Irland

2013 – Mit dem Wohnmobil durch Irland

Mit dem Wohnmobil durch Irland

Auf die Dingle-Halbinsel

17. Tag, Sonntag, 4. August 2013

Wieder einmal waren wir früh auf der Straße. Und wieder einmal hatten wir ein volles Programm. Aber ist ja klar, wir wollten ja auch viel sehen. Auf der N67 fuhren wir noch ein gutes Stück bis wir nach Ennistymon ankamen und dort zufällig einen geöffneten Supermarkt auf der linken Seite sahen, der für gewöhnlich auch einen Bäckerei hat. Das war schön, denn wir hatten mangels Backwaren noch nicht gefrühstückt. Ein Problem, dass uns auf dieser Reise regemäßig bewusst wurde: In Großbritannien und Irland gibt es nicht so eine schöne Bäckereikultur wie in anderen Ländern, zum Beispiel Frankreich, Tschechien oder Deutschland. Angesprochen hatte ich das ja bereits im Bericht mit dem Wohnmobil durch England.
Und wir schienen nicht die Einzigen zu sein, denen es so erging. Als wir mit unseren Einkäufen zu unserem Wohnmobil zurückgingen, hielt plötzlich ein Pkw mit Wohnwagen aus Frankreich völlig spontan und plötzlich an. Auch sie schienen einige Backstuben zu vermissen und waren froh, den Supermarkt entdeckt zu haben. Dann lagen wir mit unserer Einschätzung wohl gar nicht so falsch.

Unsere Straße hieß nun N85 und war schon deutlich besser als die N67. Noch angenehmer, zumindest, was das Fahren betrifft, war es auf der folgenden M18, einer Autobahn. Sie brachte uns nach Limerick, wo wir im Limerick-Tunnel den größten Fluss Irlands unterquerten, den River Shannon. Wir wechselten auf die M20 und kamen nach kurzer Zeit in dem Örtchen Adare zum Stehen. Wie ich schon im Schottland-Reisebericht schrieb, mag ich entweder Weltmetropolen oder kleine, gemütliche Dörfer. Adare gehörte zur letzteren Kategorie. Es war zwar quirlig, aber weder überlaufen noch schmucklos. So parkten wir schnell ein und gingen die Hauptstraße einmal rauf und runter. Wir wollten doch auch mal kleine irische Städtchen kennen lernen. Und eben nicht nur die, zu denen jeder fährt.

Dass wir das an diesem Tag aber doch noch taten, war uns nur noch nicht ganz bewusst. Nördlich von Killarney, wir waren mittlerweile in Kerry angekommen, wechselten wir wieder auf eine kleine Straße, auf die R561. Sie sollte uns auf die Dingle-Halbinsel bringen. Zwei Straßen führen auf die Halbinsel und damit auch zum gleichnamigen Ort Dingle. Die nördliche davon führt über den Connor-Pass, der jedoch für Fahrzeuge über 2 Tonnen gesperrt ist. Das wussten wir bereits vorher. Daher steuerten wir direkt die südliche Straße an und wollten den Connor-Pass von der südlichen Seite besuchen. Also fuhren wir eine gefühlte Ewigkeit über eine kleine Straße, bis wir irgendwann Dingle erreichten. Ohne uns den Ort anzuschauen, bogen wir gleich am ersten Kreisverkehr nach rechts ab und – kamen nicht weit. Noch bevor der Ort endete, sahen wir ein Schild, das auch hier auf die Größenbeschränkung hinwies und das Befahren zum Connor-Pass untersagte. 24 Fuß Länge, das entspricht 7,31 Meter. Das hätte mit unserem Wohnmobil gepasst. 6 Fuß Breite, das schon nicht mehr, denn das sind gerade einmal 1,8 Meter. Und na ja, über die 2 Tonnen brauchen wir uns gar nicht erst zu unterhalten. Damit ist also auch dieser Punkt, den wir gerne ansteuern wollten, gestorben.

Also fuhren wir dann in den Ort Dingle hinein, der uns jedoch nicht sonderlich überzeugen konnte. Der Dingle-Delfin ist das Wahrzeichen der Stadt und ansonsten gab es eigentlich nur Pubs und Restaurants. Es war voll, aber nicht überlaufen. Doch auch die anderen Touristen schlenderten einfach nur so durch den Ort oder saßen um den Delfin herum. Dabei wirkten sie ein wenig gelangweilt. Wir wollten dieser Tristesse entfliehen. Mittlerweile haben wir drei geplante Sehenswürdigkeiten nicht erreichen können und sind schon ein wenig überrascht, verwundert und enttäuscht.
Wir machten uns auf den Rückweg entlang der Dingle Bucht, weil wir an einem Campingplatz in Killarney erwartet wurden und diesen auch als Ausgangspunkt für unsere Bergwanderung am folgenden Tag nutzen wollten. Wieder ging es über die enge Straße Richtung Osten und schon bald waren wir am Campingplatz in der Fossa Road angekommen.

Hier hatten wir zwei Campingplätze nebeneinander und unser anvisiertes Ziel wirkte wie ein Campingplatz, der aus den 1970er-Jahren entsprungen ist. Die Rezeption war sehr schlicht und das dazugehörige Fenster mit den üblichen Aufklebern diverser Campingplätze geschmückt. Doch einer dieser Aufkleber ließ mich stutzen. Er stammte aus Deutschland und erinnerte an ein Treffen auf diesem Campingplatz – irgendwann in den 80er-Jahren.

Doch der Höhepunkt dieses Campingplatzes waren die Duschen. Ich habe ja schon viele Sanitäreinrichtungen auf hunderten von Campingplätzen gesehen. Dreckige, alte, kaputte, Duschen ohne Vorhang, gepflegte, mit Radiomusik untermalte – wirklich viel. Aber so etwas wie auf diesem Platz war auch für mich neu. Das Sanitärgebäude bestand eigentlich nur aus Duschen. Es gab keine Zwischenräume, keinen Flur, einfach nichts. Nur Duschen. Das wäre jetzt aber noch gar nicht so interessant gewesen. Heißt einfach nur, dass man den Duschraum direkt von außen betritt. Dass der Duschraum nur mit einer etwas größeren Saloontür von der Außenwelt abgetrennt ist, ist auch noch halb so wild. Wirklich spektakulär fand ich, dass man die Duschmünzen nur von außen einwerfen konnte und das Wasser dann sofort lief. Also entweder warf man draußen und damit meine ich richtig draußen, nämlich auf der Zufahrt zu den Stellplätzen, die Münze ein und zog sich bei laufendem Wasser aus oder man zog sich erst aus und öffnete die Tür, um splitterfasernackt draußen zu stehen und die Münze einzuwerfen. Gleiches gilt natürlich auch für das Nachwerfen einer möglichen weiteren Münze, falls die sagenhaften sieben Minuten nicht ausreichen sollten. Die dritte Möglichkeit, die wir auch bevorzugten, bestand darin, dass einer vor der Duschtür stand und auf das Zeichen von innen wartete, man könne jetzt bitte die Münze einwerfen.

Der Tag war jedoch noch nicht zu Ende. Wir wollten uns noch ein wenig umschauen und wussten, dass es auf der gegenüber liegenden Straßenseite irgendwo einen größeren See gibt. Dort wollten wir noch hin. Muss ich erwähnen, dass das ein hoffnungsloses Unterfangen war? Was war los? Warum konnten wir nie zu den Sehenswürdigkeiten oder interessanten Punkten, zu denen wir wollten?

Einmal endete unser Weg an einer Kirche, ein anderer Versuch brachte uns zu einem eingezäunten Privatgrundstück. Irgendwie war die Suche nach einem Weg zum Ufer, den es aber laut Campingplatz geben soll, nicht mit Erfolg gekrönt. So machten wir uns auf den Weg in Richtung Killarney. Wir wollten zwar nicht in den Ort hinein, aber kurz vor dem Ortseingang soll es links zu einem deutschen Metzger gehen. Wir hatten nicht vor, etwas zu kaufen, aber ich wollte wissen, ob es ihn wirklich gibt, um ihn im entsprechenden Thread im Forum vorzustellen. Am Abzweig zeigte ein Schild nach links mit der Angabe 100 Meter. Nach 250 Metern gaben wir aber auf, denn die letzten Häuser lagen schon hinter uns und vor uns war nur noch Wald zu sehen.
Später, beim Schreiben dieses Reiseberichts habe ich bei Google Earth gemessen und gesehen, dass es noch weitere 250 Meter gewesen wäre. Schade. Aber irgendwie hatte sich in Irland alles gegen uns verschworen, wenn wir denn mal was anschauen wollten. 250 Meter wäre ich natürlich noch gegangen – wenn wir es denn gewusst hätten.
So blieb unser Abend fleischlos und wir machten es uns vor dem Fernseher im Wohnmobil gemütlich.

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25 Kommentare Schreibe einen Kommentar

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  3. Hallo Herr Moll,
    ich habe bisher alle Ihre Reiseberichte über die Britischen Inseln mit Interesse verfolgt, da ich fast alle Routen selbst mit dem Wohnmobil gefahren bin.
    In Ihrem Bericht über Irland kommt das Land meiner Meinung nach zu schlecht weg, zumal Sie einige beeindruckende Sehenswürdigkeiten entweder nicht beachtet haben oder vorbeigefahren sind. Auch die irische Pubkultur gehört zu einem Irlandbesuch; ein „Singing Pub“ ist es auf jeden Fall wert erwähnt zu werden(auch ohne Alkohol)
    Die einzigartige Landschaft Irlands braucht auch keinen Vergleich, der übrigens immer nur subjektiv sein kann, zu scheuen.
    Auch hätte es mich gefreut, wenn Sie auf die außerordentliche Freundlichkeit der Bevölkerung hingewiesen hätten, die ich mehrmals, sowohl beruflich als auch privat erleben durfte.
    Mit freundlichen Grüßen
    Ulrich Mühler

    • Hallo Herr Mühler,

      vielen Dank für Ihre Nachricht. Es freut mich, dass Sie die Reiseberichte gelesen haben. Ihr Kommentar ist natürlich ein gutes Beispiel dafür, dass Reiseerlebnisse mitsamt ihren Eindrücken nur etwas persönliches sein können. Und da ich hier einen privaten Reiseblog führe, werde ich natürlich auch meine persönlichen Eindrücke erwähnen und beschreiben. In der Tat haben mir – im direkten Vergleich, da es Teil der selben Reise war – Schottland und Wales besser gefallen. Nichtsdestotrotz war ich von Nordirland begeistert und hatte große Freude an der Wanderung auf den Carauntuohil. Die Cliffs of Moher fand ich zum Beispiel nett, mehr aber eben auch nicht. Dass ich natürlich an Sehenswürdigkeiten vorbeigefahren bin, liegt selbstverständliche an der Zeit, die auch mir nicht endlos gegeben ist. Das gilt aber auch für Schottland, Wales und England. Auch dort konnte ich nicht alles besichtigen, was auf einer Reise aber völlig natürlich ist. Und dann gibt es natürlich noch Dinge, die ich nicht mögen muss, nur weil sie jeder Irland-Reisende gut findet. Dazu gehört für mich die Pub-Kultur. Es ist ja schön, dass es das gibt, aber ich brauche das nicht und habe kein Interesse daran. Ich werde daher in meinem Urlaub keinen Pub aufsuchen, um nachher auf meinem privaten Blog darüber zu berichten, nur „weil es dazugehört“. Auch ist mir nicht aufgefallen bzw. hatte ich kein Erlebnis, bei dem die Iren freundlicher als Menschen in anderen Ländern gewesen wären. Ich weiß, dass viele Menschen zu eingefleischten Irland-Fans wurden, nachdem sie das Land bereisten. Ich gehöre eben einfach nicht dazu. Ich fand Irland zwar nett und schön, aber es hat mich eben nicht in diesem Maße begeistert. Daher schreibe ich über Irland so wie ich es empfunden habe, genauso wie ich im Gegensatz dazu völlig begeistert über das Nordkap schrieb, das anderen Menschen eben nicht so gefällt.
      Viele Grüße
      Michael Moll

  4. Hallo Herr Moll,
    ich kann mich den Darstellungen des Herrn Mühler anschließen. Ich war im August 3 Wochen in Irland (allerdings nur in der Republik Irland: Dublin, Galway, Roundstone, Clifden, Connemara, Limmerick, Killarney, Ring of Kerry, Cork, Rosslare). Es waren phantastische Eindrücke, wobei wir – an den Orten – viele Touren mit dem Rad zurückgelegt haben und deshalb die Umgebung nur im 20-km-Tempo an uns vorbeigeglitten ist. Eindrücke, die für mich unvergesslich sind, weil das Land und die Leute viel gelassener und sehr freundlich wirkten. Aber keine Frage: Es sind eben Eindrücke und die sammelt jeder auf seine Art und Weise. Ihre Reiseberichte sind gleichwohl (eingebettet in Ihre ureigenen Eindrücke und Erlebnisse) ausgezeichnet.
    Herzliche Grüße
    Norbert Kremer

    • Hallo Herr Kremer,

      da ich in der Vergangenheit schon einige größere Radtouren hinter mich gebracht habe, kann ich das gut nachempfinden, dass diese Eindrücke unvergesslich waren. Vielen Dank auf jeden Fall für Ihre netten Worte. Es freut mich natürlich, dass Ihnen meine Berichte gefallen – auch wenn ich an manchen Orten eben anders empfunden habe als andere.
      Viele Grüße
      Michael Moll

  5. Hallo Michael (sag ich mal so – ich heiße Norbert),
    ich habe mich als Wohnmobilfahrer von Anfang an davon losgesagt, einge-fahrene Pfade zu besuchen (andere Formulierung für: Jedes Jahr an den selben Ort zurückzukehren).
    Selbstverständlich haben wir für die Irland-Tour gegoogelt – wir wollten authentische Reiseberichte für unsere Tour berücksichtigen.
    Das Einzige, was wir für die Irland – Tour vorab online gebucht hatten, waren die Fähren (Calais – Dover und Fishguard – Rosslare). Ist einfach günstiger und auf der Route von Dover nach Fishguard bekommt man einen Eindruck von England (klar: meistens auf den Autobahnen, aber kurz vor Fishguard sind wir abgebogen = Landschaft pur, enge Wege und 20 miles in einer Stunde = langsam ohne Ende, aber unvergesslich schön); es war für uns wichtiger, einfach darauf los zu fahren – da kommt ein weinig Reiseromantik (und die spiegelt sich in deinen Berichten) auf.
    Dennoch: Vorsicht – manche Darstellung geht ab wie in einem Zeitraffer.
    Gruß
    Norbert

    • Das kommt darauf an, was man unter einem großen Wohnmobil versteht und wo man hinfährt. Für solche Fragen habe ich extra ein Forum eingerichtet, wo auch andere User die Möglichkeit haben, eine fundierte Antwort bzw. Hilfe geben zu können.

  6. Hallo Herr Moll.
    Erstmal vielen Dank, ich habe mir einige Infos aus Ihrem Bericht gezogen für meine Tour 2015 nach Irland und Nordirland. Ich habe mich über die speziellen Duschen schlappgelacht und über das Kind im WoMo. Ich selbst werde aber wie immer Campingplätze meiden.

    Ich finde es schon gewagt, 8 oder 9 Tage für Irland einzuplanen. 2013 war ich 2,5 Wochen in Schottland und England unterwegs. Auch 2011 in Wales und England. Klar reicht einem das auch irgendwann und in Norwegen gehen einem nach 20 Tagen die kleine Straßen auf den Keks, aber nur so wenige Tage für Irland finde ich schon ..krass. Ich werde mir wie gewohnt 2-3 Wochen Zeit nehmen. Gut, muß jeder selbst wissen.

    Alles in allem schön geschrieben und es geht einfach nichts über Berichte von Leuten, die schon dort waren. Alles besser als die Hochglanzseiten der Tourismuszentralen (wenn sie denn überhaupt etwas taugen). Jetzt lese ich noch den Englandbericht, mal sehen, was ich da so wiedererkenne.

    Also, allzeit gute Fahrt.
    Grüße
    Carsten

    PS: Die Fotos werden teilweise nicht dargestellt und wenn man auf Links klickt kommt man nur zu einer Übersichtsseite, nicht zu den verlinkten Themen.

    • Hallo,

      zunächst einmal vielen Dank für die Fehlerhinweise. Die leeren Gallery-Angaben stammen noch aus einer alten CMS-Anwendung und hatte ich beim Löschen übersehen. Daher stammten auch noch manche Fehler bei den Links. Ich habe das jetzt soweit korrigiert und hoffe, nichts übersehen. Ohne die Hinweise hätte ich das wahrscheinlich auch in nächster Zeit behoben, weil nicht gesehen. Daher bin ich für so etwas immer dankbar.
      Es ist schon richtig, dass etwas mehr als eine Woche für Irland schon ein sehr straffes Programm ist. Aber unser Anliegen war ein „Hineinschnuppern“ in beide Inseln (also GB und Irland), weil wir uns in beiden Fällen überhaupt nicht auskannten. Wir wollten einfach wissen, was uns am ehesten gefallen wird und was nicht. Und dabei stellte sich eben heraus, dass uns Schottland am Besten gefiel, dicht gefolgt von Wales und innerhalb Englands der Northumberland Nationalpark und das Lake District. So ähnlich sind wir vor Jahren auch bei der Erkundung Norwegens vorgegangen. Damals hatten wir vorsichtig einen Blick nach Südnorwegen geworfen und drei Jahre später eine wirklich schöne Reise durch Norwegen gemacht, die fast zwei Monate dauerte. Und für Irland/UK wissen wir nun auch, wo wir uns beim nächsten Mal länger aufhalten werden und wo nicht. Wir werden bestimmt irgendwann wieder nach Irland fahren, aber es steht bei unseren Wunschreisezielen einfach nicht ganz oben auf der Liste. Doch wenn wir dort sein werden, dann wissen wir auch dort, wo wir auf jeden Fall noch/wieder hinwollen und was wir auslassen können. Und sicherlich wird das dann auch eine längere Tour.
      Viele Grüße
      Michael

      PS: Die beiden Reiseberichte auf der Webseite werde ich auf jeden Fall noch „gegenbesuchen“. Sehen beim schnellen Überfliegen schon interessant aus.

      • sehr geehrter herr moll,

        ich las ihren reisebericht über irland mit grossem interesse.

        besteht die möglichkeit, mir ihren vollständigen reisebericht über ireland
        zukommen zulassen ?

        für ihre mühe im voraus vielen dank

        mit freundlichem gruss

        th. meyer – engelke

  7. Hallo Herr Moll,

    ich lese schrecklich gerne Reiseberichte, besonders über Länder, in denen ich auch schon war zum Nochmalerleben oder Anderserleben. Ihr Bericht war ausführlich, mit schönen Fotos bestückt und – das ist mal erfrischend – auch sprachlich ansprechend.
    Selbstverständlich sind die Geschmäcker verschieden. Ich möchte aber wie zum Teil meine Vorredner anmerken, dass, wenn man Orte wie Killarney, Adare, Cliffs of Moher anfährt und sich wünscht, dass die Iren ein paar Autobahnen in die Landschaft klatschen, Irland nicht wirklich gesehen hat.
    Lustig fand ich, dass Sie gerade in Ennistymon deutsche Backkunst vermissten. Es gibt dort einen deutschen Bäcker:-)
    Auch wenn man kein Pubmensch ist (wo man aber auch prima nicht-alkoholische Getränke und Essen zu sich nehmen kann), so dient doch der Pub als Treffpunkt und hier lernt man die Iren kennen, was einen großen Teil des Reizes Irland ausmacht.
    Puh, jetzt muss ich das doch noch sagen…völlig daneben: Die Details zum Nordirlandkonflikt nicht zu kennen, das ist normal. Den Konflikt nicht zu verstehen, ist eine Folge dessen. Ihn aber als unlogisch oder gar lächerlich zu bezeichnen, lässt mich jetzt erröten vor Fremdschämen…das fällt nicht mehr in den Bereich, seine eigene Meinung zu äußern…
    MfG
    APB

    • Hallo,

      ich finde es mittlerweile erstaunlich, wie sehr mein Irland-Reisebericht polarisiert – gerade bei Menschen, die sich vermutlich als Irland-Fans bezeichnen würden. Dabei habe ich nie etwas Schlechtes über Irland gesagt, sondern eher ein „Hey, Irland ist nett, aber ich finde, es gibt Ecken auf dieser Welt, die schöner sind“.
      Zum Thema Pub habe ich mich zwar bereits geäußert, frage mich aber weiterhin: Kann einem Irland nur gefallen, wenn man in einem Pub war? Hat Irland nicht mehr zu bieten? Was ist, wenn man kein geselliger Mensch ist? Ich wiederhole mich: Irland hat landschaftlich sehr schöne Seiten, ich brauche keinen Pub, um Irland genießen zu können. Aber es gibt eben auch andere Regionen dieser Welt, die ich landschaftlich attraktiv finde. Und da muss ich dann auch nicht in Pubs/Kneipen abhängen, um das Land als toll bezeichnen zu können.

      Und was die Sache mit der Bäckerei angeht, schrieb ich ja ausdrücklich, dass dies nicht nur auf Irland zutraf, sondern auch auf Großbritannien, denn – auch hier wiederhole ich mich – ich besuchte beides gemeinsam auf einer Reise. Und außerdem war es doch nur eine Randbemerkung, die ich genauso in Blackpool, Brighton oder Ullapool hätte machen können. Hier passte es aber eben gerade, weil wir nicht die einzigen waren, die eine gescheite Bäckerei suchten.

      Abschließend will ich noch sagen, dass ich kein Freund davon bin, wenn man versucht, mir Wörter in den Mund zu legen: Autobahnen habe ich mir in Irland nie gewünscht. Dass es aber auf einer Autobahn schlicht leichter zu fahren ist, steht doch ganz außer Frage, oder?
      Auch würde ich gerne wissen, an welcher Stelle ich den Begriff „unlogisch“ im Zusammenhang mit dem Nordirland-Konflikt benutzt habe. Als lächerlich habe ich den Konflikt bezeichnet, das ist richtig. Und zwar im Sinne von „absurd, grotesk“ (siehe Duden), so wie ich jeden Konflikt auf der Welt als lächerlich bezeichne.
      Schade, wenn jemand errötet und sich für eine Meinung fremdschämt, mit der man sich nur ein bisschen mehr Frieden auf der Welt wünscht.
      Gruß
      Michael Moll

  8. Hallo Herr Moll,

    nu gut:-) Dass mit der Bäckerei fand ich eher lustig…wenn Sie nur geahnt hätten, wie nahe Sie dem Nicht-Gummi-Brot waren!
    Was die Pubkultur betrifft: Nach einigen Jahren in Irland ging es mir leicht auf den Geist, dass sich alles im Pub abspielen muss. Aber et is wie et is…dort spielt die Musik in Irland (im wahrsten Sinne des Wortes) und es ist der Treffpunkt, besonders auf dem Lande, nicht nur zum Zechen.
    Natürlich kann man nur das beurteilen, was man letztendlich erlebt hat, aber es liegt eben nicht am Land, wenn man es nicht gesehen hat (wie ähnlich schon Heinrich Böll sagte).
    Das Lächerliche am Nordirlandkonflikt kam leider so rüber, schön, wenn es anders gemeint war. Klar ist jeder Krieg unsinnig, aber leider überzeugt dies Argument die Kriegsführenden ja nicht unbedingt. Die Unlogik wurde schon genannt, in der Aufteilung Londonderrys. Londonderry ist größtenteils friedlich, was aber leider darauf beruht, dass man die beiden Seiten (bis auf ein Viertel der Gegenseite jeweils auf der „falschen“ Seite) auseinander hält. Eine Mauer war nicht vonnöten, man hat ja den Fluss. Diese Ghettoisierung ist sicher keine Lösung – die läge eher im gemeinschaftlichen Aufwachsen der Jugend.
    Das Stadtzentrum wirkt für uns einheitlich, ist es aber nicht wirklich; die Trennungen laufen dort nur für uns unsichtbar. (Also, der Katholik kauft eher bei Supervalues, der Protestant eher bei Sainsburys, meistens jedenfalls). Aber es wird so langsam:-)
    VG

  9. Pingback: 2015 – Mit dem Wohnmobil durch England und Wales | Die Weltenbummler

  10. Der Bericht und auch die Kommentare sind ja schon etwas älter, aber ich möchte noch ein paar Sätze zu GB und Backwaren loswerden, wobei ich da nur für London sprechen kann:
    ich war ab den späten 90ern ca. 10 Jahre lang relativ regelmäßig und wann immer es ging, über ein Wochenende in London und würde sagen, dass sich das Vorhandensein und die Auswahl an Backwaren positiv entwickelt hat.
    Gab es anfangs außer Bagels – die ich sehr mag! – und vereinzelten süßen Teilchen kaum Auswahl, bekommt man inzwischen auch versch. Körnerbrötchen und Brotsorten bei Tesco & Co. Und auch Brezeln reihen sich ganz selbstverständlich ein.
    Natürlich ist es hier, wie überall auf der Welt: es geht nichts, über deutsches Brot (oder Brötchen), aber besser wie labberiges Toastbrot ist es allemal! Auch wenn es nur Supermarkt-Brot ist.

  11. Moin!

    Es ist interessant, eine Irlandreise aus dem „naja“-Blickwinkel zu lesen. 😉

    Wir werden nächste Woche zum fünften Mal mit dem Wohnmobil (eher kleiner und schneller Campervan) nach Irland aufbrechen. Das erste Mal zur Hauptsaison, was leider nicht anders ging. Campingplätze steuern wir nur an, wenn es logistisch erforderlich ist (Abwasser, Frischwasser, Toilette), ansonsten sind wir autark. Wir sehen zu, dass wir irgendwo am Wasser stehen, was uns auch meistens gelingt. Häufig sogar direkt am Atlantik. Im Westen und Norden geht das. Im Süden und Osten ist wild stehen schwieriger. Da sind dann aber wiederum mehr und bessere Campingplätze.

    Wir waren noch nie in Nordirland – dafür fehlte uns das (passende) Geld. 😉

    Unabhängig davon, dass es in Schottland oder Finnland oder sonstwo möglicherweise schöner ist als in Irland, habt Ihr echt eine Gurkentour gemacht. Cliffs of Moher und Killarney sind nun wirklich Mist. Das meiden wir. In Killarney gehen wir nicht mal einkaufen, da kann man wirklich nur im Stau stehen und die Cliffs sind der totale Touristen-Nepp. Aber Mullaghmore Head, Achill Island, Strandhill, Gap of Dunloe, Sky Road, Banna Strand, Brandon Point, Beara, The Ewe Experience, Healy Pass, Valentia Island und und und habt Ihr konsequent ausgelassen. Einiges davon wäre an Eurer Strecke gewesen. Den Connor-Pass dürft Ihr mit dem Dickschiff nicht fahren, das ist richtig (haben wir spaßeshalber trotzdem mal gemacht – sogar in der Hauptverkehrszeit). Man kann aber von Dingle Town aus bis zu einem großem Parkplatz kurz davor fahren. Von da aus kann man einen Spaziergang machen. Von Norden aus kommt man auch nah an den Pass und kann auf einem Schotterparkplatz stehen. Die ganzen Verbotsschilder gelten nur für den (ziemlich kurzen) Pass selbst, bis ran kann und darf man. Den Ring of Kerry auszulassen, war unnötig. Der ist mittlerweile recht gut ausgebaut. Wirklich rangieren muss man da nicht – egal, ob man falsch oder richtig rum fährt. Wir sind nicht wirklich scharf auf den Ring, aber mindestens ein mal sehenswert ist die Strecke allemal. Eigentlich kann man nix falsch machen, wenn man den Wild Atlantic Way entlangfährt (2013 gab es den so noch nicht). Was man aber falsch machen kann: zuviel Strecke und zuwenig sehen. Oder zuviel sehen wollen – das ist Stress.

    Die irische Brotkultur ist tatsächlich nicht der Knaller. Die polnischen Gastarbeiter haben inzwischen einen der deutschen Brotkultur nicht unähnlichen Geschmack ins Land gebracht. Bei Lidl oder Aldi bekommt man in fast jedem mittelgroßen Kaff vernünftige Backwaren. Gutes Fleisch bekommt man auch beim irischen Metzger oder in der Fleischabteilung eines Supermarkts.

    Man MUSS nicht ins Pub, aber es ist ein Teil der Kultur. Gerade in Doolin ist sonst nichts los, doch in den Pubs dort sind fast die besten Traditional Live Sessions überhaupt. Das Pub („Public House“) ist im ursprünglichen Sinne das Haus eines Dorfbewohners, das für die Gemeinschaft zur Verfügung gestellt wird. Wir haben tatsächlich schon Pubs erlebt, wo man sich eher im Wohnzimmer des Betreibers wähnt als in einer Kneipe. Saugemütlich mitunter.

    Dass man in Irland nicht vernünftig für einen kleinen Spaziergang oder eine Pause anhalten kann, ist mir auch noch nicht aufgefallen. Das kenne ich eher aus anderen Ländern.

    eine Woche nach uns stoßen noch zwei mit einem Camper dazu, die zum ersten Mal in Irland sind. Bin gespannt, wie denen das gefällt.

    Schöne Grüße!
    Karsten

    • Hallo Karsten,

      ich kann an dieser Stelle nur auf meine bisherigen Antworten auf die anderen Kommentare hinweisen, wiederhole sie aber noch einmal:
      1. Es war für uns ein Hineinschnuppern in ein uns unbekanntes Land. So etwas haben wir auch schon mit anderen Ländern gemacht. In diesem Fall hat uns das Land einfach nur weniger gut gefallen, als es beim Hineinschnuppern in anderen Ländern der Fall war. Daher und aus beruflichen Gründen (siehe Vita) kann ich schon ganz gut beurteilen, ob ich mich irre oder ob mir ein Land einfach weniger zusagt.
      2. „Zuviel Strecke und zu wenig sehen“ muss kein Fehler sein. Haben wir auf der selben Reise mit Schottland und Wales ja genauso gehandhabt. Und diese beiden Regionen haben uns unter den gleichen Umständen einfach mehr gefallen. Übrigens: Was für den einen Stress ist, ist für den anderen normal bzw. beruflicher Alltag. Auch hier verlinke ich nochmal zu meiner Arbeit. Ich bin diese Art von „Stress“ gewohnt und kann daher gut einschätzen, ob es zu viel oder zu wenig war. Es war nämlich keines von beiden. Es war eher ein subjektiver Eindruck von „na ja, nett hier. Haut mich aber nicht um…“
      3. Es gibt Regionen, die gefallen einem oder eben auch nicht. In diesem Zusammenhang übrigens: Ich habe nie behauptet, Irland gefalle mir nicht, sondern lediglich, dass es mir im direkten Vergleich zu Schottland, Wales, England und Nordirland am wenigsten gefallen hat. Die anderen vier Regionen haben mir auf dieser einen Reise über beide Inseln schlicht besser gefallen. Ich finde es kurios, dass sich Irlandreisende damit offensichtlich schwer tun, wenn es Menschen gibt, die andere Reiseziele einfach attraktiver finden. Das passiert mir mit anderen Regionen und Reisezielen nicht. Nur Irlandfans scheinen darauf zu bestehen, dass ausschließlich Irland toll ist. Es muss doch möglich sein, zu akzeptieren, dass Leute wie ich, die bereits eine Menge von der Welt gesehen haben (siehe Startseite), andere Orte auf diesem Planeten netter finden. Das bedeutet nicht, dass ich Irland blöd finde. Habe ich nie gesagt.
      4. Was die Cliffs of Moher angeht, muss ich sagen, dass ich das anders sehe: Wenn ich schon einmal in Irland bin (eben zum Hineinschnuppern und Kennenlernen), dann will ich auch eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten sehen. Ist doch logisch. Wenn ich zum ersten Mal nach London fahre, schaue ich mir ja auch die Tower Bridge an. Als Touristennepp habe ich die Cliffs of Moher noch nicht einmal empfunden. Eher als weniger spektakulär wie man von ihnen berichtet. Hier führe ich einfach nochmal mein Lieblingsbeispiele auf: Die Steilküste der Normandie und die Fjorde von Norwegen finde ich einfach imposanter/schöner/aufregender. Die Cliffs of Moher sind nett, aber eben nur nett. Als Gurkentour würde ich unsere Reise daher auf keinen Fall bezeichnen.

      Was mich verwundert: Wenn ihr schon vier Mal in Irland gewesen seid, warum ihr nicht mal nach Nordirland rübergefahren seid? Ich verstehe nicht so recht, was das mit den Kosten zu tun hat. Von Dublin bis zur Nordküste sind es gerade einmal 250 Kilometer und dann ist man schon komplett durch. So groß ist Nordirland ja nun auch nicht. Und gerade Dark Hedges (kostenlos) oder Giant’s Causeway und die Carrick-a-Rede-Bridge haben uns ziemlich gut gefallen. Sehenswert auch das Titanic-Museum in Belfast oder wenigstens der Titanic-Trail (kostenlos).
      In diesem Zusammenhang finde ich es übrigens schade, dass nur meine Kritik wahrgenommen wird, aber nicht, dass mir auf der Insel auch Sachen gefallen haben. Denn Giant’s Causeway und Dark Hedges sind naturgegeben und haben mit der politischen Situation auf der Insel nichts zu tun.

      In der Hoffnung, dass man mir irgendwann mal zugesteht, dass ich Irland weniger attraktiv finden darf als Schottland und Wales…
      Viele Grüße
      Michael

  12. Moin Michael,

    mein Kommentar war als Zusatzinformation für Irland-unerfahrene Leser gedacht, nicht als Widerspruch zum Reisebericht oder gar zu Deiner Meinung über Irland. Es werden zufällig genau die beiden Ziele, die wir in unseren Urlauben als die unattraktivsten empfunden haben, beschrieben. Selbstverständlich darfst Du Schottland, Wales usw. attraktiver finden! Das stört mich gar nicht (die meisten anderen Kommentatoren auch nicht, denke ich).

    Nordirland hat sich bisher einfach nicht ergeben. „Kosten“ hab ich gar nicht gemeint und auch nicht geschrieben; das war eine nicht ernst gemeinte Anspielung auf die Währung.

    Schöne Grüße,
    Karsten

  13. Jeder soll seine Reisen so wahrnehmen und empfinden wie er es selbst möchte. Interessen und pers. Meinungen sind mir total unwichtig.Die kann ich „ausblenden“ !
    Trotzdem sind -für mich – reine Reiseerfahrungen – interessant. Mein nächstes Ziel, nach ca. 20 Ländern Womo-Reisen sollte eben mal mal die Irländische Gegend sein. Trotzdem: Jeder soll nach seinen Möglichkeiten Reisen und Erfahrungen machen. Persönliche Empfindungen haben hier nichts zu suchen.

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  15. wir fahren im Juni, Juli und August mit dem WOMO nach Irland. Sind uns aber nicht
    einig, ob wir E-Bikes mitnehmen sollen oder nicht. Daher unsere Frage an Irlandfahrer:
    Fahrräder ja oder nein. Vielen Dank.

    Rainer Hanse

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