Ostern stand vor der Tür. Genug Zeit, um dieses Mal ein wenig weiter weg zu fahren und Orte zu besichtigen, über die ich zu einem späteren Zeitpunkt eine Reportage erstellen werde. Die Anfahrt mit dem Wohnmobil war dieses Mal daher etwas länger und zwang uns zu einem Zwischenstopp.

Ausgewählt hatten wir hierfür die kleine Ortschaft Burgk in Thüringen. Sie war uns bis dahin tatsächlich gänzlich unbekannt und fiel in unsere engere Auswahl, weil der dortige Wohnmobilstellplatz viel Ruhe versprach. Gleich nebenan erhebt sich zudem ein hoher Aussichtsturm und fußläufig befindet sich ein Schloss. Genug Grund also, um nach langer Anreise noch einige Informationen einzuholen und sich ausgiebig die Beine vertreten zu können.

Die Fahrt verließ absolut ereignislos, was ja eigentlich immer ein gutes Zeichen ist. Gegen Ende der Fahrt durchquerten wir Schleitz und spürten, dass dieses Burgk – heute ein Ortsteil von Schleitz – wirklich sehr abgelegen ist. Das kam uns entgegen. Genauso wie zahlreiche Pkw mit Tagesausflüglern, die an diesem Tag das Schloss besichtigten und nun auf dem Weg nach Hause waren. So hatten wir also den größten Trubel zum Glück verpasst und konnten uns wohl auf einen halbwegs ruhigen Abend einstellen.
Besichtigung von Schloss Burgk in Thüringen
Schon während der Anfahrt konnten wir durch die wenig grüne Flora das Schloss erkennen, während sich zu unserer Rechten der Aussichtsturm erhob. Gleich dahinter der Parkplatz, über den wir zum kleinen Wohnmobilstellplatz gelangten. Dort freute sich ein älterer Herr und gab uns Zeichen, drauf zu fahren.




Wir stoppten kurz und fragten, ob er der Betreiber sei. Er verneinte mit den Worten, er sei der Ortsteilbürgermeister und witzelte, dass er den ganzen Tag auf Gäste wartete. Und jetzt, wo jemand gekommen sei, könne er ja gehen. Ein nettes Gespräch später rollten wir auf den Stellplatz. Zwei Wohnmobile standen dort bereits und wir hatten richtig gute Laune. Mussten wir doch ein wenig schmunzeln, weil uns der Ortsteilbürgermeister höchstpersönlich begrüßte und wir einst den ehemaligen Bürgermeister von Nordkirchen als Mitarbeiter auf unserem eigenen Wohnmobilstellplatz als Angestellten beschäftigten.

Weil wir Bewegung wollten und noch das Abendlicht einfangen wollten, zogen wir nach dem Bezahlen sofort los und besichtigten Schloss Burgk. Oberhalb der Saale gelegen, machte es einen gelungenen Eindruck und wir wandelten durch Türme und auf Mauerwerk sowie zu einem Pavillon im nahegelegenen Park. Von dort spazierten wir den steilen Weg hinab zum Saaleufer, weil wir auch die dortige überdachte Fußgängerbrücke genauer in Augenschein nehmen wollten.
Übernachtung auf dem Wohnmobilstellplatz Burgk
Es war ein herrlich angenehmer Abend mit den ersten Eindrücken. Zurück am Wohnmobil ließen wir noch die Drohne für ein paar Luftaufnahmen steigen und machten uns dann endlich etwas zu essen. Es war ja nun auch schon spät genug. Im Laufe des Abends kamen noch insgesamt fünf weitere Wohnmobile an, doch es blieb ruhig. Bei zwei der Fahrzeuge waren wir uns ziemlich sicher, dass die Bezahlung am Parkscheinautomaten von den Insassen „vergessen“ wurde.



Eine Bezahlung per App war hier nämlich nicht möglich und von den Passagieren verließ niemand die Fahrzeuge. Interessant dabei die Bandbreite der Fahrzeuge. Das eine Wohnmobil war ziemlich heruntergerockt und hatte die besten Jahre definitiv hinter sich. Hier wurde außerdem „vergessen“, den Abwasserhahn zu schließen und so lief das Wasser beim Spülen geradewegs auf den Boden. Will man da etwas sagen, wenn der Besitzer schon leicht „seltsam“ wirkt? Die einzige Begleitung, die ausstieg, war ein kleiner Junge, der über die Leiter auf das Dach kletterte und dort einen Mini-Basketballkorb befestigte. Anschließend warf er eine etwas kleinere Ausgabe eines Basketballs in den Korb. Zumindest versuchte er das. Er traf immer mit voller Wucht die Seitenwand des Wohnmobils.

Da wunderten wir uns nicht mehr über die Optik des Wagens. Interessanterweise dauerte dieses Schauspiel aber gerade einmal vier Minuten. Das Kind kletterte wieder auf das Fahrzeugdach und schon war es um seine Basketballkarriere geschehen. Das andere Wohnmobil präsentierte sich genau gegenteilig. Ein dreiachsiges Fahrzeug der hochpreisigen Marke Kon-Tiki mit britischem Kennzeichen parkte genau vor dem abgerockten Teil. Hier stieg niemand aus. Ganz im Gegenteil. Wir wurden ungewollt Zeuge, wie der Fahrer einparkte und beide Fahrzeuginsassen von den Vordersitzen nach hinten kletterten und als Erstes der Fernseher an der Wand in Position gebracht wurde.
Auf dem Weg zum Erika Fuchs-Museum
Die Schüssel auf dem Dach fuhr gleichzeitig hoch und das war’s. Wohlgemerkt: Zwischen Einparken, Licht aus und Fernseher an, lagen keine 20 Sekunden. Wir meinen, es darf jeder so machen wie er es möchte. Aber will man nicht wissen, wo man eigentlich steht? Wie das Umfeld aussieht? Wo bezahlt wird? Will man sich nicht ein wenig die Beine vertreten? Vielleicht den Aussichtsturm besteigen? Zum Schloss gehen? Da hatte ja sogar das Kind mit seinem vierminütigen Ausflug in die Welt des Basketballs mehr Bewegung.


Aber die andere Sache ist: Es geht uns nichts an. Aber es fällt uns eben auf. Und dann macht man sich auch so seine Gedanken. Am nächsten Morgen klemmten wir unser Stromkabel ab und machten uns auf den Weg zu unserem ersten Ziel – nach Schwarzenbach an der Saale. Nach vielen Jahren wollten wir endlich mal wieder das Erika-Fuchs-Museum besuchen. Wir kannten es zwar schon, aber wir hofften auf ein paar neue Souvenirs aus dem Museumsshop sowie auf eine Auffrischung unserer Erinnerungen an unseren ersten Besuch.

So war es denn auch und wir hatten Spaß an dem Besuch, den wir mit einem Foto vom Stadtgründer Entenhausens, Emil Erpel, krönten. Doch kurz vor dem Besuch hatten wir ein seltsames Erlebnis mit unserem Wohnmobil. Wir wollten nahe des kleinen Wohnmobilstellplatzes in Schwarzenbach an der Saale parken. Der einzige Platz, auf dem nämlich ein Wohnmobil passen würde, war schon blockiert. Also nahmen wir den angrenzenden Parkplatz und rangierten hin und her.
Panne mit dem Wohnmobil?
Dabei hörten wir beim Einschlagen des Lenkrads seltsame Geräusche. Es „klickerte“ ganz merkwürdig. Ein Tack-tack-tack ertönte von den Reifen, wenn ich das Lenkrad ganz einschlug und langsam, wirklich sehr langsam und nur wenige Zentimeter nach vorne rollte. Beim Geradeausrollen oder nur leichtem Einschlag des Lenkrads war nichts zu hören. Das besorgte uns, da wir vor vielen Jahren mit einem früheren Wohnmobil mal einen Schaden am Lenkgetriebe hatten. Damals waren wir mit dem Wohnmobil in der Schweiz unterwegs und mussten in den Spitzkehren der Alpenpässe ebenfalls das Lenkrad ganz einschlagen.

Aber jetzt haben wir ein Fahrzeug, dass gerade einmal eineinhalb Jahre alt ist und nur 24.000 Kilometer auf der Uhr hat. Dennoch – oder gerade deswegen – wunderten wir uns machten uns Gedanken. Es war Samstagvormittag und wir prüften auf die Schnelle, ob irgendwo eine Fiat-Werkstatt sei. Tatsächlich, in Hof. Die hätten noch eineinhalb Stunden geöffnet. Das Erika-Fuchs-Museum musste also kurz noch warten und ob unser weiterer Reiseplan noch aufgehen würde, war in diesem Moment unklar.

Eine Viertelstunde später standen wir an dem Autohaus, wo lediglich ein Verkäufer anwesend war. Absolut freundlich teilte er uns mit, dass die Werkstatt wegen des Osterwochenendes zu hätte. So freundlich wie er war, war er auch hilfsbereit. Er überlegte und googelte für uns, welche Werkstatt – auch von anderen Herstellern – geöffnet haben könnte. Ein toller Service, aber es führte zu keinem Erfolg. So kamen wir darauf zu sprechen, dass der Untergrund des Parkplatzes aus Kopfsteinpflaster bestand, was ein Grund für dieses seltsame Tack-tack-tack sein könne.
Unterwegs zwischen Hof, Oberkotzau und Schwarzenbach an der Saale
Wir fragten ihn, ob er als Ortskundige eine größere Asphaltfläche kennen würde, auf der wir in Ruhe die gleichen Runden drehen könnten, um festzustellen, ob es am Wagen oder am Boden lag. Mit einem Schmunzeln gab er uns einen Tipp. Dort, wo er uns hinschickte, würden die jungen Leute wohl ihre illegalen Runden drehen, um sich für den Führerschein vorzubereiten. Das klang ideal für uns, um unserem siebeneinhalb Meter langen Gefährt ein paar enge Kurvenfahrten zu ermöglichen.

Gesagt getan und dabei festgestellt, dass keine Geräusche zu hören. Kein Knack, kein Tack-tack-tack. Einfach nichts. War es also doch dieses seltsame Kopfsteinpflaster? Wir fanden das seltsam, weil es sehr rhythmisch war, aber offenbar lag es wohl daran. Gut so. Ganz beruhigt waren wir zwar noch nicht, aber im Laufe der weiteren Reise war tatsächlich nichts mehr zu hören. Wir schoben das einfach mal auf die Scherkräfte beim Einschlagen des Lenkrads und der damit ausgeübten Kraft auf die Steine im Boden. Zumindest hörte sich diese selbst ausgedachte Theorie logisch an. Für uns.


Natürlich parkten wir für den Museumsbesuch nun an anderer Stelle, aber nachdem wir bei Donald, Carl Barks und Erika Fuchs waren, konnten wir unsere Reise fortsetzen. Und zwar sollte es noch nach Tschechien gehen, dem eigentlichen Ziel der Tour. Kurz hinter der Grenze stoppten wir in Cheb, um ein paar Einkäufe zu erledigen. Da noch zwei Feiertage vor uns lagen, deckten wir uns vor allen Dingen mit vielen Leckereien aus der Backstube ein. Außerdem nutzten wir natürlich die Chance, den Dieseltank aufzufüllen. Der Krieg in Iran ließ die Preise weltweit deutlich nach oben schnellen und so wollten wir wenigstens für einen kleinen Ausgleich sorgen.
Tanken in Tschechien
Umgerechnet 2,04 Euro zahlten wir für den Liter Diesel. Immer noch sehr viel, aber an diesem Tag immerhin 30 Cent weniger als auf deutscher Seite. mit vollen Vorräten und einem vollen Tank ging es dann zum Campingplatz Amerika bei Františkovy Lázně, auf Deutsch auch Franzensbad genannt. Eigentlich waren wir uns gar nicht mehr sicher, ob wir noch bleiben wollten. Denn es herrschte dicke, graue Bewölkung und das Landschaftsbild war von einem trostlosen Braun bestimmt. Während bei uns im Münsterland tags zuvor schon sehr viel Grün herrschte und der Frühling sich von seiner schönsten Seite zeigte, waren hier in Tschechien noch nicht einmal die Knospen an den Bäumen und Sträuchern zu sehen. Die Natur lag offenbar drei Wochen zurück.

Gefallen wollte uns das nicht so recht, aber was hätten wir machen sollen? Wir hofften einfach darauf, dass durch diesen Umstand der Campingplatz noch nicht so gut besucht sei und wir dadurch viel Ruhe hätten. Tja, diese Hoffnung war aber vergebens. Schon bei der Anfahrt sahen wir, dass der Platz sehr gut gefüllt war. Es überraschte uns ein wenig. Der Platz öffnete zur Saison nämlich gerade einmal vier Tage zuvor und die Landschaft war eben noch lange nicht im Frühlingsmodus.

Wir parkten vor dem Campingplatz, gingen zur Rezeption und fragten, ob wir noch einen Platz bekommen könnten. Das wurde bejaht und wir wurden direkt zur Kasse gebeten. Gerne hätten wir uns den Platz vorher noch angeschaut. Man will ja wissen, wo man übernachten wird. Aber irgendwie war das hier nicht möglich. Also zahlten wir und es wurde uns das Tor geöffnet. Erst dann konnten wir auf den Platz und waren nach einer Runde ein wenig „entsetzt“. Gut, entsetzt ist nicht das richtige Wort. Aber es war eben nicht das, was wir uns vorstellten und was wir uns wünschten.
Gruppentreffen auf Campingplätzen führen immer zu Unruhe
Nach Ruhe sah das nämlich nicht aus. Vielmehr wirkte es auf uns, als gäbe es verschiedene Wohnmobiltreffen. Da gab es eine Gruppe VW-Busfahrer auf der einen Seite und mehrere andere Wohnmobilisten auf der anderen Seite, die ebenfalls deutlich sichtbar zusammengehörten. Uns taten ein wenig die zwei, drei tschechischen Camper leid, die inmitten von Dutzenden deutschen Wohnmobilen und Wohnwagen standen. Umgeben von Vorzelten, die so aussahen, als würden die Abende darin sehr lang und laut werden.

Das optische Highlight war das deutsche Wohnmobil der Luxusklasse namens Morelo, unter dem einige Kisten Bier geparkt wurden. Alles in mir wünschte sich, lieber wieder wegzufahren. Burgk hatte einen wunderschönen, ruhigen Stellplatz. Hinzu kam, dass die meisten Flächen ziemlich schief und schräg waren. Aber die nahmen wir zum Anlass, zurück zur Rezeption zu gehen, um nach einem Storno zu fragen. Wir sagten einfach, dass wir keine Parzelle gefunden hätten, die gerade war. Hatten wir auch in der Tat nicht. Aber der eigentliche Grund war, dass wir nicht auf einem Party-Campingplatz verweilen wollten.

Doch einen Storno würde der Chef nicht erlauben, so die Aussage an der Rezeption. Nun, ich dachte mir meinen Teil. Auch bei uns auf dem Wohnmobilstellplatz hatten wir schon Gäste, die kurz nach der Ankunft wieder abreisen mussten. Wasserpumpe defekt, kein Fernsehempfang auf der Parzelle oder sonst irgendwas. Meine Güte, da gibt man dann das Geld wieder raus und das war’s. Aber hier würde das wohl nicht funktionieren. Darauf mussten wir es aber gar nicht ankommen lassen. Denn eine andere Mitarbeiterin kam gerade dazu und fragte überrascht, was denn mit Parzelle 10 sei? Die ist doch eben und leer.
Spaziergang durch Františkovy Lázně
Gut, Parzelle 10 konnten wir in der Tat nicht sehen. Denn wir sind ja einmal auf der Ringstraße um alle Parzellen gefahren und Parzelle 10 befindet sich mittendrin. Wirklich mittendrin. Exakt in der Mitte des Campingplatzes. Hier wären wir wirklich von allen anderen umgeben gewesen. Aber sie war in der Tat deutlich ebener als andere Parzellen. Etwas widerwillig sagten wir zu, bleiben zu wollen. Immerhin wollten wir uns ja noch die Stadt anschauen und gerade deshalb waren wir ja hier. Es wäre schon schade gewesen, wieder weg zu fahren. Wie schade, das sahen wir gut eine Stunde später, als wir durch Františkovy Lázně spazierten.

Das Stadtzentrum ist nur gut 20 Minuten Fußweg vom Campingplatz entfernt und begeisterte uns sofort. Nicht nur durch die charmante Optik, sondern auch wegen der vielen Quellen. Wir kamen gerade noch rechtzeitig, um an ein paar der Quellen, die sich im gesamten Stadtgebiet befinden, zu probieren. Für uns stand schnell fest, dass wir am nächsten Morgen noch einmal in das Kurzentrum gehen würden und wir dann unsere Tassen mitbringen würden, um an den einzelnen Quellen eine kleine Trinkkur einzulegen.




Außerdem wollten wir noch die viele Auswahl an Oblaten, die so typisch sind für diese Region, ausprobieren. Schon an diesem Abend kauften wir zahlreiche Oblaten-Päcken in ihren verschiedenen Geschmacksrichtungen. Und was wir gar nicht wussten: Diese Oblaten kann man auch warm essen, frisch aufgebacken. Das ließen wir uns natürlich auch nicht entgehen. In einer Hand also eine warme Oblate, in der anderen eine Tragetasche mit vielen weiteren Oblaten-Päckchen schlenderten wir also durch Františkovy Lázně.
Františkovy Lázně gefiel uns gut
Nachdem wir uns ausgiebig umschauten und sogar den kleinen, aber sehr gepflegten Bahnhof inspizierten, wagten wir uns an den Rückweg. Auf dem Campingplatz angekommen, war es dann so, wie wir es erwarteten: Aus allen Richtungen ein lautes Gemurmel von diversen Grüppchen, beinahe so als wären wir auf einem Marktplatz. Und die VW-Bus-Gruppe, die keine zehn Meter von uns entfernt stand, untermalte ihre Gespräche mit entsprechender Musik. Nicht laut, aber eben auch nicht so leise, dass nur sie es hören würden.

Doch man muss ihnen zugute halten, dass sie kurz nach 22 Uhr die Musik komplett abdrehten und danach wirklich sehr leise sprachen. Selbst diese Gespräche, die kaum störten, waren noch nach angemessener Zeit komplett verstummt. Hier muss man ganz klar sagen, dass diese Treffen sehr respektvoll den anderen Gästen gegenüber abliefen. Wir hatten in der Vergangenheit schon ganz andere Dinge erlebt. Und in der Nacht war es dann tatsächlich sehr still. Nur am nächsten Morgen wurde es schnell wieder rummelig und der ein oder andere Gast meinte wohl, recht früh recht laut sein zu müssen. Aber gut, wir wollten eh früh raus und noch einmal durch Františkovy Lázně spazieren.




Das Wetter spielte auch viel besser mit als am Vorabend und so besuchten wir nun auch noch weitere Trinkquellen, die wir tags zuvor noch nicht angesteuert hatten. Wir fühlten uns wohl und bekamen Lust, jetzt erst recht eine Bädertour machen zu wollen. In der näheren Region gibt es mit Mariánské Lázně (Marienbad) und Karlovy Vary (Karlsbad) zwei weitere bedeutende Kurorte. Doch dafür reichte natürlich die Zeit nicht. Sie standen auch noch nicht auf unserem Programm für diese Tour.
Touristisches Hinweisschild mit Donald Duck an der Autobahn
Wir mussten vielmehr an die Rückfahrt denken und gingen gegen Mittag wieder zum Campingplatz zurück. Ganz traurig waren wir aber nicht, als wir ins Wohnmobil stiegen und den Campingplatz verließen. Aber wir wussten, dass wir hier in der Ecke nur wenige andere Möglichkeit für eine Übernachtung gehabt hätten. Schon nach wenigen Kilometern überquerten wir wieder die Grenze zu Deutschland und steuerten den Camper auf die Autobahn 93. Wie schon am Vortag, wollten wir eines der braunen touristischen Hinweisschilder mit Donald Duck fotografieren. Wir wussten von zwei dieser Schilder entlang der A9 sowie von einem Schild an der A93.

Die Schilder am Vortag machten wir jedoch bei usseligem Wetter, während wir bei der kurzen Fahrt über die A93 nun wirklich einen tollen Himmel hatten und endlich auch mal dieses Motiv festhalten konnten. Anschließend fuhren wir nach Oberkotzau. Zwar kamen wir am Tag zuvor auch schon durch Oberkotzau. Doch da hatten wir zwischen Schwarzenbach an der Saale und Hof andere Gedanken, die sich um unser Lenkgetriebe drehten. Das nahm uns ein wenig die Muße und auch die Zeit, uns den dortigen Fernweh-Park anzuschauen.

Das wollten wir nun nachholen. Und nachholen meine ich dabei im wörtlichen Sinne. Denn nur wenige Schritte vom Fernweh-Park entfernt befindet sich der Wohnmobilstellplatz Oberkotzau. Auf diesem hatten wir damals, bei unserem ersten Besuch im Erika-Fuchs-Museum, übernachtet – aber den Fernweh-Park gar nicht wahrgenommen. Wir erfuhren erst später davon. Nun war es also an der Zeit, ihn zu besichtigen.
Schilderwald im Fernweh-Park in Oberkotzau
Der Fernweh-Park ist ein Schilderwald in einer Grünanlage und als Kunstinstallation zu verstehen. Zahlreiche Schilder aus Nah und Fern erinnern an berühmte und weniger berühmte Orte. Wir kennen so etwas schon vom Watson Lake Sign Forest am Alaska Highway, wo wir sogar unsere eigenen Schilder angebracht haben. Doch das wäre hier am Fernweh-Park nicht möglich. Da kann man keine eigenen Schilder anschrauben. Im Gegenteil, dieser hiesige Schilderwald wirkte auf mich sehr „deutsch“. Die Pfähle, an denen die Schilder angebracht sind, stehen in Reih und Glied und sind darüber hinaus durchnummeriert. Ein eher wildes Wachsen wie in Watson Lake in Kanada ist daher sowieso ausgeschlossen.

Außerdem ist der Fernweh-Park in verschiedene Bereiche unterteilt. Da gibt es also die klassischen Straßenschilder, die wirklich Fernweh aufkommen lassen, aber es gibt auch den Bereich mit Schildern, die einfach nur an vermeintlich humorvolle Ortsnamen erinnern. Auch Ortsnamen, die man eher im Ü18-Bereich verorten würde, hatten ihren eigenen Abschnitt. Und gar nichts anfangen konnte ich mit dem Bereich, in dem es gar nicht um Ortsschilder ging, sondern um Schauspieler und Musiker. Neben einigen internationalen Berühmtheiten gibt es eine Reihe Pfähle, an denen deutsche Sänger und Sonstige vorgestellt wurden. Den Sinn dahinter hatte ich bei einem „Fernweh-Park“ nicht so ganz verstanden.


Der Fernweh-Park ist also ganz nett, aber kann bei einem Vergleich mit dem Watson Lake Sign Forest nicht mithalten. So waren wir dann auch schon nach einigen Minuten und ein paar Bildern wieder verschwunden. Schade eigentlich, denn die Idee dahinter gefällt mir gut. Nach dem Besuch in Oberkotzau ging unsere Reise nun weiter und wir stoppten erst wieder erneut in Thüringen. Dieses Mal brachten wir das Wohnmobil in Bad Salzungen zum Stehen.
Inhalation im Gradierwerk von Bad Salzungen
Den dortigen Stellplatz kennen wir schon, auch wenn der letzte Aufenthalt schon acht Jahre zurück lag. Zu unserer großen Freude gab es noch jede Menge freie Stellflächen, so dass wir auswählen konnten und einen freien Stellplatz sogar ganz ohne Nachbarn erwischten. Den Unterschied zum Campingplatz in Tschechien am Vorabend spürten wir sofort. Es war deutlich ruhiger, eine andere Klientel und irgendwie entspannter.


Wie üblich zogen wir aber nach der Ankunft dennoch sofort wieder los. Wir wollten zum Inhalieren ins Gradierwerk. Nach den Trinkkuren am Vorabend und am Morgen in Franzensbad, käme uns eine gesunde salzhaltige Atemkur genau richtig. Wir bezahlten den Eintritt und spazierten von der Westwand zur Ostwand des Gradierwerks und umgekehrt. Als Highlight empfanden wir aber die Räumlichkeiten, in denen man vor salzhaltiger Luft kaum noch etwas sieht. Auch das Einatmen fällt einem dort etwas schwerer. Und dennoch tat es richtig gut. Das gefiel uns sehr, sehr gut und wir waren der Ansicht, dass auch dieser dritte Tag der Reise ein voller Erfolg war.



Den Abend ließen wir dann ganz gemütlich beim Essen und bei einer Runde Kartenspielen ausklingen. Gerne wären wir auch noch um den See in Bad Salzungen spaziert, doch der einsetzende Regen hielt uns dann davon ab. Dafür hatten wir am nächsten Tag nochmal so richtig gutes Wetter und konnten in der Nähe des Stellplatzes noch einmal die Drohne steigen lassen. Ohne weitere Zwischenfälle sind wir von Bad Salzungen nach Nordkirchen zum Abschluss dann in einem Rutsch durchgefahren.


Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.
Ich bin Autor von mehr als 120 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.
Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.
Die Weltenbummler – ältester deutschsprachiger Reiseblog (seit 2000)


