2 Monate USA – Tag 13 – Start auf der Route 66

Wir starteten morgens in Mishawaka bei South Bend und fuhren geradewegs auf Chicago zu. Die Metropole kennen wir natürlich gut. Schon mehrfach hatten wir in und um Chicago übernachtet. Und nicht zu vergessen: Es ist nicht unsere erste Runde auf der Route 66. Vier Jahre zuvor starteten wir ebenfalls unseren Roadtrip in Chicago Downtown.

Genauer gesagt begannen wir die Tour damals am „Begin of Route 66“-Schild. Logisch. Dieses befindet sich recht unspektakulär zwischen den Hochhäusern von Downtown. Im Zuge der Feierlichkeiten für 100 Jahre Route 66 hat man sich aber etwas Neues einfallen lassen.

Und zwar brachte man am Navy Pier ein neues, moderneres Schild an, dass den Beginn dieser legendären Mother Road anzeigt. Inhaltlich ist das völlig falsch, denn die Route 66 begann dort niemals. Aber hier ist wohl der Wunsch Vater des Gedankens dahinter. Denn immerhin macht es sich irgendwie gut, wenn die Route 66 von Pier zu Pier verläuft.

In Santa Monica endet die Fernstraße an einem Pier, warum also sie nicht auch an einem Pier beginnen lassen? Ja, kann man machen. Hat man auch gemacht. Nun steht also auf dem Navy Pier, einem touristisch gut frequentierten Bereich in der Innenstadt von Chicago ein weiteres Schild, das den Beginn der Route 66 markiert.

Da wir uns fest vornahmen, so viel wie möglich von der Straße zu erleben, beschlossen wir, auch dieses Mal wieder in das Stadtzentrum von Chicago zu fahren. Auch wenn wir normalerweise große Städte möglichst meiden, so schreckt uns der Verkehr nicht ab. So schlimm ist es eigentlich auch gar nicht. Mit einem Navi im Automatikwagen lenkt man ja eigentlich nur ein bisschen und kann ganz entspannt einen Parkplatz suchen.

Gut, die Parkplatzsuche war ein wenig lästig und wurde auch zur Geduldsprobe. Die Parkplätze am Navy Pier verpassten wir, zumindest die Einfahrt. Beim Herumkurven zwischen den Hochhäusern sahen wir viele andere Einfahrten in Parkhäuser. Prinzipiell praktisch, doch zu diesem Zeitpunkt kannten wir die Höhe unseres Fahrzeugs nicht und waren eher vorsichtig.

Doch dann entdeckten wir plötzlich einen regulären, öffentlichen und ganz klassischen Parkplatz auf dem Fairbanks Court, Ecke Ohio Street. Wir quetschten unseren Chevrolet Suburban in eine Lücke direkt an einer Hauswand und irgendwie wirkte der Platz nicht vertrauenserweckend, aber wir riskierten es.

So zogen wir los, die zwei, drei Blocks zum Navy Pier zu gehen und das Schild aufzusuchen. Wir fanden nicht nur das, sondern auch die Sportbar, vor der es steht und durch die man hindurch gehen kann, um eine Art Mall zu besuchen. So schlenderten wir durch die kleinen Shops, kauften uns ein Andenken, aßen zum zweiten und letzten Mal auf dieser Reise eine Kleinigkeit bei McDonalds und flanierten anschließend auch draußen auf dem Navy Pier.

Danach ging es wieder zum Auto zurück, dass wir mit unserem gesamten Gepäck nicht stundenlang alleine stehen lassen wollten. Schon diese kurze Zeit war uns unangenehm und wir waren froh, wieder am Wagen zurück zu sein. So entspannt wie wir nach Chicago hineingefahren sind, fuhren wir auch wieder hinaus.

Für den Großraum Chicago brauchten wir aber noch mehr Zeit. Denn wir versuchten schon hier, dem einstigen Verlauf der historischen Route 66 zu folgen. Keine einfache Sache, da die Straße als solche ja nicht mehr existiert. Aber wir hatten Koordinaten von großen Route 66-Ziffern, die überall entlang der Strecke aufgestellt wurden. Die meisten davon befanden sich in Illinois und da wiederum jede Menge in den Vororten von Chicago.

Also steuerten wir den Mietwagen von Koordinate zu Koordinate und hielten für einen Fotostopp immer wieder an. Dabei reden wir immer von nur wenigen Kilometern und Fahrminuten. Kaum saßen wir im Auto, rollten auf Teilen der Route 66 oder irgendwie in der Nähe und schon standen wir vor dem nächsten Ziel.

Schon bei der ersten Route 66-Ziffer hatten wir auch zum ersten Mal auf dieser Reise wieder Blickkontakt mit einem Muffler Man. Der fehlte uns noch in der Sammlung und spätestens jetzt wussten wir, dass wir erneut auf der Mother Road unterwegs sind. Es war einfach nur schön, wobei wir uns natürlich noch wünschten, so langsam aus dem Gewusel der Großstadt rauszukommen.

Aber das sollte noch ein wenig dauern, denn es folgten noch viele weitere Route 66-Ziffern. In mancher Vorstadt gab es sogar zwei. Eines stand direkt neben einem Kinderspielplatz, auf dem zahlreiche Spielgeräte standen, die klassische und berühmte Sehenswürdigkeiten der Straße darstellten. Natürlich war ich hier vorsichtig mit dem Fotografieren, aber zumindest die Miniaturausgabe der Cadillac Ranch konnte ich einfangen. Alle anderen Spielelemente wie der blaue Wal von Catoosa waren von spielenden Kindern belegt.

Diese Route 66-Ziffern würden uns noch bis zum Ende der Mother Road begleiten und ich werde zukünftig noch einen eigenen Blog-Artikel dazu schreiben. Hier aber schon mal die Ziffern, die wir südwestlich von Chicago entdeckten:

Als die Sonne schon ziemlich weit unten stand, erreichten wir noch Lockport, gerade einmal 50 Kilometer Luftlinie vom Navy Pier entfernt, und wurden zufällig Besucher einer Oldtimershow auf der Main Street. Der Spirit der Route 66 war hier wieder einmal mehr als nur zu spüren. Es war toll. Nach dem Besuch der Ausstellung und natürlich der Route 66-Ziffern fuhren wir nach Joliet, um dort unser Nachtlager in einem Hotel aufzuschlagen und um noch eine Kleinigkeit einzukaufen.

Zur Inhaltsangabe für die weiteren Reisetage

Michael Moll

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.

Ich bin Autor von mehr als 130 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.

Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.


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