Röllchen bei Tambach-Dietharz

Eine Klamm zu besichtigen ist immer etwas ganz Besonderes. Die engen Schluchten sind oft feucht, schmal und dunkel. Und doch fühlt man sich hingezogen zu diesen sehenswerten Naturphänomenen. Daher sind viele Klammen mit Holzstegen begehbar gemacht worden, manche von ihnen kosten sogar Eintritt. Die berühmtesten und auch größten Schluchten dieser Art in Deutschland befinden sich in den Alpen und tragen in der Regel die Namen der Wildbäche, die diese Schluchten geschaffen haben, wie zum Beispiel die Breitnachklamm bei Oberstdorf oder die berühmte Partnachklamm bei Garmisch-Partenkirchen.

Aber auch der Thüringer Wald beherbergt eine Klamm. Nur muss man für diese eine ganze Menge Zeit mitbringen. Zum einen, weil sie sich tief im Wald verbirgt und sich nur im Rahmen einer längeren Wanderung erreichen lässt. Und zum anderen, weil sie noch in der Entstehung ist. Das heißt, es werden noch ein paar hunderttausend Jahre vergehen, bis diese Thüringer Klamm mit den Alpenschluchten mithalten kann. Vielleicht trägt sie auch daher nur den niedlich klingenden Namen Röllchen.

Die Entstehung einer Klamm

Das Röllchen befindet sich am südlichen Ende der Schmalwassertalsperre bei Tambach-Dietharz. Dort fließt das Wasser eines kleinen Baches plätschernd durch den Wald und bahnt sich langsam seinen Weg in den Untergrund. Neben dem kleinen Gewässer verläuft für Wanderer ein Wurzelpfad, und stellenweise erheben sich einige Felsen in die Höhe. Auch mit der ständigen Feuchtigkeit auf dem Weg hat die Klamm schon den ersten Schritt zur richtigen Schlucht gewagt.

Nur schmal und dunkel ist es am Röllchen noch nicht, sondern eher gemütlich mit einem Picknickplatz am oberen Ende der zukünftigen Schlucht. Bis es so weit ist, kann man sich aber, nur wenige Gehminuten entfernt, mit dem Falkenstein beschäftigen. Dieser Porphyrfelsen ist mit seinen 96 Metern der höchste freistehende Felsen im Thüringer Wald und erfreut sich besonders bei Kletterern großer Beliebtheit.

Michael Moll

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.

Ich bin Autor von mehr als 130 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.

Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.


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