2 Monate USA – Tag 1 – Anreise bis London

Es war wieder soweit. Unsere nächste mehrwöchige Reise in die Vereinigten Staaten von Amerika stand an. Wir bereiteten diese Fahrt schon seit sehr langer Zeit vor. Schon bei unserem letzten Roadtrip durch die USA, als wir vier Jahre zuvor die Route 66 zum ersten Mal befuhren, stand fest, dass wir das im Jahr 2026 wiederholen würden. Denn genau in diesem Jahr wurde die Route 66 einhundert Jahre alt und es sollten zahlreiche Events und Festlichkeiten stattfinden sowie jede Menge Sachen am Wegesrand restauriert oder neu installiert werden.

Das wollten wir uns nicht entgehen lassen und daher war auch die Vorfreude in diesen vier Jahren immens gewachsen. Gleichzeitig war im Laufe der Zeit aber auch unsere Nervosität gestiegen. Würde alles klappen? Würden wir problemlos einreisen dürfen? Würde die Anreise ohne Probleme erfolgen? Im Grunde hing alles von der An- und Einreise ab. Denn wenn wir einmal im Land sind, dann könnten wir ja frei fahren, wohin wir wollten.

Im schlimmsten Fall würden wir eben nicht die Route 66 befahren, uns aber dann andere schöne Dinge im Land anschauen. Aber das wollten wir natürlich nicht, die Route 66 war unser Wunsch und außerdem hatten wir viele Orte, die wir besichtigen mussten. Ja, nicht nur „wollten“, sondern eben auch „mussten“. Denn auch diese Reise hatte einen beruflichen Hintergrund. Mittlerweile habe ich vier Bücher mit Bezug zur USA geschrieben, eines davon behandelte sogar die Mother Road. Und ein weiteres USA-Buch steht an. Also hing am Erfolg dieser Reise auch mein beruflicher Weg als Buchautor.

Da wir nicht fliegen und den Oceanliner Queen Mary 2 einfach nur toll finden, wählten wir natürlich auch dieses Mal wieder das Schiff als Anreisemöglichkeit. Die Queen Mary 2 ist kein Kreuzfahrtschiff, sondern gilt als der letzte und einzige Oceanliner der Welt. Ganz in der Tradition anderer berühmter Schiffe, die einst über den Nordatlantik pendelten, verkehrt auch dieses Schiff in gut einer Woche zwischen Europa und Nordamerika. Die Rückreise von New York wird über Southampton nach Hamburg verlaufen. Das ist einfach und unproblematisch. Aber die Hinfahrt in die USA mussten wir dieses Mal in Southampton beginnen.

Das wiederum bedeutete, dass wir zunächst erstmal überhaupt in die südenglische Stadt gelangen mussten. Für uns kein großes Problem. Wir sind die Strecke schon oft mit dem Pkw und/oder mit dem Zug gefahren. Mit dem Auto fiel natürlich aus, weil wir den Wagen nicht zwei Monate in England stehen lassen wollen und ohnehin dann mit dem Schiff nach Hamburg zurückkehren würden. Das größte Problem ist eigentlich, dass wir Sorge haben, nicht aus unserem Wohnort Nordkirchen weg zu kommen. Die einzige Bahnverbindung von Nordkirchen-Capelle ist eine eingleisige Strecke zwischen Dortmund und Münster, die ständig ausfällt und absolut unzuverlässig ist.

Und Unzuverlässigkeit können wir uns bei der Planung für eine zweimonatige Reise, von der einiges abhängt und die zugegebenermaßen auch nicht ganz billig ist, nicht leisten. Daher beschlossen wir, uns mal wieder einen Mietwagen zu nehmen. Gerne hätten wir einen Mietwagen im One-Way-Verfahren genommen, den wir am liebsten in London oder gar in Southampton an einer Mietstation abgegeben. Doch das ist in Europa fast unmöglich oder sehr, sehr teuer. Wir befürchteten also, dass wir einen Mietwagen nehmen müssten, um nach Köln oder Aachen zu gelangen. Leider ist das auch nicht gerade die wirklich weite Entfernung.

Doch eher durch Zufall sahen wir, dass wir einen Mietwagen bekommen könnten, den wir in Brüssel, also in Belgien, abgeben könnten. Eine One-Way-Vermietung über europäische Grenzen hinweg? Wow, endlich scheint dies möglich zu sein. Nachteil: Das funktioniert nicht ab jeder Mietstation. Für diesen Fall mussten wir den Mietwagen am Düsseldorfer Flughafen abholen. Außerdem beinhaltet die Miete nur 300 Kilometer Fahrleistung. Das wäre von Düsseldorf nach Brüssel kein Problem. Doch wir wollten den Wagen einen Tag vor der Reise abholen und erstmal wieder nach Hause fahren, um in Ruhe unser umfassendes Gepäck in den Wagen zu laden. Wir würden also auf etwas mehr als 300 Kilometer kommen und die wenigen Mehrkilometer nachzahlen müssen. Na ja, was soll’s…

Also startete zumindest für mich die Reise einen Tag vor der Reise. Mit der unzuverlässigen Bahn, die an diesem Tag ausgerechnet sehr zuverlässig war, fuhr ich zum Düsseldorfer Flughafen und holte dort am Mietwagenschalter einen Pkw ab. Dieser hatte eine französische Zulassung und so fuhr ich den aus Frankreich stammenden Wagen nach Nordkirchen. Es klingt seltsam, aber dieses französische Kennzeichen gab dem Start der Reise schon einen besonderen Hauch von „unterwegs sein“.

Am nächsten Morgen packten wir unsere vier Koffer, zwei Rucksäcke und eine größere Tasche mit Queen Mary 2-Aufdruck in den Wagen und fuhren los, um prompt an der ersten Autobahnauffahrt feststellen zu müssen, dass diese gesperrt war. Das war blöd und stand bei unserer ansonsten sehr detaillierten Reiseplanung nicht auf dem Schirm. Wer ahnt denn auch schon, dass ausgerechnet die heimatliche Autobahnauffahrt eine Baustelle ist? Irgendwie ist das an mir vorbeigegangen, da wir mittlerweile auf dem Land wohnen und eher sehr selten die Autobahn nutzen. Egal, wir steuerten unseren kleinen Franzosen also irgendwie quer durch Hamm, um eine der nächsten Auffahrten zu erreichen und letztendlich gemütlich und entspannt nach Brüssel zu gelangen.

Südlich des Ruhrgebiets fuhren wir in Richtung Niederlande, durchquerten den kleinen niederländischen Zipfel bei Maastricht und standen wenig später in Brüssel im Stau. Nicht schlimm, wir hatten ausreichend Zeit. Wichtig war übrigens für die Stadt, dass wir das Fahrzeug vorher anmeldeten, um in die dortige Umweltzone einfahren zu können. Die Einfahrt in das Parkhaus am Bahnhof Bruxelles-Midi hatten wir zunächst nicht gefunden, was vor allen Dingen Moni ein wenig nervös machte. Denn in Brüssel sollte unser Anreisetag noch nicht enden.

Letztendlich drehte ich noch eine Runde um den Bahnhof, bis wir endlich die Einfahrt entdeckten, den Wagen in eine Tiefgarage brachten und dort dem freundlichen Mitarbeiter überreichten. Von nun an lag unser Reiseschicksal in den Händen diverser Verkehrsbetriebe, denen ich jedoch mehr zutraute als der Deutschen Bahn. Wir hatten nämlich ein Ticket für den Eurostar, der uns unter dem Ärmelkanal hindurch nach London bringen würde.

Diese Strecke sind wir auch schon häufig gefahren und sie ist nicht nur bequem, sondern wirkt auch zuverlässig. Andererseits kann es natürlich auch hier Ausfälle geben. Aber einmal in Brüssel angekommen, hatten wir noch jede Menge Zeitpuffer bis zum Einchecken an Bord der Queen Mary 2 in Southampton. Aber man muss ganz klar sagen, dass Europa zu diesem Zeitpunkt unter eine Hitzeglocke steckte und man vielleicht auch hier einen Ausfall befürchten muss.

Dem war aber zum Glück nicht so und wir konnten nach den Einreiseformalitäten am Brüsseler Bahnhof entspannt in den Zug einsteigen, unser Gepäck verstauen und uns zielsicher nach London bringen lassen. Am Bahnhof St. Pancras Station verließen wir den Zug und waren froh, auf der britischen Insel angekommen zu sein. Von der Hauptstadt bis Southampton ist es nur ein Katzensprung und wir hatten ja noch zwei Nächte Zeit.

Von nun an würden wir also zwei Monate lang englischsprachig unterwegs sein. Wir verließen den Bahnhof und zogen unsere Koffer gut zweieinhalb Kilometer bis zur Themse, überquerten den Fluss und suchten das Holiday Inn Express auf. Dort wurden wir freundlich empfangen, checkten ein, brachten die Koffer aufs Zimmer und zogen sofort wieder los. Wir wollten den späten Nachmittag noch dazu nutzen, ein wenig spazieren zu gehen. Wir verzichteten auf London Eye, Big Ben und Co. weil wir das alles schon mehrmals bei den letzten London-Aufenthalten hatten. Aber an der Tower Bridge waren wir schon lange nicht mehr und so schlenderten wir in der abnehmenden Hitze des Tages am Flussufer, dem Queen’s Walk zur Brücke und zurück.

Wir kauften uns noch ein paar kühle Getränke, ein wenig Schokolade und verbrachten den ersten Abend dieser Reise nach langer Anfahrt im Hotelzimmer. Morgen sollte die Strecke deutlich kürzer ausfallen.

Zur Inhaltsangabe für die weiteren Reisetage

Michael Moll

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.

Ich bin Autor von mehr als 130 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.

Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.


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