2009 – Mit dem VW-Bus durch Norwegen

 

Mit einem VW-Bus durch Norwegen

Vestkapp statt Nordkapp

 

Nach diesem Vorfall geht es weiter zum Vestkapp. Wenn wir schon nicht zum Nordkapp fahren, dann wenigstens zum Vestkapp. Doch genauso wenig wie das Nordkapp der nördlichste Punkt ist, ist das Vestkapp der westlichste. Es gibt immer noch einen westlicheren. Schön ist dieser markant steile Felsen mit Steile der steilen Auffahrt trotzdem. Und noch eine Eigenschaft teilt sich das Vestkapp mit dem Nordkapp: An beiden Stellen herrscht oft starker Nebel. So auch bei unserer Ankunft. Und auch hier ist mal wieder zu bemerken, dass fast nur Touristen durchs Land düsen. Auf dem Parkplatz steht schon ein Pkw mit Essener Kennzeichen und auf dem Weg dorthin standen wir (mal wieder) auf einer Fähre. Und was stand neben uns? Auch ein Auto aus Essen. Wir haben mal darauf geachtet, was uns auf der Straße entgegen kommt: Bei fünf Fahrzeugen stammen zwei aus Norwegen, eines aus Deutschland, eines aus den Niederlanden und eines aus einem anderen Land.

 

Wegen des dortigen Camper-Verbots auf dem Vestkapp-Hügel fahren wir weiter zur Insel Runde. Diese Vogelinsel ist für die dortigen Papageientaucher bekannt. Doch frei Stehen ist dort überall verboten, so dass wir den einzigen Campingplatz auf der Insel ansteuern. Der Platz ist am Ende der Insel, direkt vor dem Vogelberg und deutlich günstiger als unser letzter Campingplatz. Zudem dürfen wir kostenlos über W-Lan ins Internet, nur das Duschen kostet auch hier wieder extra (6 min = 10 Kronen), um uns herum natürlich wieder viele Deutsche.

 

Tag 8

Der Wecker klingelt um 6, trotzdem stehen wir erst um 7 auf. Gerne wollen wir nämlich den Vogelberg weitestgehend für uns alleine haben. Dies ist uns gelungen, nach 2,5 Stunden Wanderung haben wir vier Kilometer zurück gelegt. Diese dafür aber teilweise in sehr schlammigen Boden, da es die gesamte Nacht zuvor regnete und der Berg aufquoll wie ein nasser Schwamm. Nach der Wanderung wechselten wir erst einmal die Kleidung, da wir bis zu den Knien vollgematscht waren. Aber gelohnt es sich dennoch. Einerseits tat die Wanderung gut, andererseits waren wir alleine und konnten zahlreiche Vögel beobachten. Nur für Papageientaucher ist keine Saison mehr – schade.

 

Unser heutiges Ziel soll die Atlantikstraße sein (Atlanterhavsvegen), die wir am frühen Nachmittag und nach unserem mittlerweile 3.000sten Kilometer erreichen. Schon am frühen Nachmittag sind wir dort und stellen uns auf einen Parkplatz mit Sicht auf die spektakuläre Brücke, die im Jahr 2005 zum Jahrhundertbauwerk gewählt wurde. Wir nutzen die Zeit zum Ausruhen, Lesen und Beobachten. Besonders letzteres war sehr aufschlussreich. Ich bedanke mich bei allen Protagonisten, die mir einen interessanten Nachmittag machen:

Die Insassen eines Reisebusses mit vielen alten Leuten aus Schweden.

Der kleine Campingbus aus Deutschland direkt neben uns, der sein Kinderhörspiel laut aufdrehte. Ist das Kind jetzt schon taub?

Das Hörspiel wurde aber teilweise übertönt von den Bassgeräuschen aus einem anderen Auto, welches aus Norwegen kam. Die wasserstoffblonde Beifahrerin wartete mit ihrer Tochter eine halbe Stunde auf ihren Fahrer, der zum Fotografieren der Brücke unterwegs war. Dass sie sich nicht zum Spazieren bzw. Wandern eignet, war offensichtlich. Sie belästigte uns lieber mit ihrer lauten Musik.

Der Reisebus aus dem deutschen NEW, der eine Busladung Leute ausspuckte, die als Erstes das Schild fotografierten, welches nur eine grobe Übersicht der Region darstellt. Erstaunlicherweise wird dieses Schild von jedem fotografiert, der hier ankommt. In dem Bus saß übrigens auch ein Bayer in voller Trachtenmontur.

Die vier Norweger mit ihren amerikanischen Straßenkreuzern, die laut ankamen und ziemlich schnell wieder laut abfuhren.

Der technikverliebte Niederländer, der sogar an der Tür seines Allrad-SUVs ein Zahlenschloss hat.

Die beiden jungen Männer aus dem silbernen Golf, die die kleine Anhöhe zum Aussichtspunkt sogar hinauf rannten. Ich musste erst einmal schauen, ob die Brücke gerade einstürzt. Einen anderen Grund gab es nicht, an diesem Ort zu rennen.

Das Fernsehteam aus Deutschland in einem norwegischen Leihwagen. Aha, also kann ich demnächst eine Doku über die Atlantikstraße bei N24 sehen…

 

Die zahlreichen Autofahrer, die immer dicht neben einem parken müssen, obwohl der Parkplatz so groß ist und so viele Plätze hat, dass man auch mit Abstand parken könnte.

 

Die Italienier, die das komplette Land unterhielten (sorry, aber es gibt Klischees, die sich immer wieder bestätigen)

Und sogar ein Pkw aus der Ukraine wurde von mir gesichtet.

 

Aber ein Erlebnis war etwas ganz Besonderes: Ein Wohnmobil aus Italien stellte sich zwei Parkboxen neben uns. Diese Familie war mal so ganz unitalienisch. Zunächst einmal treten italienische Wohnmobil meist im Rudel auf. Dieses hier nicht. Die Familie war alleine und sogar sehr leise. Zudem hatten sie zwei Hunde dabei. Nichts außergewöhnliches, was da an vier Pfoten rumlief. Einfach Hunde. Doch als der Reisebus aus Deutschland ankam, waren die Rentner mehr von den Hunden begeistert als von der Atlantikbrücke. Das ging so weit, dass die italienische Mutter (zu Recht) genervt die Hunde rein holte und die Wohnmobiltür zu machte. Doch deutsche Senioren hält anscheinend nichts ab, denn jetzt waren die Hunde zwar im Wohnmobil, gingen aber direkt durch bis vorne auf den Beifahrersitz. Was taten also die Touristen 70+? Sie umlagerten die Fahrerkabine des Wohnmobils und machten ernsthaft Bilder von einem gewöhnlichen Hund, der auf einem gewöhnlichen Beifahrersitzt sitzt. Entschuldigung, aber was geht in solchen Menschen vor?

 

Tag 9

Eigentlich wollen wir nach Kristiansund, um dort in der Post ein paar Karten abzugeben, doch der momentane Regen vermiest uns das ein wenig. So fahren wir weiter und halten Kurs auf Trondheim. Weit vor Trondheim ist die Straße gesperrt und die Umleitung führt uns durch irgendein schönes Tal (Straße 65), welches aber wirklich nett aussieht. Könnte allerdings auch ein deutsches Flusstal sein. In Trondheim werfe ich 10 Kronen in den Parkautomaten und doch gilt das nur für eine halbe Stunde. Aber die will genutzt sein. Also erst einmal schnell zur Post. Doch hier war es wieder, der typisch-skandinavische Wartemarken-Wettbewerb. Anstatt in einer Schlange stehen hier alle Kunden in der Schalterhalle herum und haben halt einen Zettel in der Hand. Gut, hier finde ich es noch nicht ganz so dramatisch. Peinlich finde ich es nur vor Metzgereien und in Bäckereien, wo man der einzige Kunde ist und man eine Wartemarke ziehen muss. Aber dennoch, der Service wird durch Wartemarken nicht besser, anders als bei uns, müssen wir die Briefmarken selber aufkleben und (rein theoretisch) für die Abgabe der frankierten Postkarten erneut eine Wartemarke ziehen. Blöd nur, dass wir eine Briefmarke zu wenig haben. Aber die Zeit rennt uns davon, um wieder eine Wartemarke zu ziehen. Also schnell frech vorgepfuscht, so wie es andere ja auch immer machen (ich hasse das) und den Rest erledigt. Anschließend eile ich schnell zum Parkplatz, um ein neues Ticket zu ziehen und ich komme wirklich gerade pünktlich und auch im rechten Augenblick. Ein Wohnmobil zwei Boxen weiter wird just in diesem Augenblick aufgeschrieben, während bei uns die Zeit seit einer Minute abgelaufen ist. Ein neues Ticket und schon steht der Stadtbesichtigung nichts mehr im Wege. Doch Stadtbesichtigung in Trondheim? Ganz ehrlich, so wie viele andere norwegische Städte (abgesehen von Bergen und Alesund) hat auch Trondheim nicht wirklich viel zu bieten. Der Höhepunkt, allerdings der einzige, ist die Kathedrale mit der imposanten Westfassade. Das war es aber dann auch leider schon. Der zentrale Platz wird von einem Einkaufszentrum dominiert, wo sich die gelangweilte Jugend der Stadt vor McDonalds herum drückt. Wir schließen uns an, denn wir haben zu dem Zeitpunkt ein freies W-Lan, welches wir zum E-Maillesen eben benutzen wollen. Interessant ist nur eine etwas kleinere Kirche, in der im Kirchenschiff tatsächlich ein kleines Café untergebracht ist. Sehr ungewöhnlich, aber warum nicht, wenn man so die Menschen wieder in eine Kirche locken kann?

 

Auffällig fand ich, dass die Einheimischen hier ziemlich füllig waren. Ich beobachte lauter dickliche Personen, begründe das aber damit, dass hier in der dunklen Jahreszeit wahrscheinlich wenig Bewegung betrieben wird. Ein anderer Grund könnte aber auch sein, dass es in dieser Stadt mit 140.000 Einwohnern vier Burger Kings Holzkirche in Schwedenansässig sind. McDonalds wird es wohl nicht seltener geben.

 

Zum Abschluss des Tages fahren wir weiter gen Norden, in Richtung Mittelpunkt von Norwegen. Von der E6 zweigen wir auf eine ruhige Nebenstraße ab, die nach 40 Kilometern in einer Sackgasse endet. Auf den gesamten 40 Kilometern kommt uns nicht ein einziges Fahrzeug entgegen, nur ein Regenbogen am Himmel ist auszumachen. Doch als wir den Parkplatz für den Mittelpunkt erreichen, ist dieser tatsächlich voll. Rund 30 Pkw standen mitten in der Wildnis auf einem von der Zivilisation weit entfernten Parkplatz und lassen uns wundern. Aber ein Blick in die Autos erklärt, dass es sich hier überwiegend um Jäger und Angler handelt, die irgendwo in der Wildnis ihr Zelt aufgeschlagen haben.

 

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