Michael Moll am Aussichtspunkt

Erfahrungen vom Wanderweg Baldeneysteig

Endlich war es soweit. Ich war auf dem Baldeneysteig unterwegs und habe damit eine Wandertour gemacht, auf die ich mich schon lange freute. Der Baldeneysteig wurde im letzten Herbst feierlich eröffnet und lockt mit einer offiziellen Wegstrecke von 26,7 Kilometern rund um den Baldeneysee. Ich kann es ja schon mal vorweg nehmen: Es sind letztendlich 29,1 Kilometer geworden. Dabei haben wir noch nicht einmal die kleinen Abstecher zu diversen Sehenswürdigkeiten gemacht, weil wir diese ohnehin schon kennen. Würde man auch noch zur Korte Klippe oder zur Ruine Isenburg wandern, käme man auf eine weit höhere Distanz.

Informationstafeln gibt es mehrere

Informationstafeln gibt es mehrere

Ausgangspunkt am Stauwehr in Essen-Werden

Wir starteten unsere Tour am Stauwehr in Essen-Werden. Aber man könnte auch an jedem anderen Punkt des Wanderwegs in den Baldeneysteig einsteigen. Es gibt keinen klassischen Start- und Endpunkt. Allerdings gibt es unterwegs Hinweistafeln mit einer Übersichtkarte. In dieser Karte ist die Route eingezeichnet, die alle fünf Kilometer mit einem Punkt markiert ist. Da das Stauwehr als Kilometer Null gilt, gibt es – so betrachtet – dann noch einen Start- und Zielpunkt. Aber das gilt nur für diesen Fall. Denn wie gesagt, man kann überall starten. Unterwegs gibt es keinerlei Kilometrierung bei der Beschilderung. Dazu aber später mehr.

Beschilderung vom Baldeneysteig

Beschilderung vom Baldeneysteig

Was mir gleich als Erstes aufgefallen ist, ist die Karte selber. Es ist nichts dramatisch Schlimmes, eher ein kleines Detail. Aber ich fand es seltsam. Denn die Routenmarkierung in dem Kartenausschnitt ist am südlichsten Punkt abgeschnitten. Das heißt, es fehlt dort ein kleines Stück der Route. Nicht viel, vielleicht 50 oder 100 Meter, keine große Sache also. Aber nördlich der Route wird noch recht viel vom Stadtgebiet Essen gezeigt, der für die Wanderung uninteressant ist. Da stellt man sich schon die Frage, warum der Kartenausschnitt nicht einfach noch ein Stück nach Norden geschoben wurde, damit die rote Routenmarkierung komplett auf der Karte ist. Na ja, nur ein Detail. Aber meiner Meinung nach hat man hier etwas unsauber gearbeitet. Leider gibt es aber auch im Bereich Beschilderung einige Kritik meinerseits, doch dazu später.

Gleich zu Beginn geht es in die Höhe

Legen wir erstmal los. Wir starteten also entgegen dem Uhrzeigersinn und folgten sowohl einem Track auf dem Navi als auch der Beschilderung, die uns relativ schnell vom Ufer trennte. Gleich zu Beginn folgt damit auch schon der erste steile Aufstieg. In Serpentinen wandert man hinauf in ein Wohnviertel und man überquert wenig später den Friedhof Essen-Werden II. Fand ich überraschend, ist aber völlig okay.

Zahlreiche Pusteblumen

Zahlreiche Pusteblumen

Durch kleinere Wälder und an Feldern vorbei wanderten wir langsam in Richtung Essen-Fischlaken. Immer wieder konnten wir den Baldeneysee zu unserer Linken sehen. Natürlich nur in der Ferne, denn an dieser Stelle ist er schon recht weit weg. Viel eher konnte man das nördliche Seeufer bzw. die Ruhrhöhen mit der Villa Hügel erkennen. Ganz niedlich fand ich das kleine Zicklein an einem Privathaus, dass uns neugierig und vorsichtig beäugte.

Die Villa Hügel über dem Baldeneysee

Die Villa Hügel über dem Baldeneysee

Nach einiger Zeit kommt man zur Maasstraße, an der ich der Meinung war, dass dieser Abschnitt nicht ganz ungefährlich ist. Es ist zwar nicht ganz so viel Verkehr an dieser Stelle, doch die Autofahrer haben hier durch eine Kurve eine schlechte Sicht. Daher sollte man hier ganz genau aufpassen. Danach ging es dann aber gleich wieder in einen Wald hinein und man überquert den Parkplatz oberhalb von Haus Scheppen. Bevor wir den fast leeren, oberen Parkplatz bergab verließen, fiel uns noch ein BMW mit geöffneter Hecktür auf. Auf den ersten Blick konnten wir aber niemanden sehen, der zum Auto gehörte.

Ankunft am Haus Scheppen

Wir fanden das seltsam und näherten uns dem Auto vorsichtig. Er sah nicht wirklich gepflegt aus, hatte kein Essener Kennzeichen und stand hier mutterseelenallein. Während wir uns dem Wagen näherten, riefen wir schon, ob jemand da sei. Doch es kam keine Reaktion. Erst als wir nur noch drei Meter vom Auto entfernt standen, sahen wir, wie sich jemand auf der Rückbank bewegte und offensichtlich in einer Lektüre vertieft war. Auf unser Rufen hätte er ja mal reagieren können. Aber so war wohl alles in Ordnung.

Hinweis auf alte Bergbautätigkeit

Hinweis auf alte Bergbautätigkeit

Zu Haus Scheppen muss ich wohl nicht viel sagen. Zumindest Ruhrgebietler kennen diesen Motorradtreff direkt am Seeufer sehr gut. Damit waren wir nach dem Start der Tour zum ersten Mal wieder direkt am Baldeneysee. Weil aber eben hier viele Motorradfahrer zusammenfinden und gleichzeitig der Rad- und Fußweg rund um den Baldeneysee verläuft, ist es hier entsprechend voll. Für uns ein Grund, gleich weiter zu gehen.

Erste Irritationen durch die Wegbeschilderung

Hinter Haus Scheppen zweigt unser Wanderweg halbrechts ab. Gleich darauf folgte ein Abzweig und zum ersten Mal fragten wir uns, welcher Weg denn nun der Richtige sei. Wir hatten im Vorfeld einen gpx-Track heruntergeladen, der uns scharf nach rechts abzweigen lassen wollte. Doch die Beschilderung schien geradeaus weiter zu zeigen. Wir waren etwas verunsichert und entschieden uns für Letzteres. Allerdings erhielten wir die Bestätigung, dass wir richtig sind, erst knapp 100 Meter später. Das hätte auch ruhig etwas früher angezeigt werden können.

Steiler Auf- und Abstieg

Steiler Auf- und Abstieg

Durch ein kleines Birkenwäldchen parallel zum Seeufer wanderten wir sanft bergauf. Die Steigung war kaum zu spüren, erst als wir am Ende des Wäldchens ankamen. Denn plötzlich mussten wir steil bergab wandern. Vorgewarnt waren wir durch einen handschriftlichen Hinweis auf der Beschilderung. Es dürften ungefähr 15 Höhenmeter sein, die man hier überwinden muss. Entweder hinauf oder hinab. Für uns war es ein Hinab, denn wir standen ja schon oben. So ähnliche Stellen kennen wir von den Wanderwegen entlang der Mosel. Da nennt man das dann aber Klettersteig und sichert den Weg mit einem Handlauf bzw. einem Seil. So hangelten wir uns mehr oder weniger an freiliegenden Wurzeln hinab. Ob das so im Sinne des Erfinders sein soll, stelle ich mal in Frage.

Steiler Abstieg ohne Sicherung am Pörtingsiepen

Gleich im Anschluss überquerten wir die Gleise der Hespertalbahn und wanderten über einen schmalen Hohlweg bergauf. Das war echt schön, denn es tat gut, etwas abseits des Ufers zu wandern, wo es doch deutlich voller ist. Es kamen uns jedoch einige andere Wanderer entgegen, was uns schon ein wenig wunderte. Aber offensichtlich wurde der Baldeneysteig schon ganz gut angenommen. Allerdings waren das durch die Reihe Wanderer, die erst dann grüßten, wenn sie gegrüßt wurden. Wir kennen das von anderen Wanderwegen deutlich anders. Da grüßt man sich viel eher, schenkt dem Entgegenkommenden vielleicht auch mal ein Lächeln. Doch hier fand das praktisch nicht statt. Schade eigentlich, das machte so ein wenig den Eindruck, als wären ein paar Großstädter durch die Berichterstattung neugierig auf den Baldeneysteig geworden, hatten aber sonst wenig Wandererfahrung. Aber dafür kann ja der Baldeneysteig nichts.

Der Käfer krabbelt über die Pusteblume

Der Käfer krabbelt über die Pusteblume

Wofür er allerdings etwas kann, ist der seltsame Streckenverlauf. Warum wir zum Beispiel zwei Mal die Hammer Straße überqueren mussten, nur um einen weiteren Wald zu durchqueren, war uns schleierhaft. Nicht, dass es schlimm gewesen wäre. Ganz im Gegenteil, es war ein schönes Stückchen Erde, doch angesichts der großen Streckenlänge wirkte es wie ein überflüssiger Umweg. Wir vermuteten einfach mal, dass eine kürzere Wegführung auf Grund der Interessen von Grundstückseigentümern nicht möglich war.

Auch für Wanderer erlaubt

Auch für Wanderer erlaubt

Kurzzeitige Wanderung entlang der Landstraße

Nachteilig war dadurch auf jeden Fall, dass man rund 150 Meter direkt an der Hammer Straße entlang wandern musste. Einen Fußweg gibt es dort allerdings nicht. So wandert man halb auf der Straße, halb auf Gras und hofft, dass man nicht überfahren wird. Wenn es scheinbar keine andere Streckenführung gibt, dann wäre zumindest ein Rückschnitt des Unterholzes wünschenswert, damit man wenigstens nicht direkt auf der Straße spazieren muss.

Diese Stelle sollte entschärft werden

Diese Stelle sollte entschärft werden

An einem einsam gelegenen Wohnhaus im Augustaweg haben wir uns dann das erste Mal kurz verlaufen. Nur unser Navi hat uns vor unnötigen Kilometern bewahrt. So wurden es nur 100 Meter, die wir wieder zurückgehen mussten. Denn es gab einen schmalen Abzweig nach rechts oben, an dem man die Beschilderung nicht wirklich gut sehen konnte. Erst als wir wieder zurückkamen und den Weg daher fälschlicherweise von der anderen Seite sahen, erkannten wir auch das Hinweisschild. Auf der anschließenden Dilldorfer Höhe war es dann endlich Zeit für eine Pause. Immerhin waren wir jetzt schon fast drei Stunden unterwegs und hatten bereits über zehn Kilometer zurücklegt.

Unsere erste Pause nach zehn Kilometern

Dummerweise verließ uns in der Pause das GPS-Gerät bzw. die Batterien. Ich hatte zwar neue Batterien eingelegt, aber diese neuen Batterien waren mittlerweile schon so alt, dass sie sich wohl entladen hatten. Das merkte ich allerdings erst nach dem Start der Wanderung. Drei Stunden zuvor zeigte das Gerät noch einen vollen Akku an, doch das hatte sich dann erledigt. Auch die Ersatzbatterien aus dem selben Päckchen verweigerten leider ihren Dienst. Daher lud ich in der Pause zwei Apps auf das Telefon herunter und nahm damit dann den weiteren Track auf. Das war okay und mir auch wichtig. Wir wollten ja nachher sehen, wie viele Kilometer wir gemacht hatten. Blöd war nur, dass wir jetzt keinen Track mehr hatten, auf dem wir den Weg vergleichen konnten. Und nur kurz zuvor wurde uns ja bewiesen, dass das notwendig sein könnte.

Baldeneysteig

Baldeneysteig

Durch die Dilldorfer Höhe in Essen-Kupferdreh kamen wir schließlich wieder hinab zum Ufer des Baldeneysees. An einem Kiosk kauften wir noch zusätzlich etwas zu trinken ein und überquerten schließlich die Brücke, um an das Nordufer zu gelangen. Hier spürten wir wieder deutlich, dass es Wochenende war. Zahlreiche Radler und Spaziergänger teilten sich hier den Weg. Hinter der Brücke teilt sich der Weg in Radweg und Fußweg. Doch leider gab es nicht wenige Radfahrer, die sich nicht daran hielten und unbedingt ufernah auch auf dem geschotterten Fußweg radeln mussten. Wenn man doch durch diesen deutlich schöneren Abschnitt unterwegs sein möchte, dann könnte man auch einfach vom Rad absteigen und die wenigen hundert Meter schieben.

Rostgänse im Vogelschutzgebiet

Rostgänse im Vogelschutzgebiet

Wanderung durch das Vogelschutzgebiet Heisinger Bogen

Denn dieser Abschnitt ist wirklich schön und Teil eines Vogelschutzgebietes. Heisinger Bogen heißt dieser Bereich, in dem wir brütende Kormorane beobachten konnten und auch zum ersten Rostgänse sahen. Diese kannten wir noch nicht. Ihre Farbe ist sehr markant und erklärt ihren Namen. Auf dem weiteren Weg sahen wir einige Bäume, die komplett von den Raupen der Gespinstmotte besiedelt waren. Das wirkt immer ziemlich unheimlich, wenn der gesamte Baum silbern eingehüllt ist. Wir kannten das, aber einige andere Spaziergänger haben das zum ersten Mal gesehen.

Kormoran-Küken im Heisinger Bogen

Kormoran-Küken im Heisinger Bogen

Und weil Moni kurz zuvor schon einer Fußgängerin die Kormoran-Küken zeigte, wurden wir anscheinend als Experten betrachtet. Man fragte uns, ob wir wüssten, was das sei. Und ja wir wussten es und konnten es erklären. Um aber nichts falsches zu sagen, rief ich eine Seite vom NABU und las eine kurze Erklärung daraus vor. Irgendwie drollig. So standen wir auf dem Wanderweg und hielten gerade vor einer Gruppe von rund zehn Personen einen kleinen Naturkunde-Vortrag.

Gespinstmotte

Gespinstmotte

Raupen der Gespinstmotte

Raupen der Gespinstmotte

Aufstieg auf die Ruhrhöhen

Lange Zeit folgt der Baldeneysteig hier dem Ufer des Baldeneysees. Es ist zunächst einmal eine sehr flache Tour. Das ändert sich aber kurz hinter dem Förderturm der ehemaligen Zeche Carl Funke. Nachdem ein junges Pärchen mehr über meine Kameraausrüstung erfahren wollte und ich ihnen Gimbal und Kamera zeigte, verließen den Uferbereich endlich wieder. Gleichzeitig wurde es damit auch wieder deutlich leerer auf dem Weg, auf dem wir unterwegs waren. Hinter einem Aussichtspunkt hätten wir noch einem Abzweig zur Korte Klippe folgen können. Doch diesen weiteren Aussichtspunkt kennen wir sehr gut und verzichteten daher darauf.

Alter Hinweis auf den Ruhrhöhenweg

Alter Hinweis auf den Ruhrhöhenweg

Auch den kurzen Abzweig zur Ruine der Burg Isenburg ließen wir unbeachtet. Wir blieben lieber dem direkten Weg auf dem Baldeneysteig treu. Doch das war an dieser Stelle gar nicht so einfach. An einer Gabelung fehlt schlicht und einfach ein Hinweisschild. Da wir kurz zuvor noch auf eine Karte schauten, wussten wir, dass wir halbrechts gehen müssten. Verunsichert waren wir aber dennoch. Schlimmer wurde es knapp 30 Meter dahinter. Denn es folgte die nächste Gabelung ohne Hinweis. Hier benutzten wir unseren detektivischen Spürsinn. An einem Baum sah es so aus, als hätte vor Kurzem noch ein Schild gehangen. Zumindest sahen die Nägel noch recht gut erhalten aus und die Größe des Abdrucks ähnelte der Größe der uns bekannten Schilder vom Baldeneysteig.

Vandalismus am Baldeneysteig

Daraufhin folgte ein breiterer Weg an einer T-Kreuzung. Instinktiv entschieden wir uns für die linke Auswahl und behielten Recht. Denn an der nächsten Sitzbank war ebenfalls zu erkennen, dass es dort mal ein Hinweisschild gab. Leider war auch das zerstört. Der Baldeneysteig war gerade einmal ein Dreivierteljahr alt und schon fehlte auf einem längeren Teilstück die komplette Beschilderung. Das war einfach nur traurig.

Nette Figuren am Wegesand

Nette Figuren am Wegesand

Ein bisschen unverständlich fand ich, dass das Wirtshaus zur Heimlichen Liebe und der benachbarte Minigolfplatz vom Baldeneysteig komplett ausgelassen wurde. Der Weg zweigt kurz vor der Einkehrmöglichkeit halblinks ab, übrigens sehr schlecht erkennbar. Wer das Schild also übersieht, wovon in den meisten Fällen ausgegangen werden kann, der wird zwar zur Einkehrmöglichkeit gelangen, aber dann dort nicht weiter wissen. Wir wussten aber Bescheid und holten uns am Kiosk von der Minigolfanlage schnell noch etwas zu trinken, bevor wir das kurze Stück zurück gingen und wieder dem Weg folgten.

Spätestens hier hatten wir aber nun den Eindruck, die Wegweisung würde sich deutlich verschlechtern. Dass einige der Schilder fehlten, dafür kann der Baldeneysteig nichts. Das sind einfach Idioten, die das machen. Aber auf dem folgenden Teilstück kamen einige Kreuzungen und Abzweigungen, an denen die Beschilderung schlecht sichtbar angebracht wurde. Oft fehlte auch ein Bestätigungsschild, dass man jetzt auf dem richtigen Weg unterwegs sei. Drei- oder viermal hintereinander mussten wir an kleineren Kreuzungen anhalten und in jede mögliche Gehrichtung genauer hineinschauen oder auch mal hineingehen, um herauszufinden, welcher Weg nun der Richtige sei. Das trübt ein wenig den Wandergenuss.

Michael Moll am Aussichtspunkt

Michael Moll am Aussichtspunkt

Auf dem Baldeneysteig in den Krupp-Wald

Bald unterquerten wir die Lerchenstraße und die Bahntrasse der S-Bahnlinie 6 zwischen Essen und Düsseldorf, als wir kurz darauf von hinten gerufen wurden. Wir dachten zunächst, wir hätten etwas falsch gemacht. Doch eine auswärtige Familie mit einem Reiseführer war etwas hilflos und wollte eine bestimmte Wanderung machen, die sie in ihrem Reiseführer gesehen haben. Allerdings fanden sie den Ausgangspunkt nicht und wollten uns gerne ein Stück begleiten. Wir erklärten ihnen eine andere Wegmöglichkeit, die sie dankbar annahmen. Witzig wäre es natürlich gewesen, wenn es eines meiner Reiseführer gewesen wäre. Wahrscheinlich hätten sie es gar nicht geglaubt, wenn ich ihnen gesagt hätte, dass ich der Autor des Buches gewesen wäre. Aber in diesem Fall war ich es ja auch nicht.

Die Sonne blinzelt durch die Blätter

Die Sonne blinzelt durch die Blätter

Gleich darauf zweigte der Baldeneysteig halblinks ab in den Kruppwald. Die Aufkleber hatte man hier wieder ein wenig ungünstig angebracht und außerdem mussten wir durch ein Drehkreuz hindurch. Ein Drehkreuz im Wald fanden wir kurios, aber man lernt ja nie aus. Gemütlich wanderten wir durch den Krupp-Wald bis wir an den Zaun des Hügelparks gelangten. Nun hieß es, im weiten Bogen den Park der Villa Hügel zu umrunden.

Rund um den Park der Villa Hügel

Vom Hauptgebäude der Villa Hügel selber sieht man eigentlich fast nichts. Das fanden wir aber auch nicht schlimm. Einerseits kennen wir sie natürlich schon von früheren Besuchen und andererseits beeindruckten uns die zahlreichen blühenden Rhododendren-Sträucher im sonst recht schattigen Wald viel mehr. Kurz darauf kamen wir an der Arnoldstraße aus, an der wir einfach mal auf dem Bürgersteig pausierten. Sitzbänke waren schon seit längerer Zeit Mangelware. Aber wie für uns gemacht, dreht über unseren Köpfen die Tante Ju, besser als Ju-52 bekannt, eine Runde. Sie machte gerade einen schönen Rundflug über die Villa Hügel, den wir wiederum von unten beobachten konnten.

Tante Ju kreist über dem See

Tante Ju kreist über dem See

Ju-52

Ju-52

Rhododendron im Kruppwald

Rhododendron im Kruppwald

An der Arnoldstraße gibt es eine weitere Möglichkeit, einen Abstecher einzulegen. Doch wir verzichteten auf den kleinen Umweg durch das Wohnviertel und nahmen den kürzeren Weg. Etwas unverständlich war der Umstand, dass es hier im Abstand von gerade einmal 100 Metern zwei Informationstafeln mit einer Übersichtskarte gab. Das hätte man sich doch wirklich sparen können. Dafür fehlte es anderenorts an Beschilderungen.
An einem inoffiziellem Nebeneingang zum Gelände der Villa Hügel wurden wir von drei jungen Chinesen angesprochen. Sie suchten den Eingang zum Areal und waren froh, dass wir ihnen das auf meinem und auf ihrem Telefon anhand der chinesischen Variante von Googlemaps zeigen konnten.

Ausgesetzte Schildkröten

Ausgesetzte Schildkröten

Der weitere Verlauf der Wanderung führte uns zur Bundesstraße 224, die zwei Mal überquert werden muss. Zwischendurch überwindet man wieder einige Höhenmeter und macht man einen kleinen Umweg um das dortige Wildgehege im Heissiwald. Anschließend gelangt man zu einem weiteren schönen Aussichtspunkt mit Blick auf Essen-Werden und auf das Stauwehr. An dieser Stelle hatten wir bereits mehr als 26 Kilometer hinter uns, was wir aber erst später anhand der Tracks sehen konnten. Das heißt, das eigentliche Wandersoll an Kilometern hatten wir bereits erfüllt.

Aussichtspunkt hinter dem Wildgehege Heissiwald

Nach dem Aussichtspunkt folgt aber nicht mehr viel. Man muss nur noch bergab, die B 224 wieder überqueren und am Ruhrufer zum Stauwehr gehen. Leider hat der Baldeneysteig hier den unrühmlichsten Teil seiner Beschilderung offenbart. Auf einem schmalen Pfad zweigte ein weiterer, noch schmalerer Pfad ab, während der „Hauptweg“ geradeaus in die Höhe führte. Auf den ersten Blick war hier kein einziges Schild zu erkennen. Erst, als wir wieder zurück zur Kreuzung gingen, sahen wir an dem richtigen Weg einen Ast, an dem ein kleiner Aufkleber angebracht war. Schlechter geht eine Wegweisung nun wirklich nicht. Ich habe es im Bild mal extra gezeigt. So sollte eine Wanderwegbeschilderung definitiv nicht aussehen:

Sehr schlechte Beschilderung

Sehr schlechte Beschilderung

Allgemeiner Eindruck vom Baldeneysteig
Der Wanderweg ist wirklich schön und es macht Spaß, die Strecke zu begehen. Auf Grund der Länge und der guten Verkehrsanbindungen kann ihn auch an zwei Tagen gemütlich erwandern. Meine Empfehlung wäre dann, von Essen-Werden aus bis Essen-Kupferdreh zu gehen und am dortigen Bahnhof die Tour für den nächsten Tag zu unterbrechen.

Aussichten
Es gibt zahlreiche Aussichtspunkte, vor allen Dingen auf der Nordseite, von wo aus man den besten Blick auf den Baldeneysee und auf die Landschaft hat. Die Nordseite ist deutlich mehr bewaldet, auf der Südseite gibt es im Bereich von Essen-Fischlaken mehr Landwirtschaft.

Ausblick zum Stauwehr Werden

Ausblick zum Stauwehr Werden

Straßen und Wegführung
An einem längeren Stück geht man ziemlich simpel am Ufer des Baldeneysees entlang. Das ist aber nicht schlimm, weil ein Teil des Weges durch ein tolles Vogelschutzgebiet führt. Den anderen Uferabschnitt sollte man einfach als Entspannungsübung zwischen den zahlreichen Aufstiegen betrachten.
An wenigen Stellen muss man Straßen überqueren oder entlang von Straßen wandern. Das lässt sich in einer Großstadt wie Essen nicht vermeiden. Im Verhältnis zur Gesamtstrecke sind das aber nur kurze Abschnitte. Als wirklich verbesserungswürdig halte ich die beiden Überquerungen der Maasstraße und der Hammer Straße. Diese sind meiner Meinung nach nicht ganz ungefährlich.
Auch verbesserungswürdig ist der Auf- bzw. Abstieg im Bereich Pörtingsiepen/Hardenbergufer. Hier wäre ein Seil sehr sinnvoll, um als Handlauf zu dienen. Alternativ könnte man den Bereich auch anders zugänglich machen, eventuell über einen zickzackförmigen Aufstieg.

Einkehrmöglichkeiten und Pausenplätze
Für uns sind Einkehrmöglichkeiten eher unwichtig. Dennoch waren wir auf Grund der Länge der Strecke froh, dass wir an zwei Kiosken unterwegs unseren Flüssigkeitsvorrat auffüllen konnten. Aber auch Speisemöglichkeiten sind entlang der Strecke mehr als genug vorhanden. Verhungern wird man auf dem Baldeneysteig auf keinen Fall.
Leider sind aber Rastplätze etwas spärlich gesät. Besonders an den Stellen, wo nur der Baldeneysteig verläuft und keine anderen touristischen Anziehungspunkte sind (zum Beispiel Hammer Straße, Fischlaken, Kruppwald), würden ein paar Sitzgelegenheiten für eine kurze Pause nicht schaden.

Villa Hügel vor Essen-Werden

Villa Hügel vor Essen-Werden

Beschilderung
Die Wegweisung besteht aus kleinen quadratischen Hinweisschildern mit der Aufschrift Baldeneysteig. An manchen Stellen zeigten die Schilder bereits Alterserscheinungen durch Ausbleichen der Sonne. Vermutlich wurden die Schilder nicht UV-beständig geordert. An anderen Stellen sahen sie so aus, als seien es günstig gehaltene Laminierungen. Leider wurden die Schilder an vielen Stellen bereits zerstört bzw. entfernt. Die Anbringung der Schilder war in vielen Fällen nur suboptimal. In einem Fall (siehe Foto weiter oben) wurde ein Hinweis hinter einem Abzweig angebracht, den man fast gar nicht sehen kann. Gerade in den Sommermonaten mit viel Blattwerk sind einige Schilder deutlich zugewachsen. Es wäre deutlich angebrachter, die Wegweisung an eigens dafür montierten Schilderpfosten anzubringen. Hier besteht dringend Nachbesserungsbedarf.

Sturmschäden auf dem Baldeneysteig

Sturmschäden auf dem Baldeneysteig

Eine Kilometrierung ist auf dem gesamten Baldeneysteig nicht vorhanden. Auch wenn es keinen klassischen Start- und Zielpunkt gibt, wäre es doch schön, wenn man wüsste, wie weit es noch bis zur nächsten Sehenswürdigkeit oder Einkehrmöglichkeit ist. Die Schilder dienen einfach nur dem Zweck der Richtungsangabe.

Schnecken am Wanderweg

Schnecken am Wanderweg

Fazit
Der Baldeneysteig hat mir gut gefallen. Sehr gut sogar. Es hat Spaß gemacht, die Runde zu drehen. Doch bei 26,7 Kilometer, so wie er ausgeschildert wird, sind es nicht geblieben. Selbst ohne die Abstecher, die noch möglich wären, kamen wir auf 29,1 Kilometer. Auch die Angabe der Höhenmeter (600 Hm) ist zweifelhaft. Laut meinem Track sind es mindestens 970 Höhenmeter gewesen, die wir überwunden haben.
Als erfahrener Wanderer und ich behaupte mal, dass wir mit mehr als 40 veröffentlichten Wanderbüchern und als zertifizierter Wanderführer, erfahren sind, merkt man dem Baldeneysteig schnell an, dass er kostengünstig erstellt wurde:

Die Wegführung verläuft ausschließlich auf bereits vorhandenen Wegen. Es wurden keine neuen Wege angelegt. Die Beschilderung ist günstig gehalten worden und erfolgte mit Aufklebern an bereits vorhandenen Pfosten und Bäumen. Ich habe ein bisschen die Befürchtung, dass dieser Weg im Zuge der Grünen Hauptstadt 2017 angelegt wurde, aber zukünftig kein oder nur ein minimales Budget zur Pflege des Baldeneysteigs zur Verfügung steht. Eine Beschilderung mit Kilometerangaben an eigenen Pfosten wäre eine deutliche Aufwertung des Weges. Und zur besseren touristischen Vermarktung könnte man sogar so etwas wie ein Stempelheft mit anschließender Wanderurkunde anbieten. Die Anzahl der gastronomischen Betriebe am Wegesrand geben so eine Stempelaktion mit Leichtigkeit her.

Der Baldeneysteig hat es auf jeden Fall verdient, besucht und auch gepflegt zu werden. Es ist nur schade, dass schon nach so kurzer Zeit Vandalismus betrieben wurde.

Hier noch mein Video vom Baldeneysteig in 4K-Auflösung:

Den GPS-Track für den Baldeneysteig gibt es als gpx-Datei bei uns im Reiseforum zum Download.

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