Kjerag

2012 – (1) Wandern in Südnorwegen


 

Mit dem Wohnmobil zum Nordkap

Wanderung zum Preikestolen

Donnerstag, 19. Juli 2012
Der Tag begann irgendwie mies. Oder sollte ich besser sagen, dass der vorherige Tag schlecht endete? Beim Einschlafen wachte ich zwei Mal erschrocken auf, weil ich träumte, ich wäre auf dem teilweise rutschigen Wanderweg am Kjeragbolten abgestürzt. Der anstrengende Weg hatte mich also noch fest im Griff. Und nicht nur das, ich fühlte mich auch ziemlich schlecht. Mein Körper zitterte und fror, während mein Gesicht nicht nur rot glühte, sondern mein Kopf auch verdammt heiß war. Hatte ich einen Sonnenbrand oder gar einen Sonnenstich? Keine Ahnung, ich weiß nur, dass ich total erschöpft war und morgens um 2 Uhr auf der Rückbank unseres Wohnmobils saß, um meinen Nacken und meine Stirn mit einem kalten Glas Nudelsauce zu kühlen, das im Kühlschrank stand. Anders war es mir in den Stunden zuvor nicht möglich einzuschlafen. Danach ging es endlich einigermaßen und nach dem Aufwachen gegen 9 Uhr fühlte ich mich glücklicherweise wieder besser. Wir starteten den Motor und machten uns auf den Weg zum nächsten Ziel – Preikestolen.

 

Wir fuhren über die Landstraße bis zu unserer ersten norwegischen Fähre, die uns über den Lysefjord brachte. Zahlreiche Kilometer und viele Blicke auf den Fjord später gingen wir einkaufen, hoben endlich Geld am Automaten ab und fanden uns am Parkplatz von Preikestolen wieder. Auch hier könnte man wieder weit außerhalb parken und sich die erneuten 100 Kronen Parkgebühr sparen. Aber dieses Mal wollten wir etwas weniger laufen und außerdem würde man hier ziemlich blöd am Straßenrand stehen, was mir an der engen Straße nicht geheuer war. Es war kurz nach 15 Uhr als wir losmarschierten. Also deutlich später als am Vortag. Dennoch waren wir nicht die Einzigen, die jetzt noch aufbrachen. Aber es waren eben deutlich weniger, die mit uns in Richtung Preikestolen gingen. Dafür aber kamen uns wahre Menschenmassen entgegen, das war nicht besser. Trittsicherheit ist auch hier gefordert und an manchen Stellen muss man ebenfalls seine Hände benutzen, um sich abzustützen oder sich an einem Fels hochzuziehen, doch alles in allem ist dieser Wanderweg deutlich leichter als die drei Aufstiege zum Kjeragbolten. Das Problem waren lediglich die Engstellen, an denen sich die Wanderer knubbelten. Und das Knubbeln machte sich auch hier wieder durch Schubsen und Drängeln bemerkbar.

 

 

Viele der Personen machten zudem den Eindruck, dass sie annehmen, neue und gesunde Knie könnte man nach der Reise in einem Onlineshop bestellen. Dass wir auch hier wieder einen Sturz mit ansehen mussten, versteht sich daher von selbst. Zwar war kein Rettungshubschrauber notwendig, doch schön sah die Verletzung der Wanderin trotzdem nicht aus. Wenn man in Norwegen von Massentourismus sprechen sollte, dann muss man Preikestolen einfach erwähnen. Auf dem Parkplatz ist ganz Europa zu sehen. Der Reisebus aus Spanien steht neben dem Motorrad aus Griechenland und das Wohnmobil aus Italien parkt neben dem Auto aus Ungarn. Und manche Reisegruppen stammen sogar aus anderen Erdteilen, wie Moni feststellen musste, als sie beim Aufstieg von einer Asiatin zur Seite geschubst wurde. Mein Kommentar, dass das in China (englisch ausgesprochen) doch üblich sei, wie wir in Peking gelernt hatten, wurde von den Begleitern der Asiatin mit den Worten: „Yes, China“ beantwortet. Auch mein Kommentar wenig später, dass da jemand mit Flip-Flops auf dem Wanderweg unterwegs ist, wurde von dem Träger eben dieser Flip-Flops mit einem höhnischen Lachen bestätigt. Na ja, ich kann eben meine Klappe nicht halten, wenn ich so viel Dummheit sehe. Wie auch immer, die Menge an Menschen, die uns entgegenkam, ließ uns nur erahnen, wie voll es oben auf Preikestolen gewesen sein muss.

Aber immerhin sind die Menschen unterwegs. Manchmal habe ich den Eindruck, alle sitzen immer nur zuhause und schauen in die Röhre. Spätestens hier am Preikestolen wird man eines Besseren belehrt.
Als wir ankamen war es zwar immer noch sehr gut gefüllt, aber alles in allem erträglich. Es ist natürlich nicht überraschend, dass rund 95 % der Besucher exakt bis zum Preikestolen gehen und Spaß daran haben, auf dem Felsplateau zu stehen. Dabei geht der Wanderweg aber eigentlich noch ein kleines Stück weiter nach oben, denn erst von dort hat man den schönen Blick hinab auf Preikestolen. Wir gingen diesen Weg jedoch noch, und mit uns – niemand. Und zehn Minuten später trafen wir oben ganze drei Personen an. Zum Vergleich: 50 Höhenmeter unter uns tummelten sich rund 100 Menschen auf dem Felsplateau. Ich muss zugeben, dass ich dieses Phänomen als sonderbar einstufe aber nicht traurig drum bin.

 

Nach einer angemessenen Zeit machten wir uns auf den gemütlichen Rückweg und waren nun stellenweise weit und breit alleine. Gelegentlich wurden wir von Gruppen junger Leute eingeholt, die es mit ihren Turnschuhen wieder einmal furchtbar eilig hatten und ganz selten kam uns noch jemand entgegen. Es war ein Gefühl, als wären wir gerade auf einer Party mit tausenden von Leuten gewesen und seien nun die letzten, die den Partyraum verlassen. Plötzlich konnte man sogar Vogelstimmen hören, was auf dem Hinweg zwischen all den Menschen nicht wahr zu nehmen war.
Auch auf dem Parkplatz standen nur noch wenige Fahrzeuge, die Autos am Straßenrand waren komplett verschwunden. Da man in der näheren Umgebung des Preikestolen nicht übernachten darf und wir kein Bedürfnis hatten, wieder auf einen Campingplatz zu fahren, fuhren wir bis zum erst besten Rastplatz, der uns gefiel. Diesen fanden wir nach gut 40 Kilometern Fahrt, was auf den engen Straßen bedeutend mehr Zeit in Anspruch nimmt als auf deutschem Asphalt. Zum ersten Mal bauten wir unsere Satellitenschüssel auf und ließen den Tag neben einer alten, historischen Brücke und einem kleinen Wasserfall bei einem netten Film ausklingen.

Freitag, 20. Juli 2012
Der Wasserfall war deutlich ruhiger als am Kjeragmassiv und so schliefen wir in Ruhe aus, frühstückten gemütlich und machten uns auf den weiteren Weg gen Norden. Schon nach kurzer Zeit hörten wir unser Navi ganz neue Töne sagen: „An Bord fahren“ und „Fähre verlassen“. Warum sie das nicht schon gestern sagte, wissen wir nicht, aber heute tat sie es und wir taten wie befohlen.  Ganz in Ruhe fuhren wir auf der Straße 13 und auf der Straße 600 an Fjorden vorbei, über Höhenzüge, durch enge Haarnadelkurven und hielten immer wieder an, um Aussichten zu genießen und Fotos zu machen. An einem Wasserfall, den wir allerdings schon kannten, war es jedoch so voll, dass ein Parken nicht mehr möglich war. Aber nicht schlimm, wir fuhren weiter nach Odda, parkten neben einigen anderen Wohnmobilen am Ufer eines Fjordes und schlenderten gemütlich durch die Ortschaft. Zum ersten Mal seit unserer Frachtschiffreise über den Atlantik aßen wir heute wieder Fisch, die Fischstäbchen in letzter Zeit mal ausgenommen. Da wir für den morgigen Tag schon wieder eine Wanderung vorhatten, genossen wir den Nachmittag und Abend mit Lesen, Ausruhen und einfach nur mal in der Sonne sitzen.

 

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2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hi , schöne Aufnahmen und tolle Fotos !

    Wir wollen Juni , Juli fahren !
    Schöne Grüße aus Filzmoos
    im Salzburgerlandl !

    Hermi und Lorenz
    Graf

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