2009 – Mit dem VW-Bus durch Norwegen

 

Mit einem VW-Bus durch Norwegen

Trolle verscheuchen uns

 

Spät abends kommen wir in einem Tal an, dass sich in der Nähe des Vorringsfoss befindet und durch das die so genannte Abenteuerstraße 7 verläuft. Auf einem Parkplatz entscheiden wir uns, zu bleiben und spazieren noch ein wenig über die alte nicht mehr genutzte Straße 7 entlang, die weitaus schmaler und kurviger ist, als die neue, an der wir parken und die durch zwei lange Tunnel führt. Auch schauen wir uns einen alten Bauernhof an, der zu einem Museum gehört und leer steht.

 

Neben unserem Stellplatz ist ein Smiley an der Wand aufgesprüht, darüber in bunten Lettern das Wort „Troll“. Wir denken uns dabei nichts weiter, aber als es langsam dunkel wird, strahlt dieser Parkplatz irgendetwas Unheimliches aus. Vielleicht ist es Einbildung, vielleicht ist es das Wissen, dass um uns herum nur steile Felswände in die Höhe ragen, aber irgendwas ist merkwürdig und versprüht Unruhe. Als ich nochmal bei geöffneter Tür Lichtblitze direkt vor der Schiebetür unseres Busses sehe, denke ich zuerst, Moni sei dies Alte und neue Reichsstraße 7gewesen, indem sie versehentlich Schattenspiele veranstaltete. Doch mit einem Male höre ich auch Stimmen. Dies sind jedoch keine Stimmen, die von Wanderern zu kommen scheinen, Stimmen, die aus einer bestimmten Richtung kommen. Nein, ich höre wirklich Stimmen, die ich nicht verstehen kann und die um mich herum zu sein scheinen. Hinzu kommt, dass den ganzen Abend nicht zu hören war, abgesehen von den wenigen vorbeifahrenden Autos und wir die einzigen in diesem Tal sein müssten. Geparkt hat schon seit Stunden kein anderes Fahrzeug mehr in der Nähe. Wasserfall

 

Wir haben schon früher mal gesagt, dass wir einen Stellplatz nicht benutzen, wenn auch nur einer von uns ein ungutes Gefühl hat, auch wenn der Platz noch so schön und scheinbar sicher ist. Heute ist es soweit, ich will hier weg. Ich weiß ganz genau, dass ich hier kein Auge zu machen würde. Während Moni hinten sitzt und alles festhält, was mittlerweile los im Auto herum steht, schmeiße ich den Motor an und fahre durch das Tal weiter, durch die beiden Tunnel nach oben und geselle mich oberhalb des Tales zu zwei schwedischen Wohnmobilen, in denen der Schlaf bereits schon lange eingekehrt ist. Immerhin ist es schon nach Mitternacht. Beim Verlassen des Parkplatzes sehe ich aber noch, dass in dem verlassenen Bauernhof ein Licht brennt. Wie kann das sein? Dort war niemand zu sehen, der Hof gehört zu einem Museum, die Türen waren fest verriegelt, wir standen ja davor. Warum brennt dort plötzlich ein Licht? Wir sind uns nur eines sicher: Es war gut, den Platz zu verlassen. Gibt es in Norwegen vielleicht doch Trolle? Und warum sprüht ausgerechnet an diesem Platz jemand ein Smiley an einen Felsen mit einem Troll-Schriftzug?

 

Tag 6

Durch die Trollgeschichte in der Nacht stehen wir nun näher am Wasserfall Vorringsfossen, den wir uns natürlich als Erstes anschauen. Doch erst als wir dort auf dem Parkplatz ankommen, stellen wir fest, dass wir eigentlich von unserem endgültigen Nachtlager gar nicht mehr hätten fahren brauchen. Der Parkplatz für den Wasserfall befindet sich gleich hinter einer Kurve und so war der Wasserfall nur 400 Meter von unserem Schlafplatz entfernt. Na, das hätten wir auch laufen können.

Nach der Besichtigung geht es wieder durch das Troll-Tal hinab bis auf Meereshöhe, wo wir der Straße nach Bergen folgen. Wir benutzen mal wieder eine Fähre, was mittlerweile echt ins Geld geht, besichtigen die Kirche von Voss und biegen bei der Einfahrt nach Bergen falsch ab, so dass wir am Museum „Gamle Bergen“ parkten. Das liegt aber eine Stunde Fußmarsch vom eigentlich Zentrum entfernt, was wir jedoch erst nach diesem Fußmarsch wissen. Wir schauten uns das Holzviertel Bryggen an, welches auf der Weltkulturerbeliste steht und spazierten über den Fischmarkt, wo man uns auch Salami aus Walfleisch anbot. Darauf verzichte ich aber gerne. Gerade die Norweger und der Walfang…

Wir erstehen noch ein paar Mitbringsel und Postkarten und können zum ersten Mal unser neues Smartphone testen, mit dem wir per W-Lan ins Netz kommen. Es funktioniert tadellos und es scheint, dass die Zeit der teuren Internetcafés für uns damit vorbei sein könnte.

Nachdem wir abends einen Parkplatz schnell wieder verließen, weil auf Grund der nahe gelegenen Europastraße doch eine ziemliche Geräuschkulisse zu vernehmen war, lassen wir uns das erste Mal auf einem Campingplatz nieder. Mit 170 Kronen (rund 20 Euro) nicht gerade der günstigste, vor allem, wenn man bedenkt, dass die Duschen noch extra bezahlt werden müssen. Aber dafür war er schön ruhig und wir haben mal eine trollfreie Nacht.

 

Tag 7

Unser heutiges Ziel heißt Kannesteinen. Dafür passieren wir Forde und Maloy und erreichten den ausgewaschenen Felsen der am Ufer aus dem Meer raus schaut. Sieht ziemlich witzig und skurril aus und dafür lohnt auch der weite Weg, denn Kannesteinen ist ziemlich abseits der typischen Touristenrouten. Trotzdem, auch hier treffen wir natürlich deutsch sprechende Touristen, die schnell aus dem Auto springen, zwei, drei Fotos machen und schnell weiter düsen. Für die kleine Zwergspitzmaus, die sich stundenlang im Gras beobachten lässt, haben sie nur einen kurzen Blick übrig. Dabei ist diese Maus mit ihrer Suche nach Fressen fast schon spektakulärer als Kannesteinen.

 

Auf der Weiterfahrt ist es mit meiner Geduld endgültig vorbei. Wir sind endlich mal auf einer breiten und gut ausgebauten Straße unterwegs, als hinter mir eine Norwegerin überholen möchte. Ist ja gar kein Problem, ich hindere niemanden daran und fahr oftmals auch sehr weit rechts, damit Überholende es problemlos schaffen. Diese Dame aber schert auf die linke Fahrspur und macht – nichts, außer zu hupen… Keine Ahnung, was sie von mir will, ich mache doch schon Platz und fahre auch recht zügig. Aber sie macht keine Anstalten zu überholen, sondern schert wieder hinter mir ein. Bitte schön, dann eben nicht. Wenig später der zweite Versuch. Dieser endet damit, dass sie ausschert, Gas gibt und vor mir so einschert, dass ich scharf bremsen muss und rechts noch beinahe die Felswand mitnehme. Ich ärgere mich wahnsinnig über dieses Fahrverhalten und hupe diesmal auch. Doch der Wagen ist schon weg, ist natürlich schneller als ich. Nach wenigen Kilometern sehe ich plötzlich, dass die Dame an einer Tankstelle angehalten hat. Jetzt platzt es aus mir heraus. Mein Adrenalinspiegel übersteigt immer noch die steilen Felswände rechts und links der Straße und diese Frau wird jetzt zu meinem Ventil darüber, dass die norwegischen Autofahrer bisher sehr rücksichtslos aufgefallen sind. Nur Millimeter vor ihrer Motorhaube schneide ich ihr den Weg ab und steige aus. Natürlich mache ich nichts schlimmes, aber ich denke, alleine diese Aktion hat der Frau gehörige Angst eingejagt. Mein Benehmen entspricht in den nächsten zwei Minuten nicht dem, wie man sich im Ausland verhalten sollte. Das gebe ich zu, aber ich will jetzt einfach von ihr wissen, ob sie die Absicht hegt, mich umzubringen. Schnell stellt sich heraus, dass sie schlicht und einfach beim Autofahren überfordert ist. Sie argumentiert, ich hätte doch in den Spiegel schauen müssen. Ja, herrgott, was habe ich denn getan? Platz habe ich gemacht. Außerdem hätte sie ja extra gehupt. Das ist zwar schön und es gibt Länder, in denen man hupt, bevor man überholt. Das ist richtig. Norwegen gehört aber eindeutig nicht dazu. Und wenn sie doch schon hupt, um ihren Überholvorgang anzukündigen, dann soll sie dich auch bitteschön überholen. Nein, diese Frau hat einfach Angst vor dem Autofahren, was ich allerdings erst nach unserem Streitgespräch bemerke. Hätte ich das vorher gewusst, wäre ich einfach weiter gefahren. Wahrscheinlich besteigt sie jetzt nie wieder ein Auto. Na, auch gut.

 

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