Südpolnische Landschaft

2014 – Osterreise nach Polen

Ostern hatte es mich nach Polen getrieben. Allerdings nicht alleine. Wir waren zu fünft und wollten die Osterfeiertage in einem kleinen Ort irgendwo zwischen Krakau und der Ukraine verbringen – genauer gesagt in der Woiwodschaft Karpatenvorland. Wer es nicht weiß: Eine Woiwodschaft ist das polnische Pendant zu deutschen Bundesländern.

 

Da wir ohne Übernachtung an unser Ziel kommen wollten und unser Wohnmobil sowieso nur für vier Personen Platz bietet, musste etwas anderes her. Schon vier Wochen vor der Reise fanden wir ein tolles Angebot über den ADAC von Hertz. Und zwar einen Opel Insignia Sports Tourer (also Kombi) mit allen Freikilometern und keinen weiteren Kosten für Zusatzfahrer. Außerdem Vollkasko ohne Selbstbeteiligung, also das komplette Sorglospaket für einen Zeitraum von sechs Tagen für nur 260 Euro. Da wir den Preis durch fünf Personen teilen, mussten wir da nicht lange überlegen.

Man hofft zwar immer auf ein Upgrade auf ein größeres Fahrzeug, so wie es uns vier Wochen zuvor bei der Fahrt ins Disneyland Paris geschah, aber dieses Mal war die Hoffnung vergebens. Na ja, man kann nicht alles haben. Also holten wir am Gründonnerstag den Wagen ab, verstauten sämtliches Gepäck (unter anderem auch einen faltbaren Rollstuhl) und sausten los. 1.200 Kilometer Autobahn standen uns bevor, die der Diesel brav meisterte. Der Wagen gefiel uns recht gut, zumindest mir. Allerdings saß ich auch die ganze Zeit vorne links und hatte Spaß mit der Technik, dem Auto und den bequemsten Sitzplatz. Deutlich enger, und nichts für Thrombose-Kranke war es hinten in der Mitte.

Zwei Staus gab es, allerdings erst auf polnischer Seite und zwar jeweils vor den beiden Mautstationen auf der Autobahn 4 zwischen Breslau und Krakau. Hinter Krakau noch ein wenig Autobahn, Landstraße und schon waren wir nach insgesamt 15 Stunden Fahrt (mit ausgiebigen Pausen) angekommen. Zwar etwas müde, aber dennoch bestens gelaunt.

Am nächsten Tag ging es dann erstmal zum Einkaufen. Denn in Polen ist der Karfreitag kein arbeitsfreier Feiertag. Ausgerechnet im katholischen Polen wird Karfreitag gearbeitet. Für uns natürlich von Vorteil, denn so konnten wir uns bei einem großen Supermarkt mit leckeren Sachen eindecken, die es bei uns entweder nicht gibt oder teurer sind. Sorge bereitete uns nur der Platz im Auto, der schon auf der Hinfahrt ziemlich belegt war. Allerdings hatten wir in der Hektik am Donnerstagmorgen nicht gut gepackt, sondern nur schnell.

Abends stand noch ein Kirchenbesuch an. Für mich allerdings weniger, dennoch wollte ich mir anschauen, wie man den Karfreitag in Polen begeht. Ich schwanke so ein bisschen hin und her, ob die Kirche nun voll war oder nicht. Es waren auf jeden Fall viele Menschen vor Ort. Aber sie blieben alle draußen vor der Kirche, denn rund um das Gotteshaus war ein Kreuzweg, der in einer Prozession abgeschritten wurde.

Der Samstag stand dann ganz im Zeichen einer Stadtbesichtigung. Moni und ich kennen Krakau natürlich sehr gut und selbst ich habe ja viele Monate dort verbracht. Aber unsere drei Mitfahrer waren niemals in der Königsstadt und so kamen wir in den Genuss, Fremdenführer zu spielen. Frühmorgens auf dem Weg dorthin war die Autobahn aber noch schön leer und mit dem Einverständnis der anderen vier Insassen habe ich mal auf einem schnurgeraden Teilstück angestestet, wie schnell der Insignia denn fahren kann. Bei 202 km/h wurde es mir dann doch etwas zu schnell und ich habe das Tempo nur ein paar Sekunden gehalten. Ist nicht meine Geschwindigkeit. Und da war sogar noch Luft nach oben. Wollte ich aber dann doch nicht ausreizen, zumal in Polen nur 140 erlaubt sind. Aber zwischen 160 und 170 km/h konnte man sich in dem Wagen noch gut verständigen.

Nach der sicheren Ankunft klapperten wir die klassischen Sehenswürdigkeiten in Krakau ab. Da ich schon im Blog darüber berichtete, zähle ich hier nur den Marktplatz (Rynek) mit den Tuchhallen (Sukiennice), die Marienkirche, den Bahnhof, die Galeria Krakowska und das Wawelschloss an der Weichsel auf. Über den Krakauer Bahnhof hatte ich schon etwas im Reiseforum geschrieben.

Was ich am polnischen Osterfest besonders toll finde, ist der gesegnete Osterkorb. Jeder Pole (und Ausnahmen scheint es tatsächlich nicht zu geben), füllt sich einen kleinen Weidenkorb mit Brot, Salz, Wurst, Wasser, Eiern, Osterkuchen, Meerrettich und weiteren Speisen in kleiner Menge je nach Bedarf. Kinder haben in der Regel einen eigenen Korb mit einem Zuckerlamm und bunten Eiern (Pisanki). Damit geht man in die Kirche und lässt sie von den Priestern segnen. Am nächsten Tag frühstückt man diese gesegnten Speisen. An der Marienkirche konnten wir sehen, dass man dort die Osterkörbe vor dem Gotteshaus abstellt und auf den Priester zur Segnung wartet.

Bevor wir unseren Osterkorb am nächsten verspeisten, gingen wir jedoch noch in Krakau lecker essen. In einem rustikalen, traditionellen Restaurant bestellten wir uns eine große Platte mit zahlreichen Fleischvarianten, die man sich so vorstellen kann. Als Vorspeise gab es Brot und wer wollte, bestellte sich noch eine Pilzsuppe, die einem Brotteller serviert wurde. Sieht total drollig aus. Lecker ist es sowieso. Die Speiseplatte haben wir sogar mit fünf Personen nicht komplett geleert bekommen. Gratulation an die Küche.

Am Ostersonntag ging es dann mit dem Essen weiter. Unser gesegneter Osterkorb wurde in einem lange anhaltenden Frühstück verzehrt. Natürlich nicht nur der Inhalt des Korbes, denn der ist ja nur symbolisch. Aber damit begann das Frühstück. Nachmittags machten wir uns auf, ein wenig spazieren zu gehen und schauten uns zu Fuß in der Landschaft um. Zufälligerweise kamen wir dabei auch auf die Via Regia, dem polnischen Abschnitt des Jakobsweges, der nach über 3.300 Kilometern in Santiago de Compostela endet.

Der zweite Feiertag stand dann bei strahlendem Sonnenschein im Zeichen eines Ausflugs. Wir fuhren zur Anlage Süd, in der sich Hitler mit Mussolini traf und die zur damaligen Zeit auch als Führerhauptquartier bezeichnet wurde. Im Reiseforum schrieb ich ebenfalls etwas über die Anlage Süd. Auf dem Rückweg statteten wir noch einer Christusstatue einen Besuch ab und genossen an dem Punkt die Aussicht über die polnische Landschaft.

Außerdem ist der Ostermontag natürlich auch der Tag für Śmigus-dyngus – einem alten polnischen Brauch, bei dem man sich mit Wasser bespritzt. Heimlich, überraschend, schnell – und vor allen Dingen nass für denjenigen, der nicht dran denkt. Die höfliche Variante besteht aus ein paar Spritzern Wasser nach dem Händewaschen, wenn man sich nicht die Hände abgetrocknet hat. Die normale Variante ist Wasser aus Wasserpistolen, Wasserbomben und aus Eimern. In Vorbereitung auf diese Reise hatte ich sogar bei Youtube ein Video gesehen, bei dem die Feuerwehr auf dem Marktplatz in einem kleinen Ort mit zwei Einsatzwagen ihre Runden dreht und alles nass macht, was nicht schnell genug wegrennen kann. Lustige Sache.

Abends befassten wir uns dann leider schon wieder damit, den Wagen zu bepacken, damit wir am folgenden Tag gleich losfahren können. Nachdem in allen Ritzen und Ecken des Opels unsere Einkäufe und Sachen verstaut waren, genossen wir, wie schon am Vorabend, ein herrliches Lagerfeuer. Dieses Mal sogar ganz klassisch mit Gitarrenmusik. Es war einfach klasse.

Leider hieß es am Dienstagmorgen schon wieder Abschied nehmen. Nach ein paar kleineren Staus in Polen und bei Dresden kamen wir den Rest der Strecke gut voran und erreichten am späten Abend wieder das Ruhrgebiet. Wir leerten den Wagen, verabschiedeten uns und brachten den Opel wieder zurück zur Hertz-Station. Schön war’s.

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