenderten im Bereich des Hauptbahnhofs durch die Innenstadt – weit weg von anderen Personen. Unser Aufenthalt war lang genug und so gingen wir völlig entspannt zum Terminal von Eurostar. Hier läuft es dann wie am Flughafen. Zunächst blickten die Mitarbeiter von Eurostar auf den Impfnachweis auf dem Telefon. Das bedeutete, sie schauten sich den QR-Code an. Mit den Augen, nicht mit dem Scanner. Danach ging der Blick auf das ausgedruckte PLF, was auch nur wenige Sekunden dauerte. Damit war der coronabedingte Bürokratie-Wahnsinn innerhalb von weniger als zehn Sekunden beendet. Anschließend folgte die Gepäckkontrolle. Weit kamen wir allerdings nicht, denn in einem unserer Koffer wurde eine Nagelschere entdeckt. Und zack, der Koffer musste geöffnet werden. Tragisch nur, dass man sich für den falschen Koffer entschieden hatte. Es wurde gesucht, durchforstet und alles auf den Kopf gestellt. Eine Nagelschere fand man nicht. Mein Hinweis, dass wir tatsächlich eine Nagelschere dabei hätten, diese sich aber im anderen Koffer befand, wurde mit den Worten: „Na ja, ist ja nicht so gefährlich“ abgetan. So konnten wir einfach weiter gehen.

Zum mittlerweile dritten Mal im Eurostar durch den Eurotunnel

Die Passkontrolle der Niederländer verlief sehr schnell und auch bei der Kontrolle der britischen Grenzbeamten gab es kein großes Aufsehen. Einmal kurz die Maske für die Gesichtskontrolle entfernen und schon durften wir im Wartesaal des Eurostar Platz nehmen. Ab hier verschärften wir unsere eigenen Sicherheitsmaßnahmen. Die FFP2-Maske befestigten wir nicht nur an den Ohren, sondern mit einem Clip hinter dem Kopf, so dass sie noch enger anlag. Außerdem zogen wir noch eine OP-Maske drüber. Klingt vielleicht dämlich, aber wie gesagt wäre ausgerechnet eine Infektion in den nächsten Stunden fatal. Etwas weniger als eine Stunde mussten wir dann warten, um schließlich zum Waggon gehen zu dürfen. Wir hatten Glück und saßen am Waggonende. Kein Mensch hinter uns, sehr angenehm.

Kreativer Abfalleimer
Kreativer Abfalleimer

So verlief die Reise teilweise mit Tempo 300 nach Brüssel, wo sich natürlich niemand für das belgische PLF interessiert hatte und weiter über Lille in Frankreich zum Eurotunnel. Zum dritten Mal fuhren wir damit bereits in den Tunnel unter dem Ärmelkanal hinein und verließen ihn schon nach 20 Minuten. Kaum in England angekommen, lachte uns die Sonne an. Traumhaft schönes und frühlingshaftes Wetter, und das im Februar. Die Fahrt auf englischem Boden ist nur kurz und schon erreicht der Eurostar den Bahnhof St. Pancras in London. Von hier aus hatten wir jetzt einen knapp vier Kilometer langen Spaziergang vor uns, um zum Bahnhof Waterloo Station zu gelangen. Zunächst waren wir aber froh, die Masken abnehmen zu können. Wir hatten im Zug weder gegessen noch getrunken. Dementsprechend taten uns mittlerweile die Ohren weh und die Masken hinterließen tiefe Muster im Gesicht.

Ankunft in England und Spaziergang durch London

Mit dem Abnehmen der Maske tauchten wir aber plötzlich in eine ganz andere Welt ein. Corona in England? Wo? Sicher, es gab einige Passanten, die eine Maske trugen. Doch im Großen und Ganzen war von Corona nichts zu sehen. An den Geschäften und Lokalen gab es keine Hinweisschilder und keine Absperrbänder. Es wirkte wie ein Land aus der Zeit vor 2020. Es war einfach schön, das anzusehen. Und noch schöner war es, als wir am Novello Theatre vorbeispazierten. Dort wurde das ABBA-Musical Mamma Mia aufgeführt. Vor dem Theater wurde lautstark Werbung dafür gemacht. Rikschas standen dort mit Lautsprechern, aus denen Klassiker von ABBA laut ertönten und die Leute standen in kleinen Gruppen, tanzten und sangen. Ein Bild, dass man aus Deutschland schon lange nicht mehr kannte. Und plötzlich wirkte es so, als kämen wir aus einem trostlosen, grauen Land voller Traurigkeit und hätten das farbenfrohe, fröhliche Wunderland erreicht. Es gefiel uns und wir wären gerne geblieben. Aber wir hatten noch eine weitere Zugfahrt vor uns.

Squirrels in Southampton
Squirrels in Southampton

Mittlerweile war es dunkel geworden, als wir am Bahnhof Waterloo Station ankamen. Dort gingen wir zielstrebig zum Schalter, den wir schon von früher kannten, kauften ein Ticket für den nächsten Zug nach Southampton und konnten diesen gut 30 Minuten später betreten. Auch dieser Zug war voll, so dass wir unsere Doppel-Maskenvariante erneut anwandten. In Southampton angekommen, waren es nur wenige Schritte zum Ibis-Hotel, wo wir schnell einchecken konnten und gleich danach eine Kleinigkeit gegenüber bei McDonalds kauften.

Erster Morgen in Großbritannien

Am nächsten Morgen hatten wir genug Zeit, um uns die Beine zu vertreten. Das Einschiffen sollte erst nach Mittag stattfinden. Das gab uns genug Zeit, nochmal einen Corona-Test zu machen. Wir würden zwar sowieso getestet werden, aber irgendwie wollten wir uns nicht am Schiff böse überraschen lassen. Wenn schon positiv, dann hätten wir es gerne auch sofort gewusst. Mangels Testzentren, wie wir es aus Deutschland kennen, konnten wir nur auf Selbsttests zurückgreifen. Eine kurze Recherche im Netz ergab, dass wir diese nur in der Apotheke erhalten würden, dafür aber dann kostenlos. Ob das für jede Apotheke galt, war uns nicht klar. Wir fanden nur Infos zu Lloyds Pharmacie und strebten eine von den Filialen an.

Ein weiteres Titanic-Denkmal
Ein weiteres Titanic-Denkmal

Gemütlich verließen wir das Hotel und schlenderten an der Promenade in Richtung Ocean Terminal. Dieses Terminal kannten wir nun schon sehr gut. Hier sind wir damals nach unserer zweiten Transatlantikfahrt angekommen und hatten auch schon einige andere Landgänge von hier aus gestartet. Außerdem wussten wir, dass hier auch die Titanic ablegte. Im Gegenlicht erkannten wir aus der Ferne schon die Silhouette eines Schiffes und freuten uns, die Queen Mary 2 zu sehen. Doch beim Näherkommen stellten wir fest, dass es sich um ein ganz anderes Schiff handelte. Die P&O Ventura, die wir auch schon mal von außen sehen konnten, befand sich am Ocean Terminal. Mist, wo war denn die Queen Mary?

Wir erhalten Test-Kits für Corona

Befand sie sich am Queen Elizabeth Terminal? Das ist etwas weiter weg. Dort waren wir damals bei der Kreuzfahrt mit der Queen Elizabeth nach Island. Wäre auch in Ordnung. Aber dann hätte man die Queen Mary eigentlich auch schon sehen müssen. Wir sahen sie aber nicht. Was war da los? Wo ist das Schiff? Was machten wir gerade verkehrt? Wir schauten kurz ins Internet auf Vesselfinder und stellten fest, dass die Queen Mary 2 am Mayflower Terminal lag. Aha, okay. Das kannten wir noch nicht. Dafür hätten wir beim Verlassen des Hotels in die andere Richtung gehen müssen und es wären nur ein paar Schritte bis zum dortigen Hafen gewesen. Aber was soll’s? Hauptsache, die Queen Mary war anwesend.

Test-Kits
Test-Kits

Da wir jetzt einmal in der falschen Ecke der Stadt waren, nutzten wir die Chance erst recht, um zur Apotheke zu gehen. Diese fanden wir auch schnell und überraschte uns etwas mit ihrer Optik. Während die Website einen sehr modernen Eindruck machte, sah die Apotheke doch ein wenig seltsam aus. An der Tür hing bereits ein Schild, dass man sich das kostenlose Test-Kit abholen könne.

Testen auf Corona
Testen auf Corona

Wir stellten uns darauf ein, etwas dafür zu bezahlen. Vielleicht war es ja nur für Briten kostenlos. Ich betrat die Filiale und fragte freundlich nach dem Test-Kit, worauf man von mir einen Code wissen wollte. Tja, den hatte ich natürlich nicht und ich erklärte, dass ich nicht aus England sei. Die Dame am Schalter wandte sich zu ihrer Kollegin und sagte ihr, dass ich Ausländer sei. Beide nickten sich gegenseitig zu, ganz so als würden sie ein Auge zudrücken. Die Apothekerin zog aus einem Stapel zwei kleine Kartons und gab sie mir. Fast schon heimlich wirkte das. Ich hatte den Eindruck, ich bekäme etwas, was mir gar nicht zustehen würde. Mit einem Augenzwinkern gab sie mir die Test-Kits und wünschte mir ein schönes Wochenende. Wow, das war echt freundlich und ich habe mich echt darüber gefreut. Nun suchten wir noch ein ruhiges Plätzchen, wo wir einen Selbsttest durchführen konnten.

Wie Drogensüchtige in einem Park

Wir gingen zum East Park und begaben uns dort zu den Parkbänken in der Nähe des Denkmals für die verstorbenen Maschinisten der Titanic. Hier machten wir auf unserer allerersten Wohnmobilreise durch England Bilder von Southampton, lange bevor wir je mit der Queen Mary fahren würden. Und hier wurde ich auch schon mal von den Ruhrnachrichten telefonisch für unseren Wohnmobilstellplatz in Nordkirchen interviewt. Jetzt sollte der East Park also dazu dienen, einen Corona-Selbsttest zu machen. Wir holten die Test-Kits hervor und schauten erstmal, was da alles drin ist. Dabei staunten wir nicht schlecht. Denn ein Test-Kit bestand nicht nur aus einem einzigen Test, sondern aus sieben Tests. So ein Päckchen ist also für die ganze Woche gedacht und wir hatten damit also plötzlich 14 Tests zur Verfügung. Jetzt war das Geschenk der Apothekerin noch viel großzügiger und wir freuten uns noch ein bisschen mehr.

Die Aurora vor der Queen Mary 2
Die Aurora vor der Queen Mary 2

Wir öffneten die Kits und breiteten die Utensilien auf unseren Koffern aus. Tübchen hier, Döschen dort und Stäbchen im Rachen sowie der Nase. Natürlich wurden wir von zahlreichen Squirrels beobachtet, aber auch einige Zweibeiner schauten neugierig, was wir denn da tun würden. Dass wir uns vorkamen, als würden wir gerade die Drogenszene in Southampton etablieren wollen, sei nur am Rande erwähnt. Zumindest muss es so ähnlich ausgehen haben. Weil wir gerade die Zeit dazu hatten und nun auch noch unerwartet zu so vielen Testmöglichkeiten kamen, nutzten wir die Chance und machten jeweils zwei Tests. Man weiß ja nie. Alle Tests waren aber weiterhin negativ, was uns wieder etwas mehr Beruhigung gab. So machten wir uns auf, den Park zu verlassen, zogen unsere Koffer durch die Innenstadt von Southampton und begaben uns also zu dem uns noch unbekannten Mayflower Terminal.

Endlich Ankunft an der Queen Mary 2

Kurz bevor wir dort ankamen, sahen wir sie auch dann endlich – die Queen Mary 2. Nach zweieinhalb Jahren konnten wir uns endlich wieder an ihrem Anblick erfreuen und nicht nur das, wir standen auch kurz davor, sie betreten zu dürfen. Wir gingen zur Hafeneinfahrt und folgten dort dem langen Weg an zahlreichen Containern vorbei zum Terminal. In voller Pracht lag die Queen Mary nun vor uns und wir waren nur noch einen Coronatest vom Check-In entfernt. Damit ging das ganze Prozedere dann nun los. Wir reihten uns in die Schlange vor dem Terminal ein, wo wir unser Impfzertifikat vorlegten und uns testen lassen mussten. Die nächsten 30 Minuten bis zum Ergebnis waren nun entscheidend.

Da ist endlich die Queen Mary 2
Da ist endlich die Queen Mary 2

Wir bekamen ein blaues Bändchen um das Handgelenk, auf dem die Test-Uhrzeit stand. Briten bekamen ein weißes Bändchen, weil diese per SMS über ihr Ergebnis informiert wurden. Passagiere mit einem ausländischen Handyanbieter waren eben an dem blauen Bändchen erkennbar und mussten sich ihr Ergebnis an einem Infostand abholen. So warteten wir brav im Terminal und waren heilfroh, als wir das richtige und erleichternde Ergebnis erhielten: Negativ. Wir durften an Bord. Jetzt brauchten wir nur noch einchecken und durch die Gepäckkontrolle.

Blick aus der Gangway beim Einschiffen
Blick aus der Gangway beim Einschiffen

Das ging dann eigentlich auch recht schnell. Erstaunt waren zunächst nur über den Boardingzettel. Üblicherweise bekam man früher die Boardingkarte, die ja auch gleichzeitig Kabinenschlüssel ist, beim Check-In. Jetzt erhielten wir bloß einen kleinen Zettel. Coronabedingte Sparmaßnahmen? Doch diese Sorge war unbegründet. Nach dem Betreten des Schiffs gingen wir schnurstracks zur Kabine, wo am „Briefkasten“ unsere Bordkarten bereits auf uns warteten. Wir waren an Bord, wir hatten unsere Karten, wir waren negativ. Wir konnten ganz beruhigt nach Hamburg fahren und ein wunderbares und lang ersehntes Wochenende erleben. Unsere Kabine lag dieses Mal auf Deck 6. Sie lag auf der Ecke von zwei Wegen und war ansonsten nur von internen Räumlichkeiten umgeben. Das heißt, Kabine 6024 hat ansonsten keine weiteren Nachbarn. Gut, es ist eine Innenkabine. Aber für die zwei kurzen Nächte sollte das für uns wieder einmal vollkommen ausreichen. Wir sind tagsüber ohnehin ständig im Schiff unterwegs.

Michael Moll an Bord der Queen Mary 2
Michael Moll an Bord der Queen Mary 2

Coronabedingte Unterschiede auf dem Schiff

Die Unterschiede zu den bisherigen Fahrten mit der Queen Mary 2 hatten wir schnell ausgemacht. Zum einen existierte natürlich die Maskenpflicht. Diese wurde von den Passagieren auch sehr gut eingehalten. Besser als anderswo an Land. Kein Wunder, denn hier an Bord würde man sofort angesprochen werden. Nur vereinzelt lugten mal Nasen raus. Aber solche Leute kennt man ja, die mit diesem Äußeren nicht sehr intelligent wirken. Ein weiterer Unterschied war das Fehlen der Brettspiele im öffentlichen Bereich. Das war schade, aber das lag vermutlich daran, dass Gegenstände, die von mehreren Personen berührt werden, fehl am Platz sind. So entnahmen wir zu unserem Bedauern auch, dass die betreuten Deckspiele entfielen. Aber wir trösteten uns damit, dass das hoffentlich nur vorübergehend sei. Der letzte größere Unterschied war die Benutzung des Buffets im King’s Court. Auch hier entfernte man sämtliche Greifzangen und das gesamte Besteck. So musste man nun dem Mitarbeiter hinter der Theke sagen, was man haben wolle. Das war aber relativ problemfrei und ging trotzdem sehr schnell.

Kurz vor dem Ablegen am Abend in Southampton
Kurz vor dem Ablegen am Abend in Southampton
Schriftzug auf Deck 12
Schriftzug auf Deck 12

Die Fahrt konnte also beginnen und nach der langen Anreise und dem einfachen kleinen Essen am Vorabend, hatten wir nun natürlich Appetit. Und es war alles wieder da. Die liebevoll gestalteten Törtchen, die leckeren herzhaften Speisen und mein geliebter Cranberry-Saft. Allerdings kam dieser nicht wie gewohnt aus dem Automaten, sondern aus dem Tetrapak. Das wunderte mich ein wenig, aber es war mir egal. Auch in der Kabine war alles wie immer. Im Fernseher sahen wir unsere Schiffsposition sowie die Bugkamera und im Bad duftete es nach der frischen Penhaligon’s Seife. Es war einfach nur herrlich. Wir hätten jetzt auch einfach nach Brooklyn fahren können.

Rot hat beim Shuffleboard gewonnen
Rot hat beim Shuffleboard gewonnen

Entspanntes Reisen auf der Queen Mary 2

Natürlich gingen wir mehrmals auf Deck 7 um das Schiff herum, wir besuchten die Terrassen auf Deck 12 und 13 und wir schauten, was es neues gab. Das war definitiv die App, mit der man nun alles reservieren konnte bzw. musste. Für das erste Abendessen hatten wir von der Crew bereits eine Reservierung erhalten. Doch die nachfolgenden Lunches und Dinner mussten wir selber buchen. Gut, das war kein großer Akt und man konnte auch jederzeit etwas canceln. Das sollte also auch bei der nächsten Transatlantikreise kein Problem darstellen. Ganz im Gegenteil. So entfiel beispielsweise das morgendliche Schlangestehen, um eine Karte für die Vorstellung am Nachmittag im Planetarium zu erhalten. Allerdings waren wir ganz froh, dass die Speisekarte nicht schon einsehbar war. Denn das ist etwas, was wir mögen – die Überraschung, zwischen welchen Speisen man wählen kann.

Michael Moll beim Gala-Abend
Michael Moll beim Gala-Abend
Die Grand Lobby auf der Queen Mary 2
Die Grand Lobby auf der Queen Mary 2

Unser erster Tag war mal wieder, wie üblich, sehr lang. Denn unsere Abendessen fand um 20 Uhr statt, so dass wir erst die Theatervorstellung um 22 Uhr im Royal Court Theater besuchen konnten. Dieses Mal gab es einen britischen Comedian zu sehen, der das Publikum zum Lachen brachte. Am zweiten Abend spielte die Band The Beatles Experience. Auch sehr gut und hier war das Theater noch deutlich voller. Ebenfalls ein ungewohnter Anblick, aber ein echt schönes Erlebnis.

Im Theater gibt es gleich Livemusik
Im Theater gibt es gleich Livemusik

Ein wenig schmunzeln mussten wir bei dem Gedanken, dass wir jetzt auch zu den Passagieren gehörten, über die wir auf unserer letzten Transatlantikreise ein wenig spöttelten. So sind uns damals einige Personen unangenehm aufgefallen, die in Southampton einschifften und eine Kurzreise nach Hamburg antraten. Wir konnten uns den Eindruck nicht verwehren, dass die Stimmung zwischen Kurztrip und Atlantiküberquerung vollkommen anders ist. Dieses Mal war es etwas angenehmer, aber vielleicht lag das auch einfach daran, dass uns der direkte Vergleich nun fehlte. Allerdings hatten wir auf der jetzigen Tour auch keine Kontakte geknüpft. Dafür war einfach zu wenig Zeit und es fehlten eben auch besagte Deckspiele, bei denen man immer wieder nette Leute kennenlernt.

Beleuchteter Schriftzug der QM2
Beleuchteter Schriftzug der QM2
Mit der Bugnase voraus
Mit der Bugnase voraus
In der Bibliothek auf Deck 8
In der Bibliothek auf Deck 8

Mit der Queen Mary 2 von Southampton nach Hamburg

Die Überfahrt über die Nordsee und durch den Ärmelkanal verlief ganz ruhig bei bestem Wetter. Strahlender Sonnenschein und sehr milde Temperaturen ließen vergessen, dass wir erst Mitte Februar hatten. Wellen war kaum zu spüren, eigentlich gar nicht. Und so fuhren wir völlig entspannt unserem Ziel entgegen. Neu war für uns auf jeden Fall der Ernstfall an Bord. Irgendwann kam nämlich die Durchsage von der Brücke an die Besatzung, dass die zuständigen Crew-Mitglieder zu einer bestimmten Station gehen sollten: „Fire„. Und das war eindeutig keine Übung. Wir gingen gerade durch das Treppenhaus A, also ganz vorne am Bug, als wir diese Durchsage hörten. Und um uns herum klappten auf einmal überall Türen auf und zu und Crew-Mitglieder rannten schnell die Treppen hinunter. Auch die Notbeleuchtung in Knöchelhöhe schaltete sich ein. Es war ein Ernstfall. Und bei Feuer auf hoher See versteht man keinen Spaß. Diese Gefahrensituation gehört zu den gefährlichsten an Bord eines Schiffes.

Michael Moll
Michael Moll

Aber glücklicherweise kam dann fünf Minuten später auch schon die Durchsage des Kapitäns, der sich für den Schreck entschuldigte und erklärte, es habe ein kleines Feuer bei der Müllentsorgung gegeben. Dieses konnte aber schnell gelöscht werden und die Gefahrenlage ist beendet. Wir konnten weiterhin den Tag genießen, ließen es uns beim Afternoon Tea im Queens Room mit Scones gutgehen und reisten völlig entspannt Hamburg entgegen. Teilweise mit Blick auf die zahlreichen anderen Schiffe, was wir sonst nicht so sehr gewohnt sind. Auf dem Nordatlantik ist man bei einer Crossing dann doch eher alleine unterwegs.

Fahrt mit der Queen Mary 2
Fahrt mit der Queen Mary 2

Auch viele Bohrinseln und Windräder bekamen wir zu Gesicht. Und sogar niederländisches Handynetz konnten wir kurzzeitig nutzen, als wir an der Insel Terschelling vorbei fuhren und sie auch am Horizont sehen konnten. Natürlich ging die Reise viel zu schnell zu Ende und nach der zweiten Nacht konnten wir nur noch ausgiebig und in Ruhe frühstücken, bevor wir dann schließlich auschecken mussten. Eine kurze Taxifahrt später waren wir am Hamburger Hauptbahnhof angekommen, kauften uns ein Bahnticket und hatten noch eine Stunde Zeit, um zur Alster und zum Rathaus zu spazieren. Am Nachmittag waren wir schließlich wieder in Nordkirchen. Eine wunderbare Reise hatte ihr Ende gefunden.

Blumenherz für den Valentinstag
Blumenherz für den Valentinstag
Blick auf die Karte
Blick auf die Karte
Ankunft in Hamburg
Ankunft in Hamburg
Hamburger Rathaus
Hamburger Rathaus

2 Kommentare zu „2022 – Auf der Queen Mary 2 von Southampton nach Hamburg“

  1. Hi Michael, ein schöner Artikel & und schöne Bilder! Wegen Corona: Ich werde wahrscheinlich mit dem PKW in den Urlaub fahren, mit den Zug ist mir das zu Riskant wegen Corona. Zumal ich auch denke, dass die Infektionszahlen auch immer Sommer nicht wirklich runter gehen werden.

  2. Pingback: 2022 - Auf der Queen Mary 2 über den Atlantik - Die Weltenbummler

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