Was ist für euch weit weg?

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  • Moin zusammen,


    ich habe heute mal eine Frage, die in den letzten Wochen wegen mehrerer Bemerkungen bei uns im Bekanntenkreis aufgekommen ist. Es waren drei unabhängige Personen, die eine bestimmte Strecke hier im Münsterland als weit bezeichneten.

    Person A wohnt im Startort.

    Person B wohnt im Zielort.

    Person C ist zugezogen und fuhr zwischen Startort und Zielort mit und bemerkte dies, wie die beiden anderen, ebenfalls mit den Worten: "Das ist aber weit".


    Die Rede ist von einer regelmäßig zu fahrenden Strecke von ca. 25 km, die in einer guten halben Stunde zurückgelegt werden. Entlang dieser Strecke gibt es eine einzige Ampel und nur einen sehr kleinen Ort, der zu durchqueren ist. Ansonsten fährt man durchgehend auf einer Landstraße (keine Bundesstraße).


    Wir empfinden diese Fahrt als gemütlich und entspannend, was der schönen Landschaft mit Pferden, Schafen und Hühnern zu schulden ist.

    Nun sind wir aber Personen, die Autofahren als beruhigend und als Entspannung sehen. Ihr wisst, dass wir in diesem Jahr mal eben wieder durch die gesamte USA gefahren sind. Das ist für uns wie Kino, wenn diese endlose Weite und Schönheit der Landschaft langsam an uns vorüberzieht.

    Außerdem waren wir jahrzehntelange Stadtverkehr gewöhnt. Da hat schon alleine die Fahrt zu meinen Eltern in nur acht Kilometern Entfernung im besten Fall 20 Minuten gedauert und umfasste nerviges "anfahren, bremsen, halten, anfahren, bremsen, halten usw."

    Und uns macht es auch nichts aus, mal eben von hier aus zur Nordsee zu fahren, so wie in diesem Jahr geschehen, als ich meine Eltern zur Fähre brachte und nach einem kurzen Blick aufs Meer wieder zurückfuhr. Fahrzeit je Strecke knapp 2,5-3 Stunden. Mein Tageshöchstrekord liegt bei 1200 Kilometern, als ich mal nach Ropczyce zu einer Beerdigung musste. Diese Fahrt verlief dabei fast ausnahmslos über relativ leere Autobahnen (A44 und A4).


    Wir hatten auch schon Wohnmobilgäste bei uns auf dem Platz, die mir sagten, sie fahren am Wochenende nie weiter weg als 50 km von Zuhause. Das wäre dann schon sehr viel. Für uns ist das eine Entfernung, bei der ich vor der Abfahrt noch nicht mal die Jacke ausziehe.


    Wir wissen also, dass wir in dieser Hinsicht etwas anders und schmerzfreier sind als andere Menschen. Aber dass uns innerhalb weniger Wochen gleich drei verschiedene Personen über die oben genannte Strecke dasselbe sagen, wunderte uns dann doch.


    Daher jetzt mal meine Frage: Was ist für euch "weit"? Wie viele Kilometer legt ihr im Alltag und auf Reisen zurück? Ab wann empfindet ihr Autofahren als zu weit? Die Kosten für die Fahrt will ich dabei mal komplett ausklammern. Es geht mir nur um das Entspannung/Anstrengung.

  • Jetzt als Rentner ist das alles etwas relativer...

    Im Berufsleben musste ich täglich ca. 60 km zum Arbeitsplatz fahren und abends natürlich wieder zurück.

    ÖPNV hätte für eine! Strecke über 3 Stunden gebraucht, da es über eine Landesgrenze und verschiedene Landkreise ging.

    Blieb also nur das Auto und es ging quer durchs Hochsauerland. Ich hatte drei alternative Strecken zur Auswahl, die ich hin und wieder gewechselt habe, damit es nicht langweilig wurde und die Aufmerksamkeit nicht nachlies. Die Landschaft liebe ich heute noch.

    Aber zur Frage: Das war für den Arbeitsweg schon "weit".

    Da ich gerne Auto fahre, hat mich aber weniger die Fahrt genervt, als die dafür benötigte Zeit.

    Unter einer "weiten" Strecke verstehe ich Entfernungen von deutlich über 500 KM. Alles drunter ist eine meist interessante Fahrt.

    Aber es ist nie eine Belastung, vor Allem, wenn es im Ausland ist. Egal wo, fast überall macht das Fahren mehr Spaß als in Deutschland :)

    25 Km sind auch für uns mal eben eine Kaffeefahrt.

  • Okay, 60 km sind aber auch schon wieder eine Hausnummer für die tägliche Fahrt. "Mal eben" ist das keine Sache oder auch wenn ich mal abends zu einem Vortrag fahre, dann sind 60 km auch eher der Nahbereich. Aber täglich ist das dann auch wieder was anderes. So in etwa hatte ich das mal ein halbes Jahr (Essen-Leverkusen), wobei ich auch fast nur von der Autobahnauffahrt zur Autobahnabfahrt musste.

    Egal wo, fast überall macht das Fahren mehr Spaß als in Deutschland

    Grundsätzlich ja, doch auch im Ausland ist das Pendeln zur Arbeit im Stadtverkehr sicherlich auch wenig prickelnd. Ich bin in diesem Jahr im Dunkeln, bei Regen und schlechter Sicht auf dem FDR Drive durch Manhattan gefahren. Muss ich nicht täglich haben:



    Aber ich weiß, was du meinst. Längere Strecken fahren sich oft viel entspannter.

  • für mich ist "weit weg" gerade sehr aktuell :


    Mein Enkelkind, 6 Wochen alt, musste mal wieder stationär in die Kinderklinik. Die in Braunschweig war total überbelegt, Gifhorn, Wolfsburg und etliche andere auch. So werden die Mini`s in teilweise 200 km vom Wohnort entfernte Kliniken, per Krankentransport , gebracht.

    Wir hatten noch Glück das es nur 60 km bis in meine Stadt waren ( 1 St. Fahrzeit) auf der Landstrasse.

    Keine Ahnung ob es mit der Pandemie zu tun hat oder ob es schon länger Engpässe gibt :(.


    So wohnt mein nun Sohn einige Zeit bei uns um sich die umständliche Fahrt zu ersparen- zum Glück macht er schon lange Homeoffice, muss nur einmal in der Woche zum Firmenstandort hin.

  • Es gab Zeiten, da bin ich Montag morgens um 4 Uhr von Hannover nach Rapperswil, CH gefahren. Und die Rücktour am Ende der Woche auch an einem Tag. Ist lange her, das könnte ich heute nicht mehr.


    Ich hatte die letzten 12 Jahre meines Arbeitsleben den großen Luxus, nur 2 Kilometer von meiner Arbeitsstelle zu wohnen. Da bin ich ganzjährig mit dem Fahrrad gefahren (Ausnahmen bei viel Schnee oder Unwetter).


    In unserer Zeit in USA, auf allen Touren, sind wir Distanzen gefahren, wie wir sie hier in Europa nie zurückgelegt haben.

    Unsere längste Deutschland-Etappe war mal Hannover - Füssen (via A71). So ungefähr 700 Km. Hat keinen Spaß gemacht. Wir fuhren so ungefähr 2 Stunden oder 200 Km, dann haben wir eine Pause gemacht.


    Heute fahren wir fast nie Autobahn, besonders nicht in D, auf der Landstraße gibt es mehr zu sehen und zu erleben.


    Zu der eigentlichen Frage, Was ist weit?

    Wir haben keine Kinder und keine Tiere (Pferde, Kühe, Hunde), daher besuchen wir unsere Freunde in

    • Hamburg
    • Cuxhaven
    • Bonn
    • Düsseldorf
    • München
    • Arnheim, Niederlande
    • Roeselare, Belgien

    Die Strecken sind nicht zu weit, da wir längere Zeit einplanen können. Gegebenenfalls mit einer Zwischenübernachtung; wir nutzen immer unser Wohnmobil. Manchmal besichtigen/besuchen wir Attraktionen unterwegs.

    Aber 300 Km Landstraße pro Tag ist schon eine Ansage.

    Gruß
    Michael

    Nimm nur Erinnerungen mit, hinterlasse nichts außer Fußspuren. << Chief Seattle >>

  • Erstmal toitoitoi und gute Besserung für dein Enkelkind Vaette !


    In Hamburg fand ich vor vielen Jahren 15 km zwischen Wohn- und Arbeitsort viel, der Arbeitsweg war mit dem Auto bei gut einer Stunde, mit Bus und Bahn bei über 1,5... Die Strecke unterscheidet sich sehr von der von Michael Moll beschriebenen, das war keine nette Überlandfahrt sondern Stop and Go an Ampeln, dazu Feierabendstau... Das war weit und zunehmend nervig.

    In unseren ersten Jahren in Peking waren es für meine Jungs 20 km zur Schule, für meinen Mann 25 km zur Arbeit. Am Anfang, als hier noch alles neu für uns war, war das okay, auch weil wir wirklich schön gewohnt haben mit einer tollen Nachbarschaftscommunity (was echt super ist, wenn du auf einem fremden Kontinent ankommen musst). Aber irgendwann war es soweit, dass 2-2,5 Stunden, die jeden Tag nur für den Schul-/Arbeitsweg draufgingen: das war zu weit.


    Was ist weit beim Reisen? Innerhalb Deutschlands fand ich die Tour von Hamburg ins Allgäu, quasi einmal die komplette A7 runterdüsen, schon weit, vor allem, wenn ich allein mit den Kindern unterwegs war. Wir fahren aber alle gern, gibt ja auch immer etwas zu gucken (abgesehen von der Strecke zwischen HH und Hannover, das ist wohl der langweiligste Autobahnabschnitt Deutschlands), wir quasseln, spielen, lauschen Hörbüchern, es gibt was zu naschen und leckere Snacks, und wir haben eine gute Zeit zusammen. Als anstrengend und zu weit habe ich das nur ein einziges Mal empfunden, als wir ungünstige Bedingungen mit Nebel und Regen und viele Staus auf der Strecke hatten und drei Stunden länger als sonst gebraucht haben.


    Wir sind viele Jahre (nicht nur) im Sommer immer ins südliche Smaland gefahren. Morgens nach dem Frühstück los, nachmittags zum Kaffee ankommen. Etwa 100 km weniger als die Strecke ins Allgäu, dazu ist das Fahren schon in Dänemark entspannter und erst recht in Schweden. Das haben wir nie als weit empfunden, sind manchmal sogar auch kleinere Umwege gefahren, um noch mal an den Strand zu gehen, Kurt Wallander in Ystad zu besuchen oder sowas. Irgendwann kannten wir jeden Kiesel in Smaland mit Vornamen, es wurde Zeit mehr von Skandinavien zu entdecken. Ein Häuschen direkt am Trondheimfjord oder in Jämtland - ja, das ist weit, wenn man auf der Anreise übernachten muss, egal ob auf der Fähre oder einer Campinghütte. Aber beim Reisen ist "weit" ja auch nichts Negatives, ganz im Gegenteil, man bzw. ich und wir wollen ja auch etwas ganz anderes sehen, entdecken, erleben als in unserem Alltag.


    Ich finde, ob eine Strecke "weit" ist, hängt davon ab: ist es der tägliche Arbeitsweg oder ist es die Anfahrt zum Urlaubsort (Roadtrips mal außen vor gelassen)? Muss ich diese Strecke fahren oder will ich es? Und ob ich die Strecke als (zu) weit empfinde, kann ja auch mit dem Ziel und Zweck der Fahrt zu tun haben.


    Aber all diese Strecken erscheinen mir heute aus 7000 km Entfernung als pipifax. Diese 7000 km sind schon ohne die Reisebeschränkungen und Erschwernisse durch die Pandemie weit.


    Wenn ich bequem ins Auto steigen und einfach losfahren kann, dann finde ich daran nichts zu weit, egal ob es 25 km im Münsterland oder 800 km quer durch die Republik sind.


    edit: Mir fällt gerade noch ein, dass mein Jüngster auf einer Fahrt nach Jämtland mit Blick aufs Navi angefangen hat zu singen:

    1268 Kilometer noch, Kilometer noch, Kilometer noch.

    1267 Kilometer noch, Ki-lo-me-ter noch.

    1266 Kilometer noch, Kilometer noch, Kilometer noch,

    1265 Kilometer noch, Ki-lo-me-ter noch...

    Das hat er mit nur wenigen Pausen bis zum Ziel durchgehalten... Das hat sich dann doch weit angefühlt. ;)

    Blog: ombidombi.de


    Do not go gentle into that good night.

    Rage, rage against the dying of the light.

    (Dylan Thomas)

  • Weit ist relativ für mich, wenn ich nach Hause fuhr/fahre mit dem Auto oder Zug waren es 850km pro Weg, damals ca. 12 Stunden in den 70igern also mindestens eine Tagesreise. Seit Jahren reisen wir mit dem Womo an und dann gibt es Pausen nach Bedarf.


    Meine Schwiegertochter kommt von Nelson BC/ Kanada und das Stufe ich mit dem Flugzeug ähnlich weit ein, Flug ca. 12 h obwohl es Tausende KM sind. Dann noch 8h Autofahrt .


    Arbeitsmässig habe ich meistens sehr nahe am Arbeitsplatz gewohnt max. 15 km, da konnte ich mich glücklich schätzen :) In der Stosszeit um Zürich trotzdem ein Stop und Go bis heute 🙈


    seit 15 Jahren wohne ich in den Bergen und da hat man meistens freie Fahrt an den Arbeitsplatz Chur was sehr angenehm war.


    Nun bin ich ja seit 9 Jahren zu Hause und geniesse die Fahrten egal wie weit, ich fahre gerne und ist für mich ist es fast wie Erholung 😊


    Mit dem Wohnmobil fahren wir Max 400 km und ganz selten 800km nur wenn es nötig ist. Da wechseln wir uns aber alle 2 Stunden ab.


    Weite ist für mich Reisen wie man will ohne Grenzen , das finde ich Gefühlsmässige weit 😍🚐

  • Ich finde, ob eine Strecke "weit" ist, hängt davon ab: ist es der tägliche Arbeitsweg oder ist es die Anfahrt zum Urlaubsort (Roadtrips mal außen vor gelassen)? Muss ich diese Strecke fahren oder will ich es? Und ob ich die Strecke als (zu) weit empfinde, kann ja auch mit dem Ziel und Zweck der Fahrt zu tun haben.

    das ist auch meine Meinung, es kommt immer drauf an, ob es Pflicht ist oder Vergnügen. Unsere Älteste wohnt in Leipzig, das ist weit zum Sonntagskaffeklatsch, aber wenn man mit dem Camper 2-3 Tage Zeit hat relativiert sich das wieder

    Grüße aus dem schwarzen Wald


    Georg und Andrea

  • Hallo zusammen, es zeichnet sich ja oben schon ab, dass alles relativ ist. Eine Strecke, die man als täglichen Pendelweg hat, dazu vllt noch mit viel Stau verbunden, empfindet man als weit, selbe Strecke am Wochenende für einen Ausflug, entspannt zurückgelegt, eher nicht. Andererseits empfindet man regelmäßig gefahrene Strecken zunehmend nicht mehr als weit.


    Für mich persönlich sind weite Strecke deutlich über 100 km, eher 200. Meine Schwiegereltern wohnen 480km entfernt, das z.B. ist weit. Am Wochenende mal in die Eifel zum Wandern, 120km (one way) ist eigentlich nicht weit, selbst wenn man am selben Tag noch zurück fährt. Müsste ich allerdings täglich 100km zur Arbeit fahren, wäre das für mich weit (weil es natürlich einfach nervt und Freizeit kostet).

    LG

    Volker

    Volker und Corinna, im Dethleffs Trend A 6977

  • Für mich sind 300 km mit dem Auto weit und 800 km mit der Bahn nicht so weit.

    Zur Arbeit hatte ich max. 12 km mit Bus, S-Bahn, Tram und U-Bahn

    Einige Jahre musste ich öfter Salzburg<->Wien reisen. Immer nur mit der Bahn, da konnte ich die Zeit nützen um Protokolle von Projektsitzungen schreiben.

    Unser Enkel und Familie wohnt am Wörthersee und da wäre uns die Autofahrt zu lang und langweilig.

    Da fahren wir auch mit der Bahn. Und schon seit einem Jahr mit dem Klimaticket Ö, wo man alle Öffis um rund 900 Euro/Jahr nützen kann.

    Und beim Wandern sind es zwischen 18 bis 24 km. Also könnten wir auch die Jakobswege abklappern.

  • Ähnliche Beobachtungen wie du, Michael, mache ich auch immer mal wieder. Vor allem bei Leuten, deren gesamtes Leben sich im Umkreis von sagen wir mal, 20 - 40 km abspielt. Die einen normalen Job an einem bestimmten Ort haben, die ein oder zweimal pro Jahr in den Urlaub fahren, und das dann auch nicht mit Wohnmobil oder Schiff, sondern per Flugzeug oder Auto. Für diese Gruppe von Menschen ist alles weit, was außerhalb ihres gewohnten Radius` liegt. Das geht dann teilweise so weit, dass sie nicht bereit sind, einmal in der Woche abends eine Strecke von 12 km auf sich zu nehmen, um Sport zu treiben. Die Fahrtzeit für diese 12 km beträgt im Berufsverkehr (!) 15-20 Minuten, abends nach dem Sport brauchte ich immer nur 10 Minuten wieder heim. Wenn ich hier in Dresden so eine Strecken zurücklegen will, brauche ich meistens 30 oder mehr Minuten. Aber es war halt außerhalb ihres Vorstellungsvermögens., also zu weit. :)


    Da ich im Außendienst arbeite und nirgends eine Basisstation oder einen Firmensitz habe, zu dem ich regelmäßig pendeln muss, starte ich meinen Arbeitsweg immer von zu Hause aus. Und da ergibt es sich, dass ich zum Feierabend manchmal 30 km auf der Uhr habe, und manchmal 650 km. Ich denke da schon gar nicht mehr drüber nach.


    "Weit" im Sinne von weit entfernten Urlaubzielen und -wünschen sind für mich Südafrika, Neuseeland, die Südsee, Kanada, Südamerika, usw. Und derzeit sind diese Ziele für mich auch ZU weit. :)


    VG, Dorit

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