Das hatte uns letztes Jahr sehr gut gefallen – die Reise mit dem Wohnmobil in die Normandie, was man im alten Reisebericht nachlesen kann. Damals trafen wir auf die Olympische Flamme und wurden Zeugen der umfangreichen Feierlichkeiten zum 80. Jahrestags des D-Days. Dieses Jahr würde es die Olympische Fackel nicht geben und die Feierlichkeiten fallen wegen des ungeraden Jubiläums (81) vermutlich deutlich kleiner aus.

Wir wollten es uns aber trotzdem nicht nehmen lassen, wieder nach Nordfrankreich zu fahren, weil wir das Gefühl hatten, noch nicht alles gesehen zu haben. Dabei hatte ich ja bereits vor langer Zeit schon einen ausführlichen Wohnmobilreiseführer über die Normandie geschrieben. Aber das war 20 Jahre her und wir haben unsere Vorliebe für diese Region wiederentdeckt.

Leider hatten wir dieses Mal sogar noch weniger Tage zur Verfügung als im letzten Jahr und da waren wir ja schon viel zu schnell wieder zurück. Aber die lange Anfahrt nahmen wir gerne auf uns, zumal ich meinen Wissensstand über die Normandie für zukünftige Projekte mit einem Update erhellen wollte. Die Anreise unterbrachen wir auf einem kleinen Stellplatz bei Cappy am Ufer der Somme. Hier kamen wir wieder in den Genuss, Camping Car Park France zu nutzen, was dieses Mal deutlich besser funktionierte als im Jahr zuvor.
Übernachtung mit dem Womo an der Somme
Nach der Anfahrt begaben wir uns auf den üblichen abendlichen Spaziergang und hatten Glück in einer kleinen Bar das letzte Baguette ergattern zu können. Von dem blieb allerdings nicht mehr viel übrig, als wir wieder an unserem Wohnmobil auf dem Stellplatz ankamen. Der Stellplatz bei Cappy lag nicht nur gut für uns, weil wir hier am Abend genug Kilometer gemacht hatten, sondern auch als idealer Ausgangspunkt für das nächste Ziel am folgenden Tag.

Nachdem wir die Somme besucht hatten, mussten wir noch die Seine überqueren. Die meisten Reisenden nutzen dafür eher die Pont de Normandie vor der Seine-Mündung bei Le Havre. Wir entschieden uns dieses Mal für die Fahrt mitten durch Rouen. Das schien uns an dem Tag nicht viel aufwändiger oder gar länger. Gesagt getan, kamen wir später auf die A13, wo wir zum ersten Mal in den Genuss der mauthäuschenfreien Autobahn kamen. Maut wird zwar immer noch fällig, aber das Abrechnungssystem ist nun moderner und erforderte vorher eine kurze Online-Beschäftigung. Aber dafür konnten wir anschließend einfach über die Autobahn fahren und mussten nirgendwo Tickets ziehen. Das war schon recht angenehm.




Bei unserer Fahrt standen die Mauthäuschen noch, doch man wurde daran vorbeigeleitet. Wenig später fuhren wir geradewegs nach Arromanches-le-Bains. Gerade als wir im Ort waren und nur noch ein paar hundert Meter zum Stellplatz vor uns hatten, bog ich jedoch falsch ab und wurde einmal rund um die Stadt geleitet, um über einen Umweg von mehreren Kilometern zum Platz zu gelangen. Das war Pech, aber nicht schlimm. Wir freuten uns einfach, unser Ziel erreicht zu haben und sogar einen freien Platz bekommen zu haben.
Zur Titanic-Ausstellung in Cherbourg
Sofort machten wir uns daran, von der Steilküste, auf der sich der Stellplatz befindet und besten Blick aufs Meer bietet, in das Städtchen hinab zu spazieren. Dort freuten wir uns, hier und da die Souvenirläden zu sehen, einen Jeep am Strand fahren zu sehen und einfach nur den Abend genießen zu können. Doch der Aufenthalt in Arromanches-les-Bains war nur von kurzer Dauer. Denn am nächsten Morgen zogen wir gleich weiter.




So wie schon im letzten Jahr, als wir zur Abtei Mont-Saint-Michel fuhren, hatten wir dieses Mal auch ein noch etwas entfernteres Ziel vor Augen. Wir wollten nämlich zur Titanic-Ausstellung in der Cité de la Mer in Cherbourg. Für uns, die den Atlantik schon mehrmals mit dem Schiff überquerten, ist das Thema Transatlantikreise immer wieder etwas Besonderes. Da lassen wir uns dieses Museum natürlich nicht entgehen. Die museale Verarbeitung am originalen Ort, wo die Passagiere an Bord getendert wurden, war sehr gut. Interessiert hatte uns aber auch die virtuelle Realität, die wir mit einer VR-Brille aufsuchen konnten.



Diese hatte zwar nichts mehr der Titanic an sich zu tun, doch stand im Bezug zum Thema Transatlantikreise. Gezeigt wurde der Bahnsteig im Hafen am originalen Ort, wo die Passagiere einst an Bord eines Oceanliners gingen. Das hatte uns ebenfalls sehr gut gefallen, auch wenn das virtuelle Erlebnis leider viel zu schnell zu Ende war. Zu guter Letzt gab es noch die Möglichkeit, ein echtes atombetriebenes U-Boot betreten zu können. Das Schiff mit dem Namen Le Redoutable war das erste Atom-U-Boot der französischen Marine, doch ich muss zugeben, dass ich mich nicht sehr wohl darin fühlte.
Mit dem Wohnmobil nach Utah Beach
U-Bootfahren wäre definitiv nichts für mich und ich versuchte, bei dem Gang durch das Schiff die anderen Besucher zu überholen. Das war nicht immer leicht, weil so ein U-Boot eben auch sehr eng ist, aber irgendwann war das dann auch geschafft. In Cherbourg wollten wir nicht übernachten. Der Stellplatz direkt am Cité de la Mer war zudem auch komplett überfüllt, so dass wir ohnehin abseits parken mussten.





Also stiegen wir nach dem ausgiebigen Besuch wieder ins Wohnmobil und steuerten es zum Stellplatz nach Utah Beach, wo wir schon im letzten Jahr eine Nacht verbrachten und uns ganz wohl fühlten. Der Stellplatz ist zwar ein wenig beengt, hatte aber dieses Mal ein paar freie Parzellen, so dass es nicht ganz so vollgestopft wirkte. Außerdem zogen wir nach unserer Ankunft mal wieder los, um den Abend noch mit einem schönen langen Spaziergang ausklingen zu lassen. Der nahegelegene Strand und die vielen Skulpturen und Denkmäler bieten sich dafür an.



Wir hätten auch noch vorher die Möglichkeit nutzen können, auf dem Wohnmobilstellplatz in Sainte-Mère-Église zu übernachten. Dort spazierten wir nämlich auch noch durch das Ortszentrum, schlenderten durch die Souvenirläden und versuchten, in einer Bäckerei ein paar Kleinigkeiten zu besorgen. Schön war hier auch der Besuch einer Art Plätzchenkonditorei. Alles in allem also ein gelungener Tag.
Der amerikanische Soldatenfriedhof in der Normandie
Der nächste Tag stand wieder ganz im Zeichen des D-Days und der Weiterfahrt gen Osten. Zunächst hielten wir bei Omaha Beach, genauer gesagt in Les Moulins bei Saint-Laurent-sur-mer, wo wir den Ort kaum wiedererkannten. Im letzten Jahr stand dort am wichtigen Mahnmal die große Bühne, auf der zahlreiche Staatschefs anreisten. Aber dieses Jahr fiel zum 81. Gedenktag eben alles etwas kleiner aus. Dafür waren dort aber deutlich mehr Touristen und man kann nicht sagen, dass es leer war.



Anschließend besuchten wir natürlich auch wieder den berühmten amerikanischen Soldatenfriedhof bei Colleville-sur-Mer. Auch hier gab es dieses Mal keine besondere Veranstaltung. Aber es waren sehr viele Menschen vor Ort und unter Anderem konnten wir dabei beiwohnen, wie Veteranen des Zweiten Weltkriegs geehrt wurden. Das wird man schon bald nicht mehr so oft sehen können und wir waren ein wenig gerührt, einem der Veteranen noch die Hand geben zu können. Otis Branon war sein Name und der Mann war immerhin schon 98 Jahre alt.




Wir verbrachten noch viel Zeit auf dem Friedhof und seiner Umgebung, teilweise aber ungewollt. Denn die einzige Zufahrtsstraße war hoffnungslos überfüllt und es staute sich so sehr, dass wir eine Stunde lang noch nicht einmal vom Parkplatz des Friedhofs herunterkamen. Im nahegelegenen Ort gab es eine Veranstaltung und so brach der gesamte Verkehr komplett zusammen. Wir hatten es an diesem Tag zwar nicht mehr so eilig, doch hofften wir natürlich noch auf einen freien Platz auf dem uns bereits bekannten Wohnmobilstellplatz in Arromanches-les-Bains.
Übernachtung im Womo in Arromanches-les-Bains
Hier spazierten wir am Abend erneut durch das Städtchen und starteten zu einer längeren Wanderung. Denn Arromanches-les-Bains ist bekannt für den Mulberry-Hafen, von dem aus man bei Ebbe weite Teile zu Fuß erreichen kann. Also marschierten wir über den Strand nach Osten und suchten die Überbleibsel der Hafenanlage vom D-Day auf.



So hatten wir wieder jede Menge historische Sehenswürdigkeiten gesehen, verzichteten dieses Mal aber weitgehend auf Museumsbesuche. Viele hatten wir ja bereits im Jahr zuvor aufgesucht. Eigentlich wollten wir uns nach dem Aufenthalt bei Utah Beach noch die private Ausstellung D-Day Experience anschauen und am Flugsimulator teilnehmen. Doch daraus wurde nichts, weil alle Plätze irgendwann vergeben waren. Somit standen wir über eine Stunde in der Schlange und gerade als wir die Tickets kaufen wollten, kam die Mitteilung, dass es jetzt nichts mehr werden würde. Da hätten wir besser vorab online reserviert.



Grundsätzlich bleibt sowieso zu sagen, dass sämtliche Museen, Ausstellungen und Gedenkorte in der ersten Juniwoche sehr gut besucht sind. Wer das alles mit mehr Ruhe sehen möchte, sollte das auf einen anderen Zeitpunkt im Jahr verschieben. Allerdings ist die Atmosphäre in den Orten rund um die jährlichen D-Day-Feierlichkeiten schon etwas Besonderes.

Auf der Rückfahrt stoppten wir auch nochmal beim British Normandy Memorial in der Nähe der Ortschaft Mont Fleury. Die letzte Nacht verbrachten wir, wie schon im Jahr zuvor, auf einem Bauernhof zwischen Boulogne-sur-Mer und Calais in der Nähe vom Cap Gris Nez. Für uns wird das nicht der letzte Aufenthalt in der Normandie bzw. rund um den 6. Juni gewesen sein.

Hier schreibt Reisejournalist Michael Moll.
Ich bin Autor von mehr als 120 Reiseführern, unter anderem beim National Geographic, und erstelle Artikel in Fachzeitschriften. Außerdem bin ich Betreiber und Besitzer des Wohnmobilstellplatzes am Barockschloss in Nordkirchen im südlichen Münsterland.
Bundesweit halte ich Multimedia-Präsentationen über verschiedene Reisethemen und zu guter Letzt konnte ich einen Fahrradweltrekord für das Guinnessbuch der Rekorde aufstellen.
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