Wandern entlang der Düssel – Rund um Erkrath

Rund um die Stadt Erkrath
Im Auf und Ab um die Stadt und dabei in die Ferne schauen

Pkw/Parken: Wanderparkplatz an der Metzkausener Straße, Erkrath
ÖPNV: Buslinie 743 ab Erkrath S-Bahnhof bis Haltestelle Zur Stindermühle
Rundweg: Ca. 12 Kilometer/4 Stunden
Streckenprofil: Mischung aus befestigten, landwirtschaftlichen Nutzwegen und wurzeligen Waldwegen, abschnittsweise auch auf schmalen Wanderpfaden und am Rande einer Straße entlang
Einkehr: Café Stindermühle, Stindertalweg, 40699 Erkrath (Mo-Fr geschl.); Café Schräglage, Mettmanner Straße 20, 40699 Erkrath, Tel. (02 11) 2 10 28 24; Bistro im Neanderbad, Hochdahler Straße 145, 40699 Erkrath, Tel. (0 21 04) 81 78 88
Am Wegesrand: Stindermühle und Stinderbachtal; Rittergut Morp; Düsseldorfer Rundweg

Ein feuchter Auwald in dem Erlen und Eschen empor wachsen und Frösche quakend unter hohem Schilf sitzen erwartet uns auf dieser Tour ebenso wie ein ehrwürdiges Rittergut. Im leichten Auf und Ab umrunden wir das kleine Städtchen Erkrath und genießen dabei die wunderbaren Ausblicke über Felder und Weiden, auf denen leuchtend gelbes Getreide auf die Ernte wartet. Fantastische Fernsichten bieten sich am Südrand der Stadt, wenn wir am Horizont plötzlich sogar den berühmtesten Dom Nordrhein-Westfalens erkennen.

Wanderer, die mit dem Bus anreisen, folgen ab der Haltestelle dem aufwärts führenden Sträßchen und der Ausschilderung zur Stindermühle. Hinter einer Linkskurve gehen wir durch einen Tunnel und unterqueren Gleisanlagen. Nach dem Tunnel wandern wir jedoch nicht zu weit, denn schon nach wenigen Metern verlassen wir die wenig befahrene Straße und benutzen einen schmalen Pfad nach links. Es geht zwar weiterhin bergauf, stellenweise sogar über vereinzelte Stufen, doch dafür genießen wir den Anblick kleiner Walnussbäumchen am Wegesrand und wenig später den ersten Ausblick auf Felder und Weiden. An einer Kreuzung erreichen uns die Wanderer, die mit dem Auto anreisten und geradewegs vom Wanderparkplatz kommen. Den Aufstieg gerade hinter uns gebracht, geht es auch schon wieder bergab, weiter in Richtung Stindermühle. Weizen- und Roggenähren vollführen einen Tanz mit dem Wind, während uns nach einer Linkskurve Kühe auf einer Weide begrüßen und wir nur noch wenige Meter bis zur Stindermühle, dem Tor zum Stinderbachtal, hinab wandern.

Ausflügler sitzen auf der Terrasse der Stindermühle und schauen bei einem leckeren Essen dabei zu, wie Enten auf dem Wasser eines kleinen Weihers landen. Idyllisch wie dieses Bild ist auch die Stindermühle gelegen. Bereits zu Beginn des 18. Jahrhunderts drehte sich hier ein Mühlenrad, welches einen Durchmesser von viereinhalb Metern hatte und bis 1928 vom Stinderbach angetrieben wurde. Dieser entspringt zwischen Mettmann und der Autobahn 3 und mündet bald in den Hubbelrather Bach, der wiederum auf die Düssel trifft. Zuvor jedoch durchquert das Flüsschen einen herrlichen Auwald, in dem sich Pappeln und Erlen erheben und Röhrichte einen wunderbaren Lebensraum für Kröten, Molche und Frösche bieten. Mit etwas Glück kann man bei einer Wanderung durch diesen Auwald auch dem seltenen, aber farbenprächtigen Eisvogel begegnen.

Nach einer erholsamen Pause und einer leckeren Erfrischung auf der Terrasse des Cafe Stindermühle setzen wir unseren Weg fort und lassen den kleinen Weiher an der Mühle hinter uns. An einer Gabelung halten wir uns links und folgen dem leicht bergauf führenden Weg unter wenigen Bäumen und einer Streuobstwiese vorbei. Zu unserer Linken erstreckt sich eine Wiese und bei genauerem Hinschauen sehen wir, dass es sich um die Auen des Stinderbaches handelt. Informationstafeln am Wegesrand erläutern uns den hiesigen Erlenbruchwald und stellen uns die Bewohner eines Biotops vor. Leise schlängelt sich der Stinderbach durch das naturbelassene Bett und verschwindet wieder im Unterholz, um später in den Hubbelrather Bach und damit in die Düssel zu münden.

Das Zwitschern der Vögel, die über unseren Köpfen in den Bäumen hocken, wird kurzzeitig unterbrochen, weil wir durch einen Tunnel hinweg die Autobahn 3 unterqueren. Doch schon am Ende des Durchgangs stehen wir wieder in der Natur, wandern geradeaus und vernehmen die Autobahn nur noch als fernes Rauschen. Hinter einer fast mannshohen Hecke zu unserer Rechten sehen wir die schimmernde Wasseroberfläche einiger Fischteiche, während wir auf unserer linken Seite von neugierigen Pferden wiehernd begrüßt werden. Kurz darauf stellt sich die uns schon bekannte Bahnlinie in den Weg. Ohne die Unterführung zu benutzen, wenden wir uns vor dem Bahndamm nach rechts und überqueren ein letztes Mal den Stinderbach, der sich von rechts annähert. Unser Asphaltweg mündet in einen schmalen Pfad, der uns zu einer Straße hinauf führt. An dieser biegen wir links ab und überqueren nun die Bahngleise. Für kurze Zeit wandern wir neben der Landstraße entlang, passieren dabei das Ortseingangsschild von Erkrath, doch die Schwerkraft nimmt uns auf dem bergab führenden Weg ein wenig die Arbeit ab. Am Ende der Straße biegen wir rechts in die Düsseldorfer Straße ab, überqueren diese und haben nach wenigen Minuten schon das Erkrather Ortsausgangsschild erreicht. Gleich dahinter erhebt sich hinter kleinen Bäumen das Rittergut Morp.

Das Rittergut Morp war eine ehemalige Wasserburg, welche Mitte des 12. Jahrhunderts zum ersten Mal namentlich erwähnt wurde. Zahlreiche Stifte, Grafen und Ritter hatten das Gebäudeensemble mit seinem wunderbaren Garten in ihrem Besitz. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts gehörte das Rittergut den Grafen von Hatzfeld, die bereits das Schloss Kalkum besaßen und damit zu den reichsten Grundbesitzern der Region wurden. Zum Gut gehörten damals über 100 Hektar Land. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente es als Bauernhof, bis es vom jetzigen Besitzer aufgekauft und restauriert wurde. Heute können in den verschiedenen Flügeln oder im Herrenhaus Räume zu privaten oder geschäftlichen Zwecken angemietet werden.

An dem Rittergut Morp biegen wir links ab und wandern auf dem asphaltierten Weg zwischen den Feldern. Bei dieser Tour umrunden wir bekanntermaßen die Ortschaft Erkrath. Die Düssel durchfließt den Ort jedoch von Ost nach West. Dies bedeutet, dass wir der Düssel nur zwei Mal begegnen. Warum das jetzt erwähnt wird? Nun, schauen Sie mal nach rechts. Hier sehen wir die Düssel zum ersten Mal. Der rund drei bis vier Meter breite Bach fließt träge durch sein Bett und mäandert durch die Felder rechts und links unseres Wegs.

Die Felder und Wiesen, die nicht von der Düssel beansprucht werden, dienen Kaninchen zu sportlichen Höchstleistungen, wenn sie furchterschrocken vor uns fliehen. An einer T-Kreuzung (BP mit Route 8), wenden wir uns nach rechts, folgen dem Wegverlauf und biegen auch vor einem Kaminholzverkauf rechts ab. Auf einer Brücke genießen wir die Aussicht in das gar nicht so ferne Düsseldorf, erkennen dort den Fernsehturm und gehen auf der anderen Seite der Bahngleise den Weg hinab. Hinter dem Geländer biegen wir nach rechts ab, wandern ein kurzes Stück neben den Gleisen entlang und entscheiden uns an einer Gabelung für den Waldweg, der nach rechts führt. Ahornbäumchen, Buchen und Birken säumen unseren Weg, der leicht bergan verläuft und sogar kurzzeitig zu einem schmalen Grat wird, da es rechts und links steil bergab geht. Gleichzeitig erkennen wir, dass wir uns auf einem Wanderweg befinden, der mit einem D markiert ist. Er steht für den Düsseldorfer Weg.

Auf dem Düsseldorfer Rundweg die Grenzen der Landeshauptstadt kennen lernen, das wird ermöglich, wenn man dem mit einem D beschilderten Wanderweg folgt. Rund 51 Kilometer des Wegs sind markiert und verlaufen an der westlichen Stadtgrenze. Der Weg beginnt an den Rheinterrassen, verläuft über das historische Kaiserswerth und Rath bis in das hügelige Gerresheim, trifft auf Erkrath, den Unterbacher See und auf das herrliche Schloss Benrath, bevor man wieder am Rhein auskommt und dort am Ufer entlang wieder zu den Rheinterrassen gelangen kann. Eingerichtet wurde der Weg vom Sauerländischen Gebirgsverein, der bereits weitere Stadtumrundungen initiiert hat.

Wir bleiben geradeaus und wandern auf dem schmalen Pfad durch den dunklen Wald. Dichtes Blätterwerk über unseren Köpfen schützt uns vor der Sonne bis wir an einer Sitzbank den Waldrand erreichen. Auf einem Feldweg wandern wir an sanften Kuppen vorbei, auf denen Pferde weiden und uns mit einem lauten Wiehern begrüßen. Geradeaus wandern wir an einem kleinen Wäldchen entlang bis zu einer Kreuzung, wo wir an einem überdachten Picknickplatz ein kleines Päuschen einlegen. Nach links wendend gehen wir nun leicht abwärts auf einem asphaltierten Weg zwischen Feldern entlang und beobachten die bunten Schmetterlinge, die fröhlich um uns herum flattern. Ein Gedenkstein an den ermordeten Jäger Werner Senger lässt uns für einen Moment innehalten bevor wir im leichten Auf und Ab nicht nur an Feldern, sondern auch an Haselnussbäumen vorbeischreiten. Mit dem Überqueren einer Landstraße und dem Passieren eines Friedhofs wandern wir am südlichen Ortsrand von Erkrath entlang Dabei beneiden wir ein wenig die Anwohner, die einen herrlichen Südblick von ihren Balkonen haben. Denn wenn wir genau hinschauen, sehen wir am Horizont nicht nur den markanten und in der Region bekannten Leverkusener Wasserturm, sondern auch den Kölner Fernsehturm und etwas links davon den Kölner Dom. Wer sich nun fragt, wie weit dieser von unserem Standort entfernt sein mag: Es sind exakt 30,35 Kilometer Luftlinie bis zum nördlichen der beiden Kirchturmspitzen.

Soweit wandern wir heute nicht mehr, sondern spazieren weiterhin an den Wohnhäusern vorbei, durch eine Linkskurve und biegen an einer Landstraße rechts ab. Am Ortsausgangsschild von Erkrath vorbei, schauen wir den rasant fahrenden Autos hinterher, die unter unseren Füßen auf der Autobahn 3 unterwegs sind. Weniger rasant sind die Weinbergschnecken, welche sich den gepflasterten Weg neben der Landstraße mit uns und einigen neugierigen Blaumeisen teilen bis wir eine weitere Brücke überqueren. Dieses Mal passieren wir die Bahnstrecke, die wir bereits zuvor von oben betrachten konnten. An einem Erdbeerstand decken wir uns mit saftigen Früchten ein und haben zu unserer Linken das Neanderbad. Eine 75 Meter lange Wasserrutsche, ein Außenbecken und ein Solebad laden zu einem kühlenden Badegenuss ein, doch wir biegen hinter dem Freizeitzentrum links ab und gleich an der ersten Möglichkeit rechts.

Eine Hinweistafel informiert über die hiesige Heckenlandschaft, durch die wir wandern und in der wir an einer Gabelung rechts abbiegen. Haselnüsse, Buchen und Eschen erstrahlen im herrlichsten Grün und strecken schützend ihre Äste über unseren Kopf aus. Leicht bergab wandern wir durch eine Serpentine und gelangen so hinab in das Neandertal (BP mit Route 8). An einer Gabelung gehen wir halbrechts, wandern auf ein Werksgelände zu und gelangen auf diesem zur Landstraße, die durch das Neandertal führt. Wenn wir am Parkplatz des Geländes nicht aufpassen, verpassen wir den zweiten Kontakt zur Düssel, die an dieser Stelle nämlich ein wenig im Unterholz versteckt unseren Weg kreuzt. An der Landstraße wenden wir uns nach links, begleiten das Flüsschen für ein kurzes Stück und genießen im beliebten Motorradtreff Schräglage ein kühlende Erfrischung, bevor wir die letzten Meter zu unserem Ausgangspunkt, der Bushaltestelle,  wandern. Autofahrer folgen der Beschreibung zu Beginn des Textes, um zum Wanderparkplatz zurück zu gelangen.

Michael Moll

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.

Ich bin Autor von mehr als 100 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.

Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.


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