Kjerag

2012 – (1) Wandern in Südnorwegen


 

Mit dem Wohnmobil zum Nordkap

Wanderung zur Trolltunga

 

Samstag, 21. Juli 2012

Das abendliche Einschlafen war wieder etwas schwierig. Dieses Mal lag es aber an der Kneipe, die sich in rund 200 Metern Entfernung auf der anderen Fjordseite befand. Das Rumgejohle der Besucher muss in ganz Odda zu hören gewesen sein. Na ja, trotzdem standen wir früh auf – für norwegische Verhältnisse. Irgendwie scheint es sich durch die Helligkeit bei uns einzubürgern, abends lange aufzubleiben und  dafür  morgens auszuschlafen. Also, um halb 9 waren wir wach, frühstückten schnell und fuhren in den nächsten Ort, wo uns eine steile Straße in ein Tal hinauf brachte. Dort sahen wir schon bald einen Parkplatz und Autos, die sich außerhalb des Parkplatzes befanden. Da diese bereits mit einem Strafzettel versehen waren, zogen wir brav einen Parkschein für 100 Kronen. Gültig war dieser 12 Stunden lang, bis 22.05 Uhr, das sollte reichen. Bezahlt werden konnte er übrigens mit Kreditkarte, sehr praktisch.

Wir schnürten unsere Wanderstiefel, packten Pingu in den Trekkingrucksack und zogen bei leichtem Nieselregen los. Unser Ausgangspunkt war die Talstation der ehemaligen Mågelibahn. Diese Bahn fuhr auf einem Holzgerüst nach oben und überwand dabei rund 400 Höhenmeter. Allerdings ist sie schon lange nicht mehr in Betrieb und so wie sie aussah, würde man sie wohl auch nicht mehr in Betrieb nehmen. Doch an der Bahn existiert noch die alte Treppe, die für den Notfall gedacht war und diese steil aufragende Treppe lockt natürlich dazu, auf ihr den Höhenunterschied zu überwinden. Ganz unten ist zwar  noch eine junge Dame, die die Wanderer davon abhält, auf der Treppe hoch zu gehen und stattdessen, den direkt angrenzenden Wanderweg zu benutzen. Doch kaum einer hält sich daran und schwenkt nach wenigen Höhenmetern vom Wanderweg ab auf die hölzerne Treppe. So auch wir. Doch ich gab nach rund 50 Metern auf. Man blickt durch die Holztreppe nach unten, sieht das morsche Holz und muss jeden Schritt immer exakt gleich ausführen.

 

Wer die Wanderung zur Trolltunga im Blog lesen möchte, klicke auf den Link.
Als Handlauf dient dabei ein dünnes Stahlseil und das Ganze dann auf einer steilen, nicht verkehrssicheren Treppe mit einem schweren Trekkingrucksack bei Nieselwetter? Nein danke, wir entschieden uns also ganz schnell für den Wanderweg. Dieser war ebenfalls sehr steil, aber es hieß, dass nur dieser erste Anstieg steil wäre. Danach ginge es relativ flach weiter zu unserem Ziel. Nun, nach diesem ersten Anstieg ging es auch flach weiter, aber bloß einen Kilometer. Danach mussten wir noch einen Pass überwinden und selbst dahinter ging es im steten Auf und Ab durch die wunderschöne Landschaft oberhalb eines kristallklaren Sees. Und sogar die Sonne schien mittlerweile gelegentlich. Aber eben nicht immer, manchmal steckten wir auch in einer der tief hängenden Wolken als wir uns auf einer Höhe von 1.200 Metern befanden. Über 8 Kilometer wanderten wir diesen doch ziemlich anstrengenden Weg bis wir unser Ziel erreichten  – Trolltunga.
Trolltunga ist Norwegisch und heißt Trollzunge. Und eben wie eine Zunge ragt dieser Fels in die Landschaft was natürlich zu tollen Fotomotive anregt und neben Preikestolen und Kjeragbolten zum Pflichtprogramm gehören sollte, wenn man solch abenteuerlichen Felsen mag. Daher stellten wir Pingu auf und machten das dritte Bild mit ihm vor so einer bizarren norwegischen Landschaft. Und flugs drehten wir uns um und machten uns auf den Rückweg. Denn es war kalt hier oben und auch windig. Dieser Zustand in Verbindung mit der Tatsache, dass wir total durchgeschwitzt waren machte uns Beine. Und überhaupt, selbst hier oben in der Wildnis mussten wir noch daran denken, dass unser Parkticket ablaufen könnte, obwohl es 12 Stunden Gültigkeit hatte. Aber es war mittlerweile schon sehr spät geworden, nicht zuletzt durch den extrem steilen Aufstieg zu Beginn, der mir schon nach kurzer Zeit ein schweißnasses Hemd bereitete.

Der Weg, der hier im Gegensatz zu Preikestolen und Kjeragbolten deutlich leerer war, war noch lang und so wurde es tatsächlich 21.37 Uhr als wir wieder am Auto ankamen. Das bedeutete, dass wir 11,5 Stunden wanderten – und das praktisch ohne größere Pause. Dass der beschwerliche Abstieg zu Knieproblemen führte, muss an dieser Stelle wohl gar nicht ausgeführt werden. Wir schmissen unsere Sachen ins Auto, zogen normale Schuhe an und fuhren schnell wieder nach Odda zurück, wo wir ja bereits einen Stellplatz kannten.

Sonntag, 22. Juli 2012
Wieder war es laut an der Kneipe. Kein Wunder, es war Samstagabend. Aber wir waren nach der gestrigen Wanderung so schnell weg getreten, dass uns das ohnehin kaum störte. Heute sollte es bloß mit dem Auto weiter gen Norden gehen. Wir fuhren am Ufer des Fjords entlang, überquerten wir ihn später mit einer Fähre und erreichten Voss. Da wir Voss noch vom letzten Mal kannten, ließen wir die Ortschaft unberücksichtigt und bogen nach rechts ab in Richtung Gudvangen, was sich am Ende des Næroyfjords befindet. Dieser ist der schmalste Fjord Europas und steht auf der Welterbeliste der Unesco. Um ihn richtig zu sehen, müsste man ihn jedoch an Bord eines Schiffes kennen lernen. Dafür war uns aber das Wetter einfach zu schlecht, denn es hätte sich wegen der immer noch tief hängenden Wolken kaum gelohnt. Immerhin war schon das, was wir sahen, famos und spektakulär. Wir fuhren also weiter und erreichten bei Aurland den längsten Straßentunnel der Welt. 24,5 Kilometer führt der Lærdalstunnel durch das Gebirgsmassiv und nur wenig später spazierten wir zwischen den hübschen Holzhäusern des gleichnamigen Lærdals hindurch.

 

 

Eine Fähre später bogen wir in Sogndal rechts auf die Straße 5 ab und gewannen etwas an Höhe. Heute sollte es mal ein Campingplatz werden und schon bald tauchte auch ein Schild auf, das nach rechts zu einem Platz wies. Er sah sehr leer und ausgestorben aus, weswegen wir schon fast wieder wenden wollten, doch da kam gerade die Besitzerin auf dem Rad den Berg hinab geradelt und freute sich über ihre ersten Kunden an diesem verregneten Tag. Wir versprachen ihr, unser Auto so zu stellen, dass man uns von der 300 Meter entfernten Straße aus sehen kann. Denn dann, so ihre Hoffnung, würden auch noch andere Gäste kommen, wenn man von dort aus sieht, dass es den Platz wirklich gibt und dass er auch schön gelegen ist. Anschließend bestaunten wir das moderne und noch nach Baumarkt riechende Sanitärgebäude, welches wir dementsprechend ganz für uns alleine hatten. Erst spät am Abend erfüllte sich der Wunsch der Campingplatzbesitzerin und es kam ein Pkw mit vier Insassen, die im strömenden Regen ihr Zelt aufstellten. Merkwürdigerweise nur zwei Meter vor unserer Motorhaube. Dabei war der nicht gerade kleine Campingplatz komplett leer. Außerdem standen wir etwas abschüssig, sodass wir mit dem Auto in gewisser Weise etwas oberhalb des Zeltes standen. Würde ich im Zelt liegen, dann hätte ich irgendwie Sorge, dass das dann mir fremde Auto evtl. losrollen könnte.
Nun ja, frisch geduscht und mit einer heißen Tasse Tee machten wir einen gemütlichen Fernsehabend und waren erstaunt, dass wir überhaupt noch Satellitenempfang hatten.

Lust auf weitere Reiseinfos oder nette Gespräche?
Ich freue mich über jede Anmeldung in www.molls-reiseforum.de

 

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hi , schöne Aufnahmen und tolle Fotos !

    Wir wollen Juni , Juli fahren !
    Schöne Grüße aus Filzmoos
    im Salzburgerlandl !

    Hermi und Lorenz
    Graf

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