2 Monate USA – Tag 3 – Einchecken an Bord der Queen Mary 2

Wir öffneten morgens die Gardinen vor dem Fenster unseres Hotelzimmers und hatten genau den Ausblick, den wir erwarteten: Wir sahen endlich wieder „unsere“ Mary. In rund eineinhalb Kilometer Entfernung hatte sie am Mayflower Cruise Terminal angelegt und schaute mit dem Bug zu uns. Zwischen dem legendären Oceanliner und uns befinden sich jedoch noch zwei weitere Terminals. Am Horizon Cruise Terminal lag ein Schiff der Fred Olsen Cruise und direkt vor unseren Augen befand sich am City Cruise Terminal die Liberty of the Seas. Es würde also an diesem Tag voll werden in der Stadt und im Hafen.

Uns war es egal. Wir wollten bloß an Bord und hatten noch jede Menge Zeit. Wir ließen es ruhig angehen, weil wir wussten, dass es draußen wieder sehr heiß werden würde und weil wir natürlich gar nicht so früh am Morgen an Bord gelassen würden. Daher genossen wir einfach noch ein wenig die Zeit am Fenster und beobachteten das Treiben an der Zufahrt zum Hafen und auf dem Hotelparkplatz. Uns war in dem Moment nur wichtig, dass das Schiff da war und dass wir einchecken konnten. Teil 1 unserer kurzen Wunschliste für diesen Tag war also abgehakt. Teil 2 nahmen wir als nächstes in Angriff. Ganz entspannt packten wir unsere Sachen und begaben uns zum Fahrstuhl – und standen im Stau.

Wir waren auf der sechsten Etage und die zwei kleinen Aufzüge waren voll im Einsatz. Denn auch die vielen anderen Gäste im Hotel wollten zur gleichen Zeit auschecken. So sahen wir also zu, wie die Lifte stets rauf und runter fuhren, aber selten in die sechste Etage kamen. Und wenn, dann waren sie schon komplett belegt. Normalerweise nehmen wir ja das Treppenhaus, aber mit vier Koffern, zwei Rucksäcken und einer Tasche übten wir uns lieber in Geduld. Irgendwann kam dann auch ein Fahrstuhl für uns, der daraufhin alleine durch uns komplett belegt war.

Trotzdem hielt der Aufzug bei der Abfahrt natürlich nochmal an und andere Hotelgäste versuchten, sich hinein zu quetschen. Ein weiterer Hotelgast meinte, er müsse nachhelfen und die Personen mit einem lauten Lachen hineindrücken. Das war der gedrückten Person nicht angenehm und uns sicher auch nicht. Was für ein dämlicher Typ, aber wir ließen uns die Laune nicht verderben, checkten aus und verließen das Hotel.

Einmal rechts herum und schon standen wir ebenfalls vor dem Portal zum Hafen. Man ließ uns fast ungehindert hineingehen. Es kam nur eine kurze Frage, zu welchem Schiff wir wollten. Als wir die Queen Mary 2 erwähnten, folgte eine weitere Frage. Ob wir genug Wasser dabei hätten. Es sei sehr heiß und es sei ein weiter Weg. Das fanden wir schon fast niedlich. Es waren ja nur eineinhalb Kilometer und es war erst 10 Uhr am Morgen. Aber es war nett gemeint und wir fühlten uns schon fast wie in den USA, wo ja stets auf die Mitnahme von Wasser hingewiesen wird.

Ganz langsam rollten und zogen wir wieder unsere Koffer an den beiden anderen Terminals und den Schiffen vorbei durch den Hafen und erinnerten uns gut an das Parkhaus, in dem wir zwei Jahre zuvor parkten, als wir auf Kreuzfahrt mit der Disney Dream gingen. Irgendwie ist es ja schön, wenn man sich an solchen Orten auskennt. Kurz hinter dem Parkhaus stoppten wir und genossen den Blick auf die Queen Mary 2, die uns in den nächsten sieben Tagen über den Nordatlantik in die USA bringen würde.

Am Terminal angekommen, gaben wir unsere beiden großen Koffer ab, behielten aber den Rest bei uns. Danach ging es eigentlich recht schnell. Wir durften in den VIP-Bereich, da wir bei Cunard bereits den Platin-Status inne hatten und checkten ein. Probleme gab es lediglich bei der Vorlage des ESTA auf dem Telefon. Wir hatten extra Screenshots gemacht, falls wir vor Ort kein Netz haben sollten. Aber die Dame am Schalter suchte Angaben, die dort gar nicht zu finden waren. Das konnten wir ihr erst beweisen, nachdem wir uns dann doch nochmal in die ESTA-App einloggten und ihr das Telefon unter die Nase hielten. Erst dann fiel es ihr wie Schuppen von den Augen und gab uns schließlich Recht. Ohne Wartezeit begaben wir uns zum Sicherheitscheck und konnten direkt danach an Bord.

Das ging alles rasant schnell und schon um 20 Minuten vor 12 standen wir vor unserer Kabinentür. Wir entschieden uns bei der Buchung für eine Innenkabine auf Deck 13. Das sind zu dem Zeitpunkt die modernsten Kabinen gewesen, die zugleich auch sehr viel Ruhe bieten. Wir fühlten uns direkt wie Zuhause und richteten uns soweit ein, wie wir das ohne unsere beiden großen Koffer konnten. Diese kamen irgendwann später im Laufe des Mittags an. Nur eine halbe Stunde später fanden wir uns auf Deck 7 wieder und nahmen uns am Buffet im Kings Court-Restaurant etwas zu essen, eigentlich unser Frühstücken.

Wir waren soweit. Von uns aus konnte die Reise losgehen. Und vor allen Dingen fielen uns wieder zahlreiche Steine vom Herzen. Bisher lief alles reibungslos: Wir hatten die Fahrt mit dem Mietwagen von Nordkirchen nach Brüssel hinter uns, wir blicken zurück auf die Zugreise von Brüssel nach London und auch die kurze Bahnfahrt nach Southampton lag schon in der Vergangenheit. Dazwischen die beiden Hotelübernachtungen, die ebenfalls keine negativen Eindrücke hinterließen. Das alles waren Dinge, um die wir uns vor der Reise natürlich kümmerten und bei denen wir ein wenig Sorge hatten, dass irgendwas schief gehen könnte. Aber nichts, es war alles in Ordnung und nun waren wir endlich an Bord.

Den Rest des Tages verbrachten wir natürlich damit, umher zu schlendern, etwas essen zu gehen, bei der Muster Station unsere Bordkarte scannen zu lassen und schließlich gegen viertel vor sechs dabei zuzusehen, wie wir ablegen und dann langsam den Hafen verlassen würden. Die anderen beiden Schiffe waren schon weg und so schauten wir einfach entspannt dabei zu, wie wir an Southampton und an unserem Hotel vorbeizogen.

Am Abend waren wir bei unserem ersten, wieder einmal köstlichen Diner und schauten uns schließlich im Royal Court Theatre noch eine Piano-Vorführung an. Konzert kann man das weniger nennen, da es sich um einen Improvisationskünstler handelte, der vom Publikum Musikwünsche entgegennahm und diese als Medley auf dem Piano spielte. Den Abend ließen wir mit einem Hot Dog am Late Snack-Buffet im Kings Court ausklingen und freuten uns einfach, nun auf dem Weg in den Westen zu sein, ohne uns um etwas kümmern zu müssen.

Zur Inhaltsangabe für die weiteren Reisetage

Michael Moll

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.

Ich bin Autor von mehr als 130 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.

Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.


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