Wales

2013 – Mit dem Wohnmobil durch Wales

 

Mit dem Wohnmobil durch Wales

Hinauf auf den höchsten Berg von Wales

25. Tag, Montag, 12. August 2013

Die letzte Bergbesteigung stand heute an. Nach der Wanderung auf den Ben Nevis, der Besteigung des Carrantuohil und der Wanderung auf den Scafell Pike sollte heute nun der höchste Berg von Wales dran glauben. Wir verließen den Stellplatz und steuerten zunächst die erstbeste Tankstelle an, da unser Wohnmobil gerne mal wieder mit Diesel versorgt werden wollte. Hier gab es ein Erlebnis, bei dem ich mal wieder nur den Kopf schütteln konnte: Während ich also da stand und den Zapfhahn in den Tank hielt, musste sich eine Frau mit ihrem Auto zentimetergenau zwischen unserem Wohnmobil und der Tanksäule hindurch quetschen. Nun, das soll ihr Problem sein, sie hätte genug Alternativen gehabt. Jetzt stand sie aber nach dem Tankvorgang mir im Weg. Als sie nach dem Bezahlen dann zum Auto kam, sprang jedoch plötzlich ihr Auto nicht mehr an. Gut, dafür kann die Frau nicht, außer sie hat falsch getankt. Aber sie öffnete schließlich ihre Tür und wollte wieder zurück in den Tankstellenshop während ich mit laufendem Motor halb hinter ihr stehe und weder vor noch zurück kann, weil diese dusselige Frau sich ja unbedingt dort hinstellen musste. Aber nicht mir, Lady. Ich sprang aus dem Auto und gab ihr schnell Zeichen, dass sie sich erstmal darum kümmern sollte, Platz zu machen. Sie setzte sich wie befohlen ans Steuer, während ich an dem Wagen meine leichte Wut über so viel Doofheit ausließ und den Wagen in Windeseile quer über die Tankstelle schob. Zugegeben, so weit nun doch nicht. Aber so weit, dass ich problemlos dran vorbei fahren konnte. Jetzt wollte ich auch mal egoistisch sein.

Wir verließen kurz darauf die Insel, erreichten walisisches Festland und fuhren Richtung Snowdon. Unser Weg führte uns hinauf zum Pen-y-Pass, doch als wir dort ankamen, war es schon zu spät. Alles voll. Schade, wäre ein schöner Ausgangspunkt für eine Wanderung gewesen. Wobei wir kurioserweise heute gar keine so große Lust auf Wanderung hatten, das Wetter war nämlich hundsmiserabel. Der Parkplatzwächter schickte uns wieder weg und gab uns den Tipp, weiter unten im Tal bei Nant-Peris zu parken und mit dem Shuttle-Bus wieder hochzufahren.

Okay, zunächst fuhren wir zwar zum besagten Parkplatz, aber so richtig wollte immer noch keine Lust aufkommen. Wir überlegten eine Weile und fragten uns, ob wir nicht mal was anderes machen wollen. Etwas, was wir noch nie taten. Und so fuhren wir noch ein kleines Stück zurück nach Llanberis. Dort befand sich nicht nur ein großer Parkplatz, sondern auch die Talstation für die Zahnradbahn. Ja, wir wollten uns einfach mal bequem hinauf befördern lassen. Für uns ist das eine ganz neue Erfahrung. So besorgten wir uns zwei Hin- und Rückfahrtickets und mussten nun nur noch auf die Abfahrt warten. Das hieß, wir hatten nun noch drei Stunden Zeit, da alle Züge bis dahin komplett belegt sind. Das war aber nicht schlimm. So kamen wir endlich mal dazu, ein paar Postkarten zu schreiben und zu verschicken. Außerdem suchten wir eine Werkstatt auf, da unser Auto endlich auch mal Öl braucht. Das hatte ich leider ein wenig vernachlässigt. Und so verging die Zeit, bis wir gegen Mittag in die Zahnradbahn einsteigen durften. Proppenvoll war es, aber einfach auch mal nett. Rund eine Stunde dauerte die Fahrt, die uns aber gar nicht so lang vorkam. Ganz gemütlich tuckerte die Bahn hinauf, aber währenddessen sahen wir fast parallel den Wanderweg neben der Bahnstrecke und die Wanderer, die dort in Kolonnen rauf und runter liefen. Noch bevor wir oben waren, stand für uns fest, dass wir den Rückweg dann doch lieber zu Fuß antraten. Der Weg war so simpel zu gehen und das Wetter wurde mittlerweile auch besser. Außerdem hatten wir so überhaupt keine Möglichkeit, Bilder von unterwegs zu machen. Tja, gesagt getan.

 

Als die Bahn oben ankam, stiegen wir aus, machten das obligatorische Pingu-Foto auf dem Gipfel – natürlich wie bei allen anderen drei Bergen – im Nebel und gingen sofort los, um den Berg hinab zu wandern. Denn das was wir oben sahen, war einfach nur erschreckend. Neben der Bahnstation befinden sich ein kleiner Souvenirladen und eine Mischung zwischen Schnellimbiss und Restaurant. Mehr Möglichkeiten gab es auf dem Gipfel nicht. Und das bei einer Aufenthaltsdauer von rund 45 Minuten. Da fragten wir uns schon, was wir da noch sollten. Also, einfach dem breiten Weg gefolgt, der sich sehr gut gehen ließ. Und da wir keinen anstrengenden Aufstieg hinter uns hatten, war der Abstieg sehr einfach zu begehen. So dauerte es auch eine ganze Weile und einige Höhenmeter, bis uns die Zahnradbahn einholte, worauf wir ein kleines bisschen stolz waren.
Gemütlich wanderten wir also an einer Bergflanke hinab ins Tal und empfanden es als Ironie, dass ausgerechnet dort, wo am Ortseingang die Asphaltstrecke beginnt, der Weg plötzlich furchtbar steil wird. Aber egal, wir waren unten und gönnten uns den Spaß, genauso wie am Ben Nevis, uns ein Zertifikat zu kaufen, dass wir auf dem Berg waren. Dass man für ein Souvenir-Zertifikat die Strecke hinauf gehen muss, steht da ja nicht. Und gewandert sind wir ja trotzdem.

 

 

Im Wohnmobil angekommen fuhren wir los und hielten uns grob Richtung Süden, um einen der nächstbesten Stellplätze kennen zu lernen. Der erste bei Llanllyfni sagte uns überhaupt nicht zu, weshalb wir weiter fuhren. Wir hatten noch einige Möglichkeiten. Diese Tatsache fördert aber auch ein Problem zu Tage: Man wird anspruchsvoll. Denn wenn man weiß, dass da noch drei oder vier Möglichkeiten kommen, dann ist man bei der ersten und zweiten noch kritisch. Daher kurvten wir bei Rhoslan noch ein wenig auf schmalen Feldwegen hin und her, bis wir uns dann endlich für einen Platz entschieden hatten

Zugegeben, an dem Abend wollten wir auch noch ganz gerne Fernsehen schauen und die Satellitenschüssel aufbauen. Da ist man ja dann immer bemüht, baumfreien Blick in Richtung Süden zu haben. Witzigerweise konnte mir der Farmer zwar sagen, wo Süden ist, was ich allerdings auch selber wusste, doch als ich ihm erklärte, dass ich die Schüssel in Richtung Satellit ausrichten müsste, war er ganz erstaunt. Er gab an, dass es doch etwas weiter im Norden eine Antenne gibt und man von dort die Sender bekommt. Das irritierte mich nun ein wenig, aber passte irgendwie zu dem Bild, das ich mittlerweile von Großbritannien habe: Das Land ist sehr traditionell und gar nicht so modern, wie ich immer vermutete. Traditionell ist eigentlich sogar klar. Aber ich nahm an, die modernen Techniken wären auch schon in den Alltag integriert. An manchen Dingen sah ich, dass dies nicht der Fall zu sein scheint.

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