Mosel bei Briedel

Wandern auf der Moselschleife bei Bullay

Auf dieser Wanderung durch die lebendige Natur der Moselschleife ist für jeden Geschmack etwas dabei. Denn schmale Steige an steilen Hängen teilen wir uns mit wilden Tieren. Auf breiten Pfaden wandern wir zwischen prallen Trauben und auf hohen Türmen genießen wir wunderbare Rundumblicke. Und außerdem widmen wir uns auf dieser Route auch dem Thema Riesling. Wer also jetzt noch nicht auf den Geschmack gekommen ist…

Der folgende Text stammt aus meinem nicht mehr erhältlichen Reiseführer „Wanderungen an der Mittelmosel“. Die Angaben können daher veraltet sein.

Vom Parkplatz aus genießen wir, noch bevor wir den ersten Schritt machen, schon einen ersten wunderbaren Ausblick auf die Moselschleife. Auf der einen Seite sehen wir das kleine Pünderich. Blicken wir jedoch in die andere Richtung, erkennen wir das Moselstädtchen Bullay. An beiden fließt die Mosel gemütlich entlang. Zuvor vollführt sie jedoch noch eine weite Schleife und lässt uns auf diesem Grat staunend zurück. Etwas weiter oberhalb unseres Standortes erhebt sich stolz die Marienburg. Mit ihr im dahinter liegenden Wald ein Aussichtsturm, der dieses tolle Panorama noch überbietet.

Wandern am Wein

Wandern am Wein

Doch begeben wir uns zunächst auf unsere Wanderung und besichtigen die Burg im Anschluss. Hierfür wandern wir auf der kleinen Straße zunächst ein Stück bergab und benutzen an der ersten Gabelung den Weg nach rechts, dabei dem Wanderweg nach Briedel folgend. Nicht zur Fähre nach Pünderich scharf rechts abbiegen! Nur wenige Meter darauf folgt eine weitere Gabelung, an der wir uns für den linken Pfad entscheiden und erkennen, dass wir uns auf dem mit BR 9 beschilderten Uhusteig befinden und diesem folgen werden.

Unser Weg steigt zunächst leicht bergan, wenn wir auf den bewaldeten Hügel der Moselschleife zugehen. Immer wieder genießen wir die Aussicht, blicken uns um und werfen einen Blick zurück auf die Marienburg, die zwischen den leuchtenden Weinbergen zu erkennen ist. Unser Schotterweg teilt sich noch zwei weitere Male. Erst bei der zweiten Gabelung benutzen wir den Weg, der rechts unterhalb eines Waldes verläuft. Stieglitze steigen zwischen den Rebstöcken auf und flattern aufgeregt zur nächsten Weinlage, wenn wir uns nähern. Am gegenüber liegenden Moselufer taucht das kleine Örtchen Briedel auf und gibt sich zwischen den Rebstöcken des Rieslings zu erkennen.

Unterwegs auf dem Uhu-Pfad

Unterwegs auf dem Uhu-Pfad

Wein auf der Moselschleife

Von einem blassen Gelb bis zu einem goldgelben Stich reicht die Farbgebung der Rieslingtrauben. Unabhängig der 13 deutschen Weinbaugebiete wird man immer auf die Trauben des Rieslings antreffen. Er kann als der Klassiker des deutschen Weins bezeichnet werden und nimmt ein Fünftel der gesamten Rebfläche in Deutschland ein. Den größten Anteil beansprucht dabei das Moselgebiet. Der Riesling treibt verhältnismäßig spät aus und blüht auch später als viele andere Rebsorten. Darüber hinaus kann er sehr harte Winter mit zweistelligen Minustemperaturen gut überstehen. Andersherum sind extrem heiße Sommer, wie zum Beispiel der sogenannte Jahrhundertsommer von 2003, schädlich für den Wein. Obwohl der Riesling auch in Australien, Moldawien und den USA angebaut wird, wird der deutsche Riesling, vor allem der von den Moselbergen, bei Weinkennern sehr geschätzt. Nicth zuletzt liegt das auch an den vorhandenen Schieferböden, die dem Wein eine besondere mineralische Note verleihen.

Unser Schotterweg mündet in einen grasigen Pfad. Nur wenige Meter darauf stehen wir vor einem Metalltor (GPS: 50.040198, 7.152037), welches wir mutig aufdrücken. Mutig deshalb, weil wir mit unserem Besuch in dem folgenden Wäldchen möglicherweise Tiere wie Rehwild oder Wildschweine aufschrecken und letztere uns wiederum mit lauten Rufen erschrecken. Nachdem die Wildschweine unser Kommen allen anderen Waldbewohnern lauthals mitteilen und aufgeregt im Unterholz verschwinden, wandern wir auf dem schmalen Pfad, der leicht nach rechts unten verläuft.

Moselschleife bei Pünderich

Moselschleife bei Pünderich

Alte aufgelassene Weinberge

Dicht gewachsene Birken schützen uns vor der Sonne und geben gelegentlich den Blick auf das malerische Moseltal frei. Auf dünnen Schiefersteinen wandern wir den schmalen Pfad entlang, der besondere Trittsicherheit erfordert. Efeu rankt sich um so manchen Fels und manche Stufe, die irgendwann vor langer Zeit angelegt wurde. Wir fragen uns, wer sich wohl die Mühe machte, so fern befestigter Wege Treppen zu gestalten. An Trockenmauern huschen Eidechsen, welche den Warnruf des Wildschweins ignorierten, in dunkle Hohlräume und schauen zu, wie wir uns vorsichtig über den schmalen Pfad bewegen. Einzelne Rebstöcke wachsen aus dem dichten Unterholz hervor. Sie lassen uns vermuten, dass es sich um eine aufgegebene Weinlage handelt.

Bratenhöfchen, Himmelreich, Felsenkopf, und Paradies. Wer Wein anbaut, muss sich auch mit geografischen Bezeichnungen wie diesen auskennen. 13 Weinbaugebiete existieren in Deutschland, diese bestehen wiederum aus Bereichen. Im Weinbaugebiet Mosel (bis 2006 trug es den Namen Mosel-Saar-Ruwer) befinden sich sechs solcher Bereiche, die sich in 19 Großlagen und 524 Einzellagen aufteilen. Damit steht das Weinbaugebiet Mosel an fünfter Stelle in der Bundesrepublik. Die berühmte Schwarze Katz bei Zell oder der Heiße Stein bei Reil sind sogenannte Großlagen, während die eingangs erwähnten Bezeichnungen kleinere Einzellagen bezeichnen. Seit 1990 ist jedoch die Rebfläche an den Moselweinbergen um mehr als 30 % zurückgegangen, was dazu führte, dass viele ehemalige Anbauflächen brachliegen. Diese Weinbergsbrachen – auch Drieschen genannt – müssen nach der Reblausverordnung komplett geräumt werden, damit mögliche Schädlinge, die auf dieser Fläche nicht mehr bekämpft werden, nicht auf benachbarte Weinlagen übergreifen.

Blick auf Briedel

Blick auf Briedel

Aussicht auf Briedel

Der kurze, schmale Steig kommt uns länger vor als er ist, da wir langsam und vorsichtig wandern. Doch schon bald lichtet sich der dichte Wald und auch unser Weg wird wieder breiter und flacher. Links erhebt sich die steinige Mauer, rechts blicken wir auf das kleine Briedel herab, vor dem ein Frachtschiff sanft auf dem flachen Moselwasser dahingleitet.

Unser Weg lässt sich wieder leichter wandern. Schotter knirscht unter unseren Schuhen und junge Falkenpärchen posieren für ein schönes Fotomotiv auf den Rebstöcken. Den Wald hinter uns lassend, wandern wir an zahlreichen Weinlagen vorbei, an denen die Bauern die Geiztriebe zurück schneiden. An einer Gabelung wandern wir rechts hinab und sehen schon am nächsten Abzweig einen Hinweis auf den Wanderweg BR 9, so dass wir scharf rechts abbiegen. Fortan verläuft unser Weg bergab, sodass wir uns immer mehr dem Moselwasser nähern. Von der gegenüberliegenden Flussseite grüßt uns der Kirchturm mit seinem Glockengeläut. Wir erkennen, dass sich Briedel an Moselkilometer 91 befindet.

Kirche in Briedel

Kirche in Briedel

Von der Weinlage Briedeler Herzchen haben wir einen wunderbaren Ausblick auf den Weinort Briedel, welcher malerisch zwischen zwei grün leuchtenden Weinbergen eingebettet ist. Erstmalige Erwähnung erhielt Briedel am 20. Mai des Jahres 748 als Bredaculo. 1376 erhielt die Ortschaft Stadtrechte und im Zuge dessen auch eine Befestigung, welche teilweise heute noch besteht. Gut zu erkennen ist zum Beispiel der sogenannte Eulenturm mit seinem spitzen Dach. Links vom Turm erhebt sich, etwas oberhalb der Ortschaft, der Turm der barocken St. Martinskirche, welche in den 1770er-Jahren erbaut wurde. Sie steht an einem Platz, an dem sich nachweislich schon im 6. Jahrhundert eine St. Martinskirche befand.

Rückkehr an die Mosel

Entlang dem Moselufer wandern wir flussaufwärts, nur vereinzelte Radfahrer überholen uns auf der ruhigen Strecke. Wir passieren die Anlegestelle der Fähre nach Briedel (GPS: 50.023571, 7.152805), welche nur Dienstags, Donnerstags und am Samstag zwischen 8 und 12 Uhr und zwischen 13 und 17.30 Uhr verkehrt. Statt der Fähre schauen wir den Gänsen zu, die mit einem lauten Schnattern knapp über dem Wasser der Mosel ihre Flügel schwingen und wandern auf dem gepflasterten Weg bis wir wenig später wieder durch die Weinberge laufen. Sanft steigt unser Weg an, Sitzbänke laden uns zu einer kleinen Pause ein und die vor uns liegende Marienburg nähert sich mit jedem Schritt. Wir beobachten erneut das farbenfrohe Gefieder der Stieglitze und erreichen nach kurzer Zeit die bereits bekannte Gabelung, an der wir weiter bergauf unseren Parkplatz passieren und noch ein kleines Stück bis zur Marienburg (GPS: 50.043629, 7.13652) wandern.

Marienburg auf der Moselschleife

Marienburg auf der Moselschleife

Die Marienburg liegt, umgeben von Weinbergen, malerisch auf einer Engstelle der Moselschleife Zeller Hamm. Mitte des 12. Jahrhunderts begann der Abt Richard I. mit der Gründung eines Nonnenklosters des Augustinerinnenordens. Im Jahr 1515 wird der damalige Erzbischof von Papst Leo X. ermächtigt, das Kloster. In den folgenden Jahrhunderten erlebte die Marienburg wesentliche Umbaumaßnahmen und diente lange Zeit als Festung. Mit dem Einzug napoleonischer Truppen wird die Anlage zunächst zu französischem Staatseigentum, doch schon nach wenigen Jahren in private Hände versteigert. 1950 wird die Marienburg vom Bistum Trier erworben und nach langer Zeit des Verfalls wieder in Schuss gebracht. Heute wird das ehemalige Kloster als Jugendbildungszentrum der katholischen Kirche genutzt.

Nach einer erfrischenden Pause wandern wir hinter der Marienburg auf der befestigten Straße am Waldrand entlang und erreichen nach wenigen Augenblicken den bereits angekündigten Aussichtsturm (GPS: 50.047084, 7.129024) auf der als Prinzenkopf bezeichneten Anhöhe. Der im Jahr 2009 neu errichtete Aussichtsturm bietet uns zum Abschluss unserer Wanderung einen wunderbaren Ausblick auf die Moselschleife und die Ortschaften Pünderich, Bullay und Zell. Zudem wollen uns weitere Wanderwege tiefer in den Wald hinein locken, doch für heute entschließen wir uns, zurück zur Marienburg und die wenigen Meter bis zum Parkplatz zurück zu gehen.

Mosel bei Briedel

Mosel bei Briedel

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