Aussichtspunkt am Collis-Turm

Klettersteig zum Collis-Turm bei Zell

Für den Aufstieg zum Collis-Turm bei Zell werden wir vor die Wahl gestellt: auf gemütlichen Wegen, auf steilen Pfaden oder gar klettern? Wie immer wir uns entscheiden, oben angekommen, dürfen wir nicht nur die grandiose Aussicht ins Moseltal genießen, sondern auch die Glocke erklingen lassen. Der Weg nach unten führt uns durch einen kühlen Wald, durch das Mühlental und der Mosel entlang.

Der folgende Text stammt aus meinem nicht mehr erhältlichen Reiseführer „Wanderungen an der Mittelmosel“. Die Angaben können daher veraltet sein.

Am Parkstreifen gehen wir am Moselufer entlang bis zur Fußgängerbrücke über die Mosel. Aber wir biegen nach rechts in das Zentrum von Zell ab. Sofort erhebt sich vor uns der Turm der katholischen Pfarrkirche, welche einen Schrein mit Reliquien des hl. Petrus beherbergt. Links hinter dem Kirchturm sehen wir die Weinbergterrassen der Weinlage Schwarze Katz oberhalb der Stadt. Darüber erkennen wir schon unser erstes Wanderziel, den Collis-Turm.

Weinberg am Collis-Turm

Weinberg am Collis-Turm

Vor der Kirche wenden wir uns nach rechts und spazieren durch die lebhafte Balduinstraße. Sie verwöhnt mit mehreren Einkehrmöglichkeiten wie dem Café Reinisch, bis wir vor der Touristeninformation stehen. Rechter Hand auf einen kleinen Brunnen finden wir das Wahrzeichen der Stadt – die fauchende Schwarze Katz auf einem Weinfass.

Wir befinden uns in einem kühlen Weinkeller. An der Wand hängt ein Kalender, auf dem das Jahr 1863 in großen Ziffern geschrieben steht. Mehrere stattliche Männer, vornehm gekleidet, stehen um drei Weinfässer herum, und jeder von ihnen hat ein Weinglas in der Hand. Mehrere Flaschen edler Tropfen machen die Runde. Die Männer, vermutlich Weinhändler, debattieren darüber, welches der drei Fässer in den Handel kommen soll. Vor lauter Diskussionen merken sie nicht, wie sich eine kleine schwarze Katze in den Keller schleicht, neugierig an den Fässern schnuppert und dann – ganz plötzlich – auf eines der Fässer springt.

Erst als sie laut fauchend mit ihrer Pfote um sich schlägt, bemerken die Weinhändler das Tier. Nach einer kurzen Schrecksekunde werten sie die den Wein verteidigende Katze als Zeichen und entscheiden sich für dieses Fass – mit Erfolg, denn der Wein findet reißenden Absatz. Und so erhielt die Weinlage, aus der die Trauben stammten, den Namen Schwarze Katz. Zurück im 21. Jahrhundert stellen wir fest, dass es sich wohl um eine Legende handelt. Doch die Schwarze Katz bezeichnet bis heute eine Weingroßlage, wurde das Wahrzeichen von Zell und ist überall anzutreffen.

Weinlage Schwarze Katz

Weinlage Schwarze Katz

Wir wenden uns jedoch nach links und folgen den Schildern zu verschiedenen Themenwanderwegen. Schon bald steigt unser Weg sanft an und am Ende der Straße, vor einem weiteren Weinkeller, der natürlich auch von einer schwarzen Katze bewacht wird, wenden wir uns nach rechts. Schmale Häuser, teilweise nur so breit, dass bloß ein Fenster den Blick auf die Straße ermöglicht, stehen auf der steilen Straße Zeller Kehr dicht gedrängt.

Wanderung von Zell zum Collis-Turm

Weinranken schmücken ihre Fassade, und zu unserer Linken macht uns vor dem Haus Nummer 5 die Weinfass-Aufschrift „Zum Wasserfall“ neugierig. Wir gehen interessiert in die Hofeinfahrt, um nach der Kaskade zu schauen. Und tatsächlich, der kleine Zeller Bach plätschert von rechts kommend hinter den Häusern durch die Hinterhöfe in Richtung Mosel und stürzt dabei in einen offenen Schacht hinab.

Wir wandern indes weiter hinauf, und die letzten Häuser von Zell werden von Trockenmauern abgelöst. Es dauert nicht lange, bis sich zu unserer Rechten ein mittelalterlicher Turm erhebt, der den schlichten Namen Viereckiger Turm trägt. Er war der Hauptturm der einstigen Stadtbefestigung und bewachte den östlichen Zugang zu Zell. Heute dient er als Zugang zum Friedhof, hinter dem sich sein Pendant versteckt: der sogenannte Runde Turm.

Ausblick auf die Mosel

Ausblick auf die Mosel

Wir jedoch wollen zum Collis-Turm und wandern daher geradeaus weiter. An einer Kreuzung stehen wir vor der Entscheidung, wie wir den Aufstieg zum Collis-Turm gestalten wollen. Wollen wir auf einem sanft ansteigenden Schotterweg zwar mit einem kleinen Umweg, aber gemütlich durch den herrlichen Wald wandern, dann folgen wir dem Weg geradeaus, der uns mit einer sicheren Beschilderung zum Ziel führt.

Wenn wir uns – bei entsprechender Trittsicherheit und Schwindelfreiheit – für schmale Pfade oder zur Kletterpartie entscheiden, wenden wir uns vor der Leitplanke nach links und nutzen nach wenigen Metern den Einstieg in den Steilpfad nach rechts. Wir beachten das Warnschild, das auf das Begehen auf eigene Gefahr hinweist. Entlang einer moosüberwachsenen Trockenmauer steigen wir auf dem schmalen sanft ansteigenden Pfad mit einer Serpentine höher. Im Tal sehen wir alsbald den erwähnten Runden Turm, wie er zwischen den Bäumen herauszuwachsen scheint. Am Rande eines Weinberges wandern wir noch ein kurzes Stück hinauf. An einer T-Kreuzung müssen wir abermals eine Entscheidung treffen.

Klettertour in Zell an der Mosel

Ein Wanderpfad führt uns nach rechts und dann steil ansteigend um den Felsen herum. Wer sich auf eine abenteuerliche Kletterpartie einlassen will, wendet sich jedoch nach links. Schon nach wenigen Metern stehen wir vor einer steilen Schieferwand – noch können wir uns umentscheiden. Auf dem Kletterfelsen steigen wir vorsichtig über die montierten Steigklammern und halten uns im oberen Bereich am Kletterseil fest. Rund 20 Höhenmeter haben sowohl die Kletterer als auch die Wanderer dann überwunden. Sie halten für eine kurze Verschnaufpause inne und genießen die Aussicht in das kleine Tal, das wir durchwanderten.

Mosel bei Zell

Mosel bei Zell

Wir erkennen im Vordergrund den Viereckigen Turm, der nun plötzlich sehr klein wirkt, und gleich dahinter den Runden Turm. Anschließend führt uns der schotterige Weg weiter bergauf, bis wir auf eine quer verlaufende Forststraße treffen. Und wieder haben wir die Qual der Wahl: Nach rechts erreichen wir nach kurzer Zeit einen weiteren Kletterfelsen, den wir – natürlich wieder mit höchster Vorsicht – uns am Seil festhaltend, über die Nägel nach oben steigen und dann nach wenigen Meter über einen steilen Pfad schnell den Collis-Turm erreichen.

Wir jedoch, denen der erste Kletterfelsen genug an Herausforderung war, steigen an der Forststraße die kleine Treppe hoch und wandern zwischen den Rebstöcken auf dem Schieferboden steil bergauf. An einem breiten, grasigen Weg halten wir uns rechts. Wir steigen mit einer Serpentine durch einen kleinen Wald höher und erblicken unser langersehntes Ziel, den Collis-Turm. Von links erreichen uns die Wanderer, die sich im Tal für den sanften Aufstieg entschieden, und die Abenteurer, die auch den zweiten Kletterfelsen meisterten.
Gemeinsam machen wir eine wohlverdiente Pause, läuten die Glocke an der Aussichtsplattform und blicken in das Moseltal.

Klettersteig bei Zell an der Mosel

Klettersteig bei Zell an der Mosel

Aussicht über die Mosellandschaft zur Belohnung

Lassen wir doch mal unseren Blick ganz in Ruhe schweifen und beobachten das Leben im Zeller Moseltal, welches aus dieser Höhe wie eine Miniaturlandschaft wirkt. Zu unserer Linken erscheint die Mosel in einem weiten Bogen, nachdem sie an Pünderich und Briedel vorbeifloss. 88 Kilometer wird sie noch bis zum Rhein zurücklegen, wenn sie die Straßenbrücke unterquert und damit die ersten Häuser von Zell erreicht hat. Links unter uns sehen wir die steilen Weinberge, die nur vom Friedhof mit dem Viereckigem und Runden Turm unterbrochen werden. Genau vor uns, auf der anderen Flussseite erhebt sich der Hügel Barl, auf dem sich der gleichnamige, jüngste Zeller Ortsteil befindet.

Wenn sich unser Blick wieder zum Fluss senkt, erkennen wir den Turm der St. Peterkirche. Gleich daneben überspannt die Zeller Fußgängerbrücke die Mosel, welche mittlerweile wieder über einen Kilometer zurückgelegt hat. Rechts neben der Brücke breitet sich der Festplatz aus, auf dem am letzten Juniwochenende eines der ersten Weinfeste an der Mosel gefeiert wird und dessen Musik bis zum Collis-Turm zu hören ist. An einer kleinen, unbewohnten Insel vorbei fließt die Mosel weiter ostwärts. Sie windet sich noch einmal und verabschiedet sich aus unserem Blickfeld. Wenn wir ganz genau hinschauen, erkennen wir in viereinhalb Kilometern Entfernung die markante Doppelstockbrücke bei Bullay.

Abstieg in das Moseltal

Den Collis-Turm lassen wir hinter uns und wandern auf dem leicht aufsteigenden Weg durch den Wald, bis er in eine Forststraße mündet. Wir biegen links auf einen von Eschen und Buchen gesäumten ebenen Weg. Er bringt uns zu einer Weggabelung, wo wir uns halbrechts halten. Kurvig verläuft unser Weg nun auf der Moselhöhe. Zu unserer Linken macht der Wald Platz für Weinberge, über deren Rebstöcke hinweg wir eine schöne Aussicht auf das Moseltal haben. An einer Weggabelung wenden wir uns nach rechts, biegen aber sofort nach links ab, um nach wenigen Metern einen weiteren Aussichtspunkt mit der im Jahr 1970 erbauten Läns-Schutzhütte zu erreichen.

Wir lernen hier nicht nur Zell aus einem anderen tollen Blickwinkel kennen, sondern erkennen „rückblickend“ auch den Collis-Turm. Wir schwenken vor der Läns-Schutzhütte nach rechts und wandern auf einem schmalen Waldweg deutlich bergab. Serpentinen lassen uns nun deutlich an Höhe verlieren, während unterhalb unseres Wanderwegs die ersten Häuser des Zeller Ortsteils Merl auftauchen. Am gegenüberliegenden Moselufer erkennen wir auch bereits die stolze Marienburg. Sitzbänke geben uns zwischendurch die Möglichkeit zu einer kleinen Rast, während wir durch das leuchtende Grün weiter hinab wandern.

Collis-Turm oberhalb von Zell

Collis-Turm oberhalb von Zell

Im Mühlental werden wir plätschernd von einem Bach begrüßt, der Richtung Mosel strebt. Wir spazieren auf der wenig befahrenen Straße und folgen dem kleinen Gewässer, das sich zwischen den Häusern von Merl immer wieder blicken lässt. An der Merler Kirche queren wir die Landstraße und steigen zum Moselufer hinab. Wir wenden uns nach links, und Radfahrer mit prall gefüllten Packtaschen an den vorderen und hinteren Gepäckträgern verdeutlichen uns, dass wir uns jetzt auf dem Moselradweg befinden.

Eindrücke vom Moselradweg

Leise surren die Reifen über den Asphalt, der Fahrtwind kühlt die Haut an den Armen und im Gesicht. Die Landschaft gleitet langsam vorbei. Auch auf dem Fahrrad lässt sich das Tal der Mittelmosel angenehm erkunden. Der durchgehend beschilderte Moselradweg beginnt auf französischer Seite in Metz, der Hauptstadt des Departements Moselle. Danach berührt er im Dreiländereck das luxemburgische Schengen und verläuft über Trier durch das Tal der Mittelmosel bis zur Mündung in den Rhein bei Koblenz.

Dabei legt der Radler 311 Kilometer zurück, was in weniger als einer Woche zu schaffen ist. Zahlreiche Unterkünfte am Wegesrand haben sich auf radelnde Touristen eingestellt und unterstreichen damit das positive Radlererlebnis. Und wer mal zwischendurch eine Pause einlegen möchte, kann mit seinem Rad problemlos auf einem Fahrgastschiff oder sogar mit dem Fahrradbus weiterreisen. Anstatt in Koblenz wieder umzukehren, können wir dort direkt weiter in die Pedale treten – auf dem Rheinradweg bis zur Nordsee oder in die Schweiz.

Aussichtspunkt am Collis-Turm

Aussichtspunkt am Collis-Turm

Es dauert nicht lange, bis wir das quirlige Treiben von Zell erreichen und für den Weg zu unserem Ausgangspunkt ein letztes Mal eine Wahl haben, direkt an der Mosel weiter wandern oder durch die parallel dazu verlaufende Fußgängerzone, die uns noch mit einem Schaufensterbummel oder zu einer Weinprobe im Hotelrestaurant Schloss Zell einlädt.

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