Auf dem Meeresboden zu einer Insel wandern…

Die vielen Berichte von meiner Norwegenreise will ich mit diesem Beitrag mal unterbrechen. Denn es war am Wochenende ja ein wunderbares Wetter das genutzt werden wollte. Ich gebe zu, ich war nicht nur privat in Cuxhaven, sondern traf mich dort auch mit den Verantwortlichen des Pinguinmuseums weil Pingu im kommenden Jahr seine eigene Sonderausstellung bekommen wird. Aber darum geht es heute gar nicht, sondern vielmehr um meine Wanderung auf dem Meeresboden.

Ganz ohne Taucheranzug und Sauerstoffflasche bin ich vor der Nordseeküste Deutschlands auf dem Meeresboden gewandert. Klar, wir reden hier von einer Wanderung durch das Wattenmeer. Für die meisten sicherlich nichts Neues oder gar etwas Besonderes. Denn bei einer Wattwanderung gibt es naturgemäß keine Steigungen zu überwinden – alles flach. Außerdem halten sich solche Touren auch in Sachen Wegstrecke im Rahmen. Ach ja? Na, dann schauen wir mal. Denn wir stampfen nicht nur durch den Schlick, sondern steuern doch einfach mal die Insel Neuwerk an, die auf dem Trockenen liegt.

Zunächst einmal sei gesagt, dass eine Wattwanderung zur Insel Neuwerk logischerweise nicht rund um die Uhr stattfinden kann. Im Grunde ist das Zeitfenster sogar sehr klein. Außerdem verschiebt es sich täglich und an manchen Tagen ist es überhaupt nicht möglich, zu Fuß zur Insel zu gelangen. Und zu guter Letzt muss auch noch das Wetter mitspielen. Es wird dringend davon abgeraten, im Nebel das Watt zu betreten.

Da kann ich also von Glück reden, dass am vergangenen Samstag alles exakt passte. Das Zeitfenster für die Wattwanderung reichte von 9.15 Uhr bis 11.45 Uhr. Das bedeutete, dass ich spätestens um viertel nach 9 losgehen und um viertel vor 12 die Insel erreichen musste. Wandern unter Zeitdruck bin ich ja gewohnt, wenn ich für meine Reiseführer Strecken erkunde.

Also startete ich morgens gegen kurz vor 8 am Wohnmobilstellplatz in Cuxhaven und wanderte am fast menschenleeren Elbufer entlang in Richtung Strand. Dort wechselte mein Blick vom Flusswasser auf das schon nicht mehr vorhandene Nordseewasser und ich ging weiter bis zum Einstieg in den Wanderweg. Gerade als ich ankam, zogen bereits die ersten Pferdekutschen mit Touristen in das Watt und wurden schnell zu kleinen Punkten am Horizont

Ich verkürzte derweil meine Zip-Hose auf Knielänge, zog Sandalen an und betrat vorsichtig den Schlick, der leicht unter meinen Füßen nachgab. Muss ich erwähnen, dass das salzige Wasser zwischen meinen Zehen nicht der Temperatur entsprach, die ich gerne gehabt hätte? Aber was soll’s. Nach wenigen Minuten hatte man sich daran gewöhnt und schon stolzierte ich durch deutlich tiefere kalte Pfützen als würde ich sein Leben lang nichts anderes machen.

Der Weg ist ziemlich gut gekennzeichnet. Zum einen stecken Holzstämme im Schlick, die den Weg markieren und zum anderen braucht man nur den Spuren der Pferdekutschen folgen. Ein Verlaufen ist also eigentlich nicht möglich. Allerdings dürfte der Boden an anderer Stelle wahrscheinlich weniger hart sein, weswegen man den ausgewiesenen Weg nicht verlassen sollte – auch wenn man ständig das Festland und die Insel im Blick hat.Es gibt sogar einen Abzweig, der mit einem Schild versehen ist. Er führt zur Rettungsbake Nummer 4. Das hat mich zwar ein wenig neugierig gemacht, aber ich wusste, dass Rettungsbaken noch kommen würden. Als ich irgendwann davor stand, wollte ich mir eigentlich nicht vorstellen, wie man in dem Metallkörper steckt und auf Hilfe wartet, während das Wasser der Nordsee langsam nach oben steigen würde.

Mein Eindruck über das Wandern zur Insel Neuwerk ist grundsätzlich positiv. Allerdings bin ich mir nicht sicher, ob es sein muss, dass zahlreiche schwere Kutschen durch das Watt gezogen werden und private Reiter ihre Pferde im Galopp zur Insel hetzen, was man übrigens schon aus sehr weiter Entfernung hört. Vielleicht sind das die Gründe, warum mir das Wattenmeer vor Cuxhaven ein wenig trostlos vorkam? Ich habe schon oft das Wattenmeer vor Spiekeroog und Wangerooge besucht und muss sagen, dass dort in Sachen Fauna scheinbar wesentlich mehr los ist. Kleine Krabben, übrig gebliebene Quallen und was man sonst eben noch so alles erwartet, kenne ich von dort. Hier gab es jedoch lediglich Wattwürmer und ab und zu mal ein paar Muscheln. Das war es dann auch schon.

Nachdem ich kurz vor der Insel noch einige Priele durchquerte, kam ich mit 5 Minuten Verspätung auf der Insel an und machte mich daran, das kleine Eiland zu erkundigen, denn das Hochwasser würde erst um 17.15 Uhr da sein und dementsprechend spät das Schiff nach Cuxhaben abfahren. Zur Inselbesichtigung und warum ich Meeresbürger und Vogelwart für eine Stunde wurde, erzähle ich aber dann ein anderes Mal. Ach ja, da war doch noch was mit der Wegstrecke, oder? Also: Vom Wohnmobilstellplatz zum Einstieg in den Wanderweg legte ich bereits die ersten fünf Kilometer zurück, ohne auch nur einen Schritt im Watt gemacht zu haben. Dazu hatte ich aber dann die nächsten elf Kilometer Gelegenheit, denn so weit verläuft der Wanderweg vom Strand zur Insel Neuwerk.

Nun, und weil ich ja so ruhig sitzen bleiben kann, legte ich trotz der geringen Größe dieser Insel dort auch noch eine Strecke von 12 Kilometern zurück. Mit dem abendlichen Einkauf in Cuxhaven kam ich dann letztendlich auf eine Strecke von 30 Kilometern. Na ja, aber es war zumindest alles flach 😉

6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Pingback: 2014 – Mit dem Wohnmobil nach Harlesiel | Die Weltenbummler

  2. Pingback: Holy Island im Norden von England | Die Weltenbummler

  3. Pingback: Wandern zur Hamburger Hallig | Die Weltenbummler

Schreibe einen Kommentar


Kleine Rechenaufgabe Die Zeit für die Eingabe ist abgelaufen. Bitte aktivieren Sie das Captcha erneut.

Mehr in Blog, Sehenswertes in Deutschland, Wandertouren
Mit dem Wohnmobil zum Nordkapp – Teil 3

Das Nordkapp ist nicht der nördlichste Punkt Europas? Nein, es ist bloß der nördlichste Punkt Europas, der mit einem Auto...

Schließen