Unser Hotel lag ein bisschen außerhalb der Stadt, weswegen wir am Morgen zunächst nach Joliet hineinfuhren. Am Abend zuvor hatten wir es nicht mehr geschafft, uns das kleine Städtchen anzuschauen. Das holten wir nun nach und spazierten am historischen Rialto Square Theater vorbei und besuchten auch die Straßenkreuzung, an der die Route 66 auf den Lincoln Highway trifft. Eigens hierfür wurde dort eine Markierung aufgestellt.


Vieles andere in Joliet, so zum Beispiel das hiesige Museum, kannten wir bereits von unserem früheren Roadtrip auf der Route 66. Daher erlaubten wir uns hier Mut zur Lücke. Wir würden ja noch viele andere, bereits bekannte Sachen sehen und wollten am liebsten neue Dinge besuchen.

So begaben wir uns daher eher zum Bahnhof, um mal wieder auf Route 66-Ziffern zu stoßen. Gleich danach führte uns die Reise nun raus aus den größeren Städten. Joliet würde ich beinahe noch zum Großraum Chicago zählen, doch wir wussten: Ab sofort würden wir über Land von Ort zu Ort fahren. Und diese Ortschaften würden gefühlt immer kleiner werden.
Kleine Ortschaften in Illinois
Den Anfang machte Elwood mit einer Art Picknickplatz, an dem Skulpturen der Blues Brothers stehen. Sie sind wiederum häufig Bestandteil der Route 66 oder zumindest der Sehenswürdigkeiten am Wegesrand. Natürlich ließen wir es uns nicht nehmen, ein Selfie mit den beiden Jungs zu machen.




In Wilmington kannten wir uns wiederum bereits aus. Vor vier Jahren gab es dort noch ein Diner mit einem Muffler Man namens Gemini Giant. Aber wir wussten, dass das Diner mittlerweile geschlossen wurde und der Muffler Man an einen anderen Standort umgezogen. Also sind wir hin und machten mal wieder Fotos von ihm. Der dazugehörige Shop hatte an diesem Tag leider geschlossen. Schade.





Nur wenige Kilometer weiter wartete Braidwood mit dem uns bekannten Polk-a-dot-Diner. Was wir dort noch nicht kannten, waren die Toilettenräume. Auf die machte uns ein anderer Gast aufmerksam. Wir sollten sie uns doch unbedingt anschauen. Und ja, jede Menge Marylin Monroe-Bilder beobachteten uns in der Toilette.
Ein Gefängnis mit zwei Zellen
Gleich gegenüber auf der anderen Straßenseite sahen wir endlich den Braidwood Zoo. Den hatten wir beim letzten Mal total übersehen. Es handelt sich dabei nicht um einen echten Zoo, sondern um ein kleines eingezäuntes Gelände mit irgendwelchen künstlerisch gestalteten Tieren. Irgendwie typisch amerikanisch aber eben auch sehr passend zur Route 66.



Mit Gardner, dem nächsten Stopp, hatten wir gerade einmal wieder wenige Fahrminuten hinter uns. Dort besuchten wir das Gefängnis mit den beiden Zellen. Zwei Zellen, mehr hat dieser Knast nicht. Gleich daneben ein historisches Diner und prompt kamen wir auch hier wieder mit anderen Reisenden ins Gespräch. Sie kamen aus North Dakota und hatten extra ihrem Jeep ein besonderes Autokennzeichen verpasst, dass zur Route 66 passte. Wir freuten uns, dass es Menschen gab, die wie wir Spaß an dieser Straße hatten.

Nur ein paar Schritte sind es vom 2 Cell Jail zu einem weiteren Shop. Es ist The Shop on Route 66, gleich so, als wäre es DER Souvenirladen. Aber irgendwie ist er auch besonders. Obwohl, eigentlich ist der Besitzer besonders. Er hatte eine riesige Freude, uns zu empfangen und stellte uns gleich mal an vier verschiedene Orte im und vor dem Shop. Er wollte Bilder von uns machen und machte es auch. Noch am Abend sahen wir diese Bilder auf seiner Facebook-Seite.
Nette Begegnung in Gardner
Seither folge ich seiner Seite und schaue beinahe täglich, was er mit den anderen Gästen bzw. Kunden macht. Die Antwort ist leicht: Bilder. Und zwar immer an den selben Stelle im und rund um seinen Shop. Niemand, der seinen Laden betritt, kommt drumherum. Irgendwie drollig. Und ganz nebenbei erwähnt er in dem Facebook-Posting dann auch noch, wo seine Gäste herkommen. Man spürt eine gewisse Portion Stolz, dass Menschen aus aller Herren Länder nach Gardner kommen und seinen Laden betreten.



Auch Dwight, der nächste Ort, war uns noch gut in Erinnerung und wir besuchten die ehemalige Tankstelle, die heute und schon vier Jahre zuvor von ehrenamtlichen Helfern als Museum betrieben wird. Hier fiel uns erst später auf Vergleichsbildern auf, dass die Route 66-Ziffern mittlerweile mit Aufklebern versaut wurden. Etwas, was viele Menschen immer öfter ärgert. Warum müssen manche Reisende immer ihre Aufkleber irgendwo hin pappen? Lasst es einfach!

Hinter Dwight kommt wenig später Odell. Die dortige ehemalige Tankstelle kannten wir nur von außen, weil sie damals geschlossen hatte. Heute hatten wir die Möglichkeit, mal reinzugehen. Gerne hätten wir hier auch eine Kleinigkeit gekauft. Aber die Dame, die hinter dem Tresen saß, war ganz anders als ihre „Kollegen“ in Dwight oder Gardner. Sie interessierte sich kein bisschen für uns und machte einen abweisenden Eindruck. Na ja, wir waren schnell wieder draußen.
Wandgemälde in Pontiac
Dafür schauten wir uns nur zwei Blocks weiter den verfüllten Zugang zu einer Straßenunterführung an. Früher, als die Route 66 ihren Hochbetrieb hatte, war es für die Menschen schwierig, die Straße zu überqueren. Heute kann man sich das kaum noch vorstellen, wo doch in solch kleinen Orten kaum noch jemand unterwegs ist. Aber damals benötigte man eben einen Tunnel für Fußgänger, um zur anderen Straßenseite zu gelangen.

Mittlerweile wurde zumindest dieser Tunnel jedoch verfüllt und man ließ nur noch als Denkmal das Geländer und die ersten beiden Stufen sichtbar stehen. Das dürfte wohl auch der Grund gewesen sein, warum wir das beim letzten Mal übersahen. Aber dieses Mal verpassten wir das nicht. Genauso wenig wie Pontiac, die nächste Stadt.





Auch Pontiac hatten wir beim letzten Mal wenig gewürdigt, weil uns damals ein wenig die Zeit fehlte. Heute war das anders und wir spazierten durch die kleine Innenstadt, um uns die dortigen Murals, also die Wandgemälde, anzuschauen.
Berührende Treffen im Museum
Unser eigentliches Ziel war jedoch das Route 66-Museum. Was wir zu diesem Zeitpunkt nicht wussten: Im selben Gebäude ist auch ein Antikriegsmuseum. Beide Museen sind jedoch in familiärer Hand. Im Untergeschoss wird die Route 66-Ausstellung von der Ehefrau gemanagt und im Obergeschoss informiert der Ehemann über Kriegsgeschehnisse.

Hier war für uns besonders beindruckend, dass der Betreiber Sohn eines D-Day-Veteranen war und eigentlich als Französischlehrer tätig war. Als Erstes zeigte er uns ein Bild von einem anderen Soldaten, der ihm das Leben gerettet habe. Denn dieser andere Soldat kämpfte ebenfalls bei der Landung der Alliierten in der Normandie und erschoss einen deutschen Soldaten, der gerade auf seinen Vater zielte. Ohne diesen Schuss wäre der Vater tot und der Sohn nie geboren.

Später erzählte er uns noch, dass er selber in Vietnam kämpfen musste und erklärte, dass es fast unmöglich war, diesen Einsätzen zu entkommen. Dabei schimpfte er gleichzeitig über Trump und wir waren plötzlich in einer spannenden Unterhaltung vertieft. Für uns genau das richtige Thema, denn wir waren ja erst im Jahr zuvor und auch im Jahr 2024 bei den D-Day-Feierlichkeiten in der Normandie anwesend. Außerdem sind solche Themen auch bei Moni genau an der richtigen Stelle, die hier eher zufällig sofort berufliche Kontakte knüpfte.
Weiter auf der Route 66 nach Südwesten
So führten wir also ein längeres Gespräch mit dem Museumsbetreiber und verabschiedeten uns anschließend mit einer herzlichen Umarmung. Nach dieser langen Unterhaltung fiel uns auf, dass wir die Museumseinrichtung kaum wahrgenommen hatten. Aber das war egal. Wir hatten mit einem Zeitzeugen gesprochen, das war viel wichtiger.

Gerne ließen wir in der Spendenbox ein paar Dollar zurück, worauf der Besitzer nochmals zu uns kam und uns eine kleine amerikanische Flagge für unterwegs schenkte. Diese befestigten wir sogleich am Armaturenbrett und begleitete uns so bis zum Ende der Reise. Hier war er wieder, der Spirit der Route 66 und die Gastfreundschaft der Amerikaner.



Wir verließen Pontiac weiterhin in südwestliche Richtung, stoppten hier und stoppten dort. Wir schauten uns ehemalige Brückenbauwerke an, über die heute kein Fahrzeug mehr fährt und staunten über kuriose Kunst am Wegesrand. Auch das wieder einmal typisch amerikanisch, aber irgendwie liebenswert.
Auf den Spuren von Abraham Lincoln
Ein Abschnitt der Route 66 wurde mittlerweile zu einem Radweg umfunktioniert. Nicht viel und nicht lang, aber immerhin ein paar Kilometer. Dazu gab es sogar extra überdachte Picknickplätze und Reparatursäulen, falls man unterwegs eine Panne hat. Das erinnerte uns ein wenig an die Radwege in Deutschland, die auf ehemaligen Bahntrassen angelegt wurden.


Und dass amerikanische Straßen bzw. insbesondere die Route 66 nicht immer nur schnurgerade verlaufen, beweisen so Dinge wie Dead Man’s Curve in Towanda. Hier hat es zur Hochzeit der Route 66 wohl einige schwere Unfälle gegeben. Dabei ist es eine aus heutiger Sicht völlig harmlose Kurve.





Wenig später fuhren wir nach Bloomington hinein und stoppten im Vorort Normal an den dortigen Buchstaben, die den Ort ankündigen. Anschließend schauten wir uns das Museum in einem alten Gerichtsgebäude an, in dem einst Abraham Lincoln als Anwalt tätig war. Auch hier gefiel es uns wieder sehr gut und freuten uns, dass wir den Luxus besaßen, uns auch mal solche eher unbekannten Orte anschauen zu können, während viele Europäer ja nun mehr die großen Nationalparks besichtigen.
Muffler Men an der Route 66
Auf dem Weg nach McLean konnten wir sehen, wie bei Ahornbäumen der Saft abgeerntet wird, doch im dazugehörigen Shop trafen wir leider niemanden an. Also fuhren wir weiter, machten ein paar Fotostopps in McLean und kamen anschließend nach Atlanta.




Den dortigen Muffler Man kannten wir noch gut vom letzten Mal. Aber neu war auf der gegenüberliegenden Straßenseite das American Giants Museum mit einigen weiteren Werberiesen. Leider konnten wir nicht in das Museum hinein, weil es schon geschlossen hatte, aber die meisten Figuren standen ohnehin im Außenbereich.



Dass die Werbefiguren auch heute noch ihren Reiz haben, zeigte uns ein Diner direkt an der Route 66, an dem vor kurzer Zeit eine Skulptur in Form einer Bedienung aufgestellt wurde. Weitere Skulpturen, aber ganz anderer Art erlebten wir im nächsten Ort, in Lincoln.
Kuriose Eigenheiten an der Route 66
Dort steht zum einen ein großer Donut aufrecht neben dem Schriftzug mit Städtenamen. Aber zum anderen gibt es dort auch eine Wassermelonen-Skulptur. Sie erinnert an die Taufe der Stadt durch Abraham Lincoln. Denn die Stadt ist die einzige mit diesem Namen, die so benannt wurde, bevor er zum Präsidenten gewählt wurde. Damals war er noch Anwalt und träufelte Melonensaft auf den Boden, um die Stadt Lincoln zu taufen.




Ebenfalls kurios ist nur wenige Schritte entfernt die Telefonzelle auf dem Dach des Rathauses. Sie hatte einen ernsten Zweck und diente der Feuerwehr als eine Art Ausguck, um gleichzeitig auch im Ernstfall Alarm geben zu können. Heute ist die Telefonzelle zwar nicht mehr in Betrieb, aber ein drolliger Anblick oben auf dem Dach ist sie weiterhin.

Damit neigte sich der Tag dem Ende und wir stoppten nur noch einmal in Williamsville, um uns auf einer Webcam selber zu beobachten. Diese Webcam ist auf ein kleines Stück Asphalt gerichtet, das ein Original der Route 66 ist. Irgendwie ist es schön, dieser alten Mother Road mit ihren kuriosen Begebenheiten zu folgen. Am Ende des Tages landeten wir in Springfield, der Hauptstadt von Illinois und ließen den Abend im Hotel ausklingen.
Zur Inhaltsangabe für die weiteren Reisetage

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.
Ich bin Autor von mehr als 130 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.
Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.
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