Puffins auf der Insel Runde in Norwegen

Puffins oder auch Papageitaucher genannt, sind das Highlight auf der norwegischen Insel Runde. Unser letzter Besuch auf der Insel lag schon viele Jahre her, daher war es mal wieder Zeit, einen zweiten Versuch zu wagen. Und auch Puffins hatten wir schon lange nicht mehr gesehen, zuletzt eigentlich gar nicht in Norwegen, sondern in England auf Farne Island.

Jetzt bot sich aber die Gelegenheit, als wir auf unserer dritten Reise mit dem Wohnmobil zum Nordkap die Heimreise antraten. Wir hatten noch etwas Zeit und da passte es ganz gut, mal einen Abstecher einzulegen. Runde ist nur eine von mehreren Inseln in der Region und zuvor hat man noch einige andere Eilande zu überqueren. Dabei fährt man teilweise über enge Straßen und nicht zuletzt auch über eine einspurige Brücke.

Aber das funktioniert gut, wenn man ein wenig defensiv und vorausschauend unterwegs ist. Denn dann sieht man den Gegenverkehr schon aus weiter Ferne und kann die Einbuchtungen nutzen, um ihn passieren zu lassen. Auf der Insel Runde gibt es den beliebten deutschsprachigen Campingplatz und beliebt ist hier wirklich das Stichwort. Es gibt nicht wirklich viele Möglichkeiten, mit dem Wohnmobil auf Runde übernachten zu können und so sollte man möglichst früh anreisen.

Wir kamen an einem Sonntagnachmittag gegen 15 Uhr an und hatten Glück. Wir bekamen einen der letzten freien Plätze und wegen unserer Fahrzeuggröße sogar den letzten Platz in erster Reihe direkt am Wasser. Es war wirklich sehr viel Glück dabei. Beim Einchecken erhielten wir dann die Informationen, wann und wo wir die Puffins am besten sehen könnten.

Wir sollten am besten ab 22 Uhr an einer Steilküste sein, die über einen steilen Wanderweg zu erreichen ist. Dann hätten wir die beste Chance, den Tieren zu begegnen. Dabei hatten wir die richtige Jahreszeit gewählt, denn die kleinen Vögel mit ihrem bunten Schnabel bevölkern die Insel nur in der Zeit von April bis August mit Höhepunkt um Juni und Juli herum.

Da wir noch Zeit hatten, zogen wir am Nachmittag ein erstes Mal los, um auch den nördlichsten Teil der Insel Runde kennenzulernen. Dort befindet sich unterhalb einer Steilküste ein Leuchtturm, während man oben vom Felsen einen wunderbaren Fernblick über das Wasser genießt. Um dahin zu kommen, folgt man ebenfalls dem steil aufwärts führenden Pfad ab dem Campingplatz, der auch zu den Papageitauchern führt. Nur biegt man dann eben irgendwann nach rechts ab und dreht eine Runde auf einem schmalen Weg.

Teilweise ist der Weg mit Holzbohlen ausgestattet, an anderer Stelle wiederum sehr nass und matschig. Aber alles in allem lohnt es sich sehr. Und außerdem gelangt man so noch in den Genuss zu einem anderem Vogelfelsen zu gelangen. Eine große Kolonie an Trottellummen lässt sich dort nämlich ebenfalls beobachten und das halt auch tagsüber.

Nach dieser kleinen Aufwärmrunde über die Insel gingen wir zunächst wieder hinab zum Campingplatz und stärkten uns erstmal mit einer Kleinigkeit. Am Abend zogen wir dann also ein weiteres Mal los. Wieder ging es den steilen Weg hinauf, aber dieses Mal blieben wir geradeaus und erreichten schon bald die Kante der Steilküste. Man kann den Ort der Puffins gut an den vielen Menschen erkennen, die dort hinter einem Absperrseil Bilder von den Vögeln machen.

Es war ziemlich voll, aber ein weitgehend respektvoller Umgang untereinander sowie mit den Tieren. Niemand hat die Absperrung übertreten (und es ist eigentlich traurig, dass man heutzutage so etwas schon als positiv herausstellt – das sollte normal sein). Wir waren so gegen halb 10 am Abend vor Ort und reihten uns in die Gruppe der Menschen ein, die dort Fotos machten und die Puffins beobachteten. Das schöne an so einem Ort ist ja, dass es dynamisch zugeht. Irgendwo wird schon innerhalb der nächsten fünf Minuten ein geeignetes Plätzchen frei.

Und so war es denn auch. Im Laufe des Abends wurde es außerdem deutlich leerer und als wir dann gegen 23.30 Uhr beschlossen, langsam den Rückweg anzutreten, waren wir ohnehin nur noch mit einer Hand voll anderer Besucher vor Ort. Das fanden wir wiederum recht überraschend. Das Wetter war gut, die Vögel waren zuhauf zu sehen und dennoch gingen die Touristen recht schnell wieder. Umso besser für uns natürlich. Hell genug war es nämlich weiterhin, um die Tiere bei ihrem Anflug auf den Felsen beobachten zu können.

Genau das taten wir auch die gesamte Zeit: Wir schauten zu, wie die Puffins abflogen, eine Runde über dem Meer drehten und wieder zurückkehrten. Manches Mal habe ich versucht, einen speziellen Vogel bei seinem Rundflug mit meinen Augen zu verfolgen. Allerdings ist das nicht immer ganz einfach, wenn er in der Ferne kleiner wird und sich irgendwann zwischen vielen anderen Papageitauchern befindet.

Uns hat es auf jeden Fall viel Freude gemacht, den Abend mit den Puffins zu verbringen.

Michael Moll

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.

Ich bin Autor von mehr als 130 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.

Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.


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