So, wie wir es am Vortag planten, kam es dann auch. Wir schliefen bis kurz vor knapp und ließen die Unterquerung der Verrazzano-Brücke links liegen. Wir gingen erst an Deck, als der Himmel schon graute und wir mittlerweile angelegt hatten. Aus Erfahrung wussten wir, dass noch viel Zeit vergehen würde, bis wir von Bord gehen könnten. Also begaben wir uns erstmal zum Kings Court, dem Buffetrestaurant, um uns für den ersten Tag an Land zu stärken. Wir hatten heute viel vor und einiges war dabei, was uns natürlich auch ein wenig nervös machte. Würde alles so klappen, wie wir es geplant hatten?

Nach dem Frühstück verabschiedeten wir uns von der Kabine und waren natürlich wehmütig. Gerne würden wir an Bord bleiben, aber andererseits wollen wir natürlich auch raus und unseren Plan – wieder auf der Route 66 zu reisen – verwirklichen. Wir trösteten uns mit dem Gedanken, dass wir knapp sechseinhalb Wochen später wieder an Bord gehen würden – wenn denn alles so funktioniert. Zumindest das Verlassen des Schiffs ging schon mal sehr einfach.

Genau so, wie wir es planten, nahmen wir unser komplettes Gepäck – vier Koffer, zwei Rucksäcke und eine Tasche – selbst in die Hand und betraten über die Gangway US-amerikanischen Boden. In der Vergangenheit war schon das mit Wartezeiten verbunden, weil man nur gruppenweise in das Terminal durfte. Dort tummelten sich dann die meisten Passagiere, um auf ihre Koffer zu warten und um anschließend zur Einreise zu gelangen. Meist ist das ein sehr langer Prozess und wir hatten in der Vergangenheit schon sehr gereizte deutsche Passagiere erlebt, die sich leicht daneben benahmen.
Einreise in die USA – schnell und unkompliziert
Dieses Mal war davon nichts zu spüren. Wir konnten von Bord, betraten das Terminal und spazierten an den endlosen Kofferreihen vorbei, die zum Teil noch gar nicht freigegeben waren. Manche Passagiere standen bereits unten und warteten darauf, ihr Gepäck in Empfang nehmen zu können. Aber niemand stand bei den Grenzbeamten, um einreisen zu wollen. So weit war noch keiner. Das verunsicherte uns ein wenig, weil wir das so nicht kannten. Normalerweise stellt man sich dort in eine lange Schlange. Aber genau diese Schlange existierte partout nicht. Wir konnten direkt bis zum Grenzbeamten durchgehen und reichten ihm unsere Reisepässe.

Der Grenzbeamte war ein bisschen nörgelig, fragte nach unserem ersten Hotel und wollte zumindest von Moni Fingerabdrücke haben. Meine brauchte er nicht, weil ich mit diesem Pass schon beim letzten Mal einreiste. Moni hatte jedoch einen neuen Reisepass und musste daher eben die Fingerabdrücke geben. Und genau das war schon der Hauptakt. Mehr passierte nicht. Zwei Minuten dauerte der gesamte Spaß und wir waren eingereist. Wir konnten das gar nicht glauben. Und die nächste Überraschung folgte sogleich.

Wir verließen das Terminal, waren nun also ganz offiziell in Brooklyn, New York und begaben uns zum Taxistand. Auf dem Weg wurden wir angesprochen, ob wir ein überteuertes Uber haben wollten – wenn es denn überhaupt ein regulärer Uber-Fahrer war. Dieser wurde von den Mitarbeitern des Hafens verscheucht und wir konnten unseren Weg zum Taxi fortsetzen. Die Koffer quetschten wir mit dem Fahrer zusammen rein, setzten uns und ließen uns mal eben zum Flughafen bringen. Ausgerechnet wir. Wo wir doch nicht fliegen und eben deshalb ja mit dem Schiff anreisten.
Übernahme des Mietwagens am JFK
Aber wie immer wollten wir natürlich zur Mietstation am JFK und unseren gebuchten Mietwagen abholen. Schon um 8.30 Uhr standen wir am Schalter bei Alamo und konnten es gar nicht glauben, dass es noch so früh war. Das kam uns natürlich sehr gelegen. Denn zum ersten Mal auf einer Amerikareise verzichteten wir auf eine Übernachtung in New York und wollten die Stadt direkt nach der Ankunft verlassen. Für die erste Nacht hatten wir nämlich ein anderes Ziel. Genauer gesagt wollten wir nach Strasburg in Pennsylvania, knapp 260 Kilometer entfernt.

Wir hatten New York nun schon sehr oft besucht, ich habe sogar schon einen Reiseführer über die Stadt geschrieben und außerdem würden wir am Ende der Reise noch drei Tage in Big Apple bleiben. Da mussten wir das nicht jetzt haben. Ein weiterer Grund war der Unabhängigkeitstag, der einen Tag später gefeiert werden würde. Die Hotels waren also etwas teurer als ohnehin schon und außerdem war uns nicht danach, die Feierlichkeiten zum 250. Independence Day ausgerechnet in New York zu begehen. Zu laut und zu voll erschien uns das. Da hatten wir wenig Lust drauf. Aber ein wenig Festlichkeit schnuppern wollten wir schon, aber im kleineren Rahmen.

Da erschien uns der Bauernhof an der Paradise Station in Strasburg, Pennsylvania genau richtig. Im Vorfeld hatten wir uns das natürlich rausgesucht, weil es familiärer, dörflicher wirkte und einfach nur ein kleines Fest auf einem privaten Bauernhof im Nirgendwo sein sollte. Das entsprach genau unserem Geschmack: Einfach zusehen, wie die Amerikaner ihr Jubiläum feierten, ohne dabei in großen Menschenmengen zu versinken.
Der Roadtrip durch die USA beginnt
Nun waren wir aber deutlich zu früh am Mietwagenschalter, denn den Wagen hatten wir für 12 Uhr reserviert. Doch schon hier spürten wir mal wieder den freundlichen Service der Amerikaner. Ohne, dass wir etwas sagen mussten, bot man uns an, den Wagen etwas früher bekommen zu können, was aber auch nicht zu früh sein durfte. Denn wir wollten ihn zwei Tage später in Pittsburgh wieder abgeben. Und das durfte wiederum nicht zu früh sein.

Dass wir den Wagen nur zwei Tage buchten, obwohl uns ein sechswöchiger Roadtrip bevor stand hatte einen weiteren einfachen Grund: Unsere gewünschte Mietwagenkategorie war in New York einfach zu teuer. Wir wissen nicht, woran das lag. Entweder war es das 4. Juli-Wochenende oder es war generell New York. In der Vergangenheit hatten wir nie das Problem. Doch dieses Mal hätten wir sogar froh sein können, wenn wir die gewünschte Fahrzeugklasse überhaupt bekommen hätten. Sie stand gar nicht wirklich gut zur Verfügung.

Vielleicht war New York auch mittlerweile zu grün für unseren Wunschwagen. Denn wir orderten mal wieder die Klasse, in der es einen Chevrolet Suburban oder Ford Expedition gab. Einen siebensitzigen SUV, der uns und unser gesamten Gepäck problemlos schlucken kann. Oder sagen wir es anders: Einen gewöhnlichen Mittelklassewagen könnten wir auch in Europa bekommen. Aber wir sind in den USA und da wollen wir auch gerne etwas, was dort häufig auf den Straßen zu sehen ist.
Unterwegs von New York nach Pennsylvania
Und wie wir feststellen mussten, gab es diese Fahrzeugklasse am Flughafen in Pittsburgh deutlich einfacher und vor allen Dingen viel günstiger. Wir hätten in New York beinahe das Doppelte bezahlt. Selbst mit Aufschlag für die Einwegmiete lagen wir deutlich preiswerter, wenn einen Wagen für zwei Tage mieten, diesen in Pennsylvania abgeben und dort einen anderen Wagen übernehmen, um mit diesem dann den Roadtrip quer durch die USA zu begehen. Natürlich sollte das erste Auto von New York nach Pittsburgh dann wenigstens ein etwas kleineres sein. Es waren ja nur ein paar Fahrstunden, doch was soll ich sagen? Wir hatten Glück und bekamen mal eben einen Jeep Grand Wagoneer. Das war wohl ein Upgrade. Mit diesem Wagen hätten wir auch den Rest der Reise machen können. Das hätte uns ebenso gefallen.

Nach der Wagenübergabe richteten wir uns erstmal ein. Auch wenn es nur zwei Tage waren, so wollten wir ja trotzdem wie gewohnt die GoPro aufs Armaturenbrett klemmen und unsere Sachen so sortieren, dass wir alles schnell griffbereit haben. Danach ging es dann los und wir rollten über die Verrazzano-Bridge nach Staten Island und aus New York heraus.



Die Fahrt verlief völlig unaufgeregt und problemlos. Wir konnten es aber immer noch nicht fassen, dass wir schon vor Mittag auf der Interstate unterwegs waren und das in einem wirklich schicken Auto und bei tollem Wetter. Es passte alles und wir konnten mal wieder mehrfach aufatmen. So wie schon auf unserer Anreise nach London und dem späteren Check-In auf der Queen Mary 2, waren wir auch hier wieder froh, einige Punkte auf der Checkliste abhaken zu können: Einreise? Haken dran, so schön einfach. Mietwagen? Perfekt, hat geklappt. Mehr als erwartet sogar. Es lief wunderbar und wir freuten uns. Denn nachdem wir uns nun auf dieser Reise eine Woche lang mal um nichts kümmern mussten, hatten wir jetzt wieder das Gegenteil: Wir waren auf uns gestellt und mussten alles selber erledigen.
Zunächst ein grundlegender Einkauf bei Walmart
Doch wie es zu diesem Zeitpunkt aussah, mussten wir uns da wohl keine großen Gedanken machen. Jetzt hieß es nur noch, einkaufen und im Hotel einchecken. Den ersten Einkauf erledigten wir zunächst in einem Walmart. Wir hatten jede Menge zu besorgen. Neben Lebensmitteln kauften wir auch einen billigen Schlafsack, weil wir die nächsten 50 Hotelbetten ungerne einfach so erleben wollten. Außerdem nahmen wir auch jeweils ein kleines Kissen an uns. Dazu gehörten Besteck und Teller für unser Essen am Abend, Desinfektionstücher für die jeweiligen Hotelzimmer sowie Servietten, die wir allabendlich auf unseren Nachttischen platzierten. Das sind so kleine Rituale, die uns mittlerweile ans Herz gewachsen sind. Damit machen wir die fremden Hotelzimmer, die wir jeden Tag wechseln so ein wenig zu unserem eigenen, kleinen Zuhause.


Nach dem Einkauf fuhren wir direkt nach Strasburg, checkten im Hotel ein und legten uns kurz hin. Wir waren müde und gesundheitlich auch ein wenig angeschlagen. Eine leichte Erkältung holte vor allen Dingen ich mir an Bord ab. Der ständige Wechsel zwischen Klimaanlage, rauer Wind auf dem Nordatlantik, Wärme, Kälte und wieder Klimaanlage macht mir jedes Mal zu schaffen. Ich kenne das schon. Aber wir wollten natürlich durchhalten und sind extra hierhin gefahren, um eben die Feierlichkeiten zum Unabhängigkeitstag auf dem Bahnhof Paradise Station mitzuerleben.


Nach einer kurzen Pause und einem Nap zogen wir also am späten Nachmittag los und fuhren zum nahegelegenen Bahnhof, wo eine historische Eisenbahn mit klassischer Dampflokomotive gerade einmal einen Kilometer zurücklegt, um zum Farmgelände zu gelangen. Dort erwartete uns eine Art Picknickfläche, die schon von zahlreichen Menschen in Beschlag genommen wurde. Außerdem gab es einen Stand Foodtrucks, es gab Musik, eine Scheune mit Hofladen und noch ein angrenzendes Motel, in dem man in einem von zahlreichen historischen Eisenbahnwaggons unterkommen konnte.
Feierlichkeiten zum 250. Unabhängigkeitstag der USA
Das war schon alles ziemlich besonders. Lediglich das benachbarte Eisenbahnmuseum hatte schon geschlossen, aber irgendwie auch verständlich. Denn jetzt ging es darum, den 250. Unabhängigkeitstag zu feiern. Und wir durften dabei sein. Irgendwie konnten wir es immer noch nicht fassen. Am Morgen waren wir noch an Bord der Queen Mary 2 und am Abend fuhren wir in Pennsylvania mit einer Museumseisenbahn zu einem kleinen Dorffest. Allerdings stellten wir fest, dass wir ein wenig zu früh da waren. Denn so groß war die gesamte Anlage nicht und wir hatten schnell alles besucht und besichtigt. Wir wunderten uns, dass jeder einzelne Foodtruck einen eigenen Stromgenerator besaß, was natürlich zu einer unangenehmen Lautstärke eskalierte, aber wir nahmen das einfach zur Kenntnis. Vielleicht hätte man das anders regeln können. Nun ja, und ansonsten schlenderten wir über die Fläche und lauschten den Liedern, die von einem Chor vorgetragen wurden.



Als es dunkel genug war, ging dann schließlich das Feuerwerk los, womit der Abend dann auch beendet wurde. Es war einfach schön, dabei gewesen zu sein, aber dann war es auch nett, als wir wieder in den Zug steigen durften, der uns zu unserem Auto brachte. Wenig später saßen wir wieder in unserem Hotelzimmer und stellten fest, dass dieser erste Tag bereits ein voller Erfolg war. So darf es gerne weitergehen.
Zur Inhaltsangabe für die weiteren Reisetage

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.
Ich bin Autor von mehr als 130 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.
Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.
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