Der 4.Juli – Unabhängigkeitstag in den USA. Im Jahr 2026 sogar noch ein besonderer, denn der Independence Day jährt sich zum 250. Mal. Weil uns die Feierlichkeiten in New York zu groß und voll erschienen, bevorzugten wir lieber etwas kleineres irgendwo auf dem Land. Daher ließen wir uns auf dem Weg zu unserem eigentlichen Ziel ein wenig Zeit, als wir durch Pennsylvania kamen.

Am Vorabend waren wir also auf der Farm an der Paradise Station in Strasburg und heute wollten wir uns noch eine Parade anschauen – im kleinen, gemütlichen Rahmen. Unsere Recherche zu der Reise ergab schon Wochen zuvor, dass die kleine Gemeinde Lititz genau das bieten würde. Also steuerten wir unseren Mietwagen zunächst nach Lancaster, wo wir erneut zu den Amish fuhren. Unterwegs sahen wir auf den Straßen der Region wieder einige typische Kutschen der Amish People und zudem Kinder, die in den klassischen Kleidern spazieren gingen bzw. spielten.
Rund um Lancaster ist das immer wieder spannend zu sehen, wie die Amish dort leben. Wie schon vier Jahre zuvor, besuchten wir daher das Amish Farm House und schlenderten auch durch den Gift Shop. Die ersten Andenken dieser Reise hatten wir also nun schon im Gepäck. Nebenan gab es einen Supermarkt, in dem wir auch gleich mal einen Coronatest für schlappe 8 Dollar kauften. Ich fühlte mich nicht gut, aber es war wohl doch nur eine Erkältung. Wie immer in den Tagen nach einer Atlantiküberquerung. Da erwischt es mich jedes Mal.
Parade zum Unabhängigkeitstag in Lititz
Wir fuhren die wenigen Kilometer nach Lititz, nördlich von Lancaster und stellten den Wagen irgendwo in einem Wohnviertel nahe der Main Street ab. Damit waren wir nicht die einzigen. Die Hauptstraße war bereits gesperrt und viele andere Personen kamen mit dem Auto, um irgendwo zu parken. Wir waren uns nicht ganz sicher, ob wir wohl in dieser Straße parken dürften.

Aber wie sich herausstellte, waren wir nicht die einzigen Fremden die das taten. Derjenige, der hinter uns parkte, sah das aber genauso wie wir und schon stellte er sich vor und gab mir die Hand. Typisch amerikanisch eben. Eine kurze Begrüßung, als würden wir ab sofort viel Zeit miteinander verbringen, ein netter Wortwechsel und schon trennen sich die Wege – man kennt das. Aber irgendwie ist das immer wieder nett.

Nach wenigen Minuten waren wir an der Main Street und gesellten uns zu den anderen Zuschauern, die dort teilweise mit mitgebrachten Campingstühlen am Straßenrand saßen und warteten. Keine Absperrung, kein Sicherheitsdienst und dennoch alles gesittet und geordnet. Erstaunlich.
Wir feiern mit den Amerikanern den Unabhängigkeitstag
Es dauerte eine Weile, aber irgendwann kamen die ersten Fahrzeuge der Parade, angeführt von der örtlichen Feuerwehr. Auch das so typisch: Alles, was an den Fahrzeugen blinken kann, blinkt eben. Dafür ist es ja gebaut. Auf die Feuerwehr folgten die Pfadfinder mit einem riesigen Sternenbanner und dann war auch schon der Bürgermeister mit T-Shirt, kurzer Hose und Familie dabei. Veteranen, Polizei, Stormtracker, befreundete Feuerwehren und Polizei aus anderen Städten sowie Sportteams folgten schließlich.

Es war kein Karnevalsumzug mit zahlreichen Motivwagen und auch kaum laute Musik. Es war ein leises Vorbeistreifen der jeweiligen Gruppen, nur hin und wieder wurden die am Straßenrand stehenden Menschen mit Kleinigkeiten beglückt.

Es war nett anzuschauen und irgendwie genau das, was wir uns wünschten: Eine relativ ruhige und vor allen Dingen friedliche Parade. Sie war sogar schon sehr ruhig, was uns doch verwunderte. Wir hatten mehr Kapellen oder Orchester erwartet. Was heißt mehr? Die wenige Musik, die zu hören war, stammte aus Lautsprechern. Aber schön war es dennoch. Wir begaben uns zurück zum Auto und machten uns auf den Weg nach Harrisburg.
Weiter zum Kapitol in Harrisburg
Eigentlich reizte es uns nicht, in eine größere Stadt zu fahren. Doch es war ja Feiertag und außerdem hatten wir uns vorgenommen, im Laufe der Zeit, die jeweiligen Kapitolgebäude der Hauptstädte aufzusuchen. Harrisburg ist die Hauptstadt von Pennsylvania und hat natürlich auch ein Kapitol. Uns war klar, dass wir niemals jedes Kapitol von innen sehen würden – schon gar nicht eben an einem Feiertag. Aber wenigstens mal von außen schauen und ein paar Fotos machen, warum nicht?

Und so ließen wir Harrisburg anschließend auch schon wieder hinter uns, um abends im Hotel in Somerset unterzukommen. Wir wählten bewusst den Ort, weil wir dort schon einmal nächtigten und ungefähr wussten, was uns erwarten würde. Außerdem hatte er einen guten Abstand zu Pittsburgh, wo wir am morgigen Tag pünktlich am Flughafen bzw. Mietwagenschalter sein mussten. Als wir das letzte Mal in Somerset übernachteten, besuchten wir anschließend die Gedenkstätte für Flug 93 von United Airlines. Im nahegelegenen Shanksville stürzte das Flugzeug am 11. September 2001 zu Boden.

Wir besorgten uns noch schnell etwas zu essen, aber dann war ich auch froh, im Hotelzimmer zur Ruhe zu kommen. Die Erkältung hatte mich doch mehr mitgenommen, als ich es mir wünschte. Gut, dass wir morgen keinerlei Besichtigungen vor uns haben, sondern fast einen reinen Fahrtag haben werden.
Zur Inhaltsangabe für die weiteren Reisetage

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.
Ich bin Autor von mehr als 130 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.
Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.
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