Wanderung auf den Carrauntoohil

Ich war oben – auf dem Carrauntoohil, dem höchsten Berg in Irland. Er ist geschlagene 1.041 Meter hoch und damit exakt einhundert Meter niedriger als der Brocken im Harz. Aber das heißt nichts, denn man startet auf einer Höhe von nur rund 150 Metern und man hat die sogenannte Devil’s Ladder vor sich. Dass der Name Teufelsleiter seinen Grund hat, dürfte in diesem Blog-Artikel deutlich werden. Zunächst einmal: Die Schreibweise von Carrauntoohil kann durchaus abweichen und gelegentlich sieht man auch schon mal Carrantuohill oder ähnliches. Und wie der Berg verschiedene Schreibweisen hat, so hat er auch mehrere Möglichkeiten erklommen zu werden.

Wir entschieden uns für den Parkplatz am Cronins Yard. Es handelt sich um einen Privatparkplatz des dort lebenden Farmers. Die Zufahrtsstraße ist recht eng und mit dem Wohnmobil war es zuweilen schon mal knapp. Aber dann warf ich 2 Euro in die Dose am Parkplatz ein und habe den ganzen Tag meinen Wagen dort parken können. Übrigens bietet der Bauer auch eine Zeltwiese und zwei kleine Holzbungalows an. Weiter im Osten gibt es das Gap of Dunloe. Ist etwas mehr zu laufen, dafür spart man sich dann aber rund 100 Höhenmeter. Etwas weiter westlich wiederum gibt es einen kleinen Parkplatz, der etwas näher dran ist und bei dem man auch schon 40 Höhenmeter spart. Aber ich finde das Parken auf privaten Parkplätzen in solchen Fällen immer etwas besser und kann Cronins Yard daher nur empfehlen.

Auf einem Schotterpfad geht der Anstieg erst einmal ganz gemütlich vorwärts. Zwei kleine Brücken bringen einen über plätschernde Bäche und hinter der zweiten Brücke geht es dann immer noch recht lange ganz entspannt durch ein weites Tal. Recht entspannt bedeutet, dass man knapp vier Kilometer hinter Cronins Yard gerade einmal 300 Höhenmeter hinter sich gebracht hat. Und das auf einem breiten und gut begehbaren Schotterweg, den man sich mit zahlreichen Schafen teilt.

Aber das Gemeine an der Sache ist, dass man fast während der gesamten Tour durch das Tal bereits den Carrauntoohil sehen kann. Wenn er nicht gerade wolkenverhangen ist, erkennt man sogar deutlich das Gipfelkreuz. Noch ein bisschen interessanter ist aber der Blick auf die Felswand, die man durchsteigen muss, um eben dort hinauf zu kommen und die als massive Gebirgswand steil vor dem arglosen Wanderer aufragt. An zwei Seen sollte man vielleicht noch einmal durchatmen, bevor es nun ernst wird. Am folgenden Fuße der Devil’s Ladder heißt es nämlich, dass man im Regelfall alle viere benötigt, um dort hinauf zu kommen. Einige Male bin ich weggerutscht und fragte mich die ganze Zeit, wie ich hier auf dem Rückweg eigentlich wieder herunter kommen soll.  Aber erst einmal war der Aufstieg zu machen.

Hat man vorhin für 300 Höhenmeter vier Kilometer Zeit gehabt, so hat man für die nächsten 300 Höhenmeter gerade einmal eine Strecke von 300 Metern Luftlinie zur Verfügung. Ungeübte und Unerfahrene sollten hier lieber Kehrtmachen oder einen anderen Weg benutzen (siehe weiter unten beim Rückweg). Das gilt im Übrigen auch bei Regen, da die Teufelsleiter dann praktisch nicht begehbar ist. Durch Schotter und Geröll klettert man also nach oben und sollte einerseits aufpassen, dass keine losen Steine von oben herunterkommen, andererseits aber auch darauf, dass man selber nichts lostritt.

Ist man dann erstmal oben, dann hat man einen wunderbaren Ausblick auf das Tal und sieht rechts den Gipfel des anvisierten Ziels. Dumm nur, dass dieser in unserem Fall mittlerweile völlig in einer Wolke verschwunden war. Und nicht nur der Gipfel, sondern alles um uns herum. Die Sichtweite betrug gerade einmal 10 Meter. Wie gut, dass wir das Schlimmste schon hinter uns hatten. Der restliche Aufstieg beträgt ungefähr auch wieder 300 Höhenmeter und ist deutlich leichter zu absolvieren. Es geht halt stets bergauf. Steiler natürlich als im ersten Drittel der Tour, aber auch nicht mit dem zweiten Drittel zu vergleichen.

Oben angekommen war es recht kühl, der Wind pfiff und es war nichts zu sehen. Also setzte ich Pingu vor das in Wolken gehüllte Gipfelkreuz, machte ein Foto und bereitete umgehend den Abstieg vor. Doch plötzlich lichtete sich auf einmal die Wolke. Sie verschwand nicht völlig, aber sie gab so viel Blick frei, dass man unter der Wolke weit schauen konnte. Was für ein Glück. Dabei sah meine bessere Hälfte auch gleichzeitig, dass auf der im Osten gelegenen gegenüberliegenden Bergwand ein Zickzack-Weg zu erkennen ist, der anscheinend ebenfalls in das von uns durchwanderte Tal hinab führt.

Ich fragte kurz ein paar Iren, ob dieser Weg zu empfehlen wäre, was sie mir bestätigten und der Entschluss stand fest: Zurück wollten wir nicht wieder durch die Devil’s Ladder. Wir gingen hinab bis zum Einstieg in die Teufelsleiter, aber wanderten dann weiter geradeaus über einen Höhenzug, der wiederum einen kurzen, knackigen Anstieg erforderte. Auf diesem Weg käme man über den Höhenzug vermutlich auch zum Gap of Dunloe. Allerdings weiß ich das nicht mit Bestimmtheit.

Auf dem Grat weist irgendwann ein Schild nach links und schon geht es deutlich hinab in das Tal. Im Übrigen eines der wenigen Schilder und Hinweise, die man vor Ort sieht. Man kommt genau zwischen den beiden Seen und dem Einstieg in die Teufelsleiter aus. Das heißt, man könnte diesen Weg natürlich auch benutzen, um den Berg zu erklimmen. Das Dumme ist nur, dass man diesen Weg von unten einfach nicht als solchen erkennt und dass man den Einstieg in diese harmlosere Variante schlicht verpasst.

Der Rest ist nur noch ein Kinderspiel und besteht eben darin, auf den letzten vier Kilometern rund 300 Höhenmeter abwärts zu gehen. Insgesamt waren wir laut Trackaufzeichnung rund 7,5 Stunden unterwegs und legten dabei knapp 13 Kilometer zurück, wobei wir es gemütlich angingen ließen (immerhin hatte ich ja Pingu im Gepäck). Wer die Strecke nachgehen möchte, kann den Track natürlich im Reiseforum herunterladen. Und noch mehr Bilder, Eindrücke und Reiseinformationen gibt es auch im Reisebericht „Mit dem Wohnmobil nach Irland„.

 

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