Raketen über Raketen

Zu Besuch auf der White Sands Missile Range

„Sollen wir oder sollen wir nicht?“
„Ich weiß nicht. Willst du?“
„Ich brauche es eigentlich nicht, aber vielleicht willst du es sehen?“
Einige hundert Meter lang verlief dieser Dialog auf dem Highway 70 in New Mexico als wir gerade auf dem Weg von Truth or Consequences zum White Sands National Monument waren. Abends wollten wir noch nach Roswell und dort übernachten. Die Zeit würde reichen, aber wir waren uns einfach nicht sicher, ob wir uns das wirklich antun wollen.

Die Rede ist von der White Sands Missile Range. Dabei handelt es sich um ein Übungs- und Testgelände der US Army und zwar nicht nur um irgendeines, sonder um DAS Testgelände. Hier werden Raketen getestet. Das Landen auf dem Mond, dem Mars und sonstigen Himmelskörpern wird hier trainiert. Und zu guter Letzt wurde auf dem Gelände die allererste Atombombe der Welt gezündet – das sogenannte Manhattan-Projekt.

Das White Sands ist ein riesiges Testgelände

Das White Sands ist ein riesiges Testgelände

Was sollten wir also hier? Die Stelle, die den Ground Zero der ersten Atombombe markiert kann man zwei Mal im Jahr im Rahmen einer Führung besichtigen und zwar im April und im Oktober. Wir hatten September. Und muss man sich etwas anschauen, was nur Tod und Verzweiflung bereitet?

Raketen über Raketen

Raketen über Raketen

Wir waren so ein wenig im Zwiespalt als wir auf dem Highway fuhren und sich die Abfahrt zur Militärbasis näherte. In einer Broschüre, die wir im Welcome-Center von New Mexico erhielten, stießen wir auf den Hinweis, dass es auf der Basis einen sogenannten Rocket Garden gibt. Der Name ist viel zu harmlos, denn unter einem Garten verstehe ich etwas anderes als eine Ansammlung von Raketen.

Amerikanisches Kriegsgerät

Amerikanisches Kriegsgerät

Aber mittlerweile hatten wir auf unseren USA-Reise gelernt, dass die Amerikaner ein anderes Verhältnis zum Militär und zu den dazugehörigen Gebrauchsgegenständen haben. Außerdem befand sich dieser Rocket Garden eben auf einem militärischen Gelände. Könnte man das wirklich besuchen? Wir waren uns gar nicht so sicher. Oder hatten wir da etwas falsch verstanden?

Testgerät für eine Marslandung

Testgerät für eine Marslandung

Man kommt ja nicht mal so eben als ausländischer Zivilist in eine amerikanische Militärbasis. Aber genau das war es wohl, was mich reizte und weshalb ich plötzlich den Blinker setzte, um die Ausfahrt anzusteuern: „Komm, wir versuchen das mal.“

White Sands Militärbasis

White Sands Militärbasis

Das Testgelände ist einfach nur riesig. Kein Wunder, wenn man hier Atombomben testet oder Raketen einschlagen lässt, die in anderen US-Bundesstaaten abgefeuert werden. So fuhren wir alleine von der Abfahrt des Highway bis zum Tor der Militärbasis fast sechs Kilometer. Aber die merkt man kaum, denn einerseits wird ja nur in Meilen gerechnet und andererseits hat man in dieser weiten Landschaft einen ziemlichen Überblick und kann das Areal schon lange vorher sehen.

Raketen der US Army

Raketen der US Army

Wir stellten das Fahrzeug ab und fühlten uns nicht erst jetzt völlig beobachtet. Kameras konnten wir keine sehen aber es war offensichtlich, dass welche da waren. Wir hatten das Gefühl, „die“ wüssten sowieso schon, wer wir sind und was wir wollen. Ich ging eine kleine Stube, die man als Empfang bezeichnen könnte und informierte mich bei einem Army-Angehörigen, ob es hier einen Rocket Garden gibt. Wir sprachen durch eine Glasscheibe miteinander, aber ich wurde freundlich darüber aufgeklärt, dass sich dieser auf der anderen Straßenseite hinter der Einfahrt befinde.

Geschütz im Museum

Geschütz im Museum

Wenn wir rein wollten, dann bräuchte der Herr unsere Pässe. Mit diesen Informationen ging ich zu Moni zurück und wir beschlossen, die Sache nun auch durchzuziehen. Jetzt waren wir ja schon mal da und wenn wir nun weg fahren würden, würden wir uns vielleicht verdächtig machen. Wer weiß das schon.

Abschussgerät der Pershing II

Abschussgerät der Pershing II

Also gingen wir gemeinsam zu dem Rezeptionisten, legten unsere Pässe vor und bekamen ein Telefonat mit, in dem unsere Namen falsch buchstabiert wurden. Na, das fanden wir jetzt nicht so schlimm. Vielleicht war das ja auch besser so. Unsere Pässe bekamen wir mit einem Besucherausweis für die Militärbasis zurück. Wir waren erstaunt. Das war einfach. Und nun hatten wir tatsächlich jeder einen Ausweis mit einem großen V für Visitor in der Hand.

Patriot Missile

Patriot Missile

Problemlos gingen wir an der Pforte vorbei und standen plötzlich auf der Militärbasis der US-amerikanischen Streitkräfte. Und es war rein gar nichts los. Wir hatten den Eindruck, es war überhaupt kein Mensch vor Ort. Ganz selten fuhr mal ein Auto vorbei, aber das war es dann auch schon. Wir hätten quer über die große Straße gehen können, doch wir blieben lieber ganz brav auf dem Bürgersteig und nutzten auch lieber vorschriftsmäßig den Überweg. Man weiß ja nie. Aber wer weiß, vielleicht haben wir uns auch damit nur wieder verdächtig gemacht. Oder uns als typische Deutsche geoutet.

Durchgang in das Museum

Durchgang in das Museum

Vielleicht waren wir aber auch so etwas von uninteressant, dass wir weiß was hätten austesten können. Aber das ließen wir dann doch lieber bleiben. Der Rocket Garden entpuppte sich als das, was wir erwartet hatten. Zahlreiche verschiedene Raketen, Waffen und Trägersysteme standen herum und konnten auf einem kleinen Rundweg abgeschritten werden. Dazu gab es natürlich die passenden Informationsschilder. Wir sind relativ zügig an den Waffen vorbei, sodass wir sogar den Nachbau der ersten Atombombe verpassten. Kein großer Verlust, aber im Nachhinein betrachtet, hätte ich sie vielleicht doch gerne mal gesehen.

Wie schützt man ich vor dem Atomkrieg

Wie schützt man ich vor dem Atomkrieg

Nach dem kurzen Rundgang betraten wir noch ein kleines Museumsgebäude mit einer überschaubaren Ausstellung. Hier wurden Leute wie Oppenheimer gehuldigt, die mit für den Bau der Atombombe verantwortlich sind. Außerdem gab es Informationen darüber, wie man sich vor einem Atomschlag schützen könnte. Zumindest wie man es in den 1950er-Jahren glaubte. Interessant waren jedoch die Bilder, die die zivile Nutzung von Raketen zeigten.

Was ist Kommunismus

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Denn auf dem Testgelände wurden auch die Mondlandungen und Marslandungen vorbereitet und getestet. Kurios fanden wir dann zum Schluss noch den Helm von Darth Vader, der sich hinter Glas in einem Schaukasten befand. Aber ein Schild informierte darüber, dass hier auf dem Testgelände Sounds und Toneffekte von Raketen aufgezeichnet wurden, die später in den Star Wars-Filmen genutzt wurden. Ben Burtt, der Tontechniker der Star Wars-Filme nahm hier die verschiedensten Geräusche auf und bedankte sich anschließend mit einem originalen Darth Vader-Film für die Unterstützung seiner Arbeit.

Darth Vader Maske als Geschenk

Darth Vader Maske als Geschenk

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