Alpen am Stilfser Joch

Wandern am Stilfser Joch

Eine Wanderung am Stilfser Joch in Südtirol kann mit wenig aufwärts führenden Höhenmetern auskommen. Ich habe es gemacht und zwar wanderte ich 15 Kilometer vom Passübergang hinab bis in das Tal und habe dabei gerade einmal eine kurze Steigung von 100 Höhenmetern gemacht. Aber der Reihe nach:

Auf meiner Reise mit dem Wohnmobil durch die Schweiz legte ich auch einen Abstecher nach Italien ein, wo ich in Südtirol das Trafoi-Tal besuchte. Dieses befinder sich in unmittelbarer Nachbarschaft zur Schweiz und beherbergt den gleichnamigen Ort Trafoi auf 1.500 Metern Höhe. Dort gibt es nicht nur einen Campingplatz, auf dem wir unser Wohnmobil stehen ließen, sondern auch das Nationalparkzentrum des Nationalparks Stilfser Joch mit dem Namen naturatrafoi. Hier gab man uns sehr kompetent und freundlich Auskunft über die Wandermöglichkeiten am Stilfser Joch und schlug uns vor, mit dem Bus auf den Pass zu fahren und dann abwärts zu wandern.

Wanderweg am Stilfser Joch

Wanderweg am Stilfser Joch

Die Idee gefiel uns und so standen wir am nächsten Morgen pünktlich an der Bushaltestelle in dem kleinen Ort und ließen uns ganz gemütlich nach oben chauffieren. Das macht auch insofern Sinn, da man seinen eigenen Wagen schonen kann, denn immerhin sind über 40 Spitzkehren zu durchqueren und 1.200 Höhenmeter zu überwinden. Ich hatte ja bereits etwas zum Thema Stilfser Joch mit dem Wohnmobil geschrieben, außerdem habe ich in einem kurzen Video ein paar Momente der Busfahrt festgehalten:

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Unterwegs hält der Bus noch kurz am Berghotel Franzenshöhe an, wo man bereis einen guten Blick auf die Gebäude am Stilfser Joch erhaschen kann. Es folgen dann aber immer noch 21 Serpentinen, bis man schließlich den Passübergang erreicht hat. Ist man erst einmal oben, dann heißt es, sich umzuschauen. Es ist nämlich ziemlich voll und mehrere Souvenirstände und Imbissbuden stehen für die Besucher bereit. Um seine Einkäufe zu bezahlen kann man sogar zum höchstgelegenen Bankschalter Europas gehen, ein Bankautomat wäre ja auch zu einfach gewesen. In der Bankfiliale erläutert noch eine kleine Ausstellung Informatives über das Stilfser Joch und seine Geschichte.

Gleich daneben folgt noch eine Kapelle und mehrere Unterkünfte. Etwas abseits von dem Rummel liegt zum Beispiel die Tibet Hütte, von der aus man einen wunderbaren Blick auf die Serpentinenstraße genießen kann. Ganz nebenbei kann man mit etwas Glück hier einem Murmeltier begegnen, dass es sich hier neben dem Küchenfenster bequem gemacht hat.

Murmeltier

Murmeltier

Um nach einem ausführlichen Rundgang dann wieder in das Tal hinab zu steigen, muss man zunächst bergauf. Aber nur kurz. Rund 100 Höhenmeter sind es auf einem breiten Schotterweg hinauf zur Dreisprachenspitze. Hier gibt es eine weitere Gastronomie und außerdem einen Grenzstein, denn mit der Dreisprachenspitze erreichen wir Schweizer Staatsgebiet. Ursprünglich befand sich hier das Dreiländereck zwischen der Schweiz, Italien und Österreich. Da Österreich aber durch den Versailler Vertrag nach dem Ersten Weltkrieg Südtirol an Italien abtreten musste, wandelte sich der Punkt vom Dreiländereck zur Dreisprachenspitze. Immerhin treffen hier immer noch die drei Sprachen Rätoromanisch, Italienisch und Deutsch aufeinander.

Ehemaliges Dreiländereck

Ehemaliges Dreiländereck

An der Dreisprachenspitze beginnt dann die eigentliche Wanderung mit dem höchsten Punkt auf der Tour. Immerhin befinden wir uns in einer Höhe von 2.843 Metern, die man nicht unterschätzen darf. Oberhalb der Serpentinenstraße wandert man am felsigen Hang auf dem Goldseeweg mit einem ganz leichten Gefälle entlang. Der Goldsee ist nur ein kleiner Hochgebirgssee, der nach einiger Zeit halb umrundet wird. Gleich daneben befinden sich die Überreste der sogenannten Goldseestellung aus dem Ersten Weltkrieg. Zwischen 1914 und 1918 gab es nämlich auch hier oben erbitterte Kämpfe über die man mit zahlreichen Hinweistafeln am Wegesrand informiert wird.

Die Ruinen der Stellung sind heute ein friedlicher Ort und zugleich ein toller Aussichtspunkt auf den Ortler, den man auf der gegenüberliegenden Seite des Trafoi-Tals herrlich bewundern kann. Der Ortler ist der höchste Punkt Südtirols und war bis 1918 auch der höchste Berg Österreichs, noch vor dem Großglockner.

Blick zum Ortler

Blick zum Ortler

Unterhalb, aber dennoch parallel zur Grenze zwischen Italien und der Schweiz geht es beständig aber weiterhin sanft bergab. Nach fast zehn Kilometern hat man mittlerweile nicht nur die Baumgrenze erreicht, sondern auch zwei Drittel der Strecke hinter sich gebracht. Allerdings wandert man dann immer noch in einer Höhe von über 2.100 Metern. Das bedeutet, es sind gerade einmal etwas mehr als die Hälfte des Abstiegs geschafft. Was das für den Rest der Wanderung bedeutet, dürfte klar sein: Es wird nun deutlich steiler. Aber bis dahin kann man zahlreiche schöne Ausblicke genießen, die bis in das Vinschgau reichen, wo es rechts nach Meran und Bozen geht und links zum Reschenpass.

Serpentinen am Stilfser Joch

Serpentinen am Stilfser Joch

An der Furkelhütte hat man aber die Gelegenheit, den Rest der Wanderung in einer Seilbahnkabine zu verbringen und sich nach Trafoi fahren zu lassen. Da ich grundsätzlich keine Seilbahnen besteige (Flugangst und dergleichen), folgte ich natürlich dem Wanderweg nach unten. Dieser verläuft nun in einigen Kurven durch den Wald und bietet leider keine Aussichten mehr. Aber diese hatten wir natürlich weiter oben zur Genüge.

Panorama am Stilfser Joch (11 MB, 12613x4934 Pixel)

Panorama am Stilfser Joch (11 MB, 12613×4934 Pixel)

Natürlich gibt es für die Wanderung auch einen GPS-Track zum Download im Reiseforum.

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