2009 – Mit dem VW-Bus durch Norwegen

 

Mit einem VW-Bus durch Norwegen

Wanderung zum Mittelpunkt Norwegens

 

Tag 10

Es regnet die ganze Nacht, aber als wir losgehen wollen, hört der Regen auf und lässt uns trockenen Hauptes bis zum Mittelpunkt marschieren. Zehn Kilometer ist der Wanderweg lang. Der erste Kilometer ist ein gewöhnlicher breiter Weg über Wurzeln und Steine. Die letzten neun Kilometer führen durch eine Art Hochmoor. Um dieses zu überwinden, läuft man auf einem extra ausgelegten Weg, bestehend aus Holzbohlen. Das bedeutet, dass man neun Kilometer auf einem schmalen Steg unterwegs ist und nur hintereinander laufen kann. Rutschig ist es auf Grund der Feuchtigkeit jedoch nicht, da die Holzbohlen sogar mit einem Teerstreifen (wie man es von Dachdeckerarbeiten kennt) beschlagen sind. Zudem ist nach jedem Kilometer ein Holzschild in den Sumpf gesteckt, dass einem die Entfernung mitteilt. Es wird einem also wirklich leicht gemacht. Nur die 20 Kilometer Gesamtlänge muss man halt selbst überwinden. Am Mittelpunkt angekommen, machen wir natürlich das obligatorische Pingu-Foto und hören, nicht weit von uns entfernt, Hundegebell und Stimmen. Es sind die ersten menschlichen Geräusche, die wir seit gestern Nachmittag hören. Und das mitten in der Wildnis. Nach den Fotos geht es schlicht und einfach wieder kehrt marsch.

 

Nach über fünf Stunden erreichen wir fast unbeschadet den Parkplatz und unser Auto. Fast unbeschadet bedeutet folgende Frage: Kann man während einer Wanderung an einem Sekundenschlaf leiden? Diese Frage ist ernst gemeint und wer eine Antwort darauf weiß, möge sich bitte bei mir melden. Hintergrund ist der, dass Moni nach 13 Kilometern hinter mir plötzlich auf die Holzbohlen fiel und sämtliche Umstände darauf hindeuten, dass sie beim Wandern eingeschlafen sein könnte (13 Kilometer durch sehr stille und monotone, teilweise auch ermüdende Landschaft; die gesamte Zeit hinter mir mit Blick auf meine Wanderschuhe, die bei jedem Schritt einen gelben Punkt an der Sohle hypnotisierend präsentieren; plötzliches Erschrecken, als sie feststellt, dass sie liegt; keine Erinnerung an ein Fallen; und der Fall selbst, denn kein Mensch fällt gerade nach vorne, auch wenn er noch so stolpert. Entweder fängt man sich oder rollt sich irgendwie ab.) Doch besonders die Punkte „Erschrecken“ und „fehlende Erinnerung“ lassen an den berüchtigten Sekundenschlaf beim Autofahren erinnern. Gelacht haben wir über diesen Vorfall später sehr intensiv und lange, doch eine Erklärung haben wir bis heute nicht, wer also was weiß…

 

Am Nachmittag sitzen wir wieder im Auto und machen uns auf den Weg nach Schweden. Wir sehnen uns nach den dortigen Lebensmitteln und der dortigen Landschaft. Norwegen ist zwar sehr schön, aber besonders die Fjorde können auf Dauer erdrückend wirken. Zudem kommt hinzu, dass man nach sechs Fjorden weiß, wie der siebte Fjord aussieht. So kommt es auch, dass wir zum Beispiel auch auf den Geirangerfjord verzichteten, ebenso auf die berühmte Straße Trollstigen. Zum einen kenne ich beides schon und zum anderen gibt es ähnliche Dinge in ganz Norwegen. Dafür muss man sich nicht einen speziellen Fjord oder eine spezielle Serpentinenstraße anschauen. Ganz davon abgesehen scheint uns das Land fest in deutscher Hand zu sein, also machen wir uns auf den Weg, die Weite Schwedens sehen zu wollen.

Dass dies eine Fehleinschätzung war, zeigte sich drei Jahre später, als wir mit einem Wohnmobil durch Norwegen fuhren und von allen Dingen restlos begeistert waren. So können die selben Sachen auf verschiedenen Reisen unterschiedlich wirken.

 

Norwegen verlassen wir über die Straße 72, die noch einmal durch ein enges Tal führt und das Land mit einem kleinen Wasserfall optisch von seiner schönsten Seite präsentiert. Gleich hinter der Grenze befinden wir uns auf einem Hochplateau und können sehr weit in die Ferne blicken. Das erste mittelgroße ICA-Geschäft ist aber dann erst einmal unser. Hier können wir uns wieder mit unserem Lieblingsbrot, Hafer-Schokokeksen, extra gesalzene Butter und einem 2-Kilo-Paket Köttbullar eindecken. Abends steuern wir einen Campingplatz in Krokom, kurz vor Östersund an. Ein wenig stolz bin ich auf die Leistung der Batterien in meiner Kamera. Nach beinahe eintausend Bildern zeigen sie erst heute Ermüdungserscheinungen und den Hinweis, dass ich die Batterien wechseln muss – alle Achtung.

 

Tag 11

Gestern hatte ich schon leichte Halsschmerzen, heute fühle ich mich nicht besser. Langsam wollen wir Richtung Süden. Zum einen sind es noch viele Kilometer bis nach Hause, zum anderen kann ein bisschen Wärme nicht schaden. Besonders um Trondheim herum war es doch recht feucht und kühl. Zunächst fahren wir aber in Richtung Sundsvall. Dort gibt es den Mittelpunkt von Schweden. Dieser befindet sich auf einem Hügel mit einem hölzernen Aussichtsturm. Wandern muss man hier gar nicht, es gibt eine Straße bis zu dem Punkt. Nur der Holzturm scheint mir ein wenig bedenklich, daher verzichtete ich auf die Besteigung.

An Sundsvall fahren wir vorbei und schlagen das Lenkrad Richtung Süden ein. Auf der E4 fressen wir Kilometer und steuern abends über kleinere Straßen einen Campingplatz bei Orsa an.

 

Tag 12

Weit kommen wir heute nicht. Mir geht es zusehends schlechter und ich habe mir eine dicke Erkältung eingefangen. Nur knapp 30 Kilometer fahren wir, als ich mich im Touristenbüro von Rättvik wieder setzen muss. Ich fühle mich schlapp und befürchte, dass ich mir etwas in der Feuchte von Trondheim weg geholt haben muss. Wir beschließen, auf den benachbarten Campingplatz zu gehen, obwohl es gerade mal Mittag ist. Aber kaum dort angekommen, schlafe ich erst einmal ein. Ich bin wohl wirklich etwas fertig. Den Nachmittag und Abend verbringen wir mit Lesen, Ruhen und Auskurieren. Mit 160 Schwedischen Kronen (rund 16 Euro) ist der Platz im schwedischen Mittelmaß. Dafür wären aber die Duschen kostenlos und man dürfte sogar bis zum nächsten Tag um 15 Uhr bleiben. Gerade letzteres ist eher ungewöhnlich, wo man doch bis 11 oder 12 Uhr zu verschwinden hat. Aufs Duschen verzichte ich jedoch, ich fühle mich eh schon krank genug.

 

Tag 13

Die Pause gestern und das lange Ausschlagen heute Morgen haben ihre Wirkung gezeigt. Ich bin noch nicht hundertprozentig fit, aber es geht mir auf jeden Fall jetzt etwas besser. Starker Wind zieht nicht nur über den Siljan-See, sondern scheinbar übers gesamte Land. Wir fahren bis zum Nordufer des Vänernsees, wo wir uns auf einen ruhigen Waldparkplatz stellen und die Ruhe genießen. Auf dem Weg dorthin besichtigten wir, mal wieder Karlstadt. Das Problem ist, dass wir hier alles sehr gut kennen, habe ich doch über Südschweden bereits einen Reiseführer geschrieben und mich in den letzten Jahren auch so schon sehr oft in der Region aufgehalten.

 

Tag 14

Heute Nacht begann dann Moni damit, krank zu werden. Ich habe sie eindeutig angesteckt. Sie hält aber soweit durch, dass wir uns mal wieder den Dalslandkanal und das dortige Aquädukt anschauen. Sehr früh erreichen wir aber unser Tagesziel, den Halleberg. Dort halten wir natürlich Ausschau nach Elchen, da der Halleberg als eines der elchreichsten Gebiete Schwedens bezeichnet wird. Da sich die Tiere jedoch nur in der Dämmerung zeigen, warten wir bis dahin und beobachten mal wieder die Touristen, die den Berg hinauf fahren. So zum Beispiel das norwegische Wohnmobil, welches die Straße die ganze Zeit auf und ab fährt oder die schwedischen Skinheads, die sich halb aus dem Auto lehnen und durch ihre Lautstärke jegliche Elche vertreiben oder die Franzosen im schwedischen Leihwagen, die in der Dämmerung wohl glauben, wir stehen dort auf unserem Posten, weil wir etwas entdeckt haben. Also gesellen sie sich in unsere Nähe und deuten mit den Fingern in den dunklen Wald hinein. Klar, wir stehen den ganzen Tag da rum, beobachten alles und die kommen den Berg hoch und meine, sofort einen Elch entdeckt zu haben. In der Dunkelheit? Na ja… da war auf jeden Fall nichts. Als es dann noch dunkler wird, verziehen wir uns von unserem Jagdplatz und fahren zu dem Stellplatz, den wir schon von früher kannten. Dass dort das norwegische Wohnmobil ebenfalls nächtigt, stört uns herzlich wenig.

 

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